Sonntag, 4. April 2021

150 Jahre Pariser Commune - Vergangen und Vergessen ?

 
Mauer der Föderierten - Père Lachaise Anfang der 1990er 
 

Kommunismus - Diktatur des Proletariats - Klassenkampf - Arbeiterklasse - Revolution - Sozialismus - Avantgarde. Für die Debatte des Jahres 2021 über Politik und Gesellschaft sind das toxische Begriffe. Heute stehen dafür nur noch Staaten wie China, Vietnam, Cuba oder Nordkorea - mit einer diktatorisch herrschenden Partei. So hatten sich das weder Karl Marx noch Friedrich Engels beim Verfassen des Kommunistischen Manifestes 1848 und ihren Schriften zur Pariser Commune 1871 vorgestellt... 

Die 72 Tage der "Pariser Commune" vor 150 Jahren stellten die Frage nach der sozialen Gesellschaft und versuchten diese zu verwirklichen. Sie existierte vom 18.März 1871 bis 28.Mai - also nur zweieinhalb Monate lang. Ihr Handeln und Scheitern prägte die spätere Debatte innerhalb der Linken über Revolution und Reformismus. Nach der Niederschlagung durch die Regierungstruppen aus Versailles nahmen die Sieger eine Woche lang blutige Rache. Die Zahl der Opfer wurde nie genau ermittelt, die Stadtverwaltung stellte später der Regierung die Beseitigung von über 17.000 Leichen in Rechnung. Damals töteten die Soldaten in einem Blutrausch Frauen, Männer, Alte und Kinder - hauptsächlich in den Vierteln der Arbeiter, Handwerker und Armen von Paris - unter dem Beifall der Bourgeois von den Boulevards der wohlhabenden Arrondissements. Die Opfer wurden mit Karren zu den Massengräbern gebracht und dort verscharrt: Gefangene Frauen wurden vor ihrer Ermordung von Soldaten der Regierung vergewaltigt. Viele Kommunarden flohen und gingen ins Exil, etwa 40.000 Menschen wurden verhaftet, einige Tausend von ihnen verbannte man in den entlegendsten Winkel des Kolonialreiches - Neukaledonien, eine Inselgruppe vor Australien. Erst zehn Jahre später konnten die meisten zurückkehren, aber heute noch leben dort Nachfahren der Deportierten. Aufgehoben wurden die Urteile gegen die Kommunarden bis heute nicht. 

Père Lachaise - einziges Mahnmal  

Clements Grab -1990
Die letzten Kämpfe fanden Ende Mai 1871 auf dem Friedhof Père Lachaise im Arbeiterbezirk von Belleville statt. Hier befindet sich auch das heute bekannteste Mahnmal für die die Massaker - die "Mur des Fédérés - Mauer der Föderierten". Am Rande des Friedhofs gelegen, wurden 147 Kommunarden erschossen und verscharrt. Später wurde dieser Teil des Friedhofs zur 'Pilgerstätte' der Sozialisten und Kommunisten. Hier liegen Eugène Pottier, Kommunarde und Dichter der 'Internationale', Jean Baptiste Clèment, Kommunarde und Poet. Sein Lied "Le temps des cérises" ist die romantische Hymne der Commune - obwohl Jahre davor geschrieben. Der Radikalsozialist Auguste Blanqui wurde hier begraben wie Maurice Thorez, Chef der orthodoxen Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) bis 1964. Nicht weit von der Mauer der Komunarden entfernt liegt das Grab von Edith Piaf, der berühmtesten Sängerin von Paris - sie wurde in Belleville geboren. Auch die Sieger haben hier, weit entfernt von ihren Opfern, ihrem Stand entsprechend prächtige Grabmäler, wie Adolphe Thiers.. Der Royalist war Präsident der offiziellen Regierung in Versailles und ordnete die blutige Zerschlagung der Commune an. Heute kommen die wenigsten Besucher auf den Père Lachaise, um der Kommunarden zu gedenken. Sie suchen die Gräber berühmter Künstler, wie Molière oder La Fontaine, Chopin, Ives Montand, Simone Signoret, Edith Piaf oder Jim Morrison.

Das Blutbad

Letzte Kämpfe zwischen Gräbern
"Keine einzelne Schlacht im Deutsch-Französischen Krieg hat so viele Franzosen das Leben gekostet. Die Zahl derer, die in diesen wenigen Tagen getötet wurde, übertrifft bei weitem die der Köpfe der (....) großen Revolution. Nicht einmal Lenins Oktoberrevolution in Petersburg - ausgenommen der Bürgerkrieg (...) sollte so viele Todesopfer fordern". (1) Die Zahl der von Kommunarden hingerichtete Geiseln wird auf 40 und mehrere Hundert beziffert. Darunter befand sich der Erzbischof von Paris. Ihre Eschießungen fanden während der chaotischen Endphase statt, als sich die Commune in Auflösung befand. Die Versailler Generäle Lecomte und Thomas wurden dagegen am 18.März von aufgebrachten Bürgern in Montmartre getötet. Sie hatten mit Truppen auf Befehl von Präsident Thiers versucht, Geschütze auf dem Montmartre abzutransportieren. In der Nacht stellten sich ihnen wütende Bewohner - vor allem Frauen - entgegen. Als General Lecomte mehrfach Schießbefehl erteilte, weigerten sich seine Soldaten. Die rasende Menge bemächtigte sich daraufhin der Generäle und tötete sie auf dem Montmartre. 

Mauer der Föderierten - links unten  
Nach dem mlitäriischen Scheitern der Regierung im Krieg gegen die Deutschen, wählte die Franzosen im Februrar 1871 ein neues Parlament, in dem Royalisten und Konservative die Mehrheit hatten. Gegen ihre  Friedensverhandlungen mit Bismarck drohte der Regierung Thiers eine Revolte in Paris. Sein Ziel: Mit den Deutschen "Frieden schließen und Paris unterwerfen". (2) Durch die von thiers angeordnete Aufhebung der bisher gestundeten Mietschulden der Pariser und die Einstellung der Zahlungen an die Nationalgarde, sollte die rebellische Hauptstadt zur Raison gebracht werden. Das verhinderte der geschietrete Coup vom 18. März. In der Folge übernahm das Zentralkommitee der Nationalgarde die Macht in Paris. Sie ließen umgehend Wahlen zum Kommunerat abhalten, aber die Vertreter der bürgerlichen Stadviertel zogen sich bald zurück -  die Debatten in Paris wurde radikaler, ein Versuch von von Royalisten und Anhängern Versailles, das Rathaus am 22. März zu stürmen, scheiterte kläglich. Danach 'igelten' sich die bürgerlichen Stadtviertel ein, viele ihrer Mitglieder der Nationalgarde setzten sich nach Versailles ab.

Bei Beginn der Kämpfe Anfang April zeigte die Regierung in Versailles, was sie mit den Communarden vorhatte. Nach dem gescheiterten Versuch der Pariser Nationalgarde nach Versailles zu marschieren, wurden gefangene Kommunarden - vor allem ihre Führer - sofort exekutiert. Das war das 'Vorspiel' zur 'Blutwoche' Mitte Mai. BIsmarck unterstützte Thiers, in dem er die in Sedan gefangene Armee Napoleons III. frei ließ. Sie hatten jede Schlacht gegen Deutschland verloren - und wollten durch die Rache an den Communarden ihre 'Schande' löschen.

Sacre Coeur 1964
"Während nach übereinstimmenden Zeugenaussagen die Mannschaften meist gleichgültig und mechanisch ans Werk gingen, verhielten sich die Offiziere (...) aufputschend, und zwar, je höher der Rang, desto erbarmunglsloser." (2 a) Sie wollten die vernichten, die Paris gegen die 'Preuissen' verteidigt hatten. Sie konnten nur ihre Niederlagen vorzeigen. Versailler Greuelpropaganda tat ein Übriges und die Erschießung von Geiseln - vor allem des Bischofs von Paris - durch Kommunarden während der chaotischen letzten Tage im Mai, fachte den Hass der Regierungstruppen an. Im Ausland reagierte man schockiert auf das Massaker der 'Blutwoche', was die Regierung in Versailles unter Druck setzte. In London kam es Protestversammlungen, die Times berichtete Ende Mai 1871, in Paris seien "während der letzten sechs Tage Gefangene, Frauen und Kinder, erschossen erstochen und aufgeschlitzt haben."  Am 2. Juni 1871 forderte dann das bürgerliche Blatt: Paris-Journal: "Laßt uns nicht mehr töten, nicht einmal Mörder und Brandstifter!" (3) 
Die wenigsten Touristen auf dem Montmartre wissen heute, dass die ab 1875 errichtete Kirche Sacre Coeur vor allem als Mahnmal und 'Sühne' für die 'Verbrechen der Commune' gedacht war. Die wuchtige marmorne Kirche im 'Zuckerbäckerstil' sollte den Besiegten die 'Sünde' gegen die 'Ordnung' von Kirche und bürgerlichem Staat dokumentieren. Für die tausenden ermorderten Arbeiter, Handwerker - Frauen, Männer, Alte und Kinder - gibt es, abgesehen von der Mauer der Föderierten - bis heute in Paris keinen Gedenkort.  

Mit der Diktatur der Partei zum Sieg des Sozialismus?

Die Commune erscheint heute weitgehend vergessen - daran tragen die späteren 'Gralshüter' des autoritären Kommmunismus einen Großteil der Verantwortung. Von Karl Marx über Friedrich Engels bis zu Lenin und Mao nutzten sie das Geschehen für ihren Kampf um politische Macht  - die historische Wahrheit war nicht so wichtig. Während August Bebel am 25. Mai 1871 für die Sozialdemokraten im Berliner Reichtag deklamierte: "Seien sie überzeugt, das ganze europäische Proletariat und alles, was noch ein Gefühl von Freiheit und Unabhängigkeit in der Brust trägt, sieht auf Paris." (4), war für den Anarchisten Michael Bakunin die Commune Ausdruck der "spontanen und andauernden Aktion der Massen, der Gruppen und Volksvereine" (5). Friedrich Engels schrieb 20 Jahre nach der Commune in seinem berühmten Vorwort zur Neuauflage von Marx  "Der Bügerkrieg in Frankreich":  „Der sozialdemokratische Philister ist neuerdings wieder in heilsamen Schrecken geraten beim Wort: Diktatur des Proletariats. Nun gut ihr Herren, wollt ihr wissen, wie diese Diktatur aussieht? Seht Euch die Pariser Kommune an. Das war die Diktatur des Proletariats.“ Dabei ging es Engels mehr um die tagesaktuellen Auseinandersetzungen in der deutschen Sozialdemokratie und weniger um die Wirklichkeit der Commune. 

Auch Lenin bemächtigte sich der Commune und schrieb nach der Oktoberrevolution im Januar 1918: „Die Pariser Proletarier hatten keinen Apparat, und das Land verstand sie nicht. Wir dagegen fanden sofort eine Stütze in der Sowjetmacht…“ Hermann Duncker, Mitgründer des Spartakusbundes und der KPD betonte 1931 „Es ist kein Zufall (…) das Lenin nach Marx und Engels der einzige war, der aus der Kommune die entscheidenden Politischen Erkenntnisse gezogen hat. So haben denn auch die Bolschewiki der Kommune das herrlichste Denkmal 1917 in der Errichtung der Sowjetrepublik – des Staates vom Typus der Pariser Kommune (Lenin) – gesetzt.“ Ein alter Bolschewik erinnerte sich: "In jenen Augenblicken sagten wir: 'Arbeiter, seht auf das Beispiel der Pariser Kommunarden und wißt, wen wir besiegt werden, dann wird uns unsere Bourgeoisie hundertmal  schlimmer behandeln." (6) Für Trotzki beging die Commune den entscheidenden Fehler: "dem weißen Terror der Bourgeoisie nicht mit dem rotem Terror des Proletariats" begegnet zu sein. (7) 

Die blutigen Lehren der Uneinigkeit innerhalb der Commune nutzte Lenin als Argument um nach der Oktoberrevolution Opposition - auch von Linken - per 'Kriegskommunismus' auszuschalten. Daraus wurde später das, was man 'demokratischen Zentralismus' nannte - die Minderheit musste die Linie der Mehrheit vertreten. Auf die wirtschaftlichen Misserfolge nach dem Sieg im Bürgerkrieg reagierte man ebenfalls mit autoritären Methoden. Ein System, das sich unter Stalin mit den Schauprozessen 1937 perfektionieren sollte. Mitte der 1960er Jahre plädierte Mao Tse Tung während der sogenannten 'Kulturrevolution' für Basisdemokratie im Sinne der Commune. In Wirklichkeit ging es ihm darum, seine Herrschaft über Partei und Staat zu sichern. Als Im August 1968 das ZK der KPCh den Beschluss fasste: „Es ist notwendig, ein allgemeines Wahlsystem ähnlich dem in der Pariser Kommune einzuführen…“ Die „Massen“ seien demnach berechtigt „jederzeit zu kritisieren“ (8) und unfähige Kader abzuberufen, war dies nur Ausdruck des internen Machtkampfes.

Commune - Das Proletariat an der Macht?


Die Wirklichkeit der Commune von Paris unterschied sich von den Darstellungen der Theoretiker und Ideologen des Kommunismus. Sie instrumentalisierten die Taten und Fehler der Kommunarden für die in ihrer Zeit aktuellen politischen Auseinandersetzungen innerhalb der Linken.

„Die Männer und Frauen der Pariser Kommune sind die Martyrer und Heiligen des Kommunismus geworden (…)“ sie wirkten wie die Christen „weniger durch ihre Taten, als vielmehr durch ihr Leiden und durch ihren Tod (...). Die Kommune selbst war durch Meinungsverschiedenheiten gespalten; die bürgerlich-gemäßigten Mitglieder traten sehr bald zurück, aber auch unter den verbliebenen Liberalen und Sozialisten herrschten Spannungen, die am 15. Mai durch die ‚Erklärung der Minderheit’ besonders deutlich wurden. (...) Die Herrschaft der Kommune war niemals das, was sie sein wollte: was als kommunalpolitisches Reformprogramm oder als Verwirklichung einer sozialistischen Utopie, als Machtergreifung der Arbeiterklasse oder nationale Renaissance gedacht war, wurde durch den Zwang der Umstände zu einer Kette von – zuweilen widersprüchlichen - Notverordnungen und Improvisationen; welche Taten den Worten gefolgt wären, lässt sich nicht abschätzen.“ (9)

Karl Marx kritisierte die Fehler der Commune in der wenige Monate nach der Niederschlagung veröffentlichten Schrift: "Der Bürgerkrieg in Frankreich". Er beurteilte in seiner Schrift die Commune als neue "Gesellschaft in ihren Geburtswehen (...) eine Revolution gegen den Staat selbst (...) um diese abscheuliche Maschine der Klassenherrschft selbst zu zerbrechen." Abschließend schreibt Marx: "Das Paris der Arbeiter, mit seiner Kommune, wird ewig gefeiert werden als der ruhmvolle Vorbote einer neuen Gesellschaft, Seine Märtyrer sind eingeschreint in dem großen Herzen der Arbeiterklasse." Zehn Jahre später beurteilte er die Commune in einem persönlichen Brief an einen niederländischen Genossen nüchterner. Die Commune sei "in keiner Weise sozialistisch und konnte es auch nicht sein. Mit ein wenig gesundem Menschenverstand hätten sie jedoch mit Versailles einen Kompromiss erzielen können, der für die gesamte Masse der Menschen nützlich ist - das einzige, was zu dieser Zeit erreicht werden konnte. Die Aneignung der Bank von Frankreich allein hätte ausgereicht, um alle Ansprüche der Versailler auf Terror usw. usw. aufzulösen." Öffentlich machte er das nie. 

Rathaus und Zentrale der Commune

 

Was bleibt? 

Das revolutionäre Paris war nach dem blutigen Ende der Commune zerschlagen, die Royalisten von Thiers bis MacMahon, konnten sich aber nicht lange an der Macht halten. Zehn Jahre später waren sie Geschichte und die Schreckenstage der Commune und der Blutwoche sollte vergessen werden. Man brauchte die Loyalität der Arbeiter für den französischen Kolonialismus und den Kampf gegen Deutschlands Machtstreben. In Deutschland setzten die Sozialdemokraten auf den Wahlzettel und nicht die Revolution. In Frankreich und Deutschland gewannen der Nationalilsmus und der Chauvinismus Einfluss auch auf die Arbeiter. Dafür sollten sie im Krieg 1914-1918 bitter bezahlen - Internationalismus war Vergangenheit. Revolutionsversuche in den besiegten Staaten endeten nach 1918 - wie die Commune - mit blutigen Niederlagen. 

Nur die Oktoberrevolution in Russland siegte, zeigte bald aber ihre autoritäres und brutales Gesicht. Der Terror ging eben nicht mit dem Sieg Lenins und der Bolschewiki über die Konterrevolution zu Ende. Leo Trotzki war 1921 für die blutige Niederschlagung des Aufstands der Matrosen der Festung Kronstadt bei St.Petersburg gegen die bolschewistische Diktatur verantwortlich. Die Revolution fraß ihre Kinder... Bis 1989 intonierte man in der DDR das Kampflied der SED: "Die Partei die Partei, die hat immer Recht". Keiner der Staaten, die sich an Lenins Modell orientierten, brachte Freiheit nach den Vorstellungen von Marx und Engels. Sie bestimmen aber das Bild, das wir heute von Sozialismus und Kommunismus haben.

Nach 150 Jahren Commune konstatieren Linke heute, Marx habe "in der historischen Kommune mehr ein Modell erblickt, als das er die Geschichte der Kommune hat schreiben lassen." Auch Lenin habe "sich nicht auf die tatsächliche Kommune, sondern auf die Interpretation von Marx und Engels bezogen". (10) Leider kommt diese Erkenntnis zu spät - die Pariser Frauen und Männer, die für Freiheit, Selbstbestimmung und soziale Gerechtigkeit kämpften - wurden dem Vergessen preisgegeben. 

Dabei ist der Traum von Freiheit heute aktueller den je: Klimakatastrophe, Soziale Ungleichheit, Krieg, Rassismus. Aber die alten Lösungsmodelle sind gescheitert und das zu Recht. Eugène Pottier, Transportarbeiter, Kommunarde und Dichter der 'Internationale' trifft es: "Es rettet uns kein höh’res Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun. Uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!" Die Commune bedarf keiner Ehrungen, Parteitage, Fanfaren, Aufmärsche und Fahnenwälder - sondern eigenständigem Handeln, Debatten, Diskussionen und Mut zu kritischem Denken. 

Paris Anfang 1990

 

(1) Alistair Horne, Paris ist tot - Es lebe Paris, Scherz-Verlag 1967, S 384 ff

(2) Wolfgang Schivelbusch "Die Kultur der Niederlage", Fischer Taschenbuch 2003, S. 135 ff 

(2a) Schivelbusch a.a.O

(3) Horne a.a.O

(4) Hartig-Hartig, "Die Pariser Kommune" Klett Verlag 1975 S. 68 

(5) Hartig s. 82

(6) Horne a.a.O. S. 398 ff

(7) Horne a.a.O.

(8) Hartig a.a.O

(9) Helmut Swoboda: "Die Pariser Kommune 1871 in Dokumenten" (dtv 1971) S 13ff 

(10)  Florian Grams "Die Pariser Commune".Papyrossa Verlag 2021 

Literatur: 

Florian Grams "Die Pariser Kommune", Papyrossa Verlag 2021

Detlef Hartmann, Christopher Wimmer, "Die Kommunen vor der Kommune 1870/71", Assoziation A, 2021

Thankmar von Münchhausen: "72 Tage" Deutsche Verlags Anstalt 2015

Alistair Horne "Paris ist tot - Es lebe Paris", Scherz-Verlag 1967

Helmut Swoboda Hrsg "Die Pariser Kommune 1971" in Dokumenten, Deutscher Taschenbuch-Verlag 1971

Hartig-Hartig: "Dei Pariser Kommune 1871" Klett Verlag 1975 

Karl Marx: "Der Bürgerkrieg in Frankreich" Peking 1972

Lenin: "Über die Pariser Kommune" Dietz-Verlag DDR 1971

Pjotr Lawrow, "Die Pariser Kommune - Geschehnisse, Einfluss, Lehren" Unrast-Verlag 2003

Youtube: 

TV-Dokumentarspiel: Journal 1870/71, Süddeutscher Rundfunk SDR1971 - Pariser Commune Aufstand: https://www.youtube.com/watch?v=-kAkE2mI1KY siehe auch https:https://medienfresser.blogspot.com/2020/09/187071-arte-zeigt-deutsche-dokus-tv.html//www.blogger.com/blog/post/edit/3982236135803086246/6496380571744240841

Arte: Im Jahr 2000 drehte der britische Regisseur Peter Watkins mit Laiendarstellern ein zweiteiliges Drama-Reanactment der Tage der Commune. Er wurde inetrnational bekannt, als er 1964 einen Film über die Schlacht bei Culodden in Schottland im 18.Jahrhundert mit Laien drehte. An ihm orientierten sich auch die Macher des deuschen "Journal 1870/71 Leider ist Watkins Film über die Commune auf youtube nur auf Französisch abrufbar. https://www.youtube.com/watch?v=0DI4EQxSFvY

Arte 2021 https://www.youtube.com/watch?v=R_U8wcQ0E1Y

Schmetterlinge https://www.youtube.com/watch?v=TnzKjA2LMeY&t=2726s

Oktober:  https://www.youtube.com/watch?v=A94_VzEMAfs&list=RDA94_VzEMAfs&start_radio=1

Montag, 22. Februar 2021

SWR 2021 - im digitalen Rausch?!

 

 

...keine Schnittchen bei der SWR Video-PK
Der Intendant des Südwestrundfunks (SWR), Kai Gniffke, gab am 5.Februar in Stuttgart den Kurs des Senders für 2021 vor. Die Anstalt solle auf allen Online-Kanälen zum digitalen "big-player" im Südwesten werden, an dem "niemand vorbeikommt". Die üblicherweise analog vor Ort im SWR-Funkhaus stattfindende Programm-Pressekonferenz, fand dieses mal - Coronabedingt - per Video statt. Passend dazu lautete Gniffkes Credo: Der Erfolg des SWR hänge nicht mehr vorrangig von den Marktanteilen linearer Angebote ab, künftig sei der individuelle Abruf von Sendungen und Beiträgen (on demand) über alle Online-Plattformen entscheidend.

Ein Blick in die Pressemappe bestätigt die angekündigte Marschrichtung.  Online-Verbreitung  - von Dokumentation und Information bis zu fiktionalen Sendungen - über Youtube, Instagram und die ARD-Mediathek. Die linearen Radio- und TV- Programme spielen anscheinend nur eine nachrangige Rolle. Da wunderte es auch nicht, dass im Gegensatz zu früheren Pressekonferenzen, der Hörfunk mit seinen sechs Programmen (SWR 1- 4, DasDing, Inforadio) - auf dieser PK kein Thema waren. Entsprechend kurz fiel dazu auch das Statement der für den Hörfunk zuständigen Direktorin Anke Mai aus. Sie stellte das Online-Programm:  "Jacobs Wissensreise" in den Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Die Sendereihe orientiert sich an "breaking lab" einem Youtube-Kanal des Physikers Jacob Beautemps. Das Format wird in Köln von einer privaten Produktionsfirma für youtube  hergestellt. (1) Künftig soll der junge Wissenschaftler für den SWR online als  "Sciencefluencer" junge Zuschauer für Wissenschaft interessieren. 

2020 - an einem Tisch

Auf die in den ARD-Anstalten (WDR, NDR) zu beobachtenden Entwicklung zur Ausdünnung kultureller Wortangebote angesprochen, meinte Mai, es könne auch beim SWR nicht alles bleiben wie es ist, es müsse "nachjustiert" werden. Was das etwa für das SWR 2 Kulturprogramm bedeutet, erläuterte sie nicht. Es gebe allerdings auch eine positive Entwicklung der Abrufe der Podcasts im Hörfunk. Der Intendant meinte nachdenklich, Kultur drohe 'unter die Räder zu kommen'. Allerdings hänge ein Erfolg eben nicht nur von der linearen Nutzung ab, Online-Abrufe von Sendungen und Beiträgen spielten eine wichtige Rolle. Ein Blick in die Zahlen der ARD-Audiothek, scheint ihm recht zu geben. So wurden im Januar in den ARD-Programmen rund sechs Millionen mal Audioformate abgerufen - eine MiIlion mehr als im Monat zuvor (Branchendienst DWDL, 5. 2. 21).     

Mit Online-Formaten MigrantInnen erreichen


Für die Direktorinnen der SWR-Landessender für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (Stefanie Schneider und Simone Schelberg) steht das Thema Online ebenfalls ganz oben auf der Agenda. Mit neuen Talk-Sendungen und Reportagen, will man auf youtube und instagram verstärkt junge Nutzer mit Migrationshintergrund ansprechen. Seit Jahren tut sich der SWR schwer, die kulturelle Vielfalt der Bevölkerung im Programm und bei den ModeratorInnen auf dem Bildschirm und am Mikrophon abzubilden. Während andere ARD-Anstalten (WDR, NDR) hier in den letzten Jahren vorangegangen sind, wirkt das Südwestfernsehen gerade im Regionalen oft bemüht heimelig und provinziell, frei nach dem Motto: Bloss den Zuschauer 60+ nicht überfordern.... Im Jahr 2019 hatten ein Drittel der Einwohner Baden-Württembergs einen Migrationshintergund (Statistisches Landesamt). Im Programm merkt man das kaum - weder im Fernsehen, noch im Hörfunkangebot. Darauf angesprochen, räumten die Landessender-Chefinnen
Simone Schelberg
Defizite ein. So meinte Schneider, man habe mit der Förderung zu spät begonnen, "Bildschirm-Gesichter" würden nicht einfach "vom Himmel fallen", aber daran arbeite man. Für ihre Kollegin Schelberg geht es darum, die neuen Online-Formate Schritt für Schritt auch in das lineare Programm zu integrieren - dabei befinde man sich "auf einem guten Weg."   

Online, Instagram, Youtube und Co, das wirkt beim SWR in schwierigen Zeiten schon wie ein Fetisch, der für die erfolgreiche Zukunft beschworen wird. Weder für die beiden, für die Landesprogtramme zuständigen Direktorinnen, noch beim Fernsehchef, Clemens Bratzler, spielt anscheinend das lineare Programm noch eine primäre Rolle. Dabei prägen die Landesprogramme im Südwestfernsehen (18-20 Uhr), wie auch die politischen Magazine am Donnerstag nach der Tagesschau ("Zur Sache BW" - "Zur Sache R-P") den 'Markenkern' des SWR. Dazu zählen ebenso die erfolgreichen Vebrauchersendungen "Markt Check" oder das Wissenschaftsmagazin "Odysso" - auf der Programm-PK kein Thema.  

SWR-Programmdirektor Bratzler stellte heraus, künftig im Fiction Bereich neue Wege einschlagen zu wollen - natürlich: On Demand. So wird nur auf Instagram das Leben der Widerstandskämpferin Sophie Scholl präsentiert, als hätte es die Technik damals (1942) gegeben. Damit will er jüngere Zuschauer erreichen und für das Thema interessieren. Auf diese Online-Fixierung angesprochen, meinte Bratzler, natürlich nutze der SWR auch seine linearen Programme dafür, aber on-demand sei man nicht so von Marktanteilen und Quoten abhängig. Hier könne der SWR mehr ausprobieren, einige Dokumentationen seien auf Youtube erfolgreicher gewesen, als linear. 

SWR - digital mit Werten... 


Für Intendant Gniffke ist ist der Kurs damit klar: "Der SWR ist in Bewegung, im Umbau und auf dem Weg zu einem digitalen Medienhaus mit Werten". Es gelte inhaltlich Vielfalt und die Widersprüche darzustellen und dafür setze die Anstalt auf die digitale Transformation. Gespart werden muss allerdings auch - und das unabhängig von der Entscheidung des Verfassungsgerichtes über die Anhebung der Rundfunkabgabe. Sparpotentiale wollte der Intendant aber nicht nennen. Einen Stopp des technischen Ausbaus beim digitalen Radio DAB+, wie vom Deutschlandradio jetzt verkündet, will Gniffke anscheinend nicht. Er halte das Projekt nicht für ein 'totgerittenes Pferd', wie manche behaupten würden. Immerhin hätten künftig alle neu zugelassenen PKW auch eine Empfangsmöglichkeit für DAB+ Programme. Überzeugend klingt das nicht, sieht man in die Pressemappe unter dem Titel: "Technik-Innovation made by SWR". Hier wird nur das gemeinsam mit der Automobil- und Telekommunikationsbranche geplante Projekt für den mobilen Empfang: "Ausbau eines 5G-Netzes" vorgestellt. Der Empfang von Radio- und Bewegtbild über Mobilfunk hat jetzt schon DAB+ bei den Nutzern abgehängt.

Bleibt abzuwarten, ob der SWR mit seiner On-Demand-Strategie beim Publikum - gerade dem jüngeren - Erfolg haben wird. Dafür spricht, dass die ARD-Mediathek im Januar 2021 rund 170 Millionen Aufrufe verzeichnete - 20 Millionen mehr als einen Monat zuvor (Online-Branchendienst DWDL). In den letzten 12 Monaten verzeichnete die ARD- Mediathek rund 1,4 Milliarden Abrufe. Dabei wird allerdings nur gemessen, wie oft ein Titel angeklickt wurde, also weder, wie lange geschaut, noch wieviele Nutzer es waren. Vor ein paar Wochen ging eine Meldung durch die Presse, dass Netflix im Dezember 2020 in Frankreich ein lineares Programm anbieten will: „Viele Zuschauer*innen mögen die Idee eines Programms, bei dem sie nicht entscheiden müssen, was sie schauen wollen“, erklärte das Unternehmen dazu (Kino.de 10.11.20) Ob sie dies auch in Deutschland planen, hängt demnach vom Erfolg in Frankreich ab.

Fazit: Video-Pressekonferenzen sind zwar einerseits bequem, man muss sich nicht in Schale werfen und zum SWR-Funkhaus fahren. Andererseits gibt es keine Möglichkeiten, nebenbei mit Veranwortlichen zu sprechen und sich buchstäblich ein eigenes Bild zu machen - der Sender bestimmt das Sehbare - von Schnittchen und Getränken ganz abgesehen. Positiv ist zu vermerken, dass die SWR-Chefetage - im Gegensatz zu früheren Tagen - unter Gniffke offener kommuniziert, als seine Vorgänger.    


(1) Der Youtube Kanal wird vom Kölner TV-Unternehmen I&K produziert, das einst Günther Jauch und heute zum Investment-Unternehmen KKR gehört.

2021 einsam zu Zweit.....


hoffentlich bald wieder wie 2018...


Sonntag, 24. Januar 2021

Rundfunkabgabe: Zahlen Mitarbeiter von ARD und ZDF die Zeche?!

 

Kaum hatte das Bundesverfassungsgericht den Eilantrag der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wegen der verweigerten Erhöhung der Rundfunkabgabe durch Sachsen-Anhalt abgewiesen, zeigen sich die ersten Auswirkungen. (1) Betroffen davon sind davon jetzt die Mitarbeiter der Rundfunkanstalten. Am 15.Januar kündigte das Deutschlandradio (DLR), rückwirkend zum 1.Januar, die Tarifverträge. Dazu beruft sich die Anstalt sich auf das im Vertrag festgehaltene Sonderkündigungsrecht. Somit erhalten die Mitarbeiter nicht, die bisher ab April vereinbarte Gehaltserhöhung (+2.25%). Mittlerweile gibt es auch bei den anderen Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft der Rundfunkanstalten (ARD) Überlegungen, dem Deutschlandradio zu folgen. 

Wieviele Personen in diesem Fall betroffen wären, lässt sich nur schwer sagen, denn die offiziellen Zahlen über Planstellen bei ARD und ZDF schließen Freie - und Fest-Freie Mitarbeiter ebensowenig ein, wie Beschäftigte von Tochterunternehmen. Dazu kommt, dass hier nur Vollzeitstellen aufgelistet werden, Teilzeitkräfte werden so nicht erfasst. (2)  Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstlaten (KEF) - hat in ihrem aktuellen 22.Bericht aufgelistet, dass die ARD (ohne Deutschlandradio) über 19.656 Vollzeitstellen verfügt, beim ZDF sind es 3.534, dazu kommen im gemeinsam mit Frankreich veranstalteten Kulturkanal Arte deutscherseits 41 Stellen. Das Deutschlandradio verfügt demnach über 628 Planstellen. (3) Der Zusammenschluss der Freienvertretung innerhalb der ARD bezifferte 2017-2019 die Zahl der Honorarkräfte auf über 11.800 , dazu kommen noch etwa 4.200 für das ZDF. Darin nicht enthalten sind privatwirtschaftliche Tochterunternehmen der Öffentlich-Rechtlichen (4) 

Fazit: Nach Angaben der KEF arbeiten rund 42.000 Menschen bei ARD und ZDF, davon sind 58% fest angestellt. Dafür müssen die Öffentlich-Rechtlichen jährlich aus ihrem Etat  3,27 Milliarden Euro aufwenden (ohne Altersversorgung).

Rundfunkanstalten prüfen Kündigung - Gewerkschaften not amused

 
Nach der Kündigung des Tarifvertrages durch das Deutschlandradio, habe ich Mitte Januar die anderen ARD-Anstalten und das ZDF um eine Stellungnahme gebeten. "Das ZDF hält am laufenden Tarifvertrag fest und macht von dem darin enthalteten Sonderkündigungsrecht (...) keinen Gebrauch", teilte die Pressestelle am 15.Januar mit. Für die ARD erklärte am selben Tag ein Sprecher des Westdeutschen Rundfunks (WDR) in Köln: "Wir wollen Schaden vom Programm weitestgehend fernhalten. Die Tarifverträge schließen jeweils die Landesrundfunkanstalten mit ihren jeweiligen Tarifpartnern ab. (...) Eine ARD-weite Regelung gibt es nicht. Einige Landesrundfunkanstalten prüfen (...) die Option." Allerdings habe sich bereits der Bayerische Rundfunk (BR) entschieden, von einer Sonderkündigung abzusehen. Beim Südwestrundfunk (SWR) hieß es drei Tage später: "Der SWR gehört zu der Gruppe, die dies 'ernsthaft prüft'." Dort besteht Zeitdruck, da eine Sonderkündigung bis Ende Januar 2021 erfolgen muss. Laut Mitteilung des djv vom 1. Februar verzichtet der SWR auf die Sonderkündigung des Tarifvertrages, die Erhöhung der Einkommen ist damit rechtsgültig geworden.
 
Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) prüfe man: "ob die Option der Sonderkündigung (...) für den NDR in Betracht kommt", so die Pressestelle am 20. Januar. Ähnlich hatten sich zuvor Radio Bremen (RB) und der Saarländische Rundfunk (SR) geäußert. Beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) teilte man am 18.Januar mit, der Sender befinde sich "dazu derzeit mit den Gewerkschaften im Gespräch, eine Entscheidung ist noch nicht getroffen." Ähnlich lautete die Antwort beim Hessischen Rundfunk (HR), zwar gebe es auch hier ein Sonderkündigungsrecht im Tarifvertrag, man habe aber noch Zeit bis zum Frühsommer, für eine Entscheidung. 
 
Deutlich angefressen reagierte am 18. Januar Hendrik Zörner, Sprecher des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV): "Nein, uns ist natürlich nicht bekannt, welche ARD-Anstalten mit dem Gedanken der Kündigung spielen. In solchen Fällen werden wir als Journalistengewerkschaft vor vollendete Tatsachen gestellt." Der Tarifsekretär Medien bei der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi-DGB), Matthias von Fintel betonte, man habe 2019 mehrjährige Tarifabschlüsse vereinbart, die Lohnerhöhungen in drei Stufen vorsehen. Dabei werde die letzte Stufe ab April 2021 wirksam: "In einigen Rundfunkanstalten ist diese dritte Erhöhungsstufe mit einem Sonderkündigungsrecht versehen", erläuterte der Verdi-Sprecher. Von einer Kündigung der Tarifverträge sind neben den Festangestellten vor allem die große Zahl der Honorarkräfte der Rundfunkanstalten betroffen. Die ARD-Freienvertretung habe sich damit noch nicht beschäftigt, erklärte dazu Christoph Reinhardt am 20. Januar auf Nachfrage. "Sollte z.B. mein Sender rbb (Radio Berlin Brandenburg) ebenfalls die Kündigungsoption ziehen (...) wären hier alle betroffen - die Mindesthonorare werden auf alle frei Beschäftigten (einschließlich frei-Freie) angewendet, nicht nur auf die Arbeitnehmerähnlichen." (4) 
 
Abschließend stellt sich also die Frage, ob nun die Mitarbeiter der Rundfunkanstalten den Preis für das vorläufige Scheitern von ARD und ZDF in Karlsruhe zahlen sollen. Vor allem, weil selbst nach einem Erfolg der Klage im Hauptverfahren, eine rückwirkende Erhöhung der Rundfunkabgabe ausgeschlossen sein dürfte. Das Verfahren könnte Jahre dauern "Sie könnten dann ja nicht rückwirkend die Haushalte dazu verdonnern, eine hohe Nachzahlung zu leisten", war aus einer Staatskanzlei zu vernehmen. Dort kritisierte man, die Rundfunkanstalten hätten sich für das Verfassungsgericht schlecht vorbereitet: "Die Ablehnung des Antrags von ARD und ZDF hätte bei uns in der juristischen Abteilung ein Volontär scheiben könne"
 
Nachtrag: Am 29. Januar meldete der Branchndienst Medienkorrespondenz (2/21), man könne noch in 2021 mit einem Urteil rechnen. Dafür spreche, dass die Richter in Karlsruhe den Parteien mit dem 15. Februar nur eine kurze Frist für ihre Stellungnahmen zur Klage der Rundfunkanstalten eingeräumt haben. 
 
Wie dem aus sei, die Folgen tragen nicht alleine die Mitarbeiter der Rundfunkanstalten, stark betroffen seien auch die freien Produktionsfirmen. Die Fremdfirmen unterliegen schon seit Jahren dem wachsenden Preisdruck ihrer Auftrasggeber. Viele Rundfunkanstalten lassen Aufträge wieder in ihren Häusern erledigen - oft durch billige Honorarkräfte - vor allem im technischen Bereich. Gerade in den Ost-Ländern könnte sich der Coup von Sachsen-Anhalt als standortpolitischer Bumerang erweisen, denn hier sind die Medienbetriebe fast vollständig von Aufträgen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks abhängig.
 
Und wo bleibt das Positive? Das Deutschlandradio hat neben der Kündigung der Tarifverträge auch beschlossen, den Ausbau des digitalen Radionetzes (DAB+) zu verschieben. Ähnliche Überlegungen gibt es auch bei anderen ARD-Anstalten. Bereits 2016 hatte die KEF (20.Bericht) deutliche Kritik an der Digitalradiostrategie geübt. So habe bereits 1997 das Vorläuferprojekt DAB über 176 Millionen Euro gekostet, das Resümee der KEF: "verlief erfolglos". Das 2009 neu aufgelegte Projekt DAB+ würde bis 2028 die ARD rund 445 Millionen Euro kosten - das Deutschlandradio 235 Millionen. Obwohl der niedersächsische Landtag eine Einstellung des technisch überholten und von den Hörern nicht akzeptierte Digitalradioprojektes forderte, ist bisher nichts geschehen.... (5) 
 
 
 
(2) In den Rundfunkanstalten arbeiten neben Festangestellten, sogenannte Fest-Freie, das sind Honorarkräfte, die aber ähnliche Rechte wie Festangestellte genießen. Diese Möglichkeiten haben Frei-Freie Mitarbeiter nicht - oft ist ihre Honorarhöhe pro Jahr deutlich begrenzt (SWR 18.000 Euro im Jahr).    
 
(3) 22. Bericht der KEF, Februar 2020 S. 111-119

(4) https://www.ard-freie.de/60-2


(5) https://medienfresser.blogspot.com/2019/07/dab-landtag-niedersachsen-fordert.html


Sonntag, 3. Januar 2021

Rundfunkabgabe: 2021 Katerstimmung bei ARD, ZDF und DLF ?

Eigentlich sollte die Rundfunkabgabe aller Haushalte für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk am 1.Januar 2021 um monatlich 86 Cent auf 18,36€ steigen. Nachdem das Bundesland Sachsen-Anhalt aber seine Zustimmung zum Staatsvertrag im Dezember 2019 verweigerte https://medienfresser.blogspot.com/2020/12/rundfunkabgabe-cdu-sachsen-anhalt.html hatten ARD, ZDF und Deutschlandfunk versucht, dies per Einstweiliger Anordnung beim Bundesverfassungsgericht durchzusetzen. Am 22. Dezember 2019 haben die Richter des ersten Senats den Erlass einer einstweilige Anordnung abgelehnt.

In der Begründung des Beschlusses räumte das Gericht den Öffentlich-Rechtlichen im Hauptverfahren aber Chancen auf einen Erfolg ein: "Die Verfassungsbeschwerden sind weder offensichtlich unzulässig noch offensichtlich unbegründet. (...) Angesichtes der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts erscheint eine Verletzung der durch Artikel 5 Abs. 1 Satz 2 GG geschützten Rundfunkfreiheit zumindest möglich". Ihre Ablehnung des Antrags auf Einstweilige Anordnung begründen die Richter vielmehr damit, die Rundfunkanstalten hätten die Folgen nicht näher dargelegt. Dass die Verzögerung der Erhöhung "irreversibel zu schweren Nachteilen führt. (...) hätten die Beschwerdeführer vielmehr näher aufzeugen müssen." Eine Verschlechterung des Programmangebots ohne die zusätzlichen 86 Cent "hätten sie substantiiert darlegen müsse". Die Rundfunkanstalten hätten dargelegt, das finanzielle Effekte erst Ende 2022 oder 2024 eintreten würden. Daher sei es für die Richter nicht nachvollziehbar, warum im Falle des Abwartens bis zur Entscheidung über die Verrfassunsgklage der Finanzbedarf bis zu diesem Zeitpunkt nicht gedeckt werden könne.   

Haben also die Rundfunkanstalten ihre 'Hausaufgaben' nicht gemacht? Haben die Verantwortlichen geglaubt, die Einstweilige Anordnung sei ein Selbstgänger? ZDF - Intendant Thomas Bellut erklärte: "Das ZDF hat die Eilentscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Kenntnis genommen und wartet das Verfahren in der Hauptsache ab. Ermutigend ist der Hinweis in der Begründung, dass eine Verletzung der Rundfunkfreiheit angesichts der bisherigen Rechtsprechung möglich ist." Er rechnet mit einem Urteil bereits im Jahr 2021, dazu äußerte sich der ARD-Vorsitzende und Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR) Tom Buhrow nicht. Er kündigte vielmehr an: "Wir müssen nun unsere Finanzplanungen anpassen. Ein Ausbleiben der Beitragsanpassung wird gravierende Maßnahmen erfordern, die man im Programm sehen und hören wird."

 

Politiker fordern positive Berichte über den Osten

 

Bereits während der Auseinandersetzung um die Zustimmung des Landtags von Sachsen-Anhalt hatten Politiker versucht, die Zustimmung zur Gebührenerhöhung mit der Forderung nach positiver Berichterstattung zu verknüpfen. Seit Jahren streiten sich die Länder um die Änderung des Auftrags der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in Deutschland. Kaum hatten die Richter in Karlsruhe den Antrag von ARD, ZDF und DLF abgelehnt, erklärte der sächsische Staatsminister Oliver Schenk (CDU), daraus gelte es jetzt die Lehren zu ziehen: "Zu diesen gehört im Interesse aller Rundfunkbeitragszahlerinnen und -zahler ein besseres Abbilden der ostdeutschen Wirklichkeit vor und hinter der Kamera." (Stuttgarter Zeitung) Wünscht man sich im Osten einen Rundfunk wie zu DDR-Zeiten? Damals präsentierte jeden Abend die "Aktuelle Kamera" jeden Ernteerfolg einer LPG oder die Planerfüllung eines VEB-Betriebes in elegischer Breite - die Leute schalteten ab. 
 
Aber obacht, es sägen nicht etwa vor allem alte Ost-Kader an der Rundfunkfreiheit, Herr Schenk wurde in Dachau geboren und studierte in Bayern. Auch im Westen haben vor allem konservative - aber auch liberale Politiker - ein gestörtes Verhältnis zur grundgesetzlich verankerten Rundfunkfreiheit. Sie wollen den der Gesellschaft verpflichteten Rundfunk für Alle steuern. So scheiterten im Jahr 2019 die Verhandlungen der Länder über ein Modell der Gebührenfestsetzung mittels Anpassung an die Preissteigerung. Fragt man nach, wer sich denn am härtesten dagegen gesperrt habe, bekommt man zu hören: Es waren die Landesregierungen mit FDP-Beteiligung - und die befinden sich alle in den alten Bundesländern. Aus Richtung der rechten CDU kommen mittlerweile Forderungen nach Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, dies fordert der CDU-Bundesfachausschuss Wirtschaft, Arbeit Steuern (Der Spiegel 15.12.2020). Vor der anvisierten schrittweisen Privatisierung habe der Öffentich-Rechtliche Rundfunk nur die Aufgabe zu senden, was Private nicht oder nur unzureichend anbieten würden. Gut, das ist jetzt weder besonders originell noch neu - diese Forderungen gehören zum Katechismus der kommerziellen Rundfunkanbieter seit 1985. Jetzt aber bekommt die Sache Brisanz, da die AfD die Union in dieser Frage von Rechts unter Druck setzt. https://medienfresser.blogspot.com/2017/05/afd-kulturzerstorer.html
 
Sparzwang herrscht bei ARD, ZDF und DLF schon seit Jahren - das betrifft vor allem die neun Anstalten des ARD-Verbundes. Das macht sich mittlerweile vor allem im Radio bemerkbar. So haben kürzlich NDR wie WDR Wortsendungen aus den Programmen gestrichen. Der Arbeitsdruck wächst, da die Redaktionen nunmehr Trimedial - also für Fernsehen, Radio und Internet - produzieren müssen. Für längere Recherchen bleibt kaum Platz, more of the same kennzeichnet die Programme. Ja es gibt 'Wasserköpfe' und Verschwendung gerade in den ARD-Anstalten. Die haben aber vor allem politische Ursachen, denn Sender wie Radio Bremen oder der Saarländische Rundfunk sowie auch der Hessische Rundfunk könnten etwa mit dem Südwestrundfunk oder dem Norddeutschen Rundfunk fusionieren. Dagegen haben sich aber die Landespolitiker immer gewehrt - sie wollten sich ihre medienpolitische Spielweise erhalten. Aber auch bei den 'Mehrländeranstalten' (NDR, MDR, RBB,SWR) feilschen die Politiker um jeden Standort für ihr Bundesland, egal was es kostet. 

Unabhängig, wie das Bundesverfassungsgericht entscheidet, der politische Druck - befeuert von Rechtsaußen - hat seine Wirkung in den Chefetagen der Rundfunkanstalten - bis hinunter in die Redaktionsstuben. Einst setzten sich Gewerkschaften, Parteien und gesellschaftliche Gruppen für den, der gesamten Gesellschaft verpflichteten Rundfunk, ein - davon ist heute nichts zu spüren. Vielmehr hat man den Eindruck, dass man auch in den Rundfunkanstalten vor dem Druck konservativer und rechtsvölkischer Populisten in die Knie geht. Insofern dürfte 2021 kein gutes Jahr für die Rundfunkfreiheit werden.....

 

Dienstag, 1. Dezember 2020

Rundfunkabgabe: CDU-Sachsen-Anhalt pfeift auf Rundfunkfreiheit

Eigentlich müsste die für 2021 geplante Erhöhung der Rundfunkabgabe aller Haushalte auf monatlich 18,36 € (+86 Cent) in trockenen Tüchern sein, da die Ministerpräsidenten der Länder den Staatsvertrag bereits unterzeichnet haben. Diesem müssen aber noch die Länderparlamente zustimmen und dies nutzt jetzt die CDU in Sachsen-Anhalt unter Ministerpräsident Reiner Haseloff, zur populistischen Profilierung. Der Vorgang eröffnet einen Blick darauf, was man in der Union in Magdeburg von der verfassugsrechtlichen Freiheit des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks hält. Hier geht es weniger um die paar Cent mehr, sondern um Standortförderung und eine regierungsfreundliche Berichterstattung. Dies erklärt, warum die jahrelangen Verhandlungen der Länder um die Koppelung der Rundfunkabgabe an die allgemeine Preisentwicklung scheitern mussten. Damit hätten die Landesherren und die Parteien ihr zentrales Druckmittel auf ARD und ZDF aus der Hand gegeben

So monierte der medienpolitische Sprecher der Union in Sachsen-Anhalt, Markus Kurze, laut Stuttgarter Zeitung (1.12.20) eine vielfach einseitige und negativ verzerrte Berichterstattung von ARD und ZDF und eine ungenügende Ansiedlung zentraler Einrichtungen der ARD im Osten. Noch deutlicher machte der CDU-EU-Abgeordente Sven Schulze aus Sachsen-Anhalt die Stoßrichtung. Er hatte im Zusammenhang mit einer von ihm kritisierten Satire in der ARD gesagt: "Nicht nur deshalb ist es richtig, daß die geplante Erhöhung des Rundfunkbeitrags nicht kommen wird. Die CDU in Sachsen-Anhalt wird das verhindern."  (Online-Branchendienst dwdl 19.8.20) Das macht deutlich, worum es der CDU in Magdeburg wirklich geht: Geld gibt es nur bei genehmer Berichterstattung plus Standortförderung. Das die Koppelung der Rundfunkfinanzierung an politische Forderungen verfassungsrechtliche Fragen der Rundfunkfreiheit tangiert - ist anscheinend in Magdeburg egal. Dabei hatten ARD und ZDF am 13. November auf einer Anhörung des Landtagsausschuss in Magdeburg Zugeständnisse angeboten (Medienkorrespondenz, 20.11.20)  Demnach werde das ZDF die zweite Stafffel einer Krimiserie in Halle an der Saale realisieren. Darüber habe die gemeinsame Digitalagentur von ARD und ZDF am Standort Leipzig ihren Sitz. Die Union im Osten hatte wohl einen fetteren Happen im Visier. Wochen zuvor kursierte das Gerücht, man habe für eine Zustimmung zum Staatsvertrag den Umzug der ARD-Fiction-Tochter Degeto aus Frankurt am Main in den Osten gefordert. 

Die Dreistigkeit, mit der die CDU in Magdeburg ihre Standortinteressen beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk durchsetzen will, zeugt von einem sehr bedenklichen Verhältnis zur verfassungsrechtlich gesicherten Rundfunkfreiheit - zu der auch eine von politischen Forderungen unabhängige Finanzierung gehört. Das Bundesverfassungsgericht hatte in seinen Urteilen 1994 und 2007 zur Rundfunkfinanzierung entschieden, eine Ablehnung der Beitragserhöhung sei nur im Rahmen der Rundfunkfreiheit (Art 5 Grundgesetz) zulässig. Darauf hatte schon im November der Medienrechtler Bernd Holznagel bei der Anhörung im Medienausschuss des Landtags in Magdeburg hingewiesen (Medienkorrespondenz 4.12.20). Demnach sei die vorgeschlagene Erhöhung um 86 Cent, gegenüber den von ARD, ZDF und DLF geforderten 1,75€ moderat ausgefallen. "Eine unangemessen Belastung der Beitragszahler" könne man so "nicht begründen", betonte Holznagel. Die von der CDU/SPD/Grüne Koalition in Magdeburg vereinbarte Beitragsstabilität über Jahre widerspreche der verfassungsrechtlichen Finanzierungsgarantie des Rundfunks. Einsparpotentiale seien bereits durch die unabhängige Kommission (KEF) beim Vorschlag zur Erhöhung berücksichtigt worden. 

Der Versuch der Union in Magdeburg die Standortförderung durch die Öffentlich-Rechtlichen zu erzwingen, würde ARD und ZDF viel Geld kosten. Das diese Denkart kein Einzelfall ist und auch nicht auf den Osten der Republik beschränkt, zeigt der Südwestrundfunk (SWR) . Im Jahr 1998 waren der Südwestfunk (Baden-Baden und Mainz) und der Süddeutsche Rundfunk (Stuttgart) zum Südwestrundfunk SWR fusioniert. Dem dazu nötigen Staatsvertrag waren lange Verhandlungen zwischen den Landesregierungen in Stuttgart (CDU) und Mainz (SPD) vorangegangen. Dabei war es um Standorte und das Führungspersonal gegangen. Am Ende entstand ein aufgeblähter Direktions- und Produktionsapparat, verteilt auf die drei Standorte. Im SWR kursierte der Witz, die Direktoren und ihr Tross würden mehr Zeit auf der Bahn und im Auto verbringen, als an ihren Schreibtischen.

Altbekannte CDU-Strategie

 
Die West-Alliierten hatten nach dem Zweiten Weltkrieg verhindern wollen, dass erneut ein zentraler Staatsfunk entsteht. Sie entschieden sich für ein Modell, das der britischen BBC entlehnt war, denn ein kommerzielles Rundfunkmodell, analog zu den USA, war im wirtschaftlich zerschlagenen Nachkriegsdeutschland kaum realisierbar. Also wurden in den Besatzungszonen dezentrale Rundfunkanstalten eingerichtet, das erklärt, warum Radio Bremen (US-Hafen), der Saarländische Rundfunk (französische Verwaltung) und SWF und SDR in Baden-Württemberg (geteilt in US und französische Zone) entstanden. Im Osten richtete die Sowjetunion ein zentrales, vom Staat gesteuertes Rundfunksystem ein. Aber auch die Politiker in West-Deutschland begrüßten den öffentlich-rechtlich verantworteten Rundfunk nicht gerade. CDU-Bundeskanzler Konrad Adenauer wollte nach Gründung der Bundesrepublik einen zentralen Rundfunk - finanziell wie inhaltlich abhängig von der Regierung in Bonn. Dem diente das von der CDU im Oktober 1950 veröffentlichte Memorandum: "Massenführung in der Bundesrepbulik". Mit seinem medienpolitischen Anspruch stieß Adenauer allerdings auch bei CDU- Ministerpräsidenten auf wenig Gegenliebe - sie wollten sich des Rundfunks selber bemächtigen. 
 

NWDR - Bayerischer Rundfunk - Norddeutscher Rundfunk 


In der britischen Zone (Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen) wurde der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) gegründet. Bereits 1950 betrieb die CDU in Nordrhein-Westfalen die Trennung des NWDR in den Norddeutschen- und Westdeutschen Rundfunk (NDR-WDR). Schon damals wurde vordergründig mit den Interessen der Nutzer argumentiert. Die CDU-Landesregierung in Düsseldorf schimpfte, die NWDR- Nachrichtenzentrale in Hamburg berücksichtige die Belange NRWs nicht genügend und der Coup gelang. Zehn Jahre später versuchte Kanzler Adenauer ein Bundesfernsehen einzuführen, erst das Bundesverfassungsgericht stoppte 1961 seine Pläne. Ganz vergebens waren seine Bemühungen aber nicht, denn aus der Konkursmasse entstand das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) mit Sitz in Mainz. Hier üben im Fernsehrat bis heute die Parteigranden des Bundes und der Länder die Macht aus. Anfang der 1970er Jahre wollte die CSU über die Besetzung der Schaltstellen beim Bayerischen Rundfunk Einfluss auf das Programm nehmen. Legendär, 1986 schaltete sich der BR aus dem Ersten Progamm der ARD aus: Die Satiresendung "Scheibenwischer" konnten die Zuschauer im Freistaat nicht sehen.

Unter der Regierung Kanzler Kohls begann die CDU ein Kesseltreiben gegen missliebige Redakteure und Sendungen, vor allem beim WDR und NDR - Stichwort "Rotfunk". Der Mitte der  1970er Jahre aufkommende Widerstand großer Teile der Bevölkerung gegen die Atomenergie - Wyhl  und Brokdorf - setzten die Politik unter Druck. Vor allem der CDU-Ministerpräsident Niedersachsens, Ernst Albrecht, mit dem geplanten Atom-Endlager bei Gorleben, kam unter Druck. Er lastete dies der Berichterstattung des NDR über die Atompoilitik an und kündigte deshalb den NDR-Staatsvertrag mit Hamburg und Schleswig-Holstein. Auch hier benutzte die CDU das Vehikel, einer angeblich auf Hamburg zentrierten Berichterstattung. Der Kompromiss bestand in den Landesfunkhäusern in Hannover und Kiel, mitsamt eigenem Direktionsapparat und entsprechenden Zusatzkosten. 
 
Den Politikern ging und geht es um politischen Einfluss und Standortpolitik - was das kostete, das darf der Rundfunknutzer bezahlen. Nur weil der CDU in Sachsen-Anhalt aktuell die AfD populistisch im Nacken sitzt, spielt man in Magedeburg die 'Gebühren-Karte'. Die Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks - wie von der AfD gefordert - steht für Haseloff und seine Partei nicht wirklich zur Debatte. Außerdem könnte das das Ende der Koalition, von CDU, SPD und Grünen bedeuten und Neuwahlen dürften der CDU nicht genehm sein. Die Erfahrung der Politiker mit dem kommerziellen Rundfunk zeigen, das diese Programme alleine auf Unterhaltung setzen - Politiker auf dem Bildschirm bringen keine Quote und keine Werbeinnahmen

Aktualisierung:  Mittlerweile entpuppt sich, nachdem Haseloff seinen CDU-Innenminister Stahlknecht (Nomen es Omen) gefeuert hat, als unionsinterner Machtkampf. Es geht den Rechten um den Ex-Innenminister und -Parteichef  darum, den Weg für eine Zusammenarbeit mit der AfD zu öffnen. Die Rundfunkabgabe ist da nur das Mittel zum Zweck. SPD und Grüne scheinen für den Erhalt der sowieso schon wackeligen Koalition zu einem 'Kompromiss' auf Kosten eines unabhängigen Rundfunks bereit zu sein. Demnach würde der Landtag seine Zustimmung mit einem Beschluss verbinden, in dem Verhandlungen über zusätzliche Sparmaßnahmen der Öffentlich-Rechtlichen gefordert werden. Dazu stellte die Sprecherin der Rundfunkkommission der Länder, Heike Raab fest, es werde keine Nachverhandlungehn geben. Dem Vernehmen nach bereiten sich die Rundfunkanstalten bereits auf eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht vor, meldete die 'Medienkorrespondenz'  

Aktualisiert, 3. Januar 2021: https://medienfresser.blogspot.com/2021/01/rundfunkabgabe-2021-katerstimmung-bei.html

Dienstag, 10. November 2020

Babylon Berlin - Shadowplay: Geschichte als Krimi-Kulisse

Auch die dritte Staffel enttäuscht
Foto: Frédéric Batier/X Filme Creative Pool / 
ARD Degeto/ WDR/Sky/Beta Film 2019

Im Oktober hatte die dritte Staffel "Babylon Berlin" Premiere im "Ersten' der ARD. Bis 21. Januar 2021 können die zwölf neuen Folgen kostenlos in der ARD-Mediathek abgerufen werden. Überzeugen konnte auch die dritte Staffel nicht. Flacher Plot garniert mit einer historischen Schnitzeljagd durch das Berlin anno 1929. Auf der ARD-Homepage findet sich ein bezeichnendes Statement des Co-Autors Henk Hantloegten. Demnach sei es ihnen weniger darum gegangen, wer der Täter sei. Vielmehr habe man ein "riesen Sittengemälde" Berlins beabsichtigt. Genau hier liegt für mich der Hund begraben. Die Story in Kurzform: Mord an Film-Schauspielerinnen in Babelsberg. Auslöser ist ein Streit unter Kiez-Ganoven, dazu kommt ein psychopathischer Polizei-Forensiker, der sich nicht ernst genommen fühlt. Er will im Wahn seinen Chef spektakulär umbringen - daszu braucht es zwölf einstündige Folgen. Die Schwächen dieser Geschichte konnten auch die profilierten Schauspieler nicht retten.

Das anvisierte "Sittengemälde" der Stadt zur Zeit des Börsencrash 1929 wirkt  plakativ. Im Ufa-Studio werden die wechselnden Hauptdarstellerinnen eines Filmprojekts von einem dämonischen Mann in Schwarz gemeuchelt. Dabei nahmen die Serien-Autoren historische Film-Anleihen:"Das Kabinett des Dr. Caligari", "Dr. Mabuse der Spieler" oder "Metropolis". Zu sehen und hören bekommt man aber auf grotesk gebürstete Tanz-Gymnastik, auf exaltiert getrimmte Charaktere und erneut einen gruseligen Soundtrack. Ebensowenig gelingt es aber, die politische Situation Ende der 1920er Jahre aufzuzeigen. Bei einigen Figuren nahm man Anleihen an historischen Personen - geglückt ist das nicht. Da kämpft im Berliner Kiez ein smart-verklemmter SA-Führer um eine Prostituierte und wird von der Unterwelt umgebracht. Gemeint war Horst Wessel, den die Nazis zum Märtyrer machten. Der sanftmütige Journalist aus Österreich, der Putschpläne der Reichswehrführung enthüllen will, hat Carl von Ossietzky als Vorbild. Das bezopften Töchterchen, das ihn mit Infos versorgt, ist der Sproß des Reichswehrchefs - siehe Hans von Seeckt. Der kaltschnäuzige und brutale Ex-Oberst und Mitarbeiter von Reichskanzler von Hindenburg strebt eine nationale  Diktatur an - siehe Kurt von Schleicher. Ach ja und dann noch der esotherisch-irre Konzern-Erbe, der es seiner Mutter nie recht machen kann. Er will den Börsencrash, um ein neues Reich zu erschaffen - chargierend zwischen Norman Bates ("Psycho") und Industriellen-Familie Thyssen. Insgesamt plakativ grelle Figuren, ohne dramaturgische Tiefe - sie könnten in anderen Kostümen in jeder Nachmittags-Soap auftreten. Vor allem fehlen auch in der dritten Staffel Überraschung, Dynamik und Tempo. 

Jüngere Zuschauer und Binge-Watcher im Visier 

Alle Staffeln einen hoher technischer Aufwand und schwache Story, mit ungewollt lächerlicher Lösung. So ging es in der Ersten Staffel um einen aus Gold gebauten Eisenbahn-Kesselwagen, der per Schiene aus der Sowjetunion geschmuggelt werden sollte. Bei den ersten Staffeln hatte die ARD für die Werbung alle Medienkanäle genutzt, um sie zum 'TV-Event' des Jahres aufzublasen. So drückte der Südwestrundfunk in seinem Pop-Radio (SWR 1) den, textlich wie musikalisch, verquasten Song: "Zu Asche zu Staub" in die Hitparade. Im Film darf dann Bryan Ferry einen Kurzauftritt im Berliner Nachtclub de 20er Jahre machen - als eyecatcher. Auf solche Mätzchen hat man dann in der dritten Staffel verzichtet. Schauspielerisch überzeugte erneut nur Liv-Lisa Fries als Kriminal-Azubi-Kommissarin Charlotte Richter. Ihre Rolle - Berliner Göre mit kriminalistischem know how, nimmt man der Schauspielerin ab. Beste Szene in der dritten Staffe: Charlotte und ihre Schwester toben durch ihre Dachwohnung zu Cläre Waldoffs Gassenhauer: "Raus mit den Männern aus'm Reichstag...."

Bei den Produzenten der Serie, ARD und ihrer Tochter Degeto sowie dem Pay-Kanal Sky sieht man das ergebnis positiv. Sky-Sprecher Moritz Wetter sagte Anfang November: "Wieder ein großer Erfolg, wir sind sehr zufrieden - online wie linear" ähnlich sah dies ARD-Sprecher Burchard Röver. Für den Erfolg ist dabei für den Pay-Kanal wie die ARD die Nutzung On-Demand entscheinded. Damit könne man, meinte eine Sprecherin der Degeto "auch die Interessen der Sehgewohnheiten eines Serienpulikums" erreichen. Während Sky keine Zahlen über Zuschauer veröffentlicht, sagt der ARD-Sprechert: "Wir hatten für die Dritte Staffel mittlerweile über 20 Millionen Abrufe in der Mediathek."  

Bei der Ausstrahlung im 'Ersten' wurden die ersten drei Folgen der neuen Staffel am Stück ausgestrahlt, sie erreichten mehr als 4.3 Millionen Zuschauer (13,6 % Marktanteil). Die letzten drei Folgen wurden an anderen Tagen später gezeigt und kamen auf 2,9 Millionen (9,7%). Einen ähnlichen Verlauf gab es auch bei den ersten Staffeln. Damals hatte das "Erste" zuerst 7,88 Millionen (24,4%) Zuschauer erreicht, am Schluss noch 3,64 Millionen (11,8%). Die ersten beiden Staffeln wurden danach zwischen 2018 und 2020 in der ARD-Mediathek rund 20 Millionen mal abgerufen. Hinzu kommen noch die Wiederholungen in ARD-Dritten und Digitalkanälen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass diese Zahlen nur die Abrufe messen, nicht die Menge der Zuschauer. 

An den Drehbüchern der vierten Staffel wird bereits gearbeitet, sagte der Sky-Sprecher und bei der ARD erwartet man den Drehbeginn im Frühjahr 2021 - abhängig von der Entwicklung der Corona-Pandemie. Die Strategie der kommerziellen- wie öffentlich-.rechtlichen Produzenten orientiert auf den Erfolg im internationalen TV-Markt. Nur im Verbund ist eine Finanzierung und Refinanzierung solch aufwändiger Produktionen möglich. Der Erfolg scheint ihnen Recht zu geben, die beiden ersten Staffeln von "Berlin Babylon" wurden in 140 Länder verkauft. 

ZDF-TV-Event-Soap: "Das Boot" 

Ein Blick auf die Neuauflage von "Das Boot" (ZDF/Sky) bestärkt die Skepsis, ob solche Kooperationen zwischen Öffentlich-Rechtlichen und Kommerziellen anspruchsvolles  Fernsehen bieten kann. Die als 'TV-Events' beworbenen Serien sollen hohe Zuschauerzahlen bringen und vor allem bei Jüngeren Erfolg haben. Sie fehlen den linearen Programmen von ARD und ZDF, schauen Serien oft an einem Stück als Marathon im Internet - 'binge watching' genannt. Um sie bei den vielen Folgen als Zuschauer zu halten, wirken Dramaturgie, Personen und Storys normiert und damit oft voller Klischees. Jede Folge muss - wie bei den US-Vorbildern - mehrere Storys mit kurzen Spannungsbögen enthalten - damit die jungen Zuschauer nicht das Interesse verlieren. Für die internationale Vermarktung werden diese "TV-Events" zunehmend in englischer Sprache gedreht.

"Das Boot" im Soap-Design... 
Foto ZDF, Nick Konietzsky/Stefan Rabold


Wie das aussieht, zeigt die Neuauflage von "Das Boot". Produziert von Sky und Bavaria Fiction, einer gemeinsamen Tochter von ZDF-Enterprises und der ARD-Tochter Bavaria Film. Zuerst lief die erste Staffel im Pay-Kanal Sky, danach im ZDF-Hauptprogramm. Mit dem 1981 von Wolfgang Petersen gedrehten Welterfolg, basierend auf der  Romanvorlage von Lothar-Günther Bucheim, hat das allerdings nichts mehr zu zun - nur noch den Titel. Die ARD hatte sich das damals rund 34 Millionen Euro kosten lassen - das 'spin-off' von ZDF und Sky ist mit rund 25 Millionen Euro deutlich günstiger geworden. Auch hier wirken die Personen seriell, smart, hübsch und jugendlich. Sie mühen sich durch plakative Dialoge und eine Story mit Agentenfilm-Klischees. Während Petersen einst beim Zuschauer klaustrophobische Spannung auslöst - wirkt der neue Aufguss fad und einschläfernd

"...Quoten versenkt Kaleu?!"  
 Copyright:ZDF/Nick Konietzsky

Die acht Folgen von "Das Boot" haben im ZDF Hauptprogramm 2,6 Millionen Zuschauer erreicht, berichten Online-Branchendienste. Wieviele Sky-Abonnenten die Serie gesehen haben, ist nicht bekannt. Das ZDF kündigte  jedenfalls an, dass die zweite Staffel nach Weihnachten ab 27.12. 2020 an drei aufeinenader folgenden Abenden im Hauptprogramm gezeigt wird. Darüber hinaus sei bereits die Dritte Staffel der U-Boot-Saga geplant.  

 

 

 

"Shadowplay" Klischee Berlin 1946

Beim ZDF setzt man zunehmend auf einen Mix aus Kriminalfilm vor historischer Kulisse. Ende Oktober lief im Hauptprogramm die erste Staffel der vierteiligen (Mediathek acht Folgen) deutsch-kanadischen Koproduktion "Shadowplay - Schatten der Mörder". Dabei dient das durch den Krieg zerstörte Berlin im Jahr 1946 als Schauplatz. Die Darsteller - darunter Nina Hoss - mühen sich dabei durch ein Drehbuch voll platter Figuren und entsprechender Dialoge. Der Plot: Ein New Yorker Cop sucht seinen psychopathischen Bruder, der in Berlin untergetauchte Nazis killt -als Vorbild dienen ihm dabei die Bildergeschichten von Max und Moritz. Debei bedienen sich die Autoren der Nazi-Verbrechen als Folie für ihre Psycho-Splatter Story, ähnlich wie 2009 Quentin Tarantinos: "Inglourious Basterds". Einer der "Shadowplay"-Autoren war einst an der Preisgekrönten skandinavischen Serie "Die Brücke" beteiligt - von dieser Qualität ist hier nichts zu sehen. Es regieren platteste Klischees: Der russische Offizier ist immer böse und Hinterhältig. Ihm sagt der mutige deutsche Polizist vor seiner Erschießung: "Sie können sich nicht leisten, dass es einen guten Deutschen gibt."

 

Foto ZDF Stanislav Hanzik

Ja, überall trifft man im Berlin des Sommers 1946 auf 'gute Deutsche' - Perverse und Verbrecher sind vor allem die Sieger. Der US-Vizekonsul verhilft aus Raffgier Nazis zur Flucht, seine Frau ist eine dem Alkohol verfallene Britin, die die Deutschen hasst, weil ihre Brüder gefallen sind. So richtig widerwärtig ist nur der deutsche Gynakologe - der als 'Engelmacher' vergewaltigten Frauen hilft, aber gleichzeitig Bordelle betreibt und ein weibliches Killerkommando unterhält. So glaubwürdig wie die Bösewichter der 60er Jahre James-Bond-Filme - heute aber peinlich. Spannend hätte die Figur der jungen Deutschen werden können, die von US-Soldaten vergewaltigt, zum brutalen Killer wird. Aber leider waren das Drehbuch und die Darstellerin damit sichtlich überfordert. Ach ja - und Nina Hoss - sie berlinert sich patent als deutsche Trümmerfrau-Polizistin durch das zerstörte Berlin. Fazit: Eine Serie für den Geschmack der Soap-Liebhaber, nur selten kommt Spannung auf. Die Helden laufen durch die Trümmer-Kulissen, plakative Dialoge und ein nervender Musikteppich. Bei den Zuschauern war die erste Staffel mäßig erfolgreich. Die zuerst um 20.15 Uhr ausgestrahlten Folgen erreichten 3,68 Millionen Zuschauer (11,8% Marktanteil), die später um 22.15 Uhr gesendeten, erreichten 1,86 Millionen (10,4%) Marktanteil.    

Kulissen-Spektakel statt Autentizität

Die Trivialisierung der Zeitgeschichte begann bereits 2013 mit dem dreiteiligen ZDF-Drama: "Unsere Mütter unsere Väter". * Darin wurde das Schicksal fünf junger Deutscher im Zweiten Weltkrieg erzählt. Realisiert wurde die Produktion für das ZDF von Nico Hofmann und seiner Produktionsfirma teamworx. Mittlerweile ist Hofmann Chef der Bertelsmann-Tochter UfA-Fiction. (Kritik-Link unten). Diese deutschen Produktionen sind in der Regel behäbig - man traut dem Zuschauer wenig zu. Das es anders geht, zeigt der Kulturkanal Arte, der Ende 2019 die mittlerweile 5. Staffel der britischen Serie "Peaky Blinders - Gangs of Birmingham" ausstahlte. Produziert wird die Serie von BBC 2 und Sky, die vom französischen Arte eingekauft worden ist. Der Plot dreht sich um einen kriminellen irischen Clan, der im britischen Birmingham der 20er Jahre nach Oben will. Keine Serie für Zartbeseitete. Die Verquickung von Verbrechen und Politik reicht bis hinauf ins Unterhaus in London und zu Winston Churchill. Angefangen bei den Drehbüchern, der Dramaturige, den Dialogen, Kamera, Schnitt und Regie - Rasanz und Tiefe. Außerordentlich auch der Soundtrack, da wurde nicht versucht, Musik zum Teil der filmischen Darbietung zu machen (Babylon Berlin) oder Klaus Doldinger zu recyclen (Das Boot). Bei Peaky Blinders illustriert, kommentiert und konterkariert die Musik die Story. Der Titelsong ist von Nick Cave, auch Tom Waits oder Black Sabbath Rock aus den 1970ern illustriert die Folgen. Wie man mit historischem Background spannend erzählt, zeigte auch die BBC-Serie: "Ripper Street" (2012) die im Programm von ZDF-Neo gezeigt wurde. Dabei ging es um die Fälle eines britischen Kriminalkommissars in London im Jahr 1889. Spannend, schnell, brutal und auch hier tiefgründige und sperrige Charaktere. Bei der neuen ZDF-Serie "Vienna Blood", in der ein vierschrötiger Kommissar aus der Provinz zusammen mit einem jüdischen Freud-Jünger komplizierte Fälle im Wien der Jahrhundertwende löst, gilt es abzuwarten.

https://www.youtube.com/watch?v=RrxePKps87k&list=PL3YrSRHtg5381EIWW0NwPGamy03A0IxtS 


* siehe auch: https://medienfresser.blogspot.com/2013/03/unsere-mutter-unsere-vater-funf-freunde.html