Mittwoch, 11. April 2018

Radio MA 2018 - Digitaler Urknall oder Rohrkrepierer?



Zweimal im Jahr präsentiert die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (AGMA*) Daten über die Hörerzahlen bundesdeutscher Radioprogramme. Laut der am 28. März 2018 veröffentlichten neuen MA Audio 2018 I schalten täglich von den mehr als 70 Millionen Einwohnern (+ 14) rund 54 Millionen (78%) ein Radioprogramm ein. Der Zuspruch der 14,6 Millionen 14-29-Jährigen liegt mit 9,8 Millionen (67%) deutlich niedriger. Dagegen hören von den 34 Millionen über 50 Jahre täglich 28 Millionen (82 %) ein Radioprogramm. Die Radiozentrale** erklärte in einer Presserklärung: "Der klassische Radioempfang via UKW ist leicht rückläufig, wird aber durch die Nutzung der Hörfunkprogramme via Internet ausgeglichen.(...) Die Jugend setzt verstärkt auf Online Audio-Empfang." Lutz Kuckuck, Chef der Interessengemeinschaft fürchtet keine Abkehr vom Medium Radio: "Jugend hört - sie nutzt dafür aber die neuen Empfangswege wie Smartphpone und Sprachassistent und weniger das klassische Radiogerät."

Eine Fahrt mit Bus oder Bahn belegt, vor allem Jüngere nutzen ihre Smartphones weniger für das Telefonieren, sondern für Chats, Videos und Musik. Die neue MA soll "das Universum der Online-Audio- und Streamingdienstnutzung" erfassen, betont dazu die ARD-Werbung in ihrer Presseerklärung. Ist der AGMA damit endlich der digitale Quantensprung bei der Messung der Radionutzung geglückt? Laut den Angaben des größte Werbevermarkters kommerzieller Radiosender, der Radio Marketing Service GmbH (RMS) in Hamburg, spiegelt die MA Audio "die Reichweiten von 211 Radio- 85 Online-Audio- und 75 werbeführenden Konvergenz-Angeboten"*** 

Die UKW-Stage Coach fährt immer noch erfolgreich duch die Radiolandschaft....

Bisher gelten zwei relevante Maßeinheiten für die Radionutzung: Tagesreichweite (Hörer gestern Montag-Freitag) und Hörer pro durchschnittlicher Werbestunde (Mo-Fr)

Die Tagesreichweite gibt an, wieviele Einwohner über 14 Jahre, die Deutsch verstehen, pro Tag ein Radioprogramm einschalten. Demnach hören aktuell 54 Millionen Einwohner täglich ein Radioprogramm, über 2,6 Millionen weniger (-4%) als noch ein Jahr zuvor. Bei den Werbewellen sank die tägliche Reichweite um 2,56 Millionen auf knapp 48 Millionen (-5%). Dabei schnitten die ARD-Werberadios mit 37 Mio Hörern (-3%) besser ab, als die Privaten, die täglich von 29,6 Mio Menschen (-5%) eingeschaltet wurden (Mehrfachnutzung). Angaben über Online-Nutzung an Werktagen sucht man hier vergeblich

Reichweite pro durchschnittlicher Werbestunde (Mo-Fr 6-18 Uhr). Dabei sind diese Ergebnisse für den Verkauf der Werbezeiten der Radiosender ausschlaggebend. Pro Werbestunde hörten demnach 20,7 Millionen Hörer ein Werbeprogamm - ähnlich wie 2017. Bei Jüngeren (14-19 und 14-29) blieb der Zuspruch mit 880 000 bzw. 3,4 Mio ebenfalls ziemlich konstant. Einige der Big-Player mussten aber bei den 14-29-Jährigen deutliche Hörerverluste hinnehmen: Radio Schleswig-Holstein (-34%), NDR 2 (-24%), Radio Berlin (-20%), Radio NRW (-9%), SWR 3 (-6%). Auch hier finden sich in der MA Audio keine Angaben zur Online-Nutzung der Werbewellen.

Das macht schon stutzig, angesichts der vollmundigen Ankündigungen, wenn etwas die ARD-Werbetochter tönt: "Die MA Audio ist die Konvergenzwährung für Radio und Online-Audio in Deutschland." Auf Nachfrage erläuterte Lothar Mai von der ARD-Werbung, digitale Nutzerzahlen könne man derzeit nur bei der Hörerreichweite Montag bis Sonntag anbieten. Die Online-Nutzung von Radioprogrammen und Musik-Streamingdiensten würden von den Veranstaltern der AGMA zugeliefert. Betrachtet man den Methodensteckbrief der aktuellen MA Audio, liefert aber nur ein Streamingdienst (Spotify) Daten. Daneben werden 243 gleichzeitig über UKW und Online/DAB verbreitete Programme (simulcasting) und 568 Nur-Webradios erfasst. Zusätzlich würden 13.218 Teilnehmer ein Online-Tagebuch über ihr Nutzungsverhalten führen. Die für Werbewellen wichtige Messungen der Stundereichweite sei derzeit nicht möglich, räumte Mai ein. 
Das Radiogerät der Zukunft?!

Wie sehen die Ergebnisse der Online-Radionutzung aus? Von den insgesamt 53 Millionen Einwohner über 14 Jahre täglich, die zwischen Montag und Sonntag ein Audioangebot nutzen, entfallen auf per Rundfunk verbreite Programme knapp 52 Millionen Hörer, Online sind es 2,7 Millionen (Mehrfachnennung). Demnach hören also etwas mehr als 5% aller Audio-Nutzer online - Tendenz leicht steigend (2,4 Mio MA 2017 Audio) Der größte Teil davon empfängt Radioprogramme, die auch über UKW verbreitet werden (1,5 Mio), dicht gefolgt von Radio-Musik-Stramingdiensten, die über 1 Million tägliche Nutzer erreichen. Bei den 14-19-Jährigen, hören in der Woche täglich 3,2 Millionen ein Audioradio bzw. Stgreamingangebot, davon gut 3 Millionen werden durch klassischen Rundfunk-Empfang erreicht, während 400 000 Online hören. Von werden Streaming-Musikdienste täglich von 240 000 Jugendlichen genutzt. 

Überzeugend kann die MA Audio bisher die Radio- und Musiknutzung außerhalb der UKW-Nutzung nicht darstellen. Der 'Große Sprung nach Vorn' bei der Messung digitaler bzw. onlinebasierter Radio- und Musikangebote ist damit nur im Ansatz geglückt. Trotzdem dürfte vor allem die Akzeptanz der Streaming-Dienste durch jüngere Hörer die Radiomacher  beunruhigen. Ob die Hörerverluste gerade jugendlicher Nutzer beim UKW-Empfang wirklich durch Online-Nuztung ausgeglichen wird, muss sich erst erweisen. Insgesamt ist die Datenbasis noch ziemlich bescheiden, vor allem der werbetreibenden Wirtschaft dürften diese schmale Basis der MA Adio auf Dauer kaum gefallen. 

Siehe auch: https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=3982236135803086246#editor/target=post;postID=6311158600192039586;onPublishedMenu=allposts;onClosedMenu=allposts;postNum=9;src=link
* AGMA: Arbeitsgemeinschaft Media Analyse - Zusammenschluss von 210 Medien und Werbeunternehmen
**Radiozentrale: 2005 von kommerziellen- und öffentlich-rechtliche Radioveranstaltern gegründet, um für das Medium Radio zu werben (http://www.radiozentrale.de/ueber-uns/ziele-aufgaben/)
*** Konvergenz-Angebot: Programmveranstalter, die neben UKW, DAB auch Onlien und Streaming-Programme anbieten

Freitag, 9. Februar 2018

SWR 2018 - "Passgenaue Inhalte" gesucht


Die 'üblichen Verdächtigen' im SWR-Studio
Jahrespressekonferenzen von TV-Sendern sind so spannend, wie das Schaulaufen auf dem Eis. Jeder zeigt sich von der besten Seite, man wagt nicht allzu schwere Sprünge und trägt das attraktivste Kostüm - man will halt gefallen. So war es auch am 1. Februar 2018 beim Südwestrundfunk (SWR) in Stuttgart. Im TV-Studio wurden Schnittchen, Getränke und - mehr oder weniger - Prominenz gereicht. Kritische Fragen hatten die anwesenden Journalisten nicht mitgebracht - dafür gab es lecker Trailer, die für das Programm 2018 werben sollten. 

Aber wohin will der SWR? Intendant Peter Boudgoust sagte, es gehe in Zukunft darum, mehr "passgenaue Inhalte" zu produzieren - allerdings ohne mehr Mittel. Hörte sich so ziemlich nach "SWR 4.0" an und Informationschef Christoph Hauser legte nach, "Datenjournalismus" laute für den SWR der nächsten Jahre die Devise. Deshalb werde man künftig verstärkt Teams aus EDV-Fachleuten und Multimediaredakteuren bilden. Böse Zungen im Haus meinen, jetzt schon würden zunehmend Nerds ohne journalistischen Sachverstand die Redaktionsbüros bevölkern.  

Online und Mobilempfang aller SWR-Angebote lautet aber nicht nur in Stuttgart die Parole.
..kein neues SWR-Motto - TV-Doku-Trailer
Boudgoust kündete für den Sommer 2018 den Start einer einheitlichen ARD-Mediathek an, in der die Angebote aller Anstalten integriert werden sollen. Der ARD-Onlinechef Benjamin Fischer erklärte, künftig könnten die Nutzer sich dort anmelden und bekämen dann auf ihr persönliches Nutzerprofil zugeschnittenen Info- und Programmangebote. "Je länger der ARD-Player genutzt wird, desto persönlicher werden die Empfehlungen", heißt es dazu vollmundig im Pressetext. Die ARD auf dem Weg zum gläsernen Zuschauer? Mitnichten betonte Bougoust auf Nachfrage, die Medienforschung würde keinen Zugriff auf die Nutzerprofile bekommen - Missbrauch sei ausgeschlossen. ARD-Onlinechef Fischer betonte, man müsse sich ja nicht anmelden, könne auch sein Profil löschen und weiter die Mediatheken nutzen. Irgendwie passte zu dem Thema der Trailer des preigekrönten Dokumentarfilms "Im Rausch der Daten - Netz und Demokratie". Darin verfolgten die Autoren die Auseinandersetzung im Europäischen Parlament um eine einheitliche Datenschutzregelung der EU. 


Viel WM-Fußball mit weniger Kosten

Der SWR bestimmt den WM-Kick für die ARD
Stolz präsentierte man in Stuttgart - der SWR ist für die gesamte Berichterstattung von der Fußball-WM im Sommer in Russland zuständig - die aktuellen Pläne der ARD. Auch hier gilt: Gekickt wird auf allen Empfangswegen: "Erstmals wird ein Sportgroßereignis konsequent multimedial geplant" so der Pressetext. Gleichzeitig wird gespart, ARD und ZDF reduzieren ihre Studio-Aktivitäten in Moskau, die Studioberichte der ARD werden in Baden-Baden produziert - in Moskau sitzt dann im Sendezentrum nur noch ein Redakteur. "Das wird ein Quantensprung in der Abwicklung von Großereignissen", kündete ARD-Teamchef Harald Dietz in Stuttgart an.   

Fußballfans erinnern sich an die Ausschreitungen in Stadien während der Europameisterschaften in Frankreich im Sommer 2016. Die UEFA - die den Fernsehsendern die Bilder aus den Stadien zulieferte - zeigte keine Aufnahmen von Prügeleien rivalisierender Fangruppen. Nur dem Zufall war es zu verdanken, dass die ARD ein Team vor Ort hatte und die Bilder in der Tagesschau gezeigt werden konnten.  

https://medienfresser.blogspot.de/2016/06/uefa-zeigt-bei-der-em-ein-potemkinsches.html 
https://medienfresser.blogspot.de/2016/06/tschechien-kroatien-uefa-behutet.html 

Darauf angesprochen, sagte Thomas Wehrle - Programmchef Fernsehen/Online/Social Media, man habe sich mit der FIFA darauf geeinigt, bei allen Spielen die die ARD übertrage, eigene Kamerateams ins Stadion zu bringen. Darüber hinaus sei es ja völlig normal, dass die Bilder der Begegnungen im Auftrag der Fußballverbände produziert und das sogenannte "Weltbild" dann den TV-Sendern zugeliefert werde. 

SWR offen für Kooperationen mit Verlagen und Veranstaltern 


Der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, hatte sich Anfang Januar für eine gemeinsame Online-Plattform der deutschen Medieanbieter ausgesprochen, um nicht Google, Amazon, Facebook und Co zunehmend den Internet-Fernsehmarkt zu überlassen (Fachdienst Medienkorrespondenz 2/2018). Diesem Ansinnen stimmte in Stuttgart auch SWR-Intendant Boudgoust zu, zeigte sich aber angesichts der Verlegerkampagne gegen die Internetauftritte der ARD skeptisch. Die Zeit für so ein Projekt laufe ab, wer hier weiter auf die Bremse treten würde, mache ein solches Projekt unwahrscheinlicher. Grundsätzlich stehe der SWR Kooperationen mit Verlagen im Internet positiv gegenüber, betonte der Intendant. Man habe mittlerweile fast allen Verlagen des Sendegebietes die SWR-App vorgestellt und arbeite mit zehn Tagszeitungen der Region zusammen. "Die Tür steht weiter offen." Zu Kooperationen sei man weiterhin bereit, werde dabei aber keine inhaltlichen Kompromisse eingehen, betonte Boudgoust. Angesichts der großen Kosten die bei TV-Mehrteilern im Fiction Bereich entstehen, zeigte sich der SWR-Intendant aufgeschlossen gegenüber Kooperationen mit anderen Veranstaltern ("Berlin-Babylon"). Er betonte aber, dies sei derzeit Aufgabe der ARD und ihrer Produktiongesellschaften. Angesichts der aktuellen Diskussion der Rundfunkreferenten der Länder über einen Neuregleung der Mediatheken von ARD und ZDF, den Angriffen der Verleger auf die Online-Angebote und der Volksabstimmung in der Schweiz über die Abschaffung der dortigen Rundfunkgebühr kündigte Boudgoust an: "Wir müssen uns stärker erklären - und das tun wir".  

https://medienfresser.blogspot.de/2017/01/swr-2017-regional-aktuell.html 

...was von den Pressekofenrenzen blieb....


 

Samstag, 13. Januar 2018

"Saboteure im Eis" ARD-Serie zu gemächlich....


"Warum willst Du über eine TV-Serie schreiben, von der Du nur eineinhalb Folgen gesehen hast?" Fragt der Chefredakteur (ich) - "Weil mich die Geschichte interessiert und das seit meiner Jugend", Antwortet der Schreibknecht (ich) - "Na mach, wenn das mal jemanden interessiert...". 

"Saboteure im Eis" Copyright NDR
Das Erste der ARD zeigte zwischen dem 2. und 4. Januar die sechsteilige Serie: "Saboteure im Eis". Eher durch Zufall wurde ich darauf aufmerksam, denn die jeweils 45minütigen Filme liefen zu nachtschlafender Zeit - 23 Uhr im Zweierpack. Zur Programmierung teilte am 4. Januar Iris Bents, beim Norddeutschen Rundfunk für die Serie verantwortlich, die Gründe per mail mit. Im Feiertagsprogramm des Ersten werde: "in dieser Zeit länger ferngesehen (...) und auf dem Sendeplatz nach den 'Tagesthemen' ein überdurchschnittliche großes Publikum erreicht(...)." Laut ARD Medienforschung erreichten die sechs Folgen der Mini-Serie zwischen 900.000 und 1,2 Millionen Zuschauer - zwischen 6,5% und 8% Marktanteil. "Kein schlechtes Ergebnis für die Uhrzeit", meinte eine Mitarbeiterin. 



Die Serie steht nicht in der ARD-Mediathek zum Abruf zur Verfügung. "Der Lizenzvertrag beinhaltet keine sogenannten catch up Rechte, daß heißt, die Serie darf nicht nach Ausstrahlung in den Mediatheken online gestellt werden," erläuterte Frau Bents. Die ARD habe die Home Entertainment-Rechte "leider nicht" erwerben können. Die ARD habe demnach das Recht, die Serie nur noch einmal in den ARD-Dritten zu zeigen. Auf youtube kann man "Saboteure im Eis" für 2,49 € pro Folge abrufen. 

Copyright NDR
Ärgerlich für mich, denn ich konnte nur die erste Folge ganz und die Zweite nur zur Hälfte sehen, dann war ich zu müde. Lag es am späten Abend? Ich hatte den Eindruck, das Drehbuch wurde sehr gedehnt, um auf sechs Folgen zu kommen. Während Trailer und Teaser durch schnelle Schnitte und modernes Design Spannung und Tempo versprachen, enttäuschte dann die doch zähe und konventionelle Erzählweise durch Langatmigkeit. Da deutsche TV-Zuschauer immer nur vollsynchronisierte Filme sehen wollen, hat man leider auf Untertitelung von Szenen in Norwegisch, Dänisch oder Englisch verzichtet. Mit den Rechten für die Mediathek hätte man die verschiedene Versionen anbieten können - verpasste Chance.

Die Geschichte um eine 'Deutsche Atombombe' und den Angriff eines Alliierten Kommandos 1943 auf die Produktionsanlage für "Schweres Wasser" im besetzten Norwegen, hat früh Filmemacher interessiert. Die erste Verfilmung gabe es bereits 1948, eine französisch-norwegische Koproduktion, in der Beteiligte an dem Kommandounternehmen sich selbst spielten. Ich erfuhr erstmals als Jugendlicher davon durch die ARD-Serie: "Spione Agenten Soldaten". Sie lief 1969 im Ersten Deutschen Fernsehen, jeweils am Sonnabend-Nachmittag. Der polnische Historiker Janusz Piekalkewicz hatte diese 26-teilige Serie über Kommandounternehmen und Spionage während des Zweiten Weltkriegs produziert. Dafür bekam er 1969 einen Preis in Monte Carlo - was seitdem keiner deutschen Produktion mehr gelungen ist. In den Filmen kommen Zeitzeugen zu Wort - darunter einstige Gegner - außerdem historische Aufnahmen und Fotodokumente. Einige Jahre später erschien ein Buch zur Serie, dort findet sich die Geschichte unter dem Titel. "Angriffsziel Norsk Hydro". 

Bereits 1965 hatte der US-Regisseur Anthony Mann einen Kinofilm über die Aktion Britsch-Norwegischer Kommandos gedreht, der 1966 unter dem Titel "Aktion Schweres Wasser" in deutsche Kinos kam. Stars wie Kirk Douglas, Richard Harris, Ulla Jacobson und Michael Redgrave spielten mit, der Film wurde an den Originalschauplätzen gedreht und beeindruckt durch die norwegischen Landschaft. Der Film wurde erst 1985 in einem deutschen TV-Programm gezeigt - dem DDR-Fernsehen.    

Copyright NDR
Die aktuelle TV-Serie "Saboteure im Eis" ist eine norwegisch-, britisch-,  dänische Koproduktion. Sie lief erstmals im Januar 2015 im öffentlich-rechtlichen Norwegischen Fernsehen unter dem Titel: "Kampa om tungtvannet". Mit rund 1,3 Millionen Zuschauern pro Folge erreichte sie eine Rekordeinschaltquote und fast 25% Marktanteil. In Großbritannien liefen die Folge beim digitalen TV-Sender More4 (Channel Four). Auch in die USA und nach Polen wurde die Serie verkauft. Die Produktionskosten von 8,7 Millionen Euro dürften sich mittlerweile amortisiert haben.   

Sonntag, 7. Januar 2018

Chios 2017 - Weihnachts-Impressionen


Weihnachts-Schmuck auf Chios


Warum eigentlich nicht Weihnachten und Sylvester auf Chios verbringen? Diesen Wunsch haben wir uns dieses Jahr erstmals erfüllt, da brauchten wir auch keine weiteren Geschenke.

Allerdings gestaltete sich meine Anreise nicht ganz einfach, denn die mögliche Flugverbindung von Stuttgart erforderte eine Übernachtung auf dem Flughafen Thessaloniki. So landete ich am 23. Dezember kurz vor Mitternacht auf dem Makedonia Airport und
Noch nicht wach auf dem Flughafen Athen
musste mir einen Platz suchen, um die Zeit bis zum Weiterflug am nächsten Morgen zu überbrücken. Neben mir schaute ein junges Pärchen auf dem PC Splattermovies, immer wenn ich gerade wegdämmerte, ließen mich Schreie und Kampflärm des Films aufschrecken. An Schlaf war also nicht zu denken und so machte ich mich auf, um am einzig geöffneten Imbiss etwas Wasser zu kaufen. Als mir der junge Mann am Tresen die Flasche gab, blickte er mich kurz an und fragte: "You are from Germany?" Ich bejahte und er schob nach "Are you from Hamburg?" Erstaunt sagte ich, dass ich dort geboren wurde. Als ich ihn fragte, wie er darauf käme, zeigte er auf meine Mütze. Dort habe ich einen St.Pauli-Button befestigt. Ich outete mich als Fan und er antwortete: "It's my favoured football club too!" Am Flughafen Thessaloniki treffe ich in der Nacht zum Heiligen Abend auf einen jungen griechischen St.Pauli Fan - auch eine Weihnachtsgeschichte. Er ist bei einem Amateur-Verein in Thessaloniki, der Kontakt zum Kiez-Club hat. Dabei ging es ihm vor allem um das soziale und politische Engagement der  Fans von St. Pauli - dem konnte ich nur zustimmen und schenkte ihm zum Abschied einen Button. Am Morgen ging es dann, mit Zwischenstopp in Athen, weiter Richtung Chios.


Europa 'schützt' sich auch an Weihnachten
Als der Flieger gegen Mittag dann zur Landung ansetzte, sah ich aus dem Fenster auch die Realität der Europäischen Grenze im Jahr 2017. Unter mir fuhr ein Kriegsschiff, das im Auftrag der EU die die Küste vor der Türkei kontrolliert. Faktisch geht es darum, illegales Übersetzen von Flüchtlingen nach Europa zu verhindern. Auf der Insel leben heute mehrere Tausend Flüchtlinge im Lager Vial. Vor allem für Frauen mit Kindern und allenreisende Jugendlichen ist die Situation katastrophal. Sie vegetieren in Zelten, kaum vor Regen und der Kälte geschützt. Was wäre wohl mit der Heiligen Familie samt Jesuskind geschehen, wenn sie auf der Flucht vor Herodes nicht nach Ägypten, sondern hierher gekommen wäre? Wären sie im Mittelmeer ertrunken, oder in eine unmenschliches Lager gesperrt worden? Da kommen einem an Weihnachten nur bittere Gedanken. Europa schaut weg und schottet sich weiter ab, das Weihnachtsgeschäft ist wichtiger als die Nächstenliebe... 

Es gilt aber auch: Was gibt es schöneres, als an Heilig Abend auf dem sonnigen Chios-Airport - benannt nach dem Dichter Homer - zu landen? Meine Partnerin war früher gekommen und erzählte mir, zwei Tage zuvor habe es noch aus Kübeln gegossen und gestürmt. Das Wetter ändert sich in der Ost-Ägäis glücklicherweise meistens schnell. Das Gepäck im Leihwagen von Costas verstaut, ging es über das Epos-Gebirge zum gut 40 Kilometer entfernten Volissos. Der Ort im Nordwesten der Insel ist unsere zweite Heimat geworden und empfing mich mit sonnigem Wetter. Da unser "Heiliger Abend" für Griechisch-Orthodoxe nicht die Bedeutung besitzt, wie bei Katholiken oder Protestanten, konnte ich erstmal etwas Schlaf nachholen.

So feierten wir dann zu Dritt, gemeinsam mit unserer vierbeinigen Freundin Koudounaki (Glöckchen) bei Selbstgekochtem aus dem Ofen und einem Glas Kefalas-Wein aus Volissos. Unser Freund George hatte uns mit mit Auberginen, Tomaten und Zwiebeln direkt vom eigenen Acker versorgt - das schmeckte von selbst. Dazu gab es frische Orangen, Mandarinen und Klementinen - direkt vom Baum. Der erste Weihnachtstag lud uns mit Sonne zu einem wärmenden Vormittag auf unserer Terrasse ein. Hier kann man stundenlang sitzen und das Meer und den Inselwesten betrachten. Immerhin galt es jetzt Kräfte zu sammeln, denn unsere griechischen Freunde hatte für uns ein 'Menue' für die Feiertage angekündigt. Wir sollten mit verschiedenen Spezialitäten beglückt werden - also galt es, bequeme Kleidung anzulegen....

Tradition in Volissos
Von dem in Deutschland üblichen Weihnachtsrummel bleibt auch das griechische Chios nicht verschont. Aber es gibt ein paar Besonderheiten, so werden die Geschenke erst zur Jahreswende verteilt und die Weihnachtszeit endet erst am 6. Januar. Weihnachtsbäume und den üblichen Deko-Schnick-Schnack gibt es auch hier, aber mit besonders geschmückten Booten, die man in die Ortsmitte stellt, einen typisch griechischen Weihnachtsgruß. Und dann gibt es auch noch die nervigen Kobolde, Kallikantzari genannt, die um die Weihnachtszeit überall ihr Unwesen treiben. Wenn im Haushalt was schiefgeht, sind sie dafür verantwortlich und an vielen Plätzen stehen aus Holz gefertigte Kobolde, um daran zu erinnern. Was kann man dagegen tun? Ganz einfach, man legt ein Sieb vor die Tür, da versuchen sie dann die Löcher im Sieb zu zählen - kommen aber nur bis zur Zahl Zwei, weil die Drei heilig ist und so schaffen sie es nicht - das Haus ist geschützt. Griechen sind eben praktisch veranlagt und wissen sich zu helfen.....







Für uns war wichtig, dem deutschen Weihnachtsrummel mit seiner Hektik und dem Formellen zu entkommen. Das gemeinsame Essen mit unseren Freunden und deren Freunden auf Chios war die richtige Alternative. Da brachte jeder etwas mit, es lief alles völlig formlos und entspannend unsteif: Essen, Genießen, Lachen Reden - in einem Mix aus Griechisch und Englisch. Und nur wenig Alkohol - denn den braucht man hier nicht zur guten Laune....Obwohl unser Freund George regelmäßig bei orthodoxen Gottesdiensten als Vorsänger agiert, kritisiert er den offiziellen Weihnachtsrummel und die vermeintliche Religiosität der offiziellen Kirche. Von ihm erfahren wir immer die aktuellen Geschichten aus der Umgebung. 

Weihnachten bei uns heißt: Kälte, Schnee, kahle Bäume - ein Farbenspiel zwischen Grau und Schmutzigbraun. Auf Chios wurde man dagegen von grünen Wiesen, Bäumen voller Mandarinen und Orangen empfangen. In der legendären Kambos-Region, nahe der Inselhauptstadt, stehen tausende dieser Bäume inmitten alter Herrenhäuser. Im Gebirge und auf dem Epos-Plateau kann es dagegen ziemlich stürmisch werden und manchmal wird man von dichtem Nebel überrascht, der Fahren nur im Schritttempo erlaubt. Man muss sich also warme Sachen einpacken, denn es kann im Winter ab und an schon empfindlich kalt werden. Überall liefen Inselbewohner dick verpackt und vermummt herum - für uns Nordeuropäer war es dagegn oft noch erträglich.



In Volissos hatte man sich zum Thema Weihnachtsdekoration dieses Jahr viel einfallen lassen. Da wurde etwa ein ganzes Haus als Geschenk mit einer roten Schleife dekoriert. Im Ort standen verteilt alte Fahrräder, an denen Lichtgirlanden befestigt waren, die am Abend leuchteten. An einem Platz hatte man einen ausrangierten Drahtesel vor einen Weihnachtsschlitten gespannt.

Unsere Vermieterin ließ es sich nicht nehmen, uns in die Wohnung einen kleinen Weihnachtsgruß zu stellen - zusammen mit einem Fläschchen süßen Kefalas-Wein. Die Feiertage gingen im Ort -wie gewohnt - ruhig vorbei. Auch der Jahreswechsel verlief hier ohne lautes Geknalle oder Raketen. Die gab es in der Insel-Hauptstadt, wir genossen in Volissos nach Mitternacht den Blick in den wollkenlosen Sternenhimmel. Gemeinsam mit den Freunden gab es den von George und Marianna gebackenen speziellen griechischen Neujahrskuchen - Vasilopitta. Darin wird eine Münze versteckt und wer sie findet, für den bringt das neue Jahr Glück. Ich bekam das Stück nicht - aber wir waren ja auch so glücklich genug auf unserer Insel. Ausufernd wurde die Feier aber nicht, denn wir mussten am Neujahrstag wieder zurück nach Deutschland - was alle verwunderte, weil in Greiechenland auch am 2. Januar gefeiert wird.

Auf dem Heimflug, der von drei Stops unterbrochen wurde, bekamen wir bei Aegean vor jedem Start ein Gläschen Sekt angeboten und auf den Servietten wünschte die Airline allen ein gutes neues Jahr. Für uns brachten die Feiertage auf Chios das, was wir gesucht haben: Ruhe, Natur, Feiern, Freude.....Chronia Polla für Alle! 

Der traditionelle Vasilopitta - Neujahrskuchen. Wer war der Glückspilz?
Siehe auch: https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=3982236135803086246#editor/target=post;postID=8860608842403395532;onPublishedMenu=allposts;onClosedMenu=allposts;postNum=2;src=postname

Freitag, 17. November 2017

ARTE - Arbeitet der Kulturkanal mit 'Alternative Facts'?!



Der deutsch-französische Kulturkanal ARTE gilt als das kulturambitionierte und seriöse Fernsehprogramm an sich. Gerade die hier regelmäßig ausgestrahlten historischen Dokumentation sind eines der 'Aushängeschilder'. Umso befremdlicher muss es wirken, wenn im Programm Fehler unkorrigiert verbreitet werden. 

Beispiel gefällig?

Anfang November 2017 wurde eine französische Produktion über die Schlacht bei Verdun bei ARTE wiederholt, die erstmals 2016 ausgestrahlt worden war. In dem Film wird in der deutschen Fassung auf die Anti-Kriegskundegebung in Berlin hingewiesen, zu der Karl Liebknecht am 1. Mai 1916 aufgerufen hatte. Die Filmaufnahmen von Liebknechts Auftritt, der mit seiner Verhaftung endete, werden so kommentiert: "Der Abgeordnete der Kommunistischen Partei, Karl Liebknecht, hält eine Ansprache an das Volk". Nun konnte Liebknecht gar nicht für die Kommunistische Partei sprechen, geschweige denn im Reichstag, da die KPD erst am 30.Dezember 1918 gegründet wurde - fast zwei Monate nach Kriegsende! Liebknecht gehörte zur Gruppe Internationale um Rosa Luxemburg und anderen SPD-Dissidenten, die sich nach Kriegsbeginn 1914 in der SPD gegründet hatte. Sie wurde als Spartakus-Gruppe bekannt und Anfang 1916 aus der SPD ausgeschlossen. Eine Kommunistische Partei gab es zu diesem Zeitpunkt weder im Deutschen Reich, noch in einem anderen Land der Erde. Erst nach der Oktoberrevolution im Winter 1918 wurde unter Lenin die russische sozialdemokratische Partei zur ersten Kommunistischen Partei umbenannt. 

Den Verantwortlichen für die Gesichtsproduktionen bei ARTE ist dieser Fehler nicht aufgefallen - oder es war ihnen egal. Jedenfalls lief der Film unverändert zwei Jahre später erneut und ist auch noch in der Mediathek abrufbar. Ebenso fragwürdig ist die Fixierung des Autors, Serge de Sampigny, auf Kaiser Wilhelm II und seinen Sohn, den Kronprinzen. Sie sind in der Dokumentation die maßgeblichen Verantwortlichen für die Schlacht von Verdun - der Urheber des Gemetzels, der Chef des Kaiserlichen Generalstabes, Erich von Falkenhayn, taucht in der Dokumentation nur als Nebenfigur auf. https://medienfresser.blogspot.de/2016/02/100-jahre-verdun-schlacht-der-mythen.html


Könnte man dies noch als Flüchtigkeitsfehler behandeln, wird in der am 8.November 2017 ausgestrahlten deutschsprachigen Dokumentation von Patrick Cabouat: "Der Untergang der Romanows" der Geschichtsverlauf im Sommer 1914 komplett auf den Kopf gestellt. In Minute 27 des Films, in der es um den Kriegsausbruch geht, heißt es "24. Juli. Als Reaktion auf das Ultimatum, das Serbien Österreich gestellt hat, versucht Nikolaus II. Kaiser Wilhelm II. davon zu überzeugen, Österreich zum Einmarsch in Serbien zu überreden." Richtig ist vielmehr: Österreich-Ungarn stellte am 23. Juli 1914 auf Drängen des deutschen Kaiserreichs den Serben ein Ultimatum - das zum Krieg führte. Einen Beleg dafür, dass der russische Zar seinen deutschen 'Vetter Willi' aufgefordert hat, Wien zum Einmarsch gegen das mit St.Petersburg verbündete Serbien zu ermuntern - Fehlanzeige!

Es geht dabei nicht um historische Debatten oder individuelle Fehler. Jeder Fernsehfilm durchläuft senderinterne Prüfverfahren und Abnahmen durch die entsprechenden Redaktionen. Was für Redakteure sitzen dort, wenn sie solche Produktionen durchgehen lassen? Auf der Kommentar-Seite von ARTE findet sich eine entsprechende Krititk eines Zuschauers - Reaktion der Verantwortlichen in Straßburg? Auf meine offizielle Anfrage bei der ARTE-Pressesprecherin Claude-Anne Savin, erhielt ich keine Antwort - bei ARTE Deutschland in Baden-Baden (SWR) verwies man mich an Straßburg, da es sich um eine französische Produktion handele. Eine Mitarbeiterin einer deutschen Rundfunkanstalt, die den Betrieb in Straßburg kennt, meinte nur trocken, die Verantwortlichen bei ARTE seien einfach "zu Eitel" um einen Fehler einzugestehen - es sei denn, er würde hohe Wellen schlagen.

  Geschichtsklitterung scheint jedenfalls nicht dazu zu gehören.....
  
Nachtrag: Bis heute - dem 13. Januar 2018 hat die ARTE-Pressestelle auf meine Anfrage nicht geantwortet.