Sonntag, 21. April 2019

Chios 2019 - Frühling in Amani


Mitten in der trubeligen Innenstadt von Chios

Der Nordwesten von Chios - das Gebiet um den Berg Amani - gehört zu den schönsten
Grünes Volissos im April 2019
Regionen der Insel. Da hier nur etwa 800 Menschen leben, davon etwa 300 in der einstigen Kleinstadt Volissos, findet der Besucher noch viel unberührte Natur. Vor allem an der Nordküste gibt es ausgedehnte Waldgebiete und Buschlandschaften. Die Westküste der Region wird dagegen von einer kargen und sandigen Hügellandschaft geprägt. Im Sommer und Herbst ist es dort trocken, Braun- und Ockertöne beherrschen die Farbpalette. Kommt man aber im Winter und Frühling, überrascht Amani die Besucher mit frischem Grün und einer vielfältigen Blütenpracht. 




Blühende Oliven in sattem Grün
Inmitten der pulsierenden Inselhauptstadt blühen am Stadtpark Mandarinenbäume und verbreiten dort ihren betörenden Duft. Die meisten Touristen kennen vor allem den Süden von Chios. Sie besuchen im Kambos die Zitrus-Plantagen und alten Herrenhäuser. Die Region um die Dörfer Mesta und Pirgi ist von tausenden Mastixbäumen geprägt. Im 17.Jahrhundert schrieb der französische Reisende Pierre Augustin Guys über Chios: "Sogar ihr Name klingt aromatisch".  Er muss wohl während der Blüte der Zitrusbäume die Insel besucht haben.

Ob der Besucher aus dem fernen Frankreich damals auch den abgelegenen Nordwesten der Insel bereiste, ist nicht überliefert. Der Frühling beginnt hier oft schon im Dezember, die Regenfälle lassen überall frisches Grün aus dem Boden sprießen und im Februrar blühen die ersten Büsche und Blumen. Besucher sollten sich wetterfest anziehen, denn es kann immer mal empfindlich kalt werden mitsamt heftiger Regenstürme - das Klischee vom immer sonnigen Griechenland stimmt eben nicht so ganz. Das rauhere Klima liegt auch daran, dass der Inselnorden von zwei Berggebieten beherrscht wird, die zwischen 800 und über 1200 Metern hoch sind. Im Winter sieht man den höchsten Berg der Insel, den Pelineo, oft mit einer Schneehaube.

Der Natur im Nordwesten helfen aber die starken Regen im Winter, sie füllen die Wasserspeicher im porösen Vulkangestein für die trockenen und heißen Sommermonate. Wanderer profitieren im Frühling davon, dass die Sonnenstrahlen schon wärmen, aber der Wind oft noch kühl ist, was die Touren in den Bergregionen erleichtert. Seit Jahren bemühen sich hier rührige Initiativen um den Schutz gegen Waldbrände. Dazu beseitigen sie im Winter und Frühling das wuchernde Unterholz, das bei Feuer wie ein Brandbeschleuniger wirken kann. Andere Naturfreunde haben in den letzten Jahren alte Pfade und kleine Handelswege für Wanderer wieder begehbar gemacht. Seit kurzem weisen dazu auch in Amani kleine Schilder den Weg durch die Berglandschaft. Im Norden der Region hat man beim Wandern oft einen wunderbaren Blick auf die Nordägäis, die Nachbarinsel Psara und an klaren Tagen sogar bis nach Mytilini (Lesbos).

Das Geisterdorf im Frühling
Der Frühling 2019 war aber nicht nur beschaulich, an einem Morgen ankerten in der Bucht große Landungsschiffe der griechischen Marine, es war mal wieder Manöverzeit - am Straßenrand parkten Panzer aus deutscher Produktion. Zum Glück war das Spektakel nach einem Tag wieder vorbei und die Natur hatte wieder ihre Ruhe. Demnächst sind auf Chios Wahlen, es geht um den Insel-Bürgermeister. Unsere Freunde gaben sich einer ihrer Lieblingsbeschäftigungen hin - dem Schimpfen über die Politiker. Vor allem in abgelegenen Regionen wie Amani fühlt man sich abgehängt. Manche sehnen sich zurück, als es vor einigen Jahren noch dezentrale Bürgermeister in den Orten und Regionen gab. Ob es damals besser war, ist aber mehr als fraglich. So findet man um Volissos herum überdimensionierte Straßenkreuzungen, die von großen Straßenlampen grell beleuchtet werden. Aus der Ferne denkt man, dass sich dort ein Dorf befindet. Diese luxuriös beleuchteten Kreuzungen verdankt der Nordwesten dem einstigen Ortsvorsteher von Volissos - nun ja. Die seit vielen Jahren schwierige wirtschaftliche Lage im Nordwesten von Chios macht ein Besuch im
Abendstimmung in Volissos
Geisterdorf Palia Potamia deutlich. Ungesundes Klima und mangelnde Arbeit ließen in den 1960er Jahren viele Menschen die Region verlassen. Manche leben heute in dem an der Hauptstraße gelegenen Dorf Nea Potamia. Zu besonderen Festtagen treffen sich die Bewohner in der Kirche des verlassenen Dorfes, die sie pflegen und restaurieren. 


In den letzten Jahren tut sich etwas im Nordwesten von Chios. Vor Ort versucht man Arbeitsplätze zu sichern oder neue zu schaffen - auch um Touristen anzulocken. So hat eine rührige Initiative das Thermalbad in Aghiasmata wiederbelebt. Hier können Besucher im mineralisierten Wasser liegen, das warm aus den Tiefen des Vulkangesteins kommt. An Wochenenden kommen Inselbewohner, aber auch Touristen aus der benachbarten Türkei, um ein Bad im Mineralwasser zu nehmen. Es gibt vieles zu entdecken in der Region Amani: Reste einer Siedlung der Bergleute, die einst hier Antimon abbauten; die Weingüter Arousios und Kefalas; die Höhlen von Aghio Ghalas, der kilometerlange Managros-Strand oder die byzantinische Festungsruine von Volissos. Vor allem aber bietet Amani viel Natur - gerade im Frühling. Wer nach Chios kommt, sollte auf keinen Fall den Besuch des Nordwestens versäumen - wenn die Natur mit ihrer Farbenpracht zum Besuch einlädt!





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