Samstag, 11. Dezember 2010

HDTV wird kaum genutzt

Etwa 15 Millionen Fernsehempfänger stehen in bundesdeutschen Haushalten, mit denen Hochauflösende Fernsehprogramme (HDTV) empfangen werden können. Rechnet man pro Haushalt ein HDTV-taugliches Gerät, sind damit erst etwa 5,6 Millionen Haushalte (15%) bei uns für hochauflösendes Fernsehen gerüstet.

Die
reale Nutzung der HDTV-Programme beschränkt sich bundesweit auf gerade einmal knapp 750000 (2%) der 37,4 Millionen TV-Haushalte. Diese Zahlen finden sich im Vierten Bericht der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) über die Entwicklung der Konzentration im privaten Rundfunk (1) Demnach stehen in nur einer dreiviertel Million aller TV-Haushalte ein HDTV-Modem oder eine Settopbox zum Empfang hochauflösender Fernsehprogramme.

Derzeit werden
19 Fernsehprogramme im HDTV-Standard bundesweit verbreitet, davon sind 10 frei empfangbar, während die anderen 9 Programme nur per Abonnement empfangen werden können. ARD (Erstes und Eins Festival) und ZDF sowie Arte verbreiten ihre HDTV-Programme unverschlüsselt, im Gegensatz zu Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1, RTL und Vox sowie dem Anbieter Anixe (Sport und Filme). Die hochauflösenden Pay-Kanäle bieten neben Sport, Kinofilme und Dokumentationen (u.a. Sky, Disney, Discovery). Die Verschlüsselung ermöglicht den Betreibern unter anderem die Identifikation der einzelnen Nutzer - was für gezielte Werbemaßnahmen von Nutzen ist.

Im europäischen Vergleich ist das HDTV-Angebot in Deutschland gering. Die KEK sieht dafür zwei Ursachen, einerseits scheuten die TV-Veranstalter die hohen Kosten für die technische Umrüstung. Andererseits sei die Bereitschaft der Haushalte vom analogen auf den digitalen Fernsehempfang zu wechseln immer noch gering. Bisher empfangen erst 53% der bundesdeutschen TV-Haushalte ihre Fernsehprogramme digital (2). Vor allem bei den Kabelhaushalten, über die der größte Teil der TV-Versorgung geleistet wird, empfangen mehr als die Hälfte der Haushalte ihre Fernsehprogramme analog. (2)

(1) 4. Konzentrationsbericht der KEK, Oktober 2010, Vistas Verlag S. 58 ff.
(2) ZDF-Pressemitteilung zu ZDF Neo 10.12.2010

Montag, 6. Dezember 2010

Durchbruch für Online-Radio nicht in Sicht

Auch im Jahr 2010 stoßen Internet-Radioprogramme bei der Masse der Radiohörer auf kein Interesse. Dies zeigen die veröffentlichten Daten der Onlinestudie 2010 von ARD und ZDF. Demnach haben zwar über 13 Millionen Onliner (27%) schon einmal im Internet ein Radioprogramm (Livestream) gehört, aber nur knapp 1,8 Millionen (3,6%) gehören zu den regelmäßigen Nutzern. (1) Ein Jahr davor waren es noch 4% gewesen (Siehe Blog vom 13. Juni 2010).

Kein Wunder also, dass auch 2010 die Medienforscher von ARD und ZDF zu dem Ergebnis kommen: "Ein verstärkter Radiokonsum über das Internet ist nicht erkennbar." Vielmehr gebe es trotz der Zunahme von Breitbandanschlüssen mit Flatrate in den Bundesdeutschen Haushalten "keine relevante Zunahme der Livestreamnutzung."
Auch die Hoffnung, das zunehmend jüngere Internetnutzer ein Radioprogramm Online hören, hat sich 2010 nicht bewahrheitet. Zwar ist mittlerweile fast jeder der rund 15 Millionen Einwohner zwischen 14- und 29 Jahren regelmäßiger Internetnutzer, aber nur 600 000 hören (4%) regelmäßig ein Radioprogramm online.

Ernüchterung für die Webradio-Macher

Vor allem die Hörfunkunternehmen, die auf eigene Webradioprogramme im Internet als Zukunftsmarkt setzen, dürften von der Entwicklung enttäuscht sein. Die rund 2000 verschiedenen deutschsprachigen Internet-Radioprogramme werden täglich von gerade einmal 180 000 Jugendlichen (1,2%) angeklickt - das sind pro Sender gerade einmal 90 Hörer zwischen 14- und 29 Jahren. Eigentlich könnten die Veranstalter sie problemlos persönlich begrüßen. Deshalb halten die Autoren der Online-Studie einen schnellen Durchbruch des Webradios auf dem Hörfunkmarkt für "eher wirtschaftliches Wunschdenken". Auch sei die Mediendebatte über Internetradios aus diesen Gründen "deutlich überhöht." Besonders ernüchternd für die Webradiomacher dürfte sein, dass drei Viertel der Online-Radiohörer die Radioprogramme hören, die bereits über UKW verbreitet werden.

Jeder sein eigener Musik-Redakteur? Denkste!

Auch die Vermutung, dass Musikportale (Last.FM oder Laut.de) dem Radio Hörer abspenstig machen, hat sich bisher nicht bewahrheitet. Bei den 14-29-Jährigen nutzen täglich 450 000 (3%) die Möglichkeit, sich als "Programmredakteur" das eigene Radio über ein Musikportal zusammenzustellen. Ähnlich gering ist das Interesse an zusätzlichen Diensten, die neben der Musik über das Internetradio angeboten werden. Auch wenn Jüngere den Diensten etwas mehr Aufmerksamkeit zuwenden, kommt die Studie zu dem Ergebnis: "Auf wirklich relevante Potentiale lässt sich aber auch hier bislang nicht zurückgreifen."

Fazit: Auch in Zukunft dürfte für absehbare Zeit der lineare Empfang professionell gestalteter Radioprogramme die Basis des Hörfunks bleiben.

1) Media-Perspektiven 7-8 2010

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Onliner gesättigt?

Etwa 49 Millionen Einwohner in Deutschland sind regelmäßige Internet-Nutzer, das sind 69,4% der 70,57 Millionen hier Lebenden über 14 Jahre. Damit stieg die Zahl der Onliner in Deutschland innerhalb eines Jahres um stolze 13 Prozent, so die aktuelle Onlinestudie von ARD und ZDF (1).

Aber: Dieses stolze Wachstum resultiert daraus, das in der Statistik jetzt auch die Einwohner einbezogen werden, die aus Ländern außerhalb der EU (+5,74 Mio.) stammen. Zieht man diese Gruppe ab, dann ist die Online-Nutzung der Deutschen und EU-Bürger 2010 gegenüber dem letzten Jahr nur um +630 000 Personen oder gerade einmal 1,7% gewachsen.
Während das Internet zwischen 1997 und 1003 mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten boomte, verläuft die Kurve seitdem nur noch im einstelligen Prozent-Bereich. Damit scheint eine Sättigungsgrenze erreicht zu sein, denn vor allem die positiven Prognosen der letzten Jahre über steigende Internetakzeptanz bei Älteren haben sich bisher nicht bewahrheitet. Während bei den 14- bis 19-Jährigen mittlerweile 100% regelmäßig Online sind, nutzen nur knapp 30 Prozent der über 60-Jährigen das Internet. Immerhin macht diese Altersgruppe etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland aus. Die Autoren der ARD/ZDF Onlinestudie warnen deshalb, vorerst sei "nicht davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren ein maßgebliches Wachstum von dieser Gruppe ausgeht." (2.)

Mobiles Internet bisher wenig gefragt

Entgegen des öffentlichen Hypes über das Mobile Internet - Stichwort I-Phone - ist das reale Interesse daran eher bescheiden. Gerade einmal 13% der Internetnutzer gehen auch Mobil Online, gegenüber dem letzten Jahr stieg die Zahl um zwei Prozentpunkte. Diese Zurückhaltung wundert nicht, denn gerade einmal 7% aller Internetnutzer halten das mobile Internet für unverzichtbar. Noch bedenklicher dürfte die Mobilfunkfirmen stimmen, dass nur jeder zehnte Jugendliche meint, Mobiles Internet sei für ihn unverzichtbar.
Teilweise hysterisch mutet derzeit die Debatte der Medien- und Werbewirtschaft über "Applets" bei Smartphones an . Mit kostenpflichtigen Abonnements solcher Anwendungsprogramme erhofft sich die Medienwirtschaft zusätzliche Einnahmen.
Richtig ist: Diese Applets werden zwar millionenfach auf den Smartphones installiert - aber kaum regelmäßig genutzt. (3)

Angesichts millionenschwerer Investitionen in neue Mobilfunknetze für das mobile Internet erscheint fraglich, ob bzw. wann damit schwarze Zahlen geschrieben werden können. Künftig drohen dem Internet-Nutzer über das Telefonnetz bereits deutlich höhere Gebühren - die Zeit der billigen "Flat-Rates" neigt sich seinem Ende entgegen. Aufgrund des Online-Wachstums der TV- und Videonutzung, gerät das Netz technisch an seine Leistungsgrenzen. Neue und hohe Investitionen in Glasfaser-Kabel werden nötig und die sollen vor allem die Kunden zahlen. Auf absehbare Zeit wird für jeden schnelles Internet also deutlich teurer werden.


1) Media Perspektiven Heft 7+8 2010
(2) Ebenda S. 337
(3) Media Perspektiven 5-2010, Seite 235-246

Sonntag, 8. August 2010

"Kleine Wunder in Athen" - Vorurteile auf Griechisch


Diese kleine Komödie, von ZDF und Arte produziert, spielt an einem Platz irgendwo in Athen. Dabei ist es eigentlich nur ein Kreuzungspunkt mehrerer kleiner Straßen in dem ziemlich heruntergekommene Stadtteil "Akademia Platonos" (Platons Akademie).
An diesem Platz treffen sich täglich vier alternde Griechen, um über die Welt zu sinnieren und vor allem ihre Vorurteile zu Pflegen. Sie sind so heruntergekommen wir ihre kleinen Läden um den Platz. Am liebsten lästern sie über die vermeintliche Faulheit der albanischen Gastarbeiter. Dabei sind die Vier alles andere als Beispiele für unternehmerische Energie oder Fleiß. Ihre einzige Aktivität besteht darin, zwischen ihren Läden Fußball zu spielen.
Den Rest der Zeit des Tages verbringen sie vor dem Kiosk von Stavros (Antonis Kafezopoulos). Er hasst die Albaner ganz besonders, leidet unter Schlaflosigkeit und trauert seiner Ex-Frau nach. Er versucht sie mit Geschenken zurück zu gewinnen - aber das ist Hoffnungslos.
So lästern die Vier jeden Tag über die ach so schlechten Albaner - bis der
Schock für Stavros kommt: Seine ziemlich debile Mutter - liebevoll dargestellt von Titika Saringouli
- ist selber eine Albanerin und Stavros damit selber einer der verabscheuten Albaner. Dies kommt heraus, als plötzlich der vermeintliche zweite Sohn von ihr auftaucht - einer der albanischen Gastarbeiter. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Stavros nichts von der albanischen Vergangenheit seiner Mutter gewusst. Sie hatte das Land verlassen, als Stavros noch ein ganz kleiner Junge war und ihn in Athen als Grieche großgezogen. Nachdem die Kumpel davon erfahren haben, eskaliert die Situation. Bei einem Fußball-Länderspiel zwischen Albanien und Griechenland fangen sie an, sich vom "Albaner" Stavros zu distanzieren.
Obwohl die Vier zum Schluss wieder vor dem Kiosk sitzen und wie immer über die Welt sinnieren, ist doch nicht mehr alles so wie früher - zumindest nicht für den Zuschauer.

Dem 1966 in Athen geborenen Regisseur Filippos Tsitos ist ein komödiantisches Lehrstück über Vorurteile und Nationalismus gelungen. Dabei zeichnet sich der Film durch Ruhe - ja fast eine gewisse Langatmigkeit aus, so kann sich der Betrachter auf die einzelnen Charaktere konzentrieren.
Tsitos lebt heute in Berlin. Er hat für das deutsche Fernsehen als Regisseur gearbeitet, etwa für den ARD-Tatort und die ZDF-Serie Kriminal Dauerdienst.

*Siehe auch www.kleinewunderinathen.de

Freitag, 2. Juli 2010

Rheinland-Pfalz: Drei weitere Lokalradios für Stephan Schwenk

Der seit langen Jahren im privaten Hörfunk tätige Medienunternehmer Stephan Schwenk, kann seiner Lokalradiokette in Rheinland-Pfalz drei weitere Standorte hinzufügen. Die Landesmedienanstalt (LMK) hat seiner Radio Group GmbH am 22. Juni die Hörfunklizenzen für Trier, Wittlich und Daun erteilt. Damit erreichen die zehn Lokalradios in Rheinland-Pfalz nach seinen Angaben über UKW rund eine Million potentielle Hörer. Das sind immerhin ein Viertel der rund 4 Millionen Einwohner des Landes.

Im Gegensatz zu anderen Radioketten will Schwenk aber seinen Lokalsendern kein Mantelprogramm aus der Zentrale in Kaiserslautern vorschreiben. Dies sei im Endeffekt zu teuer und außerdem könne man das Musikformat vor Ort auf die speziellen Marktgegebenheiten eingehen,begründet Schwenk sein Vorgehen. Nur die nationalen und internationalen Nachrichten sollen zur vollen Stunde vom Radio Dienst* aus München in das Lokalradio eingespeist werden. Lokale Nachrichten sollen dagegen vor Ort jede halbe Stunde laufen dazu wird es weitere Beiträge aus der jeweiligen Region im Programm geben.

Rundum zufrieden mit der Entwicklung ist Schwenk aber nicht. Ihn wurmt, dass er über keine Lokalradiofrequenzen in den wirtschaftlich wichtigen Ballungsräumen Ludwigshafen und Mainz verfügt. Diese wurden zwischen 2001 und 2006 von der LMK an das türkischsprachige Programm Metropol FM vergeben worden.

Schwenk vermutet dahinter den Einfluss der mächtigen Medienunion-Gruppe in Ludwigshafen. Sie verlegt dort die Tageszeitung "Rheinpfalz" mit 235 000 Stück Auflage (2008) und ist darüber hinaus an verschiedenen Verlagen in Deutschland Beteiligt (Süddeutsche Zeitung). Darüber hinaus engagiert sich die Medienunion über ihre Tochter Moira Rundfunk GmbH im privaten Rundfunk. Das Unternehmen ist Eigentümer (100%) von Metropol FM und hält in Rheinland-Pfalz Beteiligungen an den privaten Radioprogrammen Big FM und Rockland Radio.

* Der Radio Dienst produziert für private Radiosender Nachrichten und andere Sendungen als Audio Syndication Anbieter. Das Unternehmen gehört bayerischen Tageszeitungsverlegern (MBT), sowie dem Medienunternehmer Oschmann und Studio Gong in Nürnberg.

Mittwoch, 30. Juni 2010

Wenn Martkforscher weinen

Das Image der deutschen Marktforschung ist schlecht! Immer weniger Menschen sind dazu bereit, sich an Umfragen zu beteiligen. Jetzt will die Branche gegen ihr mieses Image eine Werbekampagne starten. Der Slogan lautet: "Sag ja zu Deutschlands Markt- und Sozialorschung!" Diese Meldung fand sich Ende Juni im Fachblatt Werben & Verkaufen (25/2010). Dabei wäre es sinnvoller, etwas gegen die Verantwortlichen für die Misere zu unternehmen. Schuldig sind nach Ansicht der Marktforscher vor allem die im Direktmarketing tätigen Unternehmen, also die Call-Center.

Selbst erlebt: Ein Mitarbeiter eines Call-Centers ruft einen Privatanschluss an und gibt sich dort als Meinungsforscher aus. Dann erzählt er, man führe eine Bürgerbefragung durch, um zu erfahren, wie die privaten Haushalte die wirtschaftliche Entwicklung beurteilen. Willigt der Befragte ein, werden auch Informationen über seine wirtschaftliche Situation erfragt, etwa wie hoch das monatliche Nettoeinkommen sei. Ziel der Aktion: Daten sammeln für spätere Verkaufsanrufe.

Anstatt nun gegen solche Tricks und ihre Auftraggeber vorzugehen, wollen die Marktforscher lieber mit einer Imagekampagne in den Medien beim Verbraucher gutes Wetter machen. Verantwortlich dafür sind der Berufsverband Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute (BVM), die Deutsche Gesellschaft für Online-Forschung (DGOF) und der Arbeitskreis Deutscher Markt- und Sozialforschungsinstitute (ADM). Die Kampagne soll im September starten - sofern genügend Medienunternehmen gefunden werden, die dafür Werbeflächen zur Verfügung stellen. Von Aktivitäten gegen Marketing-Firmen, die sich als Marktforscher tarnen, war aber nichts zu lesen.

Damit bleibt dem Privatmann auch künftig nur die Möglichkeit: Bei Anruf Auflegen!

Sonntag, 13. Juni 2010

Web-Radio boomt - aber wer hört zu?

In Deutschland werden für das Internet rund 2000 Radioprogramme produziert, Weltweit gibt es zwischen 10 000 bis 14 000 Radioprogramme Online.* Zum Vergleich: Über UKW werden in Deutschland 354 Radioprogramme verbreitet, davon 54 Öffentlich-Rechtliche. Täglich schalten bei uns rund 58 Millionen Einwohner (79%) über 10 Jahre ein Radioprogramm ein. **

Wie viele Hörer davon das Internet zum Radioempfang nutzen, darüber lassen sich nur schwer statistische Aussagen treffen. Bei der halbjährlichen Radio Media Analyse (MA) wird bei den rund 60 000 Telefoninterviews mit Hörern nämlich nicht abgefragt, über welchen Verbreitungsweg sie ihre Radioprogramme empfangen haben. Hauptproblem für eine eigenständige Erhebung der Online-Radionutzung sind die hohen Kosten.

Die regelmäßig von ARD und ZDF erstellte Online-Studie befragt die Internetnutzer auch über ihre Mediennutzung und demnach haben 2009 etwa 5 Millionen über 14 Jahre, zumindest einmal in der Woche Online ein Radioprogramm gehört. Dabei bevorzugen sie allerdings Angebote, die auch über UKW empfangen werden können. Betrachtet man dagegen die Radioangebote im Internet, so werden die meisten exklusiv dafür produziert. Jetzt setzen die Online-Radiomacher ihre Hoffnungen auf einen Wachstumsschub durch die zunehmend im Handel erhältlichen Online-Empfangsgeräte (IP-Radio - W-Lan-Radio). Da die meisten Internetnutzer für ihren Online-Zugang Festpreise bezahlen (Flatrates), können sie damit beliebig lange im Internet Radio hören.

Für die Radioveranstalter hat das aber einen Pferdefuß, denn die Verbreitung ihrer Programme über das Web kostet sie viel Geld. Wie hoch diese Kosten sind, darüber schweigt man sich aber gegenüber der Öffentlichkeit aus. Dazu kommt, dass die in Deutschland von den meisten Privatkunden genutzte Internet-Verbindung über die Telefonleitung (DSL) für einen massenhaften Radioempfang ungeeignet ist. Würden alle UKW-Hörer gleichzeitig über das Internet Radio hören wollen, würde das Netz sofort zusammenbrechen. Ein Ausbau des Telefonnetzes auf Glasfaserbasis könnte hier zwar Abhilfe schaffen, wäre aber über Flatrate-Gebühren nicht zu finanzieren. Damit dürfte das Internet auf absehbare Zeit die terrestrische Verbreitung von Radioprogrammen über UKW oder digitale Radiotechnik nicht ersetzen können.

* Quelle: Media Perspektiven 3/2010
** Quelle: Radio Media Analyse 2010/I

Samstag, 29. Mai 2010

Wie Fernsehnachrichten die Wirklichkeit verfälschen


Vermehrte Gewaltbereitschaft gegen Polizisten

Von der ARD-Tagesschau bis zu Newstime auf Pro 7 berichteten in der vergangenen Woche die Nachrichtensendungen der Fernsehsender über eine neue Gewalt-Studie, die im Auftrag der Innenminister der Länder erstellt worden ist. Demnach hat die Gewalt gegen Polizeibeamte deutlich zugenommen. Dazu liefen in den Nachrichtensendungen unisono Fernsehbilder von Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten. Interessanterweise ist aber die Gewalt gegen Polizisten vor allem im normalen Polizeidienst angestiegen. Wer wissen wollte, wie es wirklich ist, konnte dies am 27. Mai im Radioprogramm SWR2 des Südwestrundfunks in einem Interview mit Professor Joachim Kersten von der Hochschule der Polizei in Münster erfahren. Demnach sind vor allem schwierige Alltagssituationen der Auslöser für die körperlichen Angriffe auf Beamte. Sie haben es dort zunehmend mit Menschen zu tun, die ein ausgeprägtes Gewaltpotential in sich tragen, das sich oft auch gegen eigene Angehörige richtet. Vor allem der Alkoholmissbrauch spielt dabei eine wichtige Rolle.

Die Fernsehnachrichten suggerierten mit ihren Filmaufnahmen dagegen, dass Demonstranten und Hooligans die Verantwortung für die wachsende Gewaltbereitschaft gegen Polizisten tragen. Damit wird ein völlig falsches - aber für die Politik bequemes - Bild über die Realität vermittelt. Aber den verantwortlichen Journalisten in den Sendern geht es wohl nur noch noch darum, dass es in den Nachrichten so richtig kracht - denn das bringt Quote.


Montag, 24. Mai 2010

Radio Paradiso verliert Lizenz

Keine Frequenz mehr für ein Halleluja

Die öffentliche Überraschung und der Protest waren groß, als am 11. Mai der Medienrat der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) beschloss, die Lizenz des christlichen Senders Radio Paradiso nicht zu erneuern. Damit verliert Radio Paradiso zum 30. November 2010 seine bisher genutzten UKW-Frequenzen in Berlin, Frankfurt/Oder, Eisenhüttenstadt und Guben. „Diese Entscheidung ist mir völlig unverständlich“, reagierte Berlins Evangelischer Bischof Markus Dröge während Udo Hahn, Medienreferent der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) die Entscheidung einen medienpolitischen Fehler nannte. Mit dem Aus für Radio Paradiso seien 64 Arbeitsplätze und Investitionen der Kirchen in Millionenhöhe bedroht, warnte der EKD-Sprecher. Die EKD ist über eine Tochtergesellschaft an Radio Paradiso beteiligt, wie auch verschiedene evangelische Einrichtungen in Berlin und Brandenburg.


Dabei kam die Entscheidung der MABB gar nicht so überraschend, mehrfach war das Programm früher in Programmanalysen der Medienanstalt kritisiert worden. So wurde festgestellt, dass Radio Paradiso seinen täglichen Wortanteil zwischen 2006 und 2008 um über 60 Prozent auf 72 Minuten reduziert hatte. Aber in Kirchenkreisen vermutet man anscheinend eine grundsätzliche Ablehnung des christlichen Senders. So äußerte ein Verantwortlicher der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-Oberlausitz sein Erstaunen darüber, dass während der Anhörung zur Lizenzvergabe ein Medienrat die Frage gestellt hatte. wieso die Kirche angesichts geringer Mitgliederzahlen in Berlin und Brandenburg überhaupt ein eigenes Radioprogramm betreiben wolle.* Nach der Niederlage der Kirchen im April 2009 beim Volksentscheid für den Religionsunterricht an Berliner Schulen, sieht man in der Lizenzenzscheidung der MABB anscheinend einen neuen Affront kirchenfeindlicher Kreise. Öffentlich äußert man sich bei der Evangelischen Kirche in Berlin zurückhaltend: „Wir wollen wegen Radio Paradiso aber keinen Kulturkampf heraufbeschwören,“ versichert ein Vertreter.


Vielleicht haben die Kirchen einfach verschlafen, dass sich die Zusammensetzung des Medienrates 2009 verändert hat und dort ein neuer Wind weht. Die Vorsitzende, Jutta Limbach, soll bereits auf dem Jahresempfang der Medienanstalt davor gewarnt haben, dass die Verlängerungen von Lizenzen kein Automatismus sei. Dies war von einem Manager eines großen kommerziellen Radiosenders in Berlin zu erfahren. Nachdenklich macht, dass der Medienrat seine Zähne zeigt, wo es am ungefährlichsten war. Ob man sich gegenüber den wirtschaftlich mächtigen Veranstaltern ebenso kritisch verhalten wird, wenn dort Lizenzverlängerungen anstehen, wird sich zeigen. Der Medienstaatsvertrag Berlin/Brandenburg schreibt vor, dass die Radiolizenz einmal verlängert werden darf. Danach müssen die Frequenzen komplett neu ausgeschrieben werden. So hatten sich zehn Bewerber bei der MABB für die von Radio Paradiso genutzten UKW-Frequenzen beworben. Den Zuschlag hat der Berliner Radiounternehmer Oliver Dunk für seine Programm "Oldiestar" erhalten. Bisher ist das Programm nur in Teilen des Berliner Umlandes zu hören


Radio Paradiso, das sich auf seiner Homepage Berlins einziger „Wellnessender“ nennt, hinterlässt mit seinem Soft-Pop-Programm im Berliner Radiomarkt keine allzu große Lücke. Letzte Chance für die Veranstalter wäre eine Klage vor dem Verwaltungsgericht. Darüber will man aber erst entscheiden, wenn die Gründe für der Lizenzverweigerung durch den Medienrat Ende Juni vorliegen, ist aus Kreisen von Radio Paradiso zu erfahren.


*Laut EKD sind in der Region Berlin-Brandenburg-Oberlausitz etwa 1,2 Millionen (18%) der über 6 Millionen Einwohner in der Evangelischen Kirche. Bundesweit sind es dagegen 25 Millionen (30,2%) der über 82 Millionen Einwohner.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Abfuhr für gemeinsames Digitalradio von Deutschlandradio und ARD








Hofft Intendant Steul auf Hilfe von Oben?


Der Wunsch von Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios, künftig gemeinsam mit den ARD-Anstalten ein bundesweites digitales Klassikradio zu produzieren, hat derzeit wenig Chancen. Am 18. Mai ließ der für die Koordination der Rundfunkkommission der Länder zuständige Staatssekretär Martin Stadelmaier in Mainz mitteilen: „Das steht nicht zur Debatte. Ich hielte eine solche Überlegung auch für abwegig. Die ARD-Hörfunkprogramme haben aus guten Gründen keinen bundesweiten Auftrag.“

Laut Rundfunkstaatsvertrag dürfen die ARD-Länderanstalten keine bundesweiten Radioprogramme anbieten (§ 11c Abs.1). Dies ist nur dem Deutschlandradio mit seinen drei terrestrisch über UKW und digital verbreiteten Programmen erlaubt (§ 11c Abs. 3). Somit müssten die für Rundfunkpolitik zuständigen Ministerpräsidenten der Länder ein weiteres Radioprogramm des Deutschlandradios durch eine Änderung des Staatsvertrages genehmigen – und dies hat derzeit bei den Medienpolitikern anscheinend keine Priorität.

Willi Steul, der als Intendant des Deutschlandradios die dort produzierten bundesweiten Programme Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen (Digital über DAB) verantwortet, hatte am 6. Mai die Idee für das neue Programm auf den Mitteldeutschen Medientagen in Leipzig präsentiert. Demnach sollte unter der Führung des Deutschlandradios gemeinsam mit den ARD-Anstalten ein bundesweites digitales Klassikradio entstehen, das aus den Archiven der Öffentlich-Rechtlichen gespeist werden sollte. Dazu bräuchte das Deutschlandradio die ARD, weil die eigenen Musikarchive dazu nicht ausreichen. Steul könnte damit seine Senderfamilie erweitern.

Der Intendant spekulierte öffentlich, bei der im August anstehenden Vergabe bundesweiter digitaler Radiofrequenzen könnten private Interessenten noch abspringen und damit Sendeplätze frei werden. Bisher sind 3 Kanäle im digitalen Multiplex von DAB Plus für die öffentlich-rechtlichen Programme des Deutschlandradios reserviert. Dagegen entscheiden die Landesmedienanstalten über die Vergabe der verbleibenden 6 Kanäle für private Anbieter. Da bisher alle Versuche mit digitalem Radio in Deutschland mangels Interesse grandios gescheitert sind, ist es durchaus möglich, dass sich private Interessenten noch zurückziehen könnten.

Sonntag, 16. Mai 2010

"Im Angesicht des Verbrechens" ARD Russenmafia-Saga



Der renommierte TV-Regisseur Dominik Graf (Der Fahnder, Tatort, Polizeiruf 110) führt bei der Russenmafia-Saga „Im Angesicht des Verbrechens“ nicht nur Regie, sondern verantwortet gemeinsam mit Rolf Basedow auch die Drehbücher. Zwei Jahre und 10 Millionen Euro hat es bis zur Fertigstellung der ersten zehn Folgen gedauert, die der WDR für das Erste produziert hat. Nach der erstmaligen Ausstrahlung auf Arte, wird die Serie im Ersten ab 22. Oktober Freitags im Hauptprogramm laufen. Dabei merkt man den Filmen die langjährige Routine Grafs beim ARD- Tatort und anderen TV-Krimis an. Er hat eine solide aber eben auch konventionelle Arbeit abgeliefert. Glücklicherweise verzichtete man bei den Darstellern auf "abgefilmte" TV-Gesichter. Deshalb beeindruckt etwa Max Riemelt in der Rolle des Polizisten Marek Gorsky mit jüdisch-russischen Wurzeln. Mutig war auch die Entscheidung, Emotion und Kultur der Protagonisten durch viele russischen Dialoge mit Untertiteln abzubilden. Dieses Wagnis dürfte höchstwahrscheinlich Quote kosten, da deutsche TV-Zuschauer so etwas nicht mögen.

Schwächen beim Drehbuch

Die erzählte Geschichte verliert mit der Zeit leider ihren Realitätsgehalt und den Bezug zu Berlin. Vielmehr beherrschen in den letzten Folgen idyllisches Dorfleben in Weißrussland und "vieeel russisch Seeele" die Geschichte. Die beiden Polizisten wirken zwar glaubhaft, haben aber keinen richtigen Bezug zum polizeilichen Alltag.

Den Autoren scheinen zum Schluss wohl die Lust oder die Ideen abhanden gekommen zu sein. Da wird etwa das korrupte Bullenpärchen, das acht Folgen lang für die Russenmafia gearbeitet hat, plötzlich mit einem familiären Showdown entlarvt und dann durch eine Nebenbemerkung des leitenden Polizeichefs aus der Serie gekickt.

Eine Reise der beiden Polizisten nach Weißrussland, die ein Mädchen aus einem Bordell befreien, strotzt vor mangelnder Logik. So verfolgt der korrupte weißrussische Polizist gemeinsam mit den Zuhältern die Flüchtenden und zerschießt ihr Auto. Später hilft er ihnen dann plötzlich bei der Heimreise nach Deutschland. Folgen hat diese illegale Tour nach Weißrussland aber für die beiden Polizisten bei ihren Vorgesetzten in Berlin nicht. Am Ende knattern dann die Klischees so richtig los: Der scheinbar seriöse russische Restaurant-Chef - in Wirklichkeit ein Krimineller - wird von Konkurrenten erschossen. Daraufhin führt die bisher ehrbare Ehefrau als schwarze Witwe die unlauteren Geschäfte weiter. Pikant, ist doch die neue "Patin" gleichzeitig die große Schwester des jungen Polizisten Gorsky. So bietet das Ende viel Stoff für eine Fortsetzung .

"Im Angesicht des Verbrechens" befriedigt die Sehgewohnheiten der ARD-Krimi-Zuschauer, ist aber langatmig. Die unverbrauchten Gesichter der Darsteller macht die Serie sehenswert, weniger die erzählte Geschichte.

Keine Konkurrenz für den Kriminaldauerdienst

Grafs ARD-Serie könnte zwar Erfolg haben, ist aber bei weitem kein Fernseherlebnis wie der Kriminaldauerdienst KDD“ vom ZDF. Dort hat man die letzten beiden Folgen wegen schlechter Quoten auf den späten Freitagabend verbannt - nur peinlich!. Dabei ist die 2007 gestartete Serie das Beste, was im Deutschen Fernsehen der letzten Jahre zu sehen war und hat den Adolf Grimme-Preis voll verdient. Trotzdem, nach 28 Folgen ist wegen der schlechten Quote unwiderruflich Schluss - und das ist ein Verlust! Diese Serie beeindruckte nicht nur durch ihre atemlos rasante filmische Umsetzung. Die Drehbücher boten permanent überraschende Wendungen für den Zuschauer und forderten die volle Aufmerksamkeit – da war keine Zeit zum Bierholen... Es ist zu befürchten, dass die Verantwortlichen im ZDF kaum noch einmal den Mut zu so einem TV-Projekt haben werden.

Die Spannung der KDD-Folgen waren den Drehbüchern von Orkun Ertener geschuldet. Er war früher bereits Autor für den ARD-Tatort. Seine Geschichten und Dialoge durchbrechen öffentlich-rechtliche Krimi-Klischees von Gut und Böse. Die Polizisten sind auch nur Menschen mit Schwächen und müssen in Extremsituationen schnell - und manchmal falsch - handeln. Den rasanten Dialogen und Geschichten folgt der Zuschauer atemlos. Die Figuren der Serie sind so präsent. dass die teilweise bekannten TV-Gesichter wie Manfred Zapatka, Saskia Vester oder Jördis Triebel - in ihren Rollen trotzdem überzeugen. Der KDD bietet ein ungeschminktes und schamloses Bild der Metropole Berlin – dagegen wirkt die Stadt in "Im Auge des Verbrechens" eher als Kulisse.

Grafs ARD-Serie ist für den Zuschauer ungefährlich, da konventionell und vorhersehbar. KDD erzeugt dagegen Unruhe und Furcht beim Betrachter - das ist kein bequemes "lean-back" Fernsehen. Trotzdem ist "Im Angesicht des Verbrechens" gegenüber den immer langweiligeren ARD-Tatorten ein Lichtblick. Beim WDR-Tatort vom 16. Mai: "Der Fluch der Mumie" hat anscheinend Lady Gaga das Drehbuch geschrieben. Keinerlei Logik - nur noch Effekthascherei, damit die Hauptdarsteller ihren Affen Zucker geben können.

Spätestens bei schlechten Zuschauerzahlen ist aber auch bei der nächsten Staffel von "Im Angesicht des Verbrechens" eine „Degetoisierung“ der Drehbücher zu befürchten - vielleicht mit Christine Neubauer in der Hauptrolle....

Donnerstag, 6. Mai 2010

Medien und Generation Internet



„Ich stamme ja noch aus der Generation Münzfernsprecher“, sagte
Staatsminister Helmut Rau am 3.Mai in Stuttgart zum Auftakt des Medienkongresses: „Was will die Generation Internet wirklich?“ Da hatte er bei den 200 Besuchern zumindest die älteren Lacher auf seiner Seite.

Als
Digitale Natives (DN) werden die jungen Erwachsenen bis Ende 20 bezeichnet, die bereits mit Computer und Internet aufgewachsen sind. In Deutschland verfügen heute 65% aller Haushalte über einen Breitbandanschluss. Wie schnell sich die Nutzung entwickelt illustrierte Jürgen Weber, Manager bei Alcatel Lucent. Vier Wochen nach Einführung des I-Phones in Deutschland sei die Datenmengen im Mobilfunk explosionsartig gestiegen. Deshalb forderte er zwar den verstärkten Netzausbau, die Kosten für die Nutzer dürften aber nicht steigen . Ewald Wesseling, Professor an der privaten SRH-Fachhochschule in Berlin beschrieb die veränderten Nutzungsgewohnheiten bei den Digital Natives. Während Ältere gleichzeitig 1,6 Medien nutzen würden, würden bei Jugendliche 5,4 Medien nebeneinander laufen. Sie würde deshalb jede wichtige Information auf elektronischem Weg erreichen: „Und deshalb brauchen die auch keine Tagesschau um 20 Uhr mehr .“ Wesseling zeichnete dabei eher ein Idealbild der „Net-Generation“. Sie definieren sich selbst als freiheitsliebende und kritische Hinterfrager. Ihnen gehe es um Innovation und Kooperation mit anderen Usern. Wesseling zieht daraus den Schluss: „Fernsehen macht also Schlaue schlauer und Dumme dümmer – Online werden dagegen auch Dumme schlauer.“ . Für ihn sind Digital Natives im Vergleich zu früher die "am meisten befähigte Generation" aller Generationen - und den Online-Journalismus hält er für besser, als die alten Medien.

Alles Online – Alles gut? Da kam dann auf dem Podium doch Skepsis auf, sei es beim
Vorstand des Schulbuchverlages Klett, Philipp Hausmann. Er schilderte seinen Besuch in einem norwegischen Klassenzimmer, dort habe jeder Schüler vor seinem PC mit Blickrichtung auf den Lehrer gesessen. Dies bedeute die Renaissance des klassischen Frontalunterrichts und widerspreche damit allen modernen pädagogischen Ansprüchen. Auch der Thomas Langheinrich, Präsident der Landesmedienanstalt (LfK) in Stuttgart reagierte skeptisch auf Wesselings Bild der der Digital Natives als er fragte, wieso sie dazu bereit seien, gedankenlos auch intime Informationen oder Fotos ins Netz zu stellen.

Wie reagieren die klassischen Medien wie etwa das Radio, auf die Digital Natives? Für
Walter Klingler, Chef der Medienforschung beim Südwestrundfunk (SWR) steht weiterhin fest: Auch heute hören 12- bis 29-Jährigen immer noch Radioprogramme über UKW. Allerdings wächst der Anteil, die Radio Online (20%) oder per Handy (15%) empfangen. Demgegenüber verliert das UKW-Radio an Hörerreichweite (-10%). Eine Ursache sieht Klingler darin, dass Radioprogramme keine individuelle Nutzungsmöglichkeit bieten. Deshalb setzt die SWR-Jugendwelle Das Ding verstärkt auf das Internet und auch auf Videos. auf der Homepage kann man die im Programm gesendete Beiträge individuellen Abrufen. Wie groß das Interesse der Jugendlichen daran ist, darüber wollte Programmchef Wolfgang Gushurst trotz Nachfrage aber nichts sagen...

Ändert sich durch die Digital Natives die Mediennutzung? Für
Professor Uwe Hasebrink vom renommierten Hans-Bredow Institut in Hamburg werden die einzelnen Medien vom Nutzer zunehmend kreativ miteinander verbunden. Trotzdem sind aber die Digital Natives immer noch mit den klassischen Medien vertraut. Er warnte davor, Digital Natives einfach als einheitlich Gruppe zu betrachten, denn dazu seien die Nutzungsmuster viel zu unterschiedlich. Hasebrink findet den Begriff deshalb für Marketing- und Werbemanager interessant, aber nicht unbedingt für die Medienforschung. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass sich Mediennutzung und inhaltliche Interessen mit zunehmendem Alter wandeln. An diesem altbekannten Befund hat sich demnach auch durch die digitalen Medien nicht viel geändert. So hänge das Interesse der Digital Natvies von ihrer Entwicklungsstufe ab. Jugendliche in der Schulphase sind an auf ihre Gruppen bezogene Medienangebote interessiert, was ihrer Identitätsbildung dient. Später dann interessieren sie sich verstärkt für Medienangebote zur beruflichen Qualifizierung. Treten sie dann in die Berufs- und Familienphase ein, orientieren sich ihre Interessen zunehmend allgemein und thematisch ungerichtet.

Keine Diskussion gab es beim Medienkongress darüber, wer die digitalen Medienangebote eigentlich bezahlen soll. Dabei hängt der wirtschaftliche Erfolg von der Refinanzierung ab. Die 2000 geplatzte Internetblase an den Börsen war ein Beispiel für falsche Hoffnungen und absurde Visionen. Je mehr die Unternehmen mit ihren digitalen Medienangeboten den Endkunden als Finanzier anvisieren – sei es ein Abonnement oder per Bezahlung der genutzten Datenmengen - desto problematischer dürften die Businessmodelle sein. Ob die werbetreibende Wirtschaft ihrerseits bereit ist, jedes neue digitale Medienangebot durch Spots zu finanzieren werden, erscheint angesichts der Krise ebenso fraglich.

Dienstag, 27. April 2010

Aus der schönen Welt der Call-Center

Mein erster Arbeitstag als Call-Center-Agent. Wir sind zehn neue Kollegen, die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre und ich mit 55 der Oldie im Team. Zuerst werden wir in Rollenspielen für das Verkaufsgespräch fit gemacht. „Sie müssen jeden Einwand des Kunden auf einen Verkauf hin umsteuern“; wird uns eingepaukt. Unser Auftrag: Schulen sollen ein Probheft eines überteuerten Infodienstes zur Ansicht bestellen. Der Trick: Teilen sie nicht innerhalb einer bestimmten Frist mit, dass kein weiteres Interesse am Heft besteht, hängen sie im Abo. Einer von uns schmeißt bereits am ersten Tag das Handtuch, die nächsten beiden gehen zwei Tage später, am Freitag sind wir nur noch Sechs....

Wer den ganzen Text lesen möchte, bitte eine Mail schicken: ressing@gmx.de

Sag zur Mittelwelle leise Servus....

Radio Bremen (RB) verbreitet kein Radioprogramm mehr über die Mittelwelle (MW), dies hat die Rundfunkanstalt am 21.April 2010 bekannt gegeben. Damit nutzen neben dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und dem Hessische Rundfunk (HR) drei der neun ARD-Landesanstalten nicht mehr die Mittelwelle. Bei Radio Bremen begründet man den Ausstieg von Hitradio Bremen Eins (Musikprogramm für über 40-Jährige) aus der Mittelwelle mit zu hohen Kosten. Über UKW ist Bremen Eins mit rund 120 000 Hörern pro durchschnittlicher Werbestunde (montags-freitags 6-18 Uhr) das erfolgreichste Radioprogramm der Hansestadt. Im Gegensatz dazu habe nach Angaben des Senders die Nutzung über die Mittelwelle beständig abgenommen, heißt es in der RB-Pressemitteilung weiter. Durch die Abschaltung der Mittelwelle will man innerhalb von vier Jahren eine sechsstellige Summe einsparen.

Aktuell nutzen die Mittelwelle noch der Deutschlandfunk und das Deutschlandradio Kultur sowie die Deutsche Welle. Von den sechs ARD-Landessendern werden noch neun Programme analog über die Mittelwelle verbreitet:
Bayerischer Rundfunk - Bayern 1 (Oldiewelle) , On 3 Radio (Jungendwelle)
Mitteldeutscher Rundfunk: MDR Info (News-Kanal)
Norddeutscher Rundfunk: NDR Info Spezial
Saarländischer Rundfunk: Antenne Saar (deutsch-französischer Kanal)
Südwestrundfunk: C.Ontra (Informationswelle)

Westdeutscher Rundfunk: WDR 2 (Popwelle), WDR Vera (Verkehrsnachrichten)

Die kommerziellen Privatradios haben kein Interesse an der Mittelwelle, nur der Evangeliumsrundfunk in Wetzlar und RTL-Radio nutzen sie.

Für Hörer im europäischen Ausland war die Mittelwelle immer eine Möglichkeit, deutsche Radiosender auch dort empfangen zu können. Dabei ist die Hörqualität allerdings davon abhängig, ob es Tag oder Nacht ist. Bei Sonneneinstrahlung ist der Empfang in der Regel deutlich schlechter, als nach Sonnenuntergang.

Digitalradio auch über die Mittelwelle

Es gibt noch das digitale Radioprojekt DRM (Digital Radio Mondiale) ein Versuch, digitales Radio über Lang- Mittel- und Kurzwelle zu verbreiten. Allerdings bieten derzeit nur der Deutschlandfunk und das Deutschlandradio Kultur (Digitalradio Wissen), die Deutsche Welle und der Bayerische Rundfunk (5aktuell) Programmangebote in DRM-Technik. Interessanter ist DRM+, das räumlich begrenzt Sendegebiete digital über UKW versorgen kann. Dies ist für regionale- und lokale Radioanbieter interessant, aktuell gibt es ein Testprojekt in Baden-Württemberg mit der Unterstützung der Landesmedienanstalt (LfK) in Stuttgart. Für die Programmveranstalter lohnt sich DRM, denn damit können die teuren technischen Sendekosten gesenkt werden. Zwei Probleme gibt es aber: Erstens sind die Empfangsgeräte teuer und Zweitens ist nicht zu sehen, wo es Bedarf bei den Radiohörern gibt - ein ähnliches Desaster wie beim digitalen Radio (DAB) droht

Montag, 19. April 2010

Erstmals auch Radionutzung von Nicht-EU-Bürgern gemessen

Etwa 79% aller in Deutschland lebenden Einwohner über 10 Jahre hören täglich Radio. Damit schalten 58 Millionen Menschen in Deutschland pro Tag ihr Radio ein. Die aktuellen Zahlen wurden Anfang März in der aktuellen Radio Media Analyse (MA 2010/I) veröffentlicht. Dazu werden zweimal pro Jahr rund 60 000 Haushalte per Telefon über ihre Hörgewohnheiten befragt und so die Hörerzahlen der 54 öffentlich-rechtlichen und etwa 300 privaten Radiosender in Deutschland ermittelt.

Laut Statistischem Bundesamt hat Deutschland rund 82 Millionen Einwohner, davon rund 6,7 Millionen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit (8%). Ein Fünftel von ihnen wurde aber bereits in Deutschland geboren. Dabei sind die bei uns lebenden Ausländer im Durchschnitt deutlich jünger (38,4 Jahre) als die Deutschen (43,7 Jahre).

Bisher hatte man nur die Hörgewohnheiten der Einwohner aus Staaten der Europäischen Union abgefragt. Dabei leben beispielsweise alleine rund 1,7 Millionen Türken, 815.000 Asiaten, 270.000 Afrikaner, 221.000 Kroaten, 190.000 Russen, 154.000 Bosnier und 44.000.Schweizer bei uns. Jetzt hat man sich endlich dazu entschlossen, auch die Hörgewohnheiten der Mitbürger in die MA einzubeziehen, die Staatsbürger eines Landes außerhalb der EU sind. Das betrifft immerhin rund 3,8 Millionen Mitbürger über 10 Jahre - also mehr als die Hälfte aller Ausländer insgesamt .

Für die Hörerzahlen der 354 betroffenen Radiosender sind die Hörgewohnheiten von 3,8 Millionen zusätzlicher Einwohner nicht uninteressant. Vor allem der erzielte Verkaufspreis für die Werbezeiten in den Dudelwellen hängt von hohen Hörerzahlen ab. Von der jetzt erfassten neuen Hörergruppe profitieren vor allem Radiosender in den alten Bundesländern. Von den 3,8 Millionen Einwohnern ohne EU-Pass leben über 90% in West-Berlin und dem Westteil Deutschlands.

Siehe auch Meldung August 2009

Sonntag, 3. Januar 2010

Antenne Meck-Pomm an Regiocast verkauft

Wer bekommt den besten Platz am Radio-Strand...?

Seit dem 1. Januar hält die Radioholding Regiocast GmbH & Co KG die Mehrheit der Anteile am Privatradio Antenne Mecklenburg-Vorpommern (52%). Zweitgrößter Eigentümer ist der Tageszeitungsverlag des Nordkuriers (35%) in Neubrandenburg, den Rest teilen sich fünf Einzelpersonen. Verkauft hat seine Anteile RTL (26,9%), zuvor war das Unternehmen mit dem Versuch gescheitert, seinerseits Mehrheitseigner von Antenne Mecklenburg-Vorpommern zu werden. Dies war aus Kreisen der Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern zu erfahren. Am 16. Dezember genehmigte der Landesrundfunkausschuss der LRZ die Übernahme der Antenne durch Regiocast. Bereits im September 2009 hatte Antenne Mecklenburg-Vorpommern sein Programm geändert, da man massiv Hörer verloren hatte (siehe Medienfresser Oktober 2009).

Madsack bestimmt bei Regiocast

Offiziell gehört die 2004 gegründete Regiocast GmbH & Co KG mit Sitz in Berlin diversen Radioveranstaltern und Tageszeitungsverlagen. Aber bereits 2007 benannte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) in ihrem Konzentrationsbericht (S.135) die Axel-Springer-AG „einschließlich Regiocast“ als eine der bedeutende Veranstaltergruppen im deutschen Privatfunk. Vier Seiten später betont die KEK, die Springer AG sei "über ihre regionalen Zeitungsverlage indirekt an der Radioholding Regiocast beteiligt“ (S. 139). Dahinter stand die Einschätzung, dass die Springer-AG über ihre Beteiligung an privaten Radioveranstaltern und lokalen Tageszeitungsverlagen, auch entscheidenden Einfluss auf Regiocast ausüben konnte.

Im Frühjahr 2009 genehmigte das Bundeskartellamt den Verkauf von Anteilen des Springer-Konzerns an regionalen Tageszeitungen in Norddeutschland an die Madsack-GmbH und Co KG (Aktenzeichen BG-25/09) in Hannover. Damit hat jetzt der Medienkonzern Madsack wohl auch das Sagen bei Regiocast, während Springer nur noch 10 Prozent an der Radioholding hält. Bei Madsack will man zu diesem Thema nicht Stellung nehmen. Eine Anfrage beim zuständigen Vorstandsmitglied Herbert Flecken wird von einer Vorzimmerdame abgebürstet: „Wir haben zu dem Thema nichts zu sagen und wir haben auch wichtigeres zu tun.“

  • Regiocast hält Anteile an privaten Radioveranstaltern in 10 Bundesländern die täglich rund 60 Millionen Hörer erreichen: Mecklenburg-Vorpommern (Antenne), Schleswig-Holstein (Radio Nora, Delta Radio, RSH), Bremen (Energy), Hamburg (Oldie 95), Berlin (Berliner Rundfunk), Thüringen (Landeswelle), Sachsen-Anhalt (Radio SAW), Sachsen (R.SA, Radio PSR), Hessen (Radio Bob) und Baden-Württemberg (Sunshine Live). (Quelle Regiocast Homepage)

  • Madsack GmbH&Co KG eigene Radiobeteiligungen: Schleswig-Holstein (RSH, Nora, Delta Radio), Hamburg (Oldie 95), Mecklenburg-Vorpommern (Antenne), Niedersachsen (FFN, Antenne, Radio 21), Berlin (rs2, Berliner Rundfunk), Sachsen-Anhalt (Radio Brocken, 89,0 RTL, Radio SAW, Rockland), Sachsen (Hitradio RTL, R.SA, Apollo), Thüringen (Antenne, Radio top 40, Landeswelle), Hessen (FFH, Radio Bob, Planet Radio), Rheinland-Pfalz (RPR 1, Big FM, Radio Rockland). (Quelle Madsack-Homepage)
  • Beteiligung an Tageszeitungen: Hannoversche Allgemeine Zeitung, Neue Presse (Hannover), Göttinger Tageblatt, Wolfsburger Allgemeine Zeitung, Lübecker Nachrichten, Kieler Zeitung, Segeberger Zeitung, Nordkurier, Leipziger Volkszeitung, Dresdner Neue Nachrichten, Naumburger Tagblatt, Ostseezeitung (Rostock), Harburger Anzeigen und Nachrichten, Hessen: 3 lokale Tageszeitungen.(Quelle Madsack-Hompage)