Montag, 13. August 2018

Rechnungshof: DAB+ Lieber ein Ende mit Schrecken....






Am 3. September 2018 werden die Landesmedieanstalten auf der Internationalen
Bunkermentalität beim Digitalradio
Funkausstellung (IFA)
in Berlin erstmals aktuelle Zahlen zur Akzeptanz des digitalen Radios (DAB+) präsentieren. Dabei soll auch über die Zukunft des terrestrischen Rundfunks diskutiert werden, heißt es in einer am 8. August veröffentlichten Mitteilung der Medienanstalten. Ein Thema auf dem Podium soll die Konkurrenz durch Web-Radio, Podcasts und UKW sein. Ob dabei auch die vernichtende Kritik des niedersächsischen Landesrechnungshofes am digitalen Radio zu Sprache kommen wird, scheint fraglich - geht es hier doch vor allem um eine PR-Präsentation des digitalen Radios. 


Der niedersächsische Landesrechnungshof in Hildesheim hatte im Auftrag der NDR-Staatsvertragsländer (Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern) die Entwicklung und die Chancen des digitalen Radio analysiert (ANMERKUNG UNTEN) In dem am 24. April 2018 * veröffentlichten Teilbericht wird eine Beendigung des Projektes gefordert, sollte nicht zügig Fristen zur Abschaltung von UKW festgelegt werden. Die Kritik der Rechnungsprüfer am digitalen Radio ist vernichtend: "Die Entwicklung und Verbreitung (...) wird seit mehr als 20 Jahren mit hohen Beiträgen aus dem Rundfunkbeitrag gefördert, ohne dass sich das digitale Radio bislang am Markt nachhaltig etablieren konnte."

Geprüft wurde, wieviel Geld im Norden in das digitale Radio investiert wurde und wie die Akzeptanz für DAB+ in den vier Bundesländern aussieht. Genaue Angaben finden sich dazu im Bericht allerdings nicht, der Rechnungshof stellt aber fest, dass das 1997 gestartete digitale DAB-Radio technisch wie wirtschaftlich erfolglos gewesen sei. ** Daher habe man 2011 mit DAB+ einen verbesserten zweiten Anlauf unternommen. Der Rechnungshof kritisiert, dass immer noch keine bundesweit einheiltiche Regelung über eine verbindliche Einfühung von DAB+ erreicht wurden. Nur in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern gebe es ein Datum für die UKW-Abschaltung. Auch auf europäischer Ebene sei eine gemeinsame Strategie für das digitale Radio "derzeit nicht erkennbar" moniert der Rechnungshof. Zwar habe man in Deutschland den Absatz der DAB+Geräte "erheblich" steigern können, aber immer noch würden drei Viertel der Bevölkerung UKW nutzen. "Es bleibt festzuhalten, dass es in einem Zeitraum von 20 Jahren bisher nicht gelungen ist, bei den Nutzern eine nennenswerte Ausstattung mit DAB- oder DAB+ Empfangsgeräten zu erreichen." In Zukunft würden für das Simulcasting, also die gleichzeitige Verbreitung der Programme über UKW und DAB+ "weiterhin (...) hohe Kosten" anfallen. Deshalb sollten sich die Beteiligten: "entweder auf klare und krisensichere Rahmenbedingungen sowie überschaubare Fristen zum Ersatz von UKW durch DAB+ verständigen oder die Förderung der Verbreitung von DAB+ möglichst umgehend beenden." 

Bunkermentalität der Betroffenen


Deutliche Worte aus Hildesheim an Politik und Rundfunkbetreiber. Erstaunlich ist, dass der Bericht zu keiner öffentlichen Debatte geführt hat. Ein Grund dafür könnte sein, dass sich nur die Landesrechnungshöfe des NDR-Staatsvertrages mit dem digitalen Radio auseinandergesetzt haben. Auf Anfrage erklärte ein Sprecher des rheinland-pfälzischen Rechnungshofes am 21. Juni, man habe dort keine Prüfung des DAB+-Engagements des Südwestrundfunks (SWR) vorgenommen: "Eine solche Prüfung ist aktuell auch nicht geplant." Auch in Niedersachsen relativierte man auf Nachfrage: "In welcher Höhe Mittel in die Entwicklung und Verbreitung von DAB+ investiert wurden, ist im Rahmen der Prüfung nur bezogen auf den NDR vorgenommen worden". Das ist allerdings insofern Augenwischerei, da alle im Jahrsbericht aufgeführten Daten sich auf die DAB-Entwicklung im gesamte Bundesgebiet beziehen.

Herunterspielen scheint die Strategie aller Betroffener zu sein, etwa bei der für die Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) derzeit zuständigen Bremischen Landesmedieanstalt (BREMA). Deren Direktorin, Cornelia Holsten, ließ am 26. Juni mitteilen: "Die Direktrorenkonferenz sehe keinen dringenden Handlungsbedarf in der Angelegenheit, da sie derzeit kein Thema der Gemeinschaft aller Medienanstalten ist." Beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) geht man sogar auf Konfrontationskurs zum Rechnungshof: "Die ARD und der NDR haben (...) eine andere Einschätzung zu der Bedeutung und dem Fortgang des digitalterrestrischen Verbreitungsweges DAB+". Der NDR verfolge seine "hybride Strategie" , mit der Nutzung von DAB+ und Internet, heißt es am 29. Juni in einer Antwort der Pressestelle. Der Landesrechnungshof habe in seinem Bericht den gesamten Zeitraum der DAB-Historie betrachtet. ARD und NDR seien aber "der Auffassung, dass es sich bei DAB+ um eine eigenständige Technologie handelt und somit als Betrachtungszeitraum erst der Betrieb nach dem Start von DAB+ im Jahre 2010/11 angesehen werden kann".

Rundfunk ist Sache der Bundesländer, koordiniert wird die Medienpolitk der Länder traditionsgemäß in der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei. Am 6.Juli antwortete Heike Raab, SPD-Staatsekretärin in Rheinland-Pfalz und Bevollmächtigte des Landes beim Bund/Europa für Medien und Digitales auf Nachfrage. In ihrem dreiseitigen Schreiben geht sie allerdings an keiner Stelle auf die Kritik des  Landesrechnungshofes Niedersachsen ein. Für die Staatssekretärin hat sich "die Marktdynamik bei DAB+ sehr positiv entwickelt (...) eine erfreuliche Entwicklung." Damit habe sich "DAB+ in Deutschland als Übertragungsinfrastruktur für Radio etabliert" und befinde sich "weiter auf Erfolgskurs."

Die einzige positive Reaktion auf die Kritik des Rechnungshofes in Hildesheim kam von einem Geschäftsführer **
Keine Sau steht auf DAB+
eines großen norddeutschen Privatsenders. Er erläuterte am 26. Juni in einem Telefonat seine grundsätzlichen Bedenken: "Wir glauben hier einfach nicht an den Distributionsweg DAB+ - man will den Hörern eine Technologie der 1980er Jahre verkaufen - das geht nicht!" Die mobile Online-Entwicklung von Radioprogrammen und Musikstreamingdiensten hat DAB+ überrundet. Der Werbewirtschaft, die die Spotplätze der kommerziellen Privatradios und der ARD- Werbewellen kauft, will Streuverluste ausschließen. Die Werbeschalten sollen zielgerichtet bestimmte Hörer erreiche, was durch interaktives Online-Radio möglich wird (Smartphone - Tablet). "DAB+ ist für mich eine Investitionsruine, vergleicht man sie mit der rasanten Online-Entwicklung", sagt der Radiomacher. Ein Hintertürchen lässt er für DAB+ aber noch offen: "Die Privatsender brauchen auf jeden Fall eine faire Verbreitungssitaution, egal mit welcher Technik, daran führt kein Weg vorbei".  Dabei geht es vor allem um die anfallenden Kosten für die gleichzeitige Verbreitung der Pogramme über UKW und DAB+ (Simulcasting). Während die ARD dazu Mittel aus der Rundfunkabgabe nutzen kann, fordern die Privaten schon länger eine entsprechende Subventionierung.


Fazit: Eine überholte Technik, die schon im ersten Anlauf scheiterte und dann wiederbelebt wurde, wird nicht eingestellt, sondern weiterbetrieben. Die Mittel müssen die Haushalte mit ihrer Rundfunkabgabe bereitstellen, Politik, Rundfunkanstalten und die Medienanstalten verschleudern damit deren Geld. Dass dies kein Einzelfall ist, belegt der Flop in den 1990ern mit dem direktempfangbaren Fernsehsatelliten TV SAT - der von den günstigeren ASTRA-Satelliten ins Nirwana geschickt wurde. Auch Projekt wie der "Schnelle Brüter" und der "Kugelhaufenreaktor" der hochsubventionierten Atomindustrie in den 1980er Jahren sind ein weiterer Beleg für den schamlosen Umgang mit öffentlichen Mittteln.  

ANMERKUNG
Nach Veröffentlichung des Post erreichte mich folgende Mail des Landesrechungshofes in Niedersachsen: 

Bezogen auf die Textpassage, dass der Niedersächsische Landesrechnungshof „im Auftrag der NDR-Staatsvertragsländer“ die Entwicklung und die Chancen des digitalen Radios analysiert habe, möchte ich allerdings gern noch den Hinweis geben, dass dies nicht korrekt ist.

Der Niedersächsische Landesrechnungshof ist die unabhängige, externe Finanzkontrolle des Landes Niedersachsen. Im Rahmen seines Verfassungsauftrags ist er nur dem Gesetz unterworfen und handelt insbesondere nicht im Auftrag der niedersächsischen Landesregierung. Gleiches gilt für die anderen Rechnungshöfe.

Die Prüfung der Förderung der Entwicklung und Verbreitung von DAB/DAB+ war vielmehr Ausfluss einer entsprechenden gemeinsamen Arbeitsplanung der vier für die Prüfung des NDR zuständigen Landesrechnungshöfe Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Niedersachsen, also der Rechnungshöfe der NDR-Staatsvertragsländer. Die gemeinsame Prüfung erfolgte unter Federführung des Niedersächsischen Landesrechnungshofs.


* Jahresbericht des Niedersächsischen Landesrechnungshofs 2018 zur Haushalts- und Wirtschaftsführung, veröffentlicht am 24. April 2018: Seiten 219 - 224.  

**Artikel für die Funkkorrespondenz April 2004


DAB-Studie: Einführung ist gescheitert - 2004



„Es wird eher unwahrscheinlicher, dass um DAB ein funktionierender Markt entsteht und dass UKW durch DAB abgelöst werden wird“, zu diesem Ergebnis kommen die Professoren Gerhard Vowe und Andreas Will von der TU-Ilmenau in einer Studie für die Thüringer Landesmedienanstalt (TLM). Zur Diskussion der Studie: „Die Prognosen zum Digitalradio auf dem Prüfstand – Waren die Probleme bei der DAB-Einführung voraussehbar?“ hatte die TLM am 24. März zu einem Workshop nach Erfurt eingeladen. Die Autoren wiesen darauf hin, dass in den 90er Jahren alle Prognosen den Markterfolg der DAB-Technik erwartet hätten. Die Begleitforschung sollte damals vielmehr vor allem helfen, ein Klima des Aufbruchs für das DAB zu schaffen, meinte Professor Will. Zwar seien dabei die beauftragten Forschungsinstitute nicht direkt unter Druck gesetzt worden, um zu positiven Ergebnissen zu kommen, stellen Vowe und Will fest. Ergebnisoffen hätten die beauftragten Institute aber nicht forschen können, betonten die Autoren der TLM-Studie.

In Erfurt berichtete Daniel Hürst vom Prognos-Institut, die erste Fassung des Forschungsbericht, den er 1997 für die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM) und Bayerische Medientechnik (BMT) angefertigt hatte, sei den Auftraggebern „zu pessimistisch“ gewesen. Deshalb seien „redaktionelle Glättungen“ vorgenommen und „diplomatische Formulierungen“ gewählt worden, erläuterte Hürst. Ähnlichen Erfahrungen machte Professor Tibor Kliment von der Fachhochschule Bielefeld. Er war 1999 beim Emnid-Institut für die DAB-Prognose für NRW verantwortlich, die vom WDR, Radio NRW, der Landesanstalt für Rundfunk (LfR) und der Telekom in Auftrag gegeben worden war. Auch bei Emnid sei der Abschlussbericht „Satz für Satz“ bearbeitet worden, sagte Kliment und kritisierte: „Es gibt in dieser Begleitforschung niemanden, der einen übergeordneten Standpunkt einnehmen konnte“. Kliment wünschte sich die Unterstützung neutraler Einrichtungen wie etwa Universitäten bei solchen Forschungsprojekten.

Das Desaster der DAB-Technik in Deutschland – es gibt gerade einmal 50.000 DAB-Empfänger in den Haushalten – liegt nach Ansicht der TLM-Studie in der völlig falschen Beurteilung des Marktchancen des digitalen Radios. Die Forscher seien bei ihren Projekten von der falschen Vorstellung ausgegangen, dass sich immer die fortgeschrittenste Technik durchsetze, resümierten Will und Vowe in Erfurt. Alle Studien seien deshalb davon ausgegangen, dass sich die Politik für DAB entschieden habe und deshalb eine ergebnisoffene Forschung nicht gewünscht gewesen sei, sagte dazu Professor Wolfgang Seufert von der Universität Jena.


Ende mit Schrecken – oder Neustart unter anderem Namen?

Angesichts dieser ernüchternden Ergebnisse konstatierte Thomas Hirschle, Präsident der Landesanstalt für Kommunikation (LfK) in Baden-Württemberg: „Ich habe hier das Gefühl, auf der Beerdigung von DAB zu sein.“ Der LfK-Chef und DAB-Beauftragter der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM) hält aber nach wie vor DAB für die beste Digitaltechnik im Hörfunk. Er kritisierte vielmehr mangelnde Chancengleichheit zwischen analogem und digitalem Radio als eine Ursache für den Mißerfolg: „Die alte UKW-Technik wurde jahrelang subventioniert, während DAB die vollen Kosten erwirtschaften soll.“ Hirschle plädierte deshalb für einen erneuten Versuch für DAB mit „fresh-man und fresh-money“ und vor allem einem neuen Namen. Auch Professor Kliment geht davon aus, dass die Marke DAB mittlerweile kaputt geredet worden sei. Der TLM-Direktor Victor Henle zog aus der Diskussion in Erfurt vielmehr den Schluss, dass weder Markt noch Politik das digitale Radio durchsetzen könnten. Dagegen könne nur ein gemeinsame Handeln aller Beteiligten zum Erfolg führen. Sollte auch diese Anstrengung scheitern, müsse man eben eingestehen, dass DAB gescheitert sei, folgerte Henle.
Für Hans-Jürgen Kratz, Chef des Privatsenders Antenne Thüringen ist dagegen der Zug für die DAB-Technik längst abgefahren – nicht aber für digitales Radio an sich. Der im VPRT für den Fachbereich Hörfunk zuständigen Privatradio-Manager wies darauf hin, der VPRT habe bereits 1996 die DAB-Plattform verlassen und deshalb sei für ihn die TLM-Studie auch „keine Erleuchtung“. Er sei es vielmehr Leid beim DAB darüber zu diskutieren, „was man seit 10 Jahren bereits kennt“. Auch das im vergangenen Jahr in Mainz auf Einladung des Vorsitzenden der Medienkommission der Länder und rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD) stattgefundene DAB-Treffen war für Kratz eine Enttäuschung. „Es wurde alles auf den Tisch gelegt, aber es ist nichts passier,“ konstatierte der Chef von Antenne Thüringen. Er sieht keine Chancen für DAB, da die Interessen der Beteiligten zu unterschiedlich seien, denn: „es gibt kein gemeinsames Geschäftsmodell.“ Angesichts dieser schlechten Aussichten für DAB bemühte sich TLM-Chef Henle darum, einem möglichen Ende des DAB in Deutschland noch etwas Positives abzugewinnen. Er wies darauf hin, Deutschland müsse ohne DAB nicht in technologischen Rückstand geraten.
 

*** Leider hat der Gesprächspartner die Zitate trotz Nachfrage nicht autorisiert - deshalb muss er hier anonym bleiben. 

https://medienfresser.blogspot.com/2018/05/digitalradio-dab-mit-ruckenwind-in-den.html  

Dienstag, 19. Juni 2018

Ab Juli 2018 UKW-freie Zone im Osten?!


                                  
Was waren dass für Zeiten, als die DDR-Führung Anfang der 1960er Jahre das West-Fernsehen aus den DDR-Wohnungen aussperren wollte. Trupps der Freien Deutschen Jugend (FDJ) turnten über die Hausdächer und sägten nach Westen gerichtete Fernsehantennen ab - wie man weiß, geholfen hat das nicht. Auch die Störsender gegen das Radioprogramm des RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor) blieben erfolglos. Im vereinigten Deutschland droht dem Osten ab 1. Juli 2018 UKW-Funkstille. Ging es aber einst um den Kampf der Ideologien, ist jetzt dafür schnöde Raffgier verantwortlich.

Während in der 'alten' BRD  - und heute noch - die UKW-Sendeanlagen größtenteils Eigentum der ARD-Anstalten sind wurden die Sendeanlagen der DDR nach 1989 privatisiert. Einst gehörten sie der DDR-Post, dann übernahm sie die Telekom, die ihrerseits den Betrieb auf zwei Tochterunternehmen aufteilte: T-Systems Media & Broadcast (Sendetechnik) und Deutsche Funkturm GmbH (Sendemasten). Dann verkaufte die Telekom 2008 die Media Broadcast an den französischen Sendealagenbetreiber TDF. * Die Franzosen verloren aber das Interesse und verkaufte  ihrerseits im Januar 2018 die rund 1000 UKW-Sendeanalagen an fünf private Betreiberfirmen. Diese wollen schnelle und hohe Renditen, prompt eskallierte der Kampf untereinander und mit den Rundfunkveranstaltern. Ende April 2018 schritt die Bundesnetzagentur ein und kündigte an, die "Marktverhältnisse im UKW-Markt zu ermitteln". Der Präsident der Bundesbehörde, Jochen Homann sagte: "Wir werden uns (...) das Agieren der einzelnen Akteure anschauen und dann entscheiden, ob und wie (...) reguliert werden muss." Sollten die betroffenen Unternehmen "über beträchtliche Marktmacht verfügen" muß die BNetzA regulierend eingreifen. Damit sahen die privaten Netzbetreiber ihr Geschäftsmodell in Gefahr und einer von ihnen kündigte daraufhin den Abbau der UKW-Antennen an - damit würde vor allem im Osten Funkstille eintreten. Betroffen davon wären laut Süddeutscher Zeitung etwa 28 Millionen Radiohörer.

Bemerkenswert ist, dass die betroffenen ARD-Anstalten,  der Norddeutsche Rundfunk NDR (Mecklenburg-Vorpommern), der Mitteldeutsche Rundfunk MDR, der Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB und das Deutschlandradio DLR sich bei diesem Thema nur sehr zurückhaltend äußern. Beim NDR sagte der Pressesprecher auf Nachfrage, man sei ja nur indirekt vom Streit zwischen den verschiedenen Netzbetreibern betroffen. Am 6.April hatte NDR-Sprecher Martin Gartzke in einer NDR-Pressemitteilung gewarnt: "Unsere Hörerinnen und Hörer in Mecklenburg-Vorpomern dürfen nicht Opfer finanzieller Verhandlungen von technischen Dienstleistern werden."  Drei Tage später gab er Entwarnung: "UKW Abschaltung in Mecklenburg-Vorpommern vorerst abgewendet" - allerdings nur bis Ende Juni 2018. Beim MDR bedauerte man, dass sich Media Broadcast "überraschend aus dem UKW-Markt zurückgezogen habe." Für Fragen zu möglichen Auswirkungen auf den MDR hatte man in Leipzig keine Zeit. Beim RBB ist die Lage etwas anders, da man im Großraum Berlin immer noch einen Sendemast aus Zeiten des Sender Freies Berlin (SFB) besitzt. Nur beim Deutschlandradio wurde der Pressesprecher deutlicher, von den genutzten UKW-Frequenzen der beiden Programme des DLR werden nur 50 über ARD-Sendetürme, aber 260 von Privatunternehmen verbreitet. Kein Wunder also wenn DLR-Sprecher Tobias Franke-Polz am 13. Juni per mail moniert: "Deutschlandradio als nationaler Anbieter war bereits durch die vergangene Regulierungsverfügung von deutlichen Preiserhöhungen betroffen, weil die Regulierung die Sender in Ballungsgebieten billiger aber die auf dem Land teurer gemacht hatte." 

Die Kosten für die UKW-Sendermiete werden auf jeden Fall steigen - weil die Politik bar jeder Vernunft die wichtige Rundfunk-Infrastruktur dem Interesse der Finanz-Heuschrecken, Shareholder und Investoren ausgeliefert hat. 

Nachtrag, am 21. Juni gab es eine Einigung - der UKW-Blackout bleibt aus. Allerdings stellt sich die Frage, zu welchen Konditionen haben sich die Partner geeinigt. Ich wette mal, auf die ARD kommen höhere Kosten für die Verbreitung zu - bisher ist nichts genaues über die Vereinbarung bekannt....

* siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Media_Broadcast

Sonntag, 27. Mai 2018

Digitalradio DAB - mit Rückenwind in den Abgrund?


Derzeit 'trommelt' die ARD massiv mit TV-Spots für digitales Radio mit DAB+
(https://www.youtube.com/watch?v=cL0_MhixlYA) Nirgendwo ist ein Mensch zu sehen, vor Häusern, parkenden Autos oder einem Zelt am Strand hört man Radioprogramme. Nur auf einer leeren Baustelle steht als einziges Lebewesen ein einsamer Hund und hört zu. Ist das Sarkasmus, nach dem Motto: Stell Dir Digitalradio vor und keiner hört zu?  Der Werbespot illustriert treffend die Misere des digtialen Radios in Deutschland. Während die Konsumenten DAB + weitgehend ignorieren, hören immer mehr - vor allem Jüngere -  online oder per Smartphone digitales Radio und Musikstreamings.   

Noch im Oktober 2017 frohlockte die ARD: "Rückenwind aus Brüssel für Digitalradio". Das europäische Parlament hatte eine europaweite Norm zur Förderung des digitalen Radios gefordert. Demnach sollten ab einem bestimmten Stichtag "alle höherwertige Radiogeräte zusätzlich zum UKW-Empfang auch den Empfang digitaler Radioprogramme ermöglichen." Durchbruch hört sich anders an. Gleichzeitig musste die ARD einräumen, dass fast 80% aller derzeit verkauften Empfangsgeräte und vier von fünf Autoradios in Deutschland nur UKW bieten. Die EU hatte mit viel Geld den in Deutschland entwickelten DAB+ Standard gefördert, die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten steuerten bisher einen dreistelligen Millionebetrag aus Rundfunkgebühren bei. Angesichts des mäßigen Erfolgs, versucht die ARD das Digitalradio als Exportschlager zu verkaufen. So betonte am 9. Oktober 2017 die damalige ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille, DAB+ habe sein  "Marktpotential mittlerweile auch außerhalb der EU, so etwa in Asien und Australien entfaltet"

Damit wollte man wohl Politiker wie auch die Kommission zu Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) davon überzeugen, DAB+ weiterhin zu fördern. Immerhin hatte die KEF bereits 2014 die Entwicklung des digitalen Hörfunks kritisiert. *  Im aktuellen Bericht vom Februar 2018 kürzte die KEF den von der ARD angemeldeten Bedarf bis 2020 von 122,7 Millionen Euro für das digtiale Radio auf 100 Millionen. ** Vor allem die Kosten für die gleichzeitige Verbreitung der Radioprogramme über UKW und DAB+ (Simulcast) sind der KEF ein Dorn im Auge. Sie will ab 2029 nur noch die digitale Verbreitung finanzieren, die 20% niedriger sei, als das analoge UKW-Netz. Die Kommission fordert, dass die Politik bis zum Frühjahr 2019 ein "Konzept der UKW-Abschaltung" durch den Bund vorlegt. Weiterhin müsse eine "Methodik zur Ermittlung der DAB+ Nutzung" und "regulatorische Maßnahmen" zur Serienausstattung von PKW mit digitalen Empfangsgeräten erreicht werden. Die KEF fordert, dass bis 2019 in 27% der Haushalte ein DAB+ Empfänger steht,  wie das erreicht werden soll ist fraglich. Im aktuellen Bericht muss die Kommission einräumen, dass die  Wachstumsraten nämlich gegenüber dem letzten Jahr von 28% auf 20% gesunken sind. Neben den 138 Millionen UKW-Geräten stehen in 15% aller Haushalte gerade einmal 10 Millionen DAB-Empfänger.

Kein Wunder also, wenn die ARD selbst in DAB nicht mehr den Königsweg. Am 4. Oktober 2017 hieß es in einer Pressemitteilung: "Die ARD sieht ihre Hybridstrategie bestätigt, bei der Verbreitung von Radioprogrammen in Zukunft sowohl auf DAB+ als auch auf das Internet zu setzen." Früher hatte man auf DAB gesetzt und gegen das Internet und Mobilfunk als Verbreitungsmittel argumentiert. Auch setzte sich die ARD dafür ein, dass die Politik einen Zeitpunkt für die UKW-Abschaltung bestimmen soll. Das brachte aber die Privatfunker in Rage und deshalb verließen sie Anfang 2017 das gemeinsame Digitalradio-Board, das den Digitalradiostandard fördern sollte. Die Kommerzsender kehrten dann im September zurück, denn sie hatten sich durchgesetzt. Der Chef der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Siegfried Schneider, betonte am 6. September 2017, die Diskussion über ein Abschaltdatum sei "zum jetzigen Zeitpunkt unnötig und eher kontraproduktiv." 

Aktuell wirbt die ARD verstärkt für ihre Radio-Apps, mit denen Smartphones Radio - zeitversetzt - empfangen können. Der Grund ist einfach, das Smartphone und das Internet haben DAB+ den Rang abgelaufen. Im September 2017 bot  die Fachzeitschrift Media Perspektiven*** einen Überblick. Demnach waren 2017 fast 90% aller Einwohner über 14 Jahre Online, täglich sind es über 50 Millionen (70%). Etwa 45 Millionen - zwei Drittel der Bevölkerung über 14 Jahre - hören - zumindest selten - Audioangebote im Internet. Ein Wachstum von 11% innerhalb eines Jahres - davon kann DAB nur träumen. Etwa ein Drittel nutzt live Online Radio, ein weiteres Drittel hörte Musikangebote von Streaming-Diensten. Vor allem bei den 14-29-Jährigen liegen Streamingdienste wie Spotify oder Soundcloud in der Beliebtheit mit über 64% deutlich vor Live-Radio (37% Mehrfachnennungen möglich).

"Eine wichtige Schlüsselfunktion nimmt in der digitalen Audiowelt die Musiknutzung ein" konstatieren die Media Perspektiven. Der mobile Empfang wird von den Mobilfunkfirmen durch verbesserte Empfangsqualität (höhere Bitrate) beworben. Allerdings kostet das extra, dazu braucht man ein Premium-Abonnement - wozu bisher nur eine Minderheit der Nutzer bereit ist. Bei der Telekom versucht man Abonnements  damit zu verkaufen, indem die Nutzung von Streamingdiensten nicht auf das gebuchte Datenvolumen angerechnet wird. Die Autoren der Media Perspektiven warnen: "Für den klassischen Hörfunk (...) könnten sich die jetzt schon starken Musik-Streamingdienste (...) zu einer nicht zu unterschätzenden Konkurrenz entwickeln." Also muss man mitmachen, um nicht ins HIntertreffen zu geraten und die Nutzer auf allen Verbreitungswegen erreichen - und das ist eben nicht DAB+ sondern der Mobil- und Internetempfang.

* https://medienfresser.blogspot.de/2014/03/kef-macht-druck-beim-dab-digitalradio.html
** https://kef-online.de/fileadmin/KEF/Dateien/Berichte/21._Bericht.pdf

*** Media Perspektiven 9/2017 Seite 463 ff.

Mittwoch, 11. April 2018

Radio MA 2018 - Digitaler Urknall oder Rohrkrepierer?



Zweimal im Jahr präsentiert die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (AGMA*) Daten über die Hörerzahlen bundesdeutscher Radioprogramme. Laut der am 28. März 2018 veröffentlichten neuen MA Audio 2018 I schalten täglich von den mehr als 70 Millionen Einwohnern (+ 14) rund 54 Millionen (78%) ein Radioprogramm ein. Der Zuspruch der 14,6 Millionen 14-29-Jährigen liegt mit 9,8 Millionen (67%) deutlich niedriger. Dagegen hören von den 34 Millionen über 50 Jahre täglich 28 Millionen (82 %) ein Radioprogramm. Die Radiozentrale** erklärte in einer Presserklärung: "Der klassische Radioempfang via UKW ist leicht rückläufig, wird aber durch die Nutzung der Hörfunkprogramme via Internet ausgeglichen.(...) Die Jugend setzt verstärkt auf Online Audio-Empfang." Lutz Kuckuck, Chef der Interessengemeinschaft fürchtet keine Abkehr vom Medium Radio: "Jugend hört - sie nutzt dafür aber die neuen Empfangswege wie Smartphpone und Sprachassistent und weniger das klassische Radiogerät."

Eine Fahrt mit Bus oder Bahn belegt, vor allem Jüngere nutzen ihre Smartphones weniger für das Telefonieren, sondern für Chats, Videos und Musik. Die neue MA soll "das Universum der Online-Audio- und Streamingdienstnutzung" erfassen, betont dazu die ARD-Werbung in ihrer Presseerklärung. Ist der AGMA damit endlich der digitale Quantensprung bei der Messung der Radionutzung geglückt? Laut den Angaben des größte Werbevermarkters kommerzieller Radiosender, der Radio Marketing Service GmbH (RMS) in Hamburg, spiegelt die MA Audio "die Reichweiten von 211 Radio- 85 Online-Audio- und 75 werbeführenden Konvergenz-Angeboten"*** 

Die UKW-Stage Coach fährt immer noch erfolgreich duch die Radiolandschaft....

Bisher gelten zwei relevante Maßeinheiten für die Radionutzung: Tagesreichweite (Hörer gestern Montag-Freitag) und Hörer pro durchschnittlicher Werbestunde (Mo-Fr)

Die Tagesreichweite gibt an, wieviele Einwohner über 14 Jahre, die Deutsch verstehen, pro Tag ein Radioprogramm einschalten. Demnach hören aktuell 54 Millionen Einwohner täglich ein Radioprogramm, über 2,6 Millionen weniger (-4%) als noch ein Jahr zuvor. Bei den Werbewellen sank die tägliche Reichweite um 2,56 Millionen auf knapp 48 Millionen (-5%). Dabei schnitten die ARD-Werberadios mit 37 Mio Hörern (-3%) besser ab, als die Privaten, die täglich von 29,6 Mio Menschen (-5%) eingeschaltet wurden (Mehrfachnutzung). Angaben über Online-Nutzung an Werktagen sucht man hier vergeblich

Reichweite pro durchschnittlicher Werbestunde (Mo-Fr 6-18 Uhr). Dabei sind diese Ergebnisse für den Verkauf der Werbezeiten der Radiosender ausschlaggebend. Pro Werbestunde hörten demnach 20,7 Millionen Hörer ein Werbeprogamm - ähnlich wie 2017. Bei Jüngeren (14-19 und 14-29) blieb der Zuspruch mit 880 000 bzw. 3,4 Mio ebenfalls ziemlich konstant. Einige der Big-Player mussten aber bei den 14-29-Jährigen deutliche Hörerverluste hinnehmen: Radio Schleswig-Holstein (-34%), NDR 2 (-24%), Radio Berlin (-20%), Radio NRW (-9%), SWR 3 (-6%). Auch hier finden sich in der MA Audio keine Angaben zur Online-Nutzung der Werbewellen.

Das macht schon stutzig, angesichts der vollmundigen Ankündigungen, wenn etwas die ARD-Werbetochter tönt: "Die MA Audio ist die Konvergenzwährung für Radio und Online-Audio in Deutschland." Auf Nachfrage erläuterte Lothar Mai von der ARD-Werbung, digitale Nutzerzahlen könne man derzeit nur bei der Hörerreichweite Montag bis Sonntag anbieten. Die Online-Nutzung von Radioprogrammen und Musik-Streamingdiensten würden von den Veranstaltern der AGMA zugeliefert. Betrachtet man den Methodensteckbrief der aktuellen MA Audio, liefert aber nur ein Streamingdienst (Spotify) Daten. Daneben werden 243 gleichzeitig über UKW und Online/DAB verbreitete Programme (simulcasting) und 568 Nur-Webradios erfasst. Zusätzlich würden 13.218 Teilnehmer ein Online-Tagebuch über ihr Nutzungsverhalten führen. Die für Werbewellen wichtige Messungen der Stundereichweite sei derzeit nicht möglich, räumte Mai ein. 
Das Radiogerät der Zukunft?!

Wie sehen die Ergebnisse der Online-Radionutzung aus? Von den insgesamt 53 Millionen Einwohner über 14 Jahre täglich, die zwischen Montag und Sonntag ein Audioangebot nutzen, entfallen auf per Rundfunk verbreite Programme knapp 52 Millionen Hörer, Online sind es 2,7 Millionen (Mehrfachnennung). Demnach hören also etwas mehr als 5% aller Audio-Nutzer online - Tendenz leicht steigend (2,4 Mio MA 2017 Audio) Der größte Teil davon empfängt Radioprogramme, die auch über UKW verbreitet werden (1,5 Mio), dicht gefolgt von Radio-Musik-Stramingdiensten, die über 1 Million tägliche Nutzer erreichen. Bei den 14-19-Jährigen, hören in der Woche täglich 3,2 Millionen ein Audioradio bzw. Stgreamingangebot, davon gut 3 Millionen werden durch klassischen Rundfunk-Empfang erreicht, während 400 000 Online hören. Von werden Streaming-Musikdienste täglich von 240 000 Jugendlichen genutzt. 

Überzeugend kann die MA Audio bisher die Radio- und Musiknutzung außerhalb der UKW-Nutzung nicht darstellen. Der 'Große Sprung nach Vorn' bei der Messung digitaler bzw. onlinebasierter Radio- und Musikangebote ist damit nur im Ansatz geglückt. Trotzdem dürfte vor allem die Akzeptanz der Streaming-Dienste durch jüngere Hörer die Radiomacher  beunruhigen. Ob die Hörerverluste gerade jugendlicher Nutzer beim UKW-Empfang wirklich durch Online-Nuztung ausgeglichen wird, muss sich erst erweisen. Insgesamt ist die Datenbasis noch ziemlich bescheiden, vor allem der werbetreibenden Wirtschaft dürften diese schmale Basis der MA Adio auf Dauer kaum gefallen. 

Siehe auch:
https://medienfresser.blogspot.com/2018/05/digitalradio-dab-mit-ruckenwind-in-den.html 
https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=3982236135803086246#editor/target=post;postID=6311158600192039586;onPublishedMenu=allposts;onClosedMenu=allposts;postNum=9;src=link
* AGMA: Arbeitsgemeinschaft Media Analyse - Zusammenschluss von 210 Medien und Werbeunternehmen
**Radiozentrale: 2005 von kommerziellen- und öffentlich-rechtliche Radioveranstaltern gegründet, um für das Medium Radio zu werben (http://www.radiozentrale.de/ueber-uns/ziele-aufgaben/)
*** Konvergenz-Angebot: Programmveranstalter, die neben UKW, DAB auch Onlien und Streaming-Programme anbieten

Freitag, 9. Februar 2018

SWR 2018 - "Passgenaue Inhalte" gesucht


Die 'üblichen Verdächtigen' im SWR-Studio
Jahrespressekonferenzen von TV-Sendern sind so spannend, wie das Schaulaufen auf dem Eis. Jeder zeigt sich von der besten Seite, man wagt nicht allzu schwere Sprünge und trägt das attraktivste Kostüm - man will halt gefallen. So war es auch am 1. Februar 2018 beim Südwestrundfunk (SWR) in Stuttgart. Im TV-Studio wurden Schnittchen, Getränke und - mehr oder weniger - Prominenz gereicht. Kritische Fragen hatten die anwesenden Journalisten nicht mitgebracht - dafür gab es lecker Trailer, die für das Programm 2018 werben sollten. 

Aber wohin will der SWR? Intendant Peter Boudgoust sagte, es gehe in Zukunft darum, mehr "passgenaue Inhalte" zu produzieren - allerdings ohne mehr Mittel. Hörte sich so ziemlich nach "SWR 4.0" an und Informationschef Christoph Hauser legte nach, "Datenjournalismus" laute für den SWR der nächsten Jahre die Devise. Deshalb werde man künftig verstärkt Teams aus EDV-Fachleuten und Multimediaredakteuren bilden. Böse Zungen im Haus meinen, jetzt schon würden zunehmend Nerds ohne journalistischen Sachverstand die Redaktionsbüros bevölkern.  

Online und Mobilempfang aller SWR-Angebote lautet aber nicht nur in Stuttgart die Parole.
..kein neues SWR-Motto - TV-Doku-Trailer
Boudgoust kündete für den Sommer 2018 den Start einer einheitlichen ARD-Mediathek an, in der die Angebote aller Anstalten integriert werden sollen. Der ARD-Onlinechef Benjamin Fischer erklärte, künftig könnten die Nutzer sich dort anmelden und bekämen dann auf ihr persönliches Nutzerprofil zugeschnittenen Info- und Programmangebote. "Je länger der ARD-Player genutzt wird, desto persönlicher werden die Empfehlungen", heißt es dazu vollmundig im Pressetext. Die ARD auf dem Weg zum gläsernen Zuschauer? Mitnichten betonte Bougoust auf Nachfrage, die Medienforschung würde keinen Zugriff auf die Nutzerprofile bekommen - Missbrauch sei ausgeschlossen. ARD-Onlinechef Fischer betonte, man müsse sich ja nicht anmelden, könne auch sein Profil löschen und weiter die Mediatheken nutzen. Irgendwie passte zu dem Thema der Trailer des preigekrönten Dokumentarfilms "Im Rausch der Daten - Netz und Demokratie". Darin verfolgten die Autoren die Auseinandersetzung im Europäischen Parlament um eine einheitliche Datenschutzregelung der EU. 


Viel WM-Fußball mit weniger Kosten

Der SWR bestimmt den WM-Kick für die ARD
Stolz präsentierte man in Stuttgart - der SWR ist für die gesamte Berichterstattung von der Fußball-WM im Sommer in Russland zuständig - die aktuellen Pläne der ARD. Auch hier gilt: Gekickt wird auf allen Empfangswegen: "Erstmals wird ein Sportgroßereignis konsequent multimedial geplant" so der Pressetext. Gleichzeitig wird gespart, ARD und ZDF reduzieren ihre Studio-Aktivitäten in Moskau, die Studioberichte der ARD werden in Baden-Baden produziert - in Moskau sitzt dann im Sendezentrum nur noch ein Redakteur. "Das wird ein Quantensprung in der Abwicklung von Großereignissen", kündete ARD-Teamchef Harald Dietz in Stuttgart an.   

Fußballfans erinnern sich an die Ausschreitungen in Stadien während der Europameisterschaften in Frankreich im Sommer 2016. Die UEFA - die den Fernsehsendern die Bilder aus den Stadien zulieferte - zeigte keine Aufnahmen von Prügeleien rivalisierender Fangruppen. Nur dem Zufall war es zu verdanken, dass die ARD ein Team vor Ort hatte und die Bilder in der Tagesschau gezeigt werden konnten.  

https://medienfresser.blogspot.de/2016/06/uefa-zeigt-bei-der-em-ein-potemkinsches.html 
https://medienfresser.blogspot.de/2016/06/tschechien-kroatien-uefa-behutet.html 

Darauf angesprochen, sagte Thomas Wehrle - Programmchef Fernsehen/Online/Social Media, man habe sich mit der FIFA darauf geeinigt, bei allen Spielen die die ARD übertrage, eigene Kamerateams ins Stadion zu bringen. Darüber hinaus sei es ja völlig normal, dass die Bilder der Begegnungen im Auftrag der Fußballverbände produziert und das sogenannte "Weltbild" dann den TV-Sendern zugeliefert werde. 

SWR offen für Kooperationen mit Verlagen und Veranstaltern 


Der Intendant des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm, hatte sich Anfang Januar für eine gemeinsame Online-Plattform der deutschen Medieanbieter ausgesprochen, um nicht Google, Amazon, Facebook und Co zunehmend den Internet-Fernsehmarkt zu überlassen (Fachdienst Medienkorrespondenz 2/2018). Diesem Ansinnen stimmte in Stuttgart auch SWR-Intendant Boudgoust zu, zeigte sich aber angesichts der Verlegerkampagne gegen die Internetauftritte der ARD skeptisch. Die Zeit für so ein Projekt laufe ab, wer hier weiter auf die Bremse treten würde, mache ein solches Projekt unwahrscheinlicher. Grundsätzlich stehe der SWR Kooperationen mit Verlagen im Internet positiv gegenüber, betonte der Intendant. Man habe mittlerweile fast allen Verlagen des Sendegebietes die SWR-App vorgestellt und arbeite mit zehn Tagszeitungen der Region zusammen. "Die Tür steht weiter offen." Zu Kooperationen sei man weiterhin bereit, werde dabei aber keine inhaltlichen Kompromisse eingehen, betonte Boudgoust. Angesichts der großen Kosten die bei TV-Mehrteilern im Fiction Bereich entstehen, zeigte sich der SWR-Intendant aufgeschlossen gegenüber Kooperationen mit anderen Veranstaltern ("Berlin-Babylon"). Er betonte aber, dies sei derzeit Aufgabe der ARD und ihrer Produktiongesellschaften. Angesichts der aktuellen Diskussion der Rundfunkreferenten der Länder über einen Neuregleung der Mediatheken von ARD und ZDF, den Angriffen der Verleger auf die Online-Angebote und der Volksabstimmung in der Schweiz über die Abschaffung der dortigen Rundfunkgebühr kündigte Boudgoust an: "Wir müssen uns stärker erklären - und das tun wir".  

https://medienfresser.blogspot.de/2017/01/swr-2017-regional-aktuell.html 

...was von den Pressekofenrenzen blieb....


 

Samstag, 13. Januar 2018

"Saboteure im Eis" ARD-Serie zu gemächlich....


"Warum willst Du über eine TV-Serie schreiben, von der Du nur eineinhalb Folgen gesehen hast?" Fragt der Chefredakteur (ich) - "Weil mich die Geschichte interessiert und das seit meiner Jugend", Antwortet der Schreibknecht (ich) - "Na mach, wenn das mal jemanden interessiert...". 

"Saboteure im Eis" Copyright NDR
Das Erste der ARD zeigte zwischen dem 2. und 4. Januar die sechsteilige Serie: "Saboteure im Eis". Eher durch Zufall wurde ich darauf aufmerksam, denn die jeweils 45minütigen Filme liefen zu nachtschlafender Zeit - 23 Uhr im Zweierpack. Zur Programmierung teilte am 4. Januar Iris Bents, beim Norddeutschen Rundfunk für die Serie verantwortlich, die Gründe per mail mit. Im Feiertagsprogramm des Ersten werde: "in dieser Zeit länger ferngesehen (...) und auf dem Sendeplatz nach den 'Tagesthemen' ein überdurchschnittliche großes Publikum erreicht(...)." Laut ARD Medienforschung erreichten die sechs Folgen der Mini-Serie zwischen 900.000 und 1,2 Millionen Zuschauer - zwischen 6,5% und 8% Marktanteil. "Kein schlechtes Ergebnis für die Uhrzeit", meinte eine Mitarbeiterin. 



Die Serie steht nicht in der ARD-Mediathek zum Abruf zur Verfügung. "Der Lizenzvertrag beinhaltet keine sogenannten catch up Rechte, daß heißt, die Serie darf nicht nach Ausstrahlung in den Mediatheken online gestellt werden," erläuterte Frau Bents. Die ARD habe die Home Entertainment-Rechte "leider nicht" erwerben können. Die ARD habe demnach das Recht, die Serie nur noch einmal in den ARD-Dritten zu zeigen. Auf youtube kann man "Saboteure im Eis" für 2,49 € pro Folge abrufen. 

Copyright NDR
Ärgerlich für mich, denn ich konnte nur die erste Folge ganz und die Zweite nur zur Hälfte sehen, dann war ich zu müde. Lag es am späten Abend? Ich hatte den Eindruck, das Drehbuch wurde sehr gedehnt, um auf sechs Folgen zu kommen. Während Trailer und Teaser durch schnelle Schnitte und modernes Design Spannung und Tempo versprachen, enttäuschte dann die doch zähe und konventionelle Erzählweise durch Langatmigkeit. Da deutsche TV-Zuschauer immer nur vollsynchronisierte Filme sehen wollen, hat man leider auf Untertitelung von Szenen in Norwegisch, Dänisch oder Englisch verzichtet. Mit den Rechten für die Mediathek hätte man die verschiedene Versionen anbieten können - verpasste Chance.

Die Geschichte um eine 'Deutsche Atombombe' und den Angriff eines Alliierten Kommandos 1943 auf die Produktionsanlage für "Schweres Wasser" im besetzten Norwegen, hat früh Filmemacher interessiert. Die erste Verfilmung gabe es bereits 1948, eine französisch-norwegische Koproduktion, in der Beteiligte an dem Kommandounternehmen sich selbst spielten. Ich erfuhr erstmals als Jugendlicher davon durch die ARD-Serie: "Spione Agenten Soldaten". Sie lief 1969 im Ersten Deutschen Fernsehen, jeweils am Sonnabend-Nachmittag. Der polnische Historiker Janusz Piekalkewicz hatte diese 26-teilige Serie über Kommandounternehmen und Spionage während des Zweiten Weltkriegs produziert. Dafür bekam er 1969 einen Preis in Monte Carlo - was seitdem keiner deutschen Produktion mehr gelungen ist. In den Filmen kommen Zeitzeugen zu Wort - darunter einstige Gegner - außerdem historische Aufnahmen und Fotodokumente. Einige Jahre später erschien ein Buch zur Serie, dort findet sich die Geschichte unter dem Titel. "Angriffsziel Norsk Hydro". 

Bereits 1965 hatte der US-Regisseur Anthony Mann einen Kinofilm über die Aktion Britsch-Norwegischer Kommandos gedreht, der 1966 unter dem Titel "Aktion Schweres Wasser" in deutsche Kinos kam. Stars wie Kirk Douglas, Richard Harris, Ulla Jacobson und Michael Redgrave spielten mit, der Film wurde an den Originalschauplätzen gedreht und beeindruckt durch die norwegischen Landschaft. Der Film wurde erst 1985 in einem deutschen TV-Programm gezeigt - dem DDR-Fernsehen.    

Copyright NDR
Die aktuelle TV-Serie "Saboteure im Eis" ist eine norwegisch-, britisch-,  dänische Koproduktion. Sie lief erstmals im Januar 2015 im öffentlich-rechtlichen Norwegischen Fernsehen unter dem Titel: "Kampa om tungtvannet". Mit rund 1,3 Millionen Zuschauern pro Folge erreichte sie eine Rekordeinschaltquote und fast 25% Marktanteil. In Großbritannien liefen die Folge beim digitalen TV-Sender More4 (Channel Four). Auch in die USA und nach Polen wurde die Serie verkauft. Die Produktionskosten von 8,7 Millionen Euro dürften sich mittlerweile amortisiert haben.   

Sonntag, 7. Januar 2018

Chios 2017 - Weihnachts-Impressionen


Weihnachts-Schmuck auf Chios


Warum eigentlich nicht Weihnachten und Sylvester auf Chios verbringen? Diesen Wunsch haben wir uns dieses Jahr erstmals erfüllt, da brauchten wir auch keine weiteren Geschenke.

Allerdings gestaltete sich meine Anreise nicht ganz einfach, denn die mögliche Flugverbindung von Stuttgart erforderte eine Übernachtung auf dem Flughafen Thessaloniki. So landete ich am 23. Dezember kurz vor Mitternacht auf dem Makedonia Airport und
Noch nicht wach auf dem Flughafen Athen
musste mir einen Platz suchen, um die Zeit bis zum Weiterflug am nächsten Morgen zu überbrücken. Neben mir schaute ein junges Pärchen auf dem PC Splattermovies, immer wenn ich gerade wegdämmerte, ließen mich Schreie und Kampflärm des Films aufschrecken. An Schlaf war also nicht zu denken und so machte ich mich auf, um am einzig geöffneten Imbiss etwas Wasser zu kaufen. Als mir der junge Mann am Tresen die Flasche gab, blickte er mich kurz an und fragte: "You are from Germany?" Ich bejahte und er schob nach "Are you from Hamburg?" Erstaunt sagte ich, dass ich dort geboren wurde. Als ich ihn fragte, wie er darauf käme, zeigte er auf meine Mütze. Dort habe ich einen St.Pauli-Button befestigt. Ich outete mich als Fan und er antwortete: "It's my favoured football club too!" Am Flughafen Thessaloniki treffe ich in der Nacht zum Heiligen Abend auf einen jungen griechischen St.Pauli Fan - auch eine Weihnachtsgeschichte. Er ist bei einem Amateur-Verein in Thessaloniki, der Kontakt zum Kiez-Club hat. Dabei ging es ihm vor allem um das soziale und politische Engagement der  Fans von St. Pauli - dem konnte ich nur zustimmen und schenkte ihm zum Abschied einen Button. Am Morgen ging es dann, mit Zwischenstopp in Athen, weiter Richtung Chios.


Europa 'schützt' sich auch an Weihnachten
Als der Flieger gegen Mittag dann zur Landung ansetzte, sah ich aus dem Fenster auch die Realität der Europäischen Grenze im Jahr 2017. Unter mir fuhr ein Kriegsschiff, das im Auftrag der EU die die Küste vor der Türkei kontrolliert. Faktisch geht es darum, illegales Übersetzen von Flüchtlingen nach Europa zu verhindern. Auf der Insel leben heute mehrere Tausend Flüchtlinge im Lager Vial. Vor allem für Frauen mit Kindern und allenreisende Jugendlichen ist die Situation katastrophal. Sie vegetieren in Zelten, kaum vor Regen und der Kälte geschützt. Was wäre wohl mit der Heiligen Familie samt Jesuskind geschehen, wenn sie auf der Flucht vor Herodes nicht nach Ägypten, sondern hierher gekommen wäre? Wären sie im Mittelmeer ertrunken, oder in eine unmenschliches Lager gesperrt worden? Da kommen einem an Weihnachten nur bittere Gedanken. Europa schaut weg und schottet sich weiter ab, das Weihnachtsgeschäft ist wichtiger als die Nächstenliebe... 

Es gilt aber auch: Was gibt es schöneres, als an Heilig Abend auf dem sonnigen Chios-Airport - benannt nach dem Dichter Homer - zu landen? Meine Partnerin war früher gekommen und erzählte mir, zwei Tage zuvor habe es noch aus Kübeln gegossen und gestürmt. Das Wetter ändert sich in der Ost-Ägäis glücklicherweise meistens schnell. Das Gepäck im Leihwagen von Costas verstaut, ging es über das Epos-Gebirge zum gut 40 Kilometer entfernten Volissos. Der Ort im Nordwesten der Insel ist unsere zweite Heimat geworden und empfing mich mit sonnigem Wetter. Da unser "Heiliger Abend" für Griechisch-Orthodoxe nicht die Bedeutung besitzt, wie bei Katholiken oder Protestanten, konnte ich erstmal etwas Schlaf nachholen.

So feierten wir dann zu Dritt, gemeinsam mit unserer vierbeinigen Freundin Koudounaki (Glöckchen) bei Selbstgekochtem aus dem Ofen und einem Glas Kefalas-Wein aus Volissos. Unser Freund George hatte uns mit mit Auberginen, Tomaten und Zwiebeln direkt vom eigenen Acker versorgt - das schmeckte von selbst. Dazu gab es frische Orangen, Mandarinen und Klementinen - direkt vom Baum. Der erste Weihnachtstag lud uns mit Sonne zu einem wärmenden Vormittag auf unserer Terrasse ein. Hier kann man stundenlang sitzen und das Meer und den Inselwesten betrachten. Immerhin galt es jetzt Kräfte zu sammeln, denn unsere griechischen Freunde hatte für uns ein 'Menue' für die Feiertage angekündigt. Wir sollten mit verschiedenen Spezialitäten beglückt werden - also galt es, bequeme Kleidung anzulegen....

Tradition in Volissos
Von dem in Deutschland üblichen Weihnachtsrummel bleibt auch das griechische Chios nicht verschont. Aber es gibt ein paar Besonderheiten, so werden die Geschenke erst zur Jahreswende verteilt und die Weihnachtszeit endet erst am 6. Januar. Weihnachtsbäume und den üblichen Deko-Schnick-Schnack gibt es auch hier, aber mit besonders geschmückten Booten, die man in die Ortsmitte stellt, einen typisch griechischen Weihnachtsgruß. Und dann gibt es auch noch die nervigen Kobolde, Kallikantzari genannt, die um die Weihnachtszeit überall ihr Unwesen treiben. Wenn im Haushalt was schiefgeht, sind sie dafür verantwortlich und an vielen Plätzen stehen aus Holz gefertigte Kobolde, um daran zu erinnern. Was kann man dagegen tun? Ganz einfach, man legt ein Sieb vor die Tür, da versuchen sie dann die Löcher im Sieb zu zählen - kommen aber nur bis zur Zahl Zwei, weil die Drei heilig ist und so schaffen sie es nicht - das Haus ist geschützt. Griechen sind eben praktisch veranlagt und wissen sich zu helfen.....







Für uns war wichtig, dem deutschen Weihnachtsrummel mit seiner Hektik und dem Formellen zu entkommen. Das gemeinsame Essen mit unseren Freunden und deren Freunden auf Chios war die richtige Alternative. Da brachte jeder etwas mit, es lief alles völlig formlos und entspannend unsteif: Essen, Genießen, Lachen Reden - in einem Mix aus Griechisch und Englisch. Und nur wenig Alkohol - denn den braucht man hier nicht zur guten Laune....Obwohl unser Freund George regelmäßig bei orthodoxen Gottesdiensten als Vorsänger agiert, kritisiert er den offiziellen Weihnachtsrummel und die vermeintliche Religiosität der offiziellen Kirche. Von ihm erfahren wir immer die aktuellen Geschichten aus der Umgebung. 

Weihnachten bei uns heißt: Kälte, Schnee, kahle Bäume - ein Farbenspiel zwischen Grau und Schmutzigbraun. Auf Chios wurde man dagegen von grünen Wiesen, Bäumen voller Mandarinen und Orangen empfangen. In der legendären Kambos-Region, nahe der Inselhauptstadt, stehen tausende dieser Bäume inmitten alter Herrenhäuser. Im Gebirge und auf dem Epos-Plateau kann es dagegen ziemlich stürmisch werden und manchmal wird man von dichtem Nebel überrascht, der Fahren nur im Schritttempo erlaubt. Man muss sich also warme Sachen einpacken, denn es kann im Winter ab und an schon empfindlich kalt werden. Überall liefen Inselbewohner dick verpackt und vermummt herum - für uns Nordeuropäer war es dagegn oft noch erträglich.



In Volissos hatte man sich zum Thema Weihnachtsdekoration dieses Jahr viel einfallen lassen. Da wurde etwa ein ganzes Haus als Geschenk mit einer roten Schleife dekoriert. Im Ort standen verteilt alte Fahrräder, an denen Lichtgirlanden befestigt waren, die am Abend leuchteten. An einem Platz hatte man einen ausrangierten Drahtesel vor einen Weihnachtsschlitten gespannt.

Unsere Vermieterin ließ es sich nicht nehmen, uns in die Wohnung einen kleinen Weihnachtsgruß zu stellen - zusammen mit einem Fläschchen süßen Kefalas-Wein. Die Feiertage gingen im Ort -wie gewohnt - ruhig vorbei. Auch der Jahreswechsel verlief hier ohne lautes Geknalle oder Raketen. Die gab es in der Insel-Hauptstadt, wir genossen in Volissos nach Mitternacht den Blick in den wollkenlosen Sternenhimmel. Gemeinsam mit den Freunden gab es den von George und Marianna gebackenen speziellen griechischen Neujahrskuchen - Vasilopitta. Darin wird eine Münze versteckt und wer sie findet, für den bringt das neue Jahr Glück. Ich bekam das Stück nicht - aber wir waren ja auch so glücklich genug auf unserer Insel. Ausufernd wurde die Feier aber nicht, denn wir mussten am Neujahrstag wieder zurück nach Deutschland - was alle verwunderte, weil in Greiechenland auch am 2. Januar gefeiert wird.

Auf dem Heimflug, der von drei Stops unterbrochen wurde, bekamen wir bei Aegean vor jedem Start ein Gläschen Sekt angeboten und auf den Servietten wünschte die Airline allen ein gutes neues Jahr. Für uns brachten die Feiertage auf Chios das, was wir gesucht haben: Ruhe, Natur, Feiern, Freude.....Chronia Polla für Alle! 

Der traditionelle Vasilopitta - Neujahrskuchen. Wer war der Glückspilz?
Siehe auch: https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=3982236135803086246#editor/target=post;postID=8860608842403395532;onPublishedMenu=allposts;onClosedMenu=allposts;postNum=2;src=postname