Montag, 14. August 2017

Mauerbau 13. August 1961


Wenige Tage nach Beginn des Mauerbaus machte mein Vater einige Fotos in Berlin - mehr in meinem zweiten Blog unter:

http://1913familienalbum.blogspot.de/2017/08/mauerbau-13-august-1961.html

Mittwoch, 26. Juli 2017

Radionutzung - Media Analyse 2017/II - alle Glücklich?


"Die ARD-Radioprogramme sind erneut klare Spitzenreiter im Deutschen Hörfunkmark", verkündete stolz am 11. Juli 2017 Karola Wille, ARD-Vorsitzende und Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). Am selben Tag meldete der größte Werbezeitenvermarkter privater Radioveranstalter, die Radio Marketing Service GmbH (RMS) in Hamburg, die von ihr vermarkteten Programme böten für Werbetreibende: "das reichweitenstärkste nationale Radionangebot im Werbemarkt". Anlass für diese Jubelarien sind die Ergebnisse der Radio Media Analyse (Radio MA 2017/II). Im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Mediaanalyse (AGMA)* wird zweimal jährlich per Telefonbefragung ermittel, welche Sender die Hörer in Deutschland einschalten. Diese Ergebnisse sind vor allem für die Werbewellen wichtig, denn auf dieser Basis werden die Schaltpreise für Radiowerbung festgelegt. 


Bei der Erhebungsmethode der AGMA gab es gegenüber dem letzten Jahr eine nicht unwichtige Veränderung. Wurde im Sommer 2016 auch die Hörernutzung von 10-13-Jährigen erfragt, wird jetzt wieder nur die Nutzung ab 14 Jahre abgebildet. Dies begründete RMS-Geschäftsführer Matthias Wahl: "Die Erwartungen in den Ausbau der Zielgruppe der 10-13 Jährigen wurde nicht erfüllt. Aufgrund vor allem der seitens der Kunden auferlegten Selbstverpflichtung, Kinder nicht mehr direkt ansprechen zu dürfen wurde (...) dieser Kompromiss beschlossen". Auf Nachfrage meinte ein ARD-Medienforscher, den Auftraggebern seien wohl vor allem die Kosten für die Erfassung der jüngsten Hörer zu hoch gewesen. Außerdem könnte es den Wellenchefs ganz recht sein, dass die Zahlen der jüngsten Hörer nicht mehr ermittelt werden. Vor einem Jahr hatte die MA 2016/II ergeben, dass gerade in dieser Altersgruppe die Radionutzung pro Werbestunde im Vergleich zu 2014 deutlich gesunken war. https://medienfresser.blogspot.de/2016/07/radio-mehr-horer-werbewellen-verlieren.html

Vergleicht man die aktuelle MA mit der vor einem Jahr, so stieg die Zahl der hier Lebenden um fast eine halbe Million auf jetzt rund 70 Millionen Menschen über 14 Jahre. Von ihnen hören fast 55 Millionen täglich zumindest ein Radioprogramm, ein Minus von 220.000 Hörer gegenüber dem Vorjahr**. Der Rückgang bei den Werbewellen - ARD und Private - war deutlicher. Sie erreichen täglich noch 48,2 Millionen Hörer, etwa 380.000 weniger. Werbefreie Informations- oder Kulturprogramme kommen laut MA auf etwa 7 Millionen Hörer am Tag. 


Für den Verkauf der Werbezeiten im Radio ist die in der durchschnittlichen Werbestunde (6--18 Uhr, Mo.-Fr) erzielte Hörerzahl wichtiger, als die Tagesreichweite.*** Von allen hier Lebenden (+14) schalten demnach etwa 20,5 Millionen ein Radio mit Werbung ein, ein Plus von 35.000 Hörern gegenüber der letzten MA vor sechs Monaten. Bei der für den Verkauf von Werbezeiten wichtigen Altersgruppe der 14-49-Jährigen kamen die Werbewellen aber schlechter weg. Hier wurden 10,2 Millionen Hörer erreicht, das sind 330.000 weniger als zuvor. Auch bei den 14-19Jährigen, sank der Zuspruch von 900.000 auf 880.000 stündliche Hörer. Das dürfte die Radiomacher deshalb beunruhigen, weil gleichzeitig diese Altersgruppe um über 110.000 Menschen auf 4,9 Millionen zugenommen hat. Das könnte daran liegen, dass gerade die Kids ihre Musik zunehmend online empfangen und dazu nicht Radioprogramme nutzen. Immerhin hören von den 4,9 Millionen 14-19-Jährigen täglich nur 65% Radio. Auf alle Einwohner über 14 Jahre bezogen sind es dagegen 78%, die täglich das Radio einschalten. Es bleibt fraglich, wie lange sich die Radiomacher darauf ausruhen können, dass von den Jüngeren, die ein Radioprogramm einschalten, täglich 92% eine Werbewelle hören. 
 
* Arbeitsgemeinschaft Media Analyse - Zusammenschluss von 210 Medien und Werbeunternehmen 
**Reichweite Montag-Freitag, Daten: ARD-Werbung
***Hörer pro Durchschnittsstunde Mo-Fr 6-18 Uhr, Daten: ARD-Werbung


Mittwoch, 21. Juni 2017

Flüchtlinge auf Chios 2017 - Europa lässt die Menschen im Stich




Der 20. Juni 2017 sollte in Geschichtsbüchern als Ende des europäischen Humanismus im 21. Jahrhundert vermerkt werden. Der von der UN an diesem Datum ausgerufene Weltflüchtlingstag ist zum Symbol der Heuchelei geworden.




Volissos Juni 2017
 „Ihr fahrt nach Chios? Da liest man doch so viele schlimme Sachen über die Flüchtlinge und die Auseinandersetzungen mit den Griechen!“ Das sagte mir Anfang Mai 2017 eine gute Freundin, als ich Ihr erzählte, dass wir – wie immer seit zehn Jahren – unseren Urlaub in einem kleinen Dorf im Nordwesten der Insel Chios verbringen werden. Für uns ist das kein Widerspruch, denn wir verschließen nicht die Augen vor der schwierigen Situation, die Inselbewohner wie Asylsuchenden immer mehr unter Druck setzt. Wir wollen uns nicht nur erholen, sondern von unseren Freunden auf der Insel erfahren, wie sie die Entwicklung beurteilen.

Katzen: im Dutzend billiger!








Was wir zu hören bekamen zeigte uns, wie eine Gesellschaft unter dem massiven Druck einer nicht Enden wollenden Wirtschaftskrise und der aussichtslosen Situation der Flüchtlinge schrittweise zerbricht. War vor drei Jahren noch die Einstellung unserer Freunde hauptsächlich von Solidarität und Mitleid für die Asylsuchenden geprägt, hörten wir diesmal oft ein Mix aus Vorurteilen und Ressentiments. „Der Islam will uns überrollen, das kann man doch überall sehen“, fürchtet sich eine Lehrerin, „Die Saison können wir völlig abschreiben, Touristen verlassen die Hotels, wenn dort Flüchtlinge wohnen und in ihren Räumen zu Allah beten“, behauptete ein Freund, der Zimmer auf der Insel vermietet. Noch vor einem Jahr hatte er nach einem Besuch des Flüchtlingslagers, in dem viele Kinder in Zelten im Schlamm leben mussten, spontan zwei Familien für einige Zeit in seinen Appartments untergebracht.

video

Ein inselbekannter Hotelier ließ der Neonazipartei Chrysi Avghi (Goldenen Morgenröte) Räume in seinem renommierten Hotel für eine Veranstaltung vermieten. Zunehmend gab es im letzten Jahr Angriffe auf Flüchtlinge. So wurden etwa von der Mauer der Zitadelle Steine und Brandflaschen auf das darunter liegende Flüchtlingscamp geworfen. Mitte Juni demonstrierten etwa 400 Inselbewohner am Stadtpark gegen die geplante Einrichtung eines weiteren Lagers für
Ein Platz für Flüchtlinge?!
Flüchtlinge. Es sollte eigentlich im Süden der Insel errichtet werden, als die Container dort hingebracht wurden, machten Anwohner die zentrale Verbindungsstraße unpassierbar. Nun soll das Lager für abgelehnte Asylbewerber in einer dünn besiedelten Region im Nordwesten gebaut werden. Weit von jeder Siedlung entfernt soll es auf einem karstigen Hochplateau entstehen - heiß im Sommer und regnerisch-kalt im Winter. Das Ziel ist klar: Abschreckung - denn die Flüchtlinge auf der Insel halten Kontakt mit anderen auf dem türkischen Festland. In der Folge ziehen sich auf Chios arbeitende Nichtregierungsorgranisationen teilweise zurück, sie haben ohnehin keinen freien Zugang zum Hauptlager im Südosten der Insel. Dort regiert die Polizei und was hier geschieht, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Waren kürzlich noch freiwillige Ärzte für die Versorgung zuständig, wurden sie jetzt durch Militärärzte ersetzt.  





video
Gesehen 2016 am Hafen von Chios
„Die Leute diskutieren hier nicht mehr, sie schreien sich nur noch an. Es gibt keine humanen Werte mehr in dieser Debatte“, meint resigniert ein Inselbewohner, der einst ins deutschsprachige Ausland ging, um dort zu studieren. Im Sommer vermietet er mit seiner Frau kleine Studios an Touristen, die oft schon jahrzehntelang kommen. Aber auch hier gab es einige, die ängstlich wurden und 2017 ihren Besuch stornierten. Wer für eine Flüchtlingsorganisation arbeitet, über den werden böse Gerüchte gestreut wie: „Der verdient da 3000 Euro im Monat und will jetzt auch noch Flüchtlinge in unserem Dorf ansiedeln“. In der Inselhauptstadt wurden mittlerweile Mitarbeiter von NGO's auch bedroht und angegriffen.

Vielen Inselbewohnern dienen die Probleme mit den Flüchtlingen als Blitzableiter für die insgesamt verfahrene wirtschaftliche Lage und ihren Frust, da sich nichts bessert. Da wirkt es, wie Öl ins Feuer gießen, wenn vor allem junge männliche Flüchtlinge zunehmend aggressiv auftreten. Sie setzen sich per Faustrecht im faktisch rechtlosen Raum der Lager durch, es kommt zunehmend auch zu Konflikten mit Anwohnern. Die Flüchtlinge sehen Chios als Sackgasse auf ihrem Weg nach Nordeuropa, die Griechen fühlen sich von der Regierung in Athen und von den reichen Staaten Nordeuropas im Stich gelassen – und das zu Recht.



Aber mit den Wahrheiten ist das so eine Sache, so spricht kaum jemand darüber, dass mancher auf der Insel von der Lage auch profitiert: „Es gibt hier schon einige Hoteliers, die gut an den von EU, Frontex, Polizei und UN entsandten Mitarbeitern verdienen.“ Einige Hotels waren im Winter gut gebucht, die Preise hatten das Niveau der Hauptsaison. Die Flüchtlinge müssen auch mit Essen und Trinken versorgt werden: "Viele Bäckereien machen guten Umsatz", räumt ein Gewerbetreibender in der Inselhaupstadt ein - Immerhin müssen täglich etwa 3500 Menschen versorgt werden. 

Insgesamt geht es nicht allen Chioten schlechter: „Die wirtschaftliche Entwicklung der Insel hat sich eigentlich verbessert und der Fremdenverkehr spielt auf Chios, verglichen mit anderen Inseln der Ost-Ägäis, keine so große Rolle",  betont eine Bekannte, die in der Branche arbeitet. Immerhin ist Chios als fünftgrößte Insel Griechenlands eine wohlhabende Region, viele der berühmten Reederfamilien haben hier ihre Wurzeln. Tausende Chioten wanderten im 20. Jahrhundert aus - vor allem in die USA und nach Australien. So mancher hat aber die alten Häuser der Familie auf der Insel behalten, im Sommer hört man an den Stränden einen Sprachmix aus Griechisch und Englisch. Vor allem ehemalige Seeleute verbringen ihren Lebensabend in der alten Heimat. Reiche Chioten bevorzugen die Nachbarinsel Inousses: "Da gibt es natürlich keine Flüchtlingslager" sagt unsere Freundin und lächelt vielsagend.



Zerstören die Flüchtlinge den Tourismus?


Ruinieren die Flüchtlinge also den Fremdenverkehr auf der Insel, wie es manche unserer Freunde behaupten? Die Realität ist komplizierter:"Viele der Probleme des Tourismus auf Chios sind hausgemacht", betonen Insider. Mangelhaften Planung und Koordination, lange bevor die ersten Flüchtlinge kamen, bestimmten die Situation. Und hinter vorgehaltener Hand wird kritisiert, es säßen nicht unbedingt die fähigsten Leute an den Schalthebeln der Tourismusverwaltung. Ähnliche Erfahrung machten auch wir bereits 2011 bei den Recherchen für unseren Reiseführer (Müller-Verlag). „Die verschiedenen Machtgruppen der Insel wollen alle ein Stück vom Kuchen und sie torpedieren lieber eine gute Idee, als dass ein Konkurrent mehr abbekommt,“ schimpft ein Vermieter, der die Szenerie kennt. So wurden Stände auf Tourismusmessen in Deutschland gebucht, ohne dass ein Konzept für die Öffentlichkeitsarbeit vorlag. Nie war es möglich, dort Pressekonferenzen oder PR-Events zu organisieren, da in der Regel erst kurz vor Messebeginn geklärt werden konnte, ob Chios vertreten sein wird. Wir entdeckten mehr durch Zufall eine deutschsprachige Werbebroschüre der Tourismusverwaltung, deren Übersetzung wohl per google-translate vorgenommen wurde. Dabei waren wir dort bekannt, aber keiner bat uns um Hilfe. Diese Peinlichkeit konnte gerade noch vor einer Messe aus dem Verkehr gezogen werden, das Geld dafür war verschwendet worden.

Im Juni konnte man auf einem Onlineportal erfahren, dass ein Verantwortlicher der Inselverwaltung auf Kreuzfahrt-Tourismus als Einnahmequelle setzt. Wie sieht die Wirklichkeit aus? Ein Schiff mit 4000 Touristen legt für acht Stunden im Hafen der Hauptstadt an. Das wirtschaftliche Prinzip der Veranstalter lautet: Die Passagiere geben ihr Geld bei uns aus! Wer all-inclusive lebt, lässt bei einem Bummel in der Hauptstadt höchstens ein paar Euro für einen Snack oder Souveniers hier. Einige Busunternehmen und Taxis machen den schnellen Euro mit Touren zu den Sehenswürdigkeiten der Insel - zur Essenszeit am Abend sind alle wieder brav an Bord. Dann legt das Schiff ab und fährt zur nächsten Insel – sehr fraglich, ob von ihnen einer sein Herz für Chios entdeckt hat und wiederkommt. Vor ein paar Jahren geisterte die Schnapsidee durch die Köpfe der politisch Verantwortlichen, einen eigenen Groß-Anleger für Kreuzfahrtschiffe außerhalb des Hafens zu bauen – glücklicherweise wurde nichts daraus.



Das größte Problem für Touristen ist, dass der Flughafen zu klein ist, direkt kann man die Insel aus Deutschland oder Österreich nicht anfliegen und das hält Leute vom Besuch ab, wie ich auf Messen immer wieder zu hören bekam. Nun soll der Flughafen ausgebaut werden – aber das löst nur eines der Probleme. Das Tourismuszentrum der Insel, der Ort Karfas, ist eine chaotische Ansammlung von Hotelanlagen an einer Steilküste mit schmalem Sandstrand. Hier wurden Hotels und Appartementanlagen planlos an den Hang gesetzt. Am Strand verschandelt seit Jahren die Ruine einer geschlossenen Großtaverne die Aussicht, daneben verrottet ein alter Bau, der renoviert durchaus ein Schmuckstück sein könnte. Es gibt nur eine kleine Strandpromenade, wer die Küste entlang wandern will, muss auf die Fahrstraße ausweichen – es wurde nie ein regionalplanerisches Gesamtkonzept entwickelt.

Endlich wieder ein Insel-Kino
Aber es gibt Lichtblicke: Seit Jahren arbeitet ein befreundeter Grieche an den alten Handelswegen, die noch aus byzantinischer und osmanischer Zeit stammen. "Das machen wir alles selbst mit Freiwilligen, auf die staatlichen Stellen darf man nicht setzen, denen geht es nur um ihre eigenen Interessen", wettert Georgios, der lange in Deutschland als Lehrer gearbeitet hat. Junge Leute nutzen die digitalen Medien, um für Chios zu werben, überall gibt es kulturelle Events für die Inselbewohner. Erstmals seit vielen Jahren wurde wieder in der Inselhauptstadt ein Kino eröffnet. Kulturelle Aktivitäten gibt es in den kleinsten Orten, sie entstehen oft auf Initiative einzelner. So wie bei der Lehrerin, die in Volissos mit gerade mal  300 Einwohnern ihre Schüler dazu brachte, das Molière-Stück: "Der Bürger als Edelmann"  einzustudieren und es dann auf dem Dorfplatz aufzuführen. 

Spezielle Reiseagenturen und Anbieter von restaurierten Dorfhäusern werben um Touristen, die Ruhe, Natur und griechisches Lebensgefühl suchen. Diese Menschen sind es, auf die wir die Hoffnung setzen, dass Chios nicht zu einer Touristen-Fabrik wie Rhodos oder Kreta degeneriert. Aktuell hält man sich auf der Insel vor allem mit Besuchern der nahegelegenen Türkei über Wasser, per Fähre kommen vor allem Wohlhabende zu einem Wochenendtrip auf die Insel - seit ein paar Jahren findet man an Restaurants auch türkischsprachige Speisekarten. "Klar, der Putschversuch und Erdoghan haben die Situation nicht einfacher gemacht, aber ohne die Gäste vom Festland wären wie schon längst am Ende", sagt eine Tavernenbesitzerin im Süden der Insel. Stolz sind wir auf die Freunde, die sich trotz aller Angriffe weiterhin für Flüchtlinge engagieren - sei es als Anwalt oder als Betreuer eines Flüchtlingscamps.

 

Europa muss aufhören wegzusehen!



Antihumanistischer Schutzwall Europas
Hauptverantwortlich für die Lage auf Chios sind aber wir, die Staaten Nordeuropas. Wir wehren uns mit allen Mitteln – auch unsauberen – gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge und pferchen sie auf den Ägäis-Inseln in unmenschliche Lager. Die Bundesrepublik bremst die Zusammenführung getrennter Familien und die griechischen Behörden verschleppen deshalb die Bearbeitung der Anträge. Der Deal mit Athen ist offensichtlich: Wir kommen Euch bei den Schulden entgegen und Ihr haltet uns die Flüchtlinge vom Hals – zumindest bis nach der Bundestagwahl im September 2017 



Die 12 Millionen Flüchtlinge und Millionen ‚displaced persons’ die nach 1945 ins zerstörte Rest-Deutschland kamen, wurden auch nicht mit offenen Armen empfangen. Aber damals herrschte überall Zerstörung und Mangel. Und Heute? Die wirtschaftlich prosperierenden Länder Europas wählen die Barbarei, um Menschen abzuhalten, die ihre Chance auf Glück und ein menschliches Leben suchen. Die Banken und ihre faulen Kredite sind für uns wertvoller, als Menschlichkeit.



Und wir sollten gewarnt sein, so wie unsere Gesellschaft und ihre politischen Führer mit den Asylsuchenden umgehen, so machen sie es auch mit den Armen im eigenen Land. Gerade das Beispiel Großbritannien zeigt, wie sich reiche Gesellschaften gegenüber Schwachen auch ideologisch barbarisieren. Bei uns terrorisiert das Hartz-IV-System die Ausgesonderten - aber wen kümmert es? Lieber macht man bei uns die Flüchtlinge für die Versäumnisse unserer Regierung verantwortlich. Griechenland, deren Reiche unverdrossen mit Hilfe internationaler Banken ihre Schäfchen ins trockene bringen, ist überall!




Aber: Im Oktober werden wir wieder nach Chios reisen, uns mit unseren Freunden streiten und feiern, ihre Gastfreundschaft genießen und die Schönheit der Insel.

Montag, 22. Mai 2017

AfD - Kulturzerstörer




Öffentlich tritt die Alternative für Deutschland (AfD) als Bewahrer der deutschen Kultur auf. Ein Blick in den Entwurf ihres Parteiprogramms belehrt aber eines Besseren. In Punkt 7.5 (S.48) finden sich Forderungen „für eine zeitgemäße Medienpolitik“t. Dabei reduziert sich für die AfD Medienpolitik auf die Abschaffung des Rundfunkbeitrags. Die AfD will das Ende eines der gesamten Gesellschaft verpflichteten Rundfunks wenn sie fordert: "Dessen Zwangsfinanzierung ist umgehend abzuschaffen und in ein Bezahlsystem umzuwandeln. (...) Der Empfang wird verschlüsselt bzw. passwortgeschützt, sodass nur freiwillige Zahler über einen Zugang verfügen." Als Folge werde somit der öffentlich-rechtliche Rundfunk „zu einem Bürgerrundfunk, welches* ausschließlich von seinen zahlenden Zuschauern und nicht mehr von der Politik abhängig ist." Künftig habe sich dieser Bürgerrundfunk dann "auf wertvolle Inhalte wie hochwertige Berichterstattung, Bildung, Kunst und Kultur zu konzentrieren und darf kostspielige Unterhaltung nur noch dann bieten, wenn er auch die notwendigen Einnahmen dafür erzielt."

Welche Folgen hätte die Umsetzung dieser Forderung der AfD für das Kultur- und Informationsangebot


Die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten (ARD, ZDF, Deutschlandfunk) erhalten jährlich 7,8 Milliarden Euro aus der monatlich fälligen Rundfunkabgabe (17,50€), die jeder Haushalt sowie Wirtschaftsbetriebe und karitative Einrichtungen entrichten müssen. Von diesen Einnahmen erhalten die in der ARD zusammengeschlossenen Rundfunkanstalten jährlich 5,6 Mrd €, das ZDF knapp 2 Mrd € und das Deutschlandradio 218 Mio

Täglich schalten von 72,5 Millionen Einwohnern Deutschlands etwa 56,6 Millionen ein Radioprogramm ein - Öffentlich-Rechtliche wie Private. ** Die Programme der ARD-Anstalten erreichen dabei rund 38,2 Millionen tägliche Hörer (68%). Betrachtet man die ARD-Kultur- und Informationsprogramme, so schalten diese täglich knapp 8 Millionen Menschen ein – also etwas mehr als ein Fünftel aller Hörer öffentlich-rechtlicher Programme. Dabei kosten Kultur- und Informationsprogramme die Rundfunkanstalten, im Verhältnis zu der erreichten Hörerzahl, ein sehr hohen Anteil des Radio-Budgets.

Beispiel Südwestrundfunk (SWR): Der Sender für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz gibt für sein Kulturradio SWR 2 mehr aus, als für die anderen Hörfunkprogramme des Senders zusammen. Ein vielfältiges und umfassendes Angebot, bestehend aus Hörspielen, Features, Konzerten und Berichten der Korrespondenten aus aller Welt, kostet deutlich mehr, als eine Popwelle oder ein Schlagerradio mit News-Schnipseln. Der SWR beschäftigt eigene Orchester, die überall im Sendegebiet auftreten und ohne die eine vielfältige Kulturlandschaft im Südwesten unmöglich wäre. Alle SWR-Programme werden täglich von 7,6 Millionen Hörern im Sendegebiet genutzt - das Kulturprogramm SWR 2 erreicht dabei 300 000 Menschen - also gerade einmal 4% aller SWR-Hörer. Müsste der SWR sein Kulturradio künftig alleine aus Abonnements seiner Hörer finanzieren, stünde  das Programm vor dem Aus. Nur durch die Quersubventionierung aus Mitteln der Rundfunkabgabe aller Hörer, kann so ein Kulturprogramm produziert werden. 


Insofern verschleiert die Forderung der AfD, das Programmangebot der Öffentlich-Rechtlichen solle sich auf "wertvolle Inhalte (...) Bildung, Kunst und Kultur" konzentrieren, die wahren Folgen. Genau das ist über ein Abo-System nie und nimmer leistbar. Vor allem ältere und einkommensschwächere Hörer würden damit von Kultur und anspruchsvollen Programmangeboten faktisch ausgeschlossen. Lächerlich ist auch die Forderung der AfD, die Öffentlich-Rechtlichen dürften kostspielige Unterhaltungssendungen nur produzieren, wenn sie aus den erzielten Einnahmen gedeckt werden könnten. Genau die Fußballspiele, Samstagabendshows oder TV-Tatorte könnte die ARD so refinanzieren, denn sie haben große Zuschauermarktanteile - Kulturangebote, Informationssendungen dagegen nicht. 

Fazit: Die Pläne der AfD würden Deutschland in eine Kulturwüste verwandeln!


 * Fehler im Original
** alle Daten Radio Media Analyse - siehe www.ard-werbung.de


Sonntag, 9. April 2017

Stell Dir vor, Zeitungen verschwinden - und niemanden kümmert's...


Was waren dass noch für Zeiten, als man unter dem Slogan: "Enteignet Springer!" ganze Demonstrationen anführen konnte. Damals galten BILD und WELT als politische Scharfmacher und es wurde öffentlich über das Verschwinden der Meinungsvielfalt gestritten - lang ist's her. Und heute? Reizfiguren wie Axel Springer gibt es in der Zeitungslandschaft nicht mehr, die Verlage werden von renditefixierten Managern - den Herren des Morgengrauens -  gesteuert. Der Springer-Verlag hat sich von seinem Tageszeitungs-Imperium größtenteils getrennt und engagiert sich lieber im Internet mit Kauf- und Urlaubsportalen. 

Da drüben sitzen die Mächtigen....
Kritische Öffentlichkeit über die Verödung bei lokalen Medien gibt es kaum noch. Umso verdienstvoller ist die Arbeit des Formatt Instituts in Dortmund, das seit Jahrzehnten unter Leitung von Horst Röper die Entwicklung kritisch verfolgt. Alljährlich präsentiert er in der Fachzeitschrift Media Perspektiven umfangreiche Analysen und Schaubilder zur Pressekonzentration in Deutschland. Am 3. April 2017 referierte Röper in Stuttgart über die Entwicklung des Pressemarktes auf einer Veranstaltung der Gewerkschaft Verdi. Der Tagungsraum im DGB-Haus gab aus seinen Fenstern den Blick frei auf das gegenüber liegende Haus der Wirtschaft. In dem neoklassizistischen Bau, regieren die, die wirklich das Sagen im Ländle haben - die Unternehmer. 

Röper erklärte anhand eines dafür erstellten Schaubildes die Entwicklung der Südwestdeutschen Medien Holding GmbH (SWMH), die den Zeitungsmarkt in Württemberg und anderswo beherrscht. 

Die SWMH gehört vier Verlags- und Mediengruppen: 
  1. Gruppe württembergischer Zeitungsverleger (33,2%)
  2. Medien Union GmbH Ludwigshafen (47,5%)
  3. Ruth Aberle (7,4%)
  4. Ebner Presse KG Ulm (11,9%)
Zur SWMH gehören diverse schwäbische Lokalzeitungen, die beiden Stuttgarter Blätter (Stuttgarter Zeitung - Stuttgarter Nachrichten), die Rheinpfalz in Ludwigshafen, die Südwestpresse Ulm sowie der Süddeutsche Verlag in München mit der bundesweit rennomierten Süddeutschen Zeitung, sowie diversen Fachzeitschriften. Die SWMH ist auch im kommerziellen Rundfunk sowie bei Anzeigenblättern und technischen Druckbetrieben aktiv. 

Horst Röper - Chef von Formatt
Für Röper ist die SWMH - obwohl wenig bekannt - ein big player im deutschen Zeitungsmarkt. Immerhin erreichen die Tageszeitungen der Gruppe mit täglich 1,6 Millionen Zeitungen (600 000 in Baden-Württemberg) bundesweit 11,8% Marktanteil. Dahinter rangiert die Funke-Mediengruppe (WAZ-Gruppe) mit 1,2 Millionen Exemplaren (9,3%), gefolgt von Madsack in Hannover mit 937 000 (6,3%) und dem DuMont Verlag in Köln mit 852 000 (4,3%) Tageszeitungen.  

Diese Verlagsunternehmen produzieren dabei nicht nur ihre Lokalzeitungen. Zu ihrem Portfolio gehören Anzeigenblätter, Rundfunkbeteiligungen, Online-Ableger wie drucktechnische Bereiche und Vertriebsunternehmen und hier setzt man auf Synergie. Im Gegensatz zu Madsack, das überall im Bundesgebiet Zeitungen aufkaufe, sei man bei der SWMH bestrebt, Verbreitungsgebiete im Südwesten zu arrondieren, so Röper. Mit der Übernahme des Süddeutschen Verlags in München sei die SWMH aber auch in Bayern und Thüringen aktiv. Kritisch beurteilte der Wissenschaftler aus Dortmund, dass die SPD-Medienholding  - mit 30% am Mutterhaus der Süddeutschen beteiligt - gegen die Konzentrationsbestrebungen der SWMH nichts einzuwenden habe. 

Mit der aktuellen Novellierung des Kartellrechts werde der Zeitungsmarkt weiter dereguliert, die Kooperation zwischen Verlagen erleichtert. Das sah Röper aber nicht so dramatisch, denn eigentlich legitmiere dies nur, was lange schon Praxis zwischen den Verlegern sei. So hätten die Unternehmen das Verbot gemeinsamer Vertriebsstrukturen etwa damit unterlaufen, dass sie sich gegenseitig mit der Auslieferung ihrer Presseerzeugnisse zu beauftragen: "Heutzutage steckt doch ein Zeitungsausträger die Erzeugnisse konkurrierender Verlage in den Briefkasten." Auch der Austausch von Zeitungsmänteln sei jahrelang genauso Praxis, wie die gemeinsame Nutzung von Auslandskorrespondenten. 

Also alles halb so wild? Am Beispiel des Regierungsbezirks Düsseldorf zeigte Röper, welche Folgen die zunehmend Kooperation und Konzentration im lokalen Zeitungsmarkt für den Leser habe. So würden etwa Lokalnachrichten einheitlich für konkurrierende Blätter von Mini-Redaktionen produziert. Der Redakteur wisse eigentlich nicht mehr, für welche Zeitung er da schreibe. Die Konzentration gerade im lokalen Journalismus wachse, aber die Politik schaue nur zu und überlasse die Sicherung der Medienvielfalt bei Printmedien alleine dem Markt, kritisierte der Medienforscher. Dabei könne man mit Stiftungen oder anderen Formen öffentlicher Förderung etwas für die lokale Medienvielfalt tun. Röper verwies in diesem Zusammenhang auf Skandinavien, alleine in Schweden fördere man mit jährlich rund 75 Millionen Euro die lokal-regionale Medienlandschaft. Außerdem ermögliche das Internet eine Wiederbelebung der Berichterstattung vor Ort. So gebe es in Nordrhein-Westfalen mittlerweile rund 100 verschiedene lokale Info-Websites. Eines ist aber für Röper klar: "Ohne öffentliche Mittel ist eine Vielfalt im Journalismus nicht zu erreichen!"

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, einfache Lösungen gibt es nicht. So wies Siegfried Heim, Landesfachbereichsleiter der Gewerkschaft Verdi darauf hin, größere mediale Einheiten könnten auch besserer Recherchebedinungen mit sich bringen. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass kleinere Tageszeitungen ohne Zusammenschluss auf der Strecke bleiben könnten. Kritisch merkte er an, die Grün-Schwarze Landesregierung scheue das Thema Medienkonzentration im Südwesten. Zwar habe man im Koalitionsvertrag einen "Runden Tisch Medienvielfalt" angekündigt worden: "Aber bisher ist da nichts geschehen", so Heim. 

Auf die sinkenden Auflagen, die Abwanderung des Anzeigengeschäfts der Tageszeitungen in das Internet und rückläufige Verlags-Renditen angesprochen, betonte Röper, trotzdem seien Printmedien ein lohnendes Geschäft. Schließlich würden auch heute durchschnittliche Renditen von 6% erwirtschaftet. Röper räumte aber ein, dazu lägen belastbare Daten über die Ertragssituation der Verlage nicht vor - Bilanzen würden dazu nicht ausreichen. Er war sich aber sich, die heute üblichen Renditen seien zwar, verglichen mit den Zeiten zweistelliger Gewinnraten gesunken, im Vergleich mit anderen Branchen aber immer noch attraktiv. Wahr sei auch, dass sich die Einnahmestruktur: Ein Drittel Verkauf, Zwei Drittel Werbeeinahmen mittlerweile völlig gedreht habe. Die Verkaufspreise weiter anzuheben habe aber angesichts sinkender Bereitschaft für ein Abonnement Grenzen. Diese würden immerhin rund 90% der Vertriebseinnahmen der Tageszeitungen ausmachen. Der Einstieg in das digitale Mediengeschäft ist für Röper überlebenswichtig, manche Verlage hätten dies allerdings zu spät in Angriff genommen. Verlagsunternehmen wie etwa Axel Springer würden mittlerweile im Onlinebereich mit Produkten Geld verdienen, die mit Medien oder Journalismus nichts mehr zu tun hätten. Mit ihren digitalen Medienageboten würden nur Premium-Marken (SZ oder Spiegel) heutzutage wirklich Geld verdienen, bei regionalen Verlagen sei ihm keiner Bekannt, der Online schwarze Zahlen schreiben würde - sagte Röper. Trotzdem sei das Engagement auch für lokale Zeitungen wichtig, denn Jüngere würden sich sehr wohl für Informationen aus ihrer Region interessieren - nur eben nicht per Zeitung, sondern im Internet. 

Der DGB-Bau im Spiegel der Wirtschaft....
Röpers Fazit: Die Strategie der SWMH sei nachvollziehbar, durch Kostenreduktion mittels Zusammenlegung von Redaktionen und Konzentration der technischen- und verwaltungsbezogenen Ressourcen Renditen erzielen Durch die Zusammenlegung etwa der lokalen Redaktion der Stuttgarter Zeitung und der Nachrichten, könnten so kurzfristig die Stückkosten halbiert werden. Was das für die Meidenvielfalt bedeute stehe auf einem anderen Blatt. Es gebe weitere Strategien der Kostenreduktion, so könnten einzelne Blätter ihren Erscheinungsrhytmus reduzieren - künftig nicht mehr 6 Tage die Woche erscheinen, sondern auf 3-4 Tage wechseln. Für die Gewerkschafter war klar, man müsse dafür eintreten, dass nicht alles auf Kosten der Arbeitnehmer in den Verlagen gehe.

Fazit: Die Konzentration der Medien schreitet weiter voran, Synergieeffekte nutzen heißt die Devise und damit auch Personal abzubauen oder durch schlecht bezahlte Mitarbeiter zu ersetzen. Eine gesellschaftliche Debatte über die Folgen findet nicht statt und die Gewerkschaften ziehen sich darauf zurück, um die Arbeitsplätze der Beschäftigten in den Medienunternehmen zu kämpfen.   










Mittwoch, 5. April 2017

Internet-Geschwindigkeit - Wer glaubt schon dem Tacho?


Flitzer oder Lahme Ente?
Jeder Käufer eines Autos kennt das, auf dem Tachometer steht die erreichbare Höchstgeschwindigkeit. Man ahnt natürlich, das Fahrzeug wird nie so schnell fahren wie es der Tacho verspricht - aber es sieht ja so gut aus... Würden die Auto-Hersteller verpflichtet, auf ihren Tachometern die real erreichbare Geschwindigkeit anzugeben - etwa anstatt 220 Stundenkilometer nur 130 kmH, öffentlicher Hohn und Spott sowie Proteste von ADAC bis zu den Verbraucherzentralen wäre ihnen sicher. Mancher Kunde würde vor Gericht ziehen und nicht wenige die Marke wechseln. Ein massiver Imageverlust wäre die Folge - Wer zahlt schon r einen Flitzer, wenn er nur eine lahme Ente bekommt? Genau so aber ergeht es aber seit Jahren den Nutzern des Internets. In den Anzeigen der Printmedien und ihren TV-Spots werben die Anbieter mit hohen Übertragungsraten. Im 'Kleingedruckten' wird dann erklärt, die Datenmenge hänge von den örtlichen technischen Bedinungen ab. Schamlos kassieren dagegen die Online-Anbieter aber von ihren Kunden den vollen Preis und nicht etwa nur für die real zur Verfügung gestellte Internet-Geschwindigkeit. 

Am 27. März 2017 veröffentlichte dazu die Bundesnetzagentur, eine Behörde des Bundes zur
Weiß man, wieviel hier ankommt?
Überwachung der Infrastruktur in Deutschland, erstmals den
"Jahresbericht Breitbandmessung". Fazit: "Die Hälfte der Nutzer (...) erreicht bei allen betrachteten Anbietern mindesten 60% der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate." (S.8) Zufrieden mit den Ergebnissen war Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur wohl nicht, in einer Pressemitteilung seiner Behörde betonte er:
Über alle Bandbreitenklassen und Anbieter hinweg erreichen Kunden oft nicht die maximale Geschwindigkeit, die ihnen in Aussicht gestellt wurde.  

Wieviel Power gibt's wirklich?
Insgesamt liefen zwischen September 2015 und September 2016 mehr als 398 000 freiwilligen Messungen stationärer Breitbandanschlüsse (Telefonleitungen und Breitbankabel) bei der Netzagentur ein. Davon wurden die Daten von mehr als 106 000 Messungen als Valide Ergebniise ausgewertet. Jeder Internetkunde konnte am Messverfahren teilnehmen und die Geschwindigkeit seines Anschlusses überprüfen lassen - das geht übrigens jetzt noch über die Homepage der Bundesnetzagentur unter https://breitbandmessung.de/.

Für die mobile Internetversorgung wurden außerdem die Ergebnisse von 53 600 Messvorgängen ausgewertet. Beim mobilen Internet lagen laut Bundesnetzagentur die Übertragungsraten "deutlich unter dem von stationären Breitbandanschlüssen." (S.9) Weniger als ein Drittel der Mobilkunden konnten demnach gerade einmal die Hälfte der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate abrufen. "Die Hälfte der Nutzer (...) erhielt bei allen betrachteten Anbietern mindestens 20% der vertraglich vereinbarten maximalen Datenübertragungsrate". 

Nach der Veröffentlichung kam sofort Kritik an den Ergebnissen von den Online-Anbietern. Sie monierten vor allem, dass die Ergebnisse nicht repräsentativ sein, da sie auf freiwilligen Messungen basierten. So meinte ein Vertreter der Telekom nur knapp gegenüber dem Handelsblatt (23.3.17): "Insgesamt halten wir die Erhebung nicht für repräsentativ." Auf diese Kritik angesprochen, sagte am 3. April der bei der Bundesnetzagentur für den Bereich Telekommunikation zuständige Pressesprecher, man habe mit dieser Methode endlich "echte Meßergebnisse erhalten wollen". Durch die freiwilligen Tests der Nutzer habe man erfahren, wie hoch die beim Online-Kunden ankommende Leistung wirklich sei. 

Die Ergebnisse der Messungen wurden von der Bundesnetzagentur für Anschlüsse mit unterschiedlich vereinbarten Bitraten aufbereitet. "Kunden mit hochbitratigen Anschlüssen sind häufiger in der Stichprobe vertreten, als bei einer Zufallsauswahl zu erwarten gewesen wäre. Demgegenüber war die Teilnahmemotivation bei Kunden der  unteren Bandbreitenklasse offenbar geringer." (S. 53) Vielleicht lag das auch daran, dass die Möglichkeit einer Online-Messung seines Internetanschlusses nicht ausreichend öffentlich bekannt war.

Ärgerlich am Bericht der Bundesnetzagentur ist, er bietet weder aktuelle Daten über die Gesamtzahl der Onlineanschlüsse, noch über ihre Verteilung auf die verschiedenen Verbreitungstechniken: Telefon, Kabel, Strohmleitung und Mobilfunk. Darauf angesprochen, verwies der Vertreter der Bundesnetzagentur auf den im Mai erscheinenden Jahresbericht seiner Behörde. Noch 2013 veröffentlichte die Bundesnetzagentur einen  Bericht zur Internet-Dienstequalität mit entsprechenden Zahlen*. Damals nutzten das Telefonnetz über 86% der Internet-Kunden, während per Kabel nur 13%, online gingen. Das mobile Internet spielte damals mit 1% noch keine Rolle. Mittlerweile dürfte sich die Situation gerade bei der mobilen Internet-Nutzung durch den  Boom der Smartphones deutlich verändert haben



Laut dem aktuellen 'Breitbandreport' der Stuttgarter Ehninger AG**, gab es Ende 2016 insgesamt mehr als 31,5 Millionen*** stationäre Internetanschlüsse in Deutschland (Telefon- Strohmleitung oder Kabelzugang). Marktführer war dabei die Telekom mit über 12,9 Millionen Kunden, gefolgt von Vodafone mit 6,1 Millionen, 1&1 mit 4,4, Millionen, Unitymedia mit fast 3,3 Millionen, O2 mit 2,1 Millionen und Tele Columbus mit etwas mehr als einer halben Million Kunden. Dabei bieten die Telekom, 1&1 sowie O2 Internetanschlüsse nur per Telefonleitung an. Vodafone versorgt seine Online-Kunden dagegen über Telefon- oder Kabel, während Unitymedia und Tele Columbus nur das Breitbandkabel anbieten. 


Prozentual steht die Telekom (41%) damit an der Spitze, gefolgt von Vodafone (19%), 1&1 (14%), Unitymedia (10%) sowie O2 (6,7%), Tele Columbus (1,6%), den Rest teilen sich kleinere Versorger (6,9%).


Hauptursache für die dürftigen Bitraten der Internetanbieter dürfte der weiterhin eher  schleppende Ausbau der Glasfaserkabel sein. Allerdings zeigte sich laut den Messergebnissen der Bundesnetzagentur, dass auch in der höchsten
Kabel erfüllt auch nicht alle Wünsche...
Geschwindigkeitsklasse zwischen 200-500 MB die gebotene Lesitung am Abend deutlich abfällt. Diese Geschwindigkeitsklasse bieten vorwiegend Kabel-Anbieter ihren Kunden. 


Einige Politiker reagierten auf die Ergebnisse der Budnesnetzagentur. So forderte etwa die bei den Grünen für das Thema zuständige Abgeordnete Tabea Rößner****, die Politik müsse die Anbieter in die Pflicht nehmen, Mindestbandbreiten und Bußgelder bei Verstoß dagegen erlassen. Diese Forderung verhallte bisher aber folgenlos. Dabei bestünde die Möglichkeit, dies in der nach Ostern im Parlament zu verabschiedenden Novelle zur Telekommunikationsordnung (TKG) einzufügen.

Wahrscheinlich verlassen sich die Internet-Anbieter darauf, dass so richtiger Protest bei ihren Kunden nicht aufkommt. So gab nämlich bei der Untersuchung der Bundesnetzagentur die Mehrheit der Festnetzkunden (65%) sowie auch der Mobilen Internetnutzer (82%) an, mit den Leistungen ihres Anbieters zufrieden zu sein.

*https://medienfresser.blogspot.de/2013/10/schnelles-internet-davon-kann-otto.html






** https://www.dslweb.de/breitband-report-deutschland-q3-2016.php
*** Inklusive Haushalte die Internet per Stromleitung als Empfangstechnik nutzen
****www.golem.de

Dienstag, 28. März 2017

SWR: Frauen in Führungspositionen - Parität in 20 Jahren - Eventuell...


Erstmals seit zehn Jahren präsentierte der Südwestrundfunk (SWR) am 24. März in
Gleichberechtigt zumindest an der SWR-Garderobe
Stuttgart
dem Rundfunkrat die Ergebnisse der neuesten Studie zur Chancengleichheit für Frauen. Dabei kam es zu einer engagierten Debatten in der öffentlichen Gremiensitzung - was wirklich nicht oft vorkommt. Bezeichnend war allerdings, dass von den etwa 20 Diskussionsbeiträgen nur zwei von Männern beigesteuert wurden. So verwunderte es auch nicht, das zu Beginn der Powerpoint-Präsentation der Ergebnisse durch die Gleichstellungsebauftragte, Angela Sterzenbach, im Saal erst einmal Unruhe aufkam. Manche begannen miteinander zu plaudern - darunter auch Frauen - andere widmeten sich ihren Mails im Laptop oder fuhrwerkten auf ihrem Smartphones herum - zumeist die Männer.


Junge Besucher im SWR - wenn sie Groß sind gibt's vielleicht eine Intendantin?!
Innerhalb der letzten zehn Jahre ist der Frauenanteil der Festangestellten von 1460 (39%) auf 1703 (46,5%) gestiegen. Beschäftigte der SWR im Jahr 2006 noch 2318 Männer, sank die Zahl mittlerweile auf 1962 Festangestellte. Betrachtet man außerdem die Freien- und Festfrei beschäftigten Mitarbeiter, dann wurde bei den insgesamt 1793 Personen mittlerweile die Parität erreicht, betonte Verwaltungsdirektor Jan Büttner. Der SWR also auf einem guten Weg zur beruflichen Gleichberechtigung? Ein Blick auf die Chancengleichheit bei Führungspositionen - ab Redaktionsleiter aufwärts - fällt eher ernüchternd aus. So stieg innerhalb der letzten Dekade der Anteil von Frauen zwar von 44 auf jetzt 101 in gehobener Funktion. Ihr Anteil an den Beschäftigten der Leitungsebenen macht damit aber immer noch gerade erst ein Drittel dieser Beschäftigten im SWR aus. Da schwang im Statement der Gleichstellungsbeauftragten wohl etwas Sarkasmus mit, als sie meinte, bei diesem Tempo würde die Parität in Führungspositionen des SWR in etwa 20 Jahren erreicht werden. SWR-Intendant Peter Boudgoust meinte dazu entschuldigend, die Fluktuation bei Festangestellten im SWR sei eben nur sehr gering: "Wer einmal im Sender ist, bleibt eben in der Regel bis zur Rente hier." 

Schwupps, schon wieder eine Kamera weg?! 
Einige Gremienmitglieder nutzten die Aussprache zum Thema, um ihren Unmut über das in vielen Programmen transportierte Frauenbild zu äußern. So entrüstete sich Brigitte Dahlbender (BUND), im gemeinsam von der ARD gestarteten Online-Programm "funk" für Jugendliche würden Frauen nur für die Themen Schönheit, Sex und Wissen zuständig sein. Auch hier werde damit ein tradiertes Themenklischee weiblicher Interessen transportiert. Dahlbender forderte vom SWR, einen 'gender check' seine Programminhalte vorzunehmen, wie es seit Jahren im Österreichischen Rundfunk (ORF) Praxis wäre. Für die Vertreterin der Migranten aus Baden-Württemberg, Argyri Paraschaki, fehlte im Gleichstellungsbericht eine Analyse, wie es um die berufliche Entwicklung im SWR für Frauen mit Migrationshintergrund stehe. Das Urgestein des Rundfunkrates, 'Charly' Geibel, seit Jahrzehnten für die Journalistengewerkschaften im Gremium, engagierte sich als einziges männliches Gremienmitglied. Er hielt fest, auch fast 50 Jahre nach 1968 sei das vom SWR in seinen Programmen vermittelte Frauenbild: "immer noch unterirdisch". Intendant Boudgoust sprach sich in seiner Antwort gegen den 'gender check' wie beim ORF aus - das Thema solle im SWR vielmehr in der Programmbeobachtung mitbehandelt werden. Nun ja.....


War's ein VfB-Fan?
Eine neben mir am Pressetisch sitzende Kamerafrau fragte ich, wieviele Kolleginnen es in ihrer Abteilung gebe - sie meinte, rund ein Drittel. Aber die Kameraleute im SWR haben derzeit wohl andere Probleme, denn zwei Tage zuvor war einem Team im Stuttgarter Nobel-Einkaufsort für edle Genüsse, der Markthalle, eine teure Kamera gestohlen worden. Laut Stuttgarter Zeitung hatte das Team eine Mittagspause eingelegt und nicht auf die Geräte geachtet. Ein teures Mißgeschick, denn immerhin kosten so eine Kamera rund 80 000 € und es erfordert schon eine gewisse Dreistigkeit der Diebe, ein solch schweres und großes Gerät unbemerkt zu entwenden. Da müssen schon 'Profis' am Werk gewesen sein. Na ja, meinte ich, im Rundfunkrat gebe es ja wohl keine Kamera-Marder - die Kamerafrau neben mir lächelte nur weise.....