Mittwoch, 30. März 2022

Meine deutsch-französische Familie Teil IV

 

Zeitenwende in Gronau

 

Seit Jahren wütet der Weltkrieg, aber Gronau war von der Front weit entfernt. Für den Vierjährigen Heinz ist 1917 spannend, was ihm sein Onkel erzählt. Er sitzt dem Kunstmaler Modell im Matrosenanzug für ein Portrait in Öl. Damit er ruhig bleibt, erzählt der Onkel dem kleinen Jungen dabei die spannenden Abenteuer der griechischen Helden. Heinz war nicht mehr das einzige Kind im Hause Ressing, denn 1
915 war seine Schwester Käthe geboren worden. 

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Donnerstag, 17. März 2022

Wohltönende Symbole - Selenskyj , Biden, Lafontaine - und wo bleibt das Positive?

 

Der Appell des unkrainischen Präsidenten am 17. März 2022 an den deutschen Bundestag, Deutschland solle im Konflikt mehr Führung zeigen - machte mir eine Gänsehaut. Selenskyjs geäusserte Furcht vor einer neuen Mauer war propagandistisch clever formuliert -faktisch aber seit längerem Wirklichkeit. 
 
Um die Ukraine ernsthaft militärisch gegen den Überfall Russlands zu unterstützen, müssten Nato und EU einen Krieg gegen Putin in Erwägung ziehen. Das glaubt ernsthaft niemand - auch Selenskyj nicht. Keine Regierung wie auch der Großteil ihrer Bevölkerung in den Staaten der EU und den USA sind dazu bereit. Maximal wird es Kleinwaffen und humanitäre Unterstützung geben. Flugverbotszonen? Die haben die USA einst in Syrien nicht umgesetzt - wegen des möglichen Konflikts mit Russland, das Assad stützt. Und jetzt soll es hier die Nato durchsetzen? 
 
Machtpolitik im alten Stil?

 
Ein ernsthafter Boykott der russischen Energielieferungen an Deutschland bekommt keine wirkliche Unterstützung. Man höre sich mal das aktuelle Gezeter an deutschen Tankstellen an - und die Wirtschaft kann vor allem auf das Gas nicht verzichten. Energie sparen - ist nur was für Sonntagsreden und das seit Jahren. Und die Solidarität mit den Flüchtlingen - warten wir ab, wie es in einem Jahr aussieht. Unsere Hilfsbereitschaft mit den Flüchtlingen aus Syrien und Afghanistan flaute schnell ab. Jetzt bezahlen wir die Grenzstaaten der EU dafür, uns diese Menschen vom Hals zu halten - und die EU-Chefin applaudierte dazu.
 
Die großrussischen Chauvinisten im Kreml sehen die Ukraine als ihren politischen Hinterhof - wie die USA Lateinamerika. Eine Nato- oder EU-Mitgliedschaft der Ukraine war und ist ein gefährlicher Wunschglaube. Er entsprang aus Präsident Obamas Geringschätzung, der einst Russland zur zweitrangigen Macht erklärte. Putin und seine Clique wollen jetzt einen weiteren Vasallen-Staat Ukraine, wie Bjelorussland und Tschetschenien. Dabei droht Russland bei einem längeren Krieg oder Guerillaaktionen in der Ukraine langfristig ein ähnliches Desaster wie Breschnew in Afghanistan. Die Sowjetunion brach als Folge  zusammen. 
 
US-Präsident Biden ist ein bigotter Heuchler. Einst unterstützte er den Afghanistan- und Irakkrieg der USA. Gute Beziehungen zu Kriegsverbrechern wie etwa dem König von Saudi Arabien, (Jemen) stören ihn nicht. Insofern ist sein 'emotionales Statement': Putin sei ein Kriegsverbrecher - zwar zutreffend - aber geheuchelt und vor allem folgenlos.
 
Krönender Abschluss des Tages bei uns: der Austritt Lafontaines bei den Linken. Das war überfällig. Politisch spielen er und Frau Wagenknecht schon lange keine Rolle mehr - und das ist gut so. Jetzt kann er sich ja mit seinem alten Widersacher Schröder zusammentun, wenn der aus der SPD rausgeworfen wird. 
Germans to the Front reloaded? (1944 Frankreich)

 
...und wo bleibt das Positive?
Es gibt Tage und Situationen - da gibt es nichts Positives. Die Menschen in der Ukraine und mittelbar auch in Russland zahlen die Zeche für Machtpolitik a la 1914. Der Kampf um Einflusszonen bestimmt das politische und wirtschaftliche Handeln. Aus Kriegsrüstung wird bei uns 'Ertüchtigung' - im Kreml regieren Stalinisten ohne Kommunismus. Grüne werfen endgültig die Maske der Friedenspartei ab und stimmen dem Kauf mangelhafter US-Tarnbomber zu. Der Bellizismus regiert allüberall. Linke Politik? Totalschaden!
 
Der Militärtheoretiker Clausewitz schrieb einst: „Es ist alles im Kriege sehr einfach, aber das Einfachste ist schwierig...So stimmt sich im Kriege durch den Einfluß unzähliger kleiner Umstände, die auf dem Papier nie gehörig in Betrachtung kommen können, alles herab, und man bleibt weit hinter dem Ziel.“ Aktueller denn je.
 
Einen Krieg beginnen ist einfach, ihn zu beenden dagegen schwer - eine Erkenntnis, die auch im Kreml und in Kiew wachsen wird. 
 
Ach ja und eines noch: In unseren Medien wird, kritisiert, in Russland stehe im Zusammenhang mit dem Überfall auf die Ukraine das Wort 'Krieg' unter Strafe. So weit geht man bei uns nicht, aber: Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan durfte damals nicht Krieg genannt werden. Hochkonjunktur für Orwellsches  'Neusprech'....

Sonntag, 13. März 2022

....Hilflose Tauben... Stuttgart gegen den Ukraine-Krieg

 

Ja es waren viele gekommen in den sonnigen Park vor dem Stuttgarter Schauspielhaus. Die Veranstalter meinten, es seien 35 000 gewesen, ich schätze als Alt-Demonstrant da eine kleinere fünfstellige Zahl. Aber eigentlich ist es egal, die Menschen wollten ein Zeichen gegen den Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine setzen. Es zeigte sich auf der Kundgebung aber auch, dass die Wirklichkeit komplizierter ist, als der Slogan: "Stoppt den Krieg".


 

Auf den ersten Blick erinnerte mich die Kundgebung an viele Aktionen der Friedensbewegung in den 1980ern. Viele der am Sonntag gekommenen hatten 40 Jahre zuvor gegen den Nato-Raketenbeschluss demonstriert - es waren viele 'Greynecks' wie ich darunter - aber auch junge Leute und Familien mit Kindern. Transparente verschiedener Gruppen forderten Verhandlungen statt Bomben, griffen die Machtpolitik der USA und der Nato an. Gegen Putins Kriegspolitik wurde vor allem auf selbstgemalten Plakaten gewettert. 


 

1980 reloaded? Mitnichten! Keine Fahnen der Grünen, der SPD, Jusos oder Falken. Die aktuellen Regierungsparteien glänzten komplett durch optische Abweseneheit. Kein Wunder, wenn man gerade als Regierungspartei dabei ist, die Bundeswehr mit 100 Milliarden Euro aufzurüsten. 'Volk ans Gewehr' heißt die Devise von SPDGÜNEFDPCDUCSU. Der bedrängten Ukraine hilft das in der aktuellen Situation Nullkommanix. Aber auch die Einigkeit der Friedensdemonstranten war brüchig. Die Ablehnung jeglicher Waffenlieferung an Kiew führte zu wütenden Reaktionen unter UkrainerInnen vor der Bühne, einer stürmte, Parolen rufend und eine Fahne seines Landes schwenkend, die Bühne. Mühsam gelang es, den Veranstaltern den Protest zu beruhigen. 

Es ist nicht einfach, in diesem Konflikt die richtigen Positionen zu finden. Darüber zu diskutieren ist noch schwerer, wenn 2000 Kilometer entfernt in der Ukraine Menschen sterben. Russlands Herrschende setzen auf großrussische imperiale Politik und Unterdrückung ihrer Kritiker im Stile der autoritären Sowjetunion. Die Führer der Ukraine fordern Flugverbotszonen, den Nato oder zumindestens EU-Eintritt -  wohlwissend, das kein Land der Nato bereit ist, dafür einen militärischen Konflikt mit Russland in Kauf zu nehmen. Das war allen Beteiligten spätestens seit dem Bürgerkrieg in Syrien klar - das Eingreifen Russlands auf Seiten des Schlächters Assad war die Vorlage für die aktuellen Ereignisse in der Ukraine. Vom völkerrechtswidrigen Angriff der Nato auf das europäische Serbien, das seinerseits die Albaner unterdrückte, mal ganz zu schweigen

Wenn Friedensbewegte und die Bellizisten bei uns etwas eint, so ist es das Verschweigen der Folgen bei einem Eingreifen in den Krieg. Das war daher auch auf der Kundgebung in Stuttgart kein Thema und so wirkte der Protest von der Bühne irgendwie deklamatorisch. Andere zum Widerstand aufzufordern, während wir weiter im Warmen sitzen und fröhlich bei Amazon konsumieren. Kürzlich war auf Tagesschau.de zu lesen, dass man im Gesundheitssystem bereits spekuliert, weibliche Flüchtlingen der Ukraine zu billigem Pflegepersonal für unserer Seniorenheime zu rekrutieren. Und die aktuelle Bereitschaft zur Solidarität - Wie sieht sie in einem Jahr aus. Die Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan wurden bei zuerst auch bejubelt - heute bezahlen wir Griechenland, Kroatien und die Türkei, uns die Menschen mit Gewalt vom Hals zu schaffen. Bezeichnenderweise wies nur eine Rednerin auf der Kundgebung auf den Umgang mit Flüchtlingen bei uns hin, die selber vor vielen Jahren aus dem Kongo nach Deutschland gekommen war. Im Radioprogramm von SWR 2 schilderte eine Aktivistin aus Freiburg, Menschen dunkler Hautfarbe seien in der Ukraine nicht in die Flüchtlingszüge gelassen worden. Man organisierte extra Busse aus Deutschland, die sie, vor allem Studenten, gerettet haben. (SWR 2 Morgenmagazin 14. März 2022). Ebenso erschreckend, Zuhälter versuchen an den Bahnhöfen ankommende Frauen aus der Ukraine mit freier Unterkunft anzulocken. (Interview mit "Terres de femmes" im Radioprogramm SWR2 - https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/inge-bell-von-terre-des-femmes-ueber-die-gefahr-fuer-frauen-auf-der-flucht-aus-der-ukraine-100.html) 

Die Ukraine steht vor der katastrophalen Alternative, vor den Herrschenden in Moskau zu kapitulieren und den Status eines Marionetten-Systems anzunehmen. Aber was hat die Ukraine in diese Situation gebracht? Wie war der Westen daran beteiligt? Auf der anderen Seite bleibt nur ein Guerilla-Krieg - will man der Ukraine eine Entwicklug wie in Afghanistan zumuten.

Diese Themen hätten auf der Kundgebung in Stuttgart angesprochen werden sollen - müssen. So bleibt, bei aller Genugtuung über die vielen TeilnehmerInnen, ein bitterer Beigeschmack....

Stuttgarter Opernhaus


Sehr lesenswerter nüchterne Analyse des Konfliktes:

https://monde-diplomatique.de/artikel/!5830499?fbclid=IwAR1yWjwm1ApQ2CeOeOWos3ZYIUkW5owbBA_OBE3T40G18y9PU0vzNkssnKA