Sonntag, 27. März 2011

Internet: Business vor Netzneutralität?

Bei der Diskussion über das Internet konnte man in letzter Zeit hören: "Das Netz ist voll!" Angeblich stoßen die technischen Übertragungsnetze an ihre Kapazitätsgrenzen. Der Ausbau koste Geld und deshalb müssten Onlinenutzer künftig ihre Gebühren abhängig von der genutzten Datenmengen bezahlen - Flatrade adé. Dienste mit großen Datenmengen könnten im Gegenzug gegen höhere Gebühren künftig online schneller transportiert werden - Ende der Netzneutralität. Über diese Fragen diskutiert derzeit eine Enquète-Kommission im Bundestag.

Dieser Argumentation widersprechen die Landesmedienanstalten in einem im Januar veröffentlichten Positionspapier: "Vielfaltssicherung und Zugangsoffenheit". In der dritten These des Papiers heißt es, hinter den Überlegungen der Netzbetreiber stünden "weniger die Problematik knapper Ressourcen, als die Suche nach neuen Geschäftsmodellen". Die Verfasser stellen fest: "Gravierende Engpässe bei der Stationären oder der mobilen Nutzung sind bislang nicht nachvollziehbar dargelegt."

Wird also gegenüber der Öffentlichkeit mit den Kapazitätsengpässen nur ein Popanz aufgebaut, um höhere Gebühren durchsetzen zu können? Genaue Informationen über die Auslastung des Netzes besitzt die für die digitale Entwicklung zuständigen Stelle der Landesmedienanstalten jedenfalls nicht. Dies könne nur die Bundesnetzagentur wissen, betonte Ende März auf Nachfrage eine Sprecherin der Landesmedienanstalten: "Einen Beleg haben wir dafür nicht, deshalb ist diese These die gewagteste im gesamten Papier". Sie kritisierte in diesem Zusammenhang, die Landesmedienanstalten hätten von der Bundesnetzagentur bisher keine Zahlen über die Auslastung der Internet-Infrastruktur erhalten.

Bei der Bundesnetzagentur verweist man dazu auf ein Interview des Präsidenten der Bundesnetzagentur, Matthias Kurt, das er dem ZDF im vergangenen Jahr gegeben hat. Demnach gebe es keine Kapazitätsprobleme beim Internet, das Netz sei "natürlich nicht voll," so Kurt. Schließlich werde die technische Infrastruktur permanent ausgebaut, eine Überlastung sei demnach nicht zu erwarten. (siehe www.bundesnetzagentur.de, Presse, Interview )

Die Frage bleibt, ob der Ausbau den Interessen der Nutzer, oder vielmehr den Rendite-Wünschen der Mobilfunkunternehmen folgt. Eigentlich sollten die neuen Mobilfunkfrequenzen die Versorgung mit schnellem Internet der ländlichen Regionen sicherstellen. Bei den Landesmedienanstalten ist man mit der aktuellen Entwicklung anscheinend nicht zufrieden. Im Thesenpapier wird betont, die neuen Mobilfunkfrequenzen sollten "dem Basiszugang" für das schnelle Internet in ländlichen Gebieten dienen und "nicht einem ergänzenden mobilen Internetzugang." Faktisch scheint es anders zu laufen, denn Mobilfunkunternehmen werben vor allem in den Ballungsräumen für schnellen Onlineempfang per Funk. Damit können sie in den Ballungsräumen Geld verdienen, weniger mit dem Aufbau des Mobilfunks für das Internet auf dem platten Land. Die Landesmedienanstalten befürchten, dass der Ausbau der Online-Versorgung per Mobilfunk im ländlichen Raum, nach erfolgter Lizenzvergabe, die Mobilfunkunternehmen kaum interessiert.

Freitag, 11. März 2011

Media Analyse Radio 2011 - Spielwiese für Zahlenjongleure

Am 9. März veröffentlichte die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (AGMA), zu der sich 260 Unternehmen der Werbebranche sowie Private -wie Öffentlich-Rechtliche Rundfunkveranstalter zusammengeschlossen haben, die neuesten Zahlen zur Radionutzung in Deutschland.

Die Media Analyse Radio (MA) wird halbjährlich durch rund 65.000 Telefoninterviews mit RadiohörerInnen über 10 Jahre (incl. Ausländer) ermittelt. Ihre Daten bilden die Währung für den Verkauf der Werbezeiten der Privatradios und der ARD-Werbewellen. Außerdem dienen sie den Sendern zur Selbstdarstellung - und deshalb präsentiert man sich auch immer in Siegerpose.

Ein Vergleich zwischen vollmundigen Pressemitteilungen und realen Zahlen lohnt sich, denn hier kommt man den Tricks der Pressestellen auf die Schliche.

Beispiel gefällig?

Der Südwestrundfunk (SWR) mit Hauptsitz in Stuttgart versorgt mit seinen Fünf öffentlich-rechtlichen Radioprogrammen das im Staatsvertrag festgelegte Sendegebiet Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz. Dabei werden zwei Werbewellen getrennt in Stuttgart und Mainz produziert: SWR 1 (Information-Oldies) und SWR 4 (Regionales und Schlager). Gemeinsam für beide Länder kommen aus Baden-Baden die Pop-Welle SWR 3 und das Kulturprogramm SWR 2.
Darüber hinaus kann man in einzelnen Regionen beider Bundesländer die Jugendwelle "Das Ding" über UKW empfangen.

In der offiziellen Mitteilung des Senders vom 9. März heißt es zur MA:
"SWR-Intendant Peter Boudgoust sieht in dem erfreulichen Abschneiden einen Beleg dafür, dass die Radiohörer den SWR als unverzichtbaren Begleiter durch den Tag ansehen."
Insgesamt erreichen die SWR-Programme im gesamten Sendegebiet täglich rund 6,44 Millionen Hörer. Damit konnte der SWR im letzten Halbjahr rund 36 000 Hörer (+0,6%) hinzugewinnen.

Also ist die SWR-Radiowelt doch in Ordnung - oder?
  1. Rechnet man Gewinne und Verluste der einzelnen Programme gegeneinander auf, konnten die SWR-Programme nur beim Publikum in Rheinland-Pfalz richtig zulegen. Hier erreichten die SWR-Wellen zusammengerechnet pro Tag 1.636 Millionen Hörer, ein Plus von 34.000 (+2,1%) In Baden-Württemberg stagnierte dagegen der SWR mit 4,804 Millionen Hörern und einem minimalen Zuwachs um 2000 tägliche Hörer (+-0%).
  2. Verschwiegen wird auch, dass SWR 3 zwar in Baden-Württemberg seine Hörerzahl auf täglich knapp 2,32 Millionen (+133.000) steigern konnte, In Rheinland-Pfalz verlor die Pop-Welle mit jetzt 792 000 (-9.000) Hörern dagegen an Zuspruch.
  3. Insgesamt kann das Gesamtergebnis für Baden-Württemberg den Machern eigentlich keine Freude bereiten. Ohne SWR 3 erreichten alle anderen Programme zusammen im Ländle rund 1,49 Millionen Hörer, ein Rückgang um 126.000 (-8,5%).
  4. In Rheinland-Pfalz fiel die Bilanz nicht ganz so negativ aus. Zwar schalteten hier mit 1,21 Millionen Hörern pro Tag 58.000 (-5%) weniger Landeskinder SWR 1, SWR 2 oder SWR 3 ein. Dagegen konnten aber die Jugendwelle "Das Ding" 82.000 Hörer gewinnen (+71%!). Auch die regionale Schlagerwelle SWR 4 konnte in Rheinland-Pfalz mit 491.000 Hörern (+5,6%) deutlich zulegen.
  5. Immer wieder betont der SWR Stolz, dass sein Quotenflaggschiff SWR 3, Bundesweit mit über 4 Millionen Hörern ganz Oben steht. Laut offizieller MA-Statistik hören SWR 3 über 22% der Hörer außerhalb des offiziellen Sendegebietes. Und das schafft nicht nur Freunde, denn die Pop-Werbewelle des SWR "wildert" damit in den Werbegebieten anderer ARD-Radiosender. Vor allem in NRW hat SWR 3 bis hinauf nach Köln und darüber hinaus eine große Fan-Gemeinde. Damit gehen den WDR-Werbewellen ihrem Sendegebiet Nordhrein-Westfalen wichtige Reichweiten und damit Einnahmen verloren.

Donnerstag, 3. März 2011

Digitale Medien - einfach mal abschalten!

Immer mehr Menschen fühlen sich durch die Flut der digitalen Medien- und Kommunikationsagebote genervt. Sie wünschen sich mehr Ruhe und möchten - zumindest für eine gewisse Zeit - davon nicht belästigt werden. Dies ist einer der zehn wichtigsten Medientrends, den das US-Werbeunternehmen JWT-Group für 2011 erwartet. (1)

Mit diesem Wunsch nach "De-Teching" reagieren immer Mehr Menschen auf die technische Entwicklung, die überall und zu jeder Zeit digitale Onlinekommunikation ermöglicht. Sie sehnen sich wegen des 'Overkills' nach einer digitalen Pause im Alltag. Zwar sind diese Menschen nicht grundsätzlich Gegner moderner Kommunikationsmittel, legen aber vermehrt Wert auf den direkten Kontakt zu Menschen. Wie viele dieser Kritiker ihre Geräte wirklich regelmäßig abschalten, darüber finden sich im W&V-Artikel zur JWT-Studie allerdings keine Angaben. Immerhin aber empfiehlt JWT den Werbetreibenden, ihre Kampagnen künftig stärker auf dieses Bedürfnis auszurichten.

Die JWT-Studie basiert auf der kontinuierlichen Online-Befragung von etwa 1000 Personen in Großbritannien und den USA. Außerdem werden von JWT zusätzlich Werbeplaner und Technikexperten befragt.

Die in New York ansässige Werbeunternehmen JWT Communication Group wurde in den USA 1864 von James Walter Thompson gegründet und ist nach eigenen Angaben die älteste Werbeagentur der Welt. Agenturen der JWT arbeitet weltweit unter anderem für Unilever, Bosch, Vodafone und Samsung. JWT gehört seinerseits zur börsennotierten britischen WWP-Gruppe, deren verschiedenen PR- und Werbeagenturen weltweit etwa 138 000 Mitarbeiter beschäftigen. (2)

(1) Quelle: Werben & Verkaufen 5/2011
(2) Quelle Wikipedia

Samstag, 11. Dezember 2010

HDTV wird kaum genutzt

Etwa 15 Millionen Fernsehempfänger stehen in bundesdeutschen Haushalten, mit denen Hochauflösende Fernsehprogramme (HDTV) empfangen werden können. Rechnet man pro Haushalt ein HDTV-taugliches Gerät, sind damit erst etwa 5,6 Millionen Haushalte (15%) bei uns für hochauflösendes Fernsehen gerüstet.

Die
reale Nutzung der HDTV-Programme beschränkt sich bundesweit auf gerade einmal knapp 750000 (2%) der 37,4 Millionen TV-Haushalte. Diese Zahlen finden sich im Vierten Bericht der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) über die Entwicklung der Konzentration im privaten Rundfunk (1) Demnach stehen in nur einer dreiviertel Million aller TV-Haushalte ein HDTV-Modem oder eine Settopbox zum Empfang hochauflösender Fernsehprogramme.

Derzeit werden
19 Fernsehprogramme im HDTV-Standard bundesweit verbreitet, davon sind 10 frei empfangbar, während die anderen 9 Programme nur per Abonnement empfangen werden können. ARD (Erstes und Eins Festival) und ZDF sowie Arte verbreiten ihre HDTV-Programme unverschlüsselt, im Gegensatz zu Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1, RTL und Vox sowie dem Anbieter Anixe (Sport und Filme). Die hochauflösenden Pay-Kanäle bieten neben Sport, Kinofilme und Dokumentationen (u.a. Sky, Disney, Discovery). Die Verschlüsselung ermöglicht den Betreibern unter anderem die Identifikation der einzelnen Nutzer - was für gezielte Werbemaßnahmen von Nutzen ist.

Im europäischen Vergleich ist das HDTV-Angebot in Deutschland gering. Die KEK sieht dafür zwei Ursachen, einerseits scheuten die TV-Veranstalter die hohen Kosten für die technische Umrüstung. Andererseits sei die Bereitschaft der Haushalte vom analogen auf den digitalen Fernsehempfang zu wechseln immer noch gering. Bisher empfangen erst 53% der bundesdeutschen TV-Haushalte ihre Fernsehprogramme digital (2). Vor allem bei den Kabelhaushalten, über die der größte Teil der TV-Versorgung geleistet wird, empfangen mehr als die Hälfte der Haushalte ihre Fernsehprogramme analog. (2)

(1) 4. Konzentrationsbericht der KEK, Oktober 2010, Vistas Verlag S. 58 ff.
(2) ZDF-Pressemitteilung zu ZDF Neo 10.12.2010

Montag, 6. Dezember 2010

Durchbruch für Online-Radio nicht in Sicht

Auch im Jahr 2010 stoßen Internet-Radioprogramme bei der Masse der Radiohörer auf kein Interesse. Dies zeigen die veröffentlichten Daten der Onlinestudie 2010 von ARD und ZDF. Demnach haben zwar über 13 Millionen Onliner (27%) schon einmal im Internet ein Radioprogramm (Livestream) gehört, aber nur knapp 1,8 Millionen (3,6%) gehören zu den regelmäßigen Nutzern. (1) Ein Jahr davor waren es noch 4% gewesen (Siehe Blog vom 13. Juni 2010).

Kein Wunder also, dass auch 2010 die Medienforscher von ARD und ZDF zu dem Ergebnis kommen: "Ein verstärkter Radiokonsum über das Internet ist nicht erkennbar." Vielmehr gebe es trotz der Zunahme von Breitbandanschlüssen mit Flatrate in den Bundesdeutschen Haushalten "keine relevante Zunahme der Livestreamnutzung."
Auch die Hoffnung, das zunehmend jüngere Internetnutzer ein Radioprogramm Online hören, hat sich 2010 nicht bewahrheitet. Zwar ist mittlerweile fast jeder der rund 15 Millionen Einwohner zwischen 14- und 29 Jahren regelmäßiger Internetnutzer, aber nur 600 000 hören (4%) regelmäßig ein Radioprogramm online.

Ernüchterung für die Webradio-Macher

Vor allem die Hörfunkunternehmen, die auf eigene Webradioprogramme im Internet als Zukunftsmarkt setzen, dürften von der Entwicklung enttäuscht sein. Die rund 2000 verschiedenen deutschsprachigen Internet-Radioprogramme werden täglich von gerade einmal 180 000 Jugendlichen (1,2%) angeklickt - das sind pro Sender gerade einmal 90 Hörer zwischen 14- und 29 Jahren. Eigentlich könnten die Veranstalter sie problemlos persönlich begrüßen. Deshalb halten die Autoren der Online-Studie einen schnellen Durchbruch des Webradios auf dem Hörfunkmarkt für "eher wirtschaftliches Wunschdenken". Auch sei die Mediendebatte über Internetradios aus diesen Gründen "deutlich überhöht." Besonders ernüchternd für die Webradiomacher dürfte sein, dass drei Viertel der Online-Radiohörer die Radioprogramme hören, die bereits über UKW verbreitet werden.

Jeder sein eigener Musik-Redakteur? Denkste!

Auch die Vermutung, dass Musikportale (Last.FM oder Laut.de) dem Radio Hörer abspenstig machen, hat sich bisher nicht bewahrheitet. Bei den 14-29-Jährigen nutzen täglich 450 000 (3%) die Möglichkeit, sich als "Programmredakteur" das eigene Radio über ein Musikportal zusammenzustellen. Ähnlich gering ist das Interesse an zusätzlichen Diensten, die neben der Musik über das Internetradio angeboten werden. Auch wenn Jüngere den Diensten etwas mehr Aufmerksamkeit zuwenden, kommt die Studie zu dem Ergebnis: "Auf wirklich relevante Potentiale lässt sich aber auch hier bislang nicht zurückgreifen."

Fazit: Auch in Zukunft dürfte für absehbare Zeit der lineare Empfang professionell gestalteter Radioprogramme die Basis des Hörfunks bleiben.

1) Media-Perspektiven 7-8 2010

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Onliner gesättigt?

Etwa 49 Millionen Einwohner in Deutschland sind regelmäßige Internet-Nutzer, das sind 69,4% der 70,57 Millionen hier Lebenden über 14 Jahre. Damit stieg die Zahl der Onliner in Deutschland innerhalb eines Jahres um stolze 13 Prozent, so die aktuelle Onlinestudie von ARD und ZDF (1).

Aber: Dieses stolze Wachstum resultiert daraus, das in der Statistik jetzt auch die Einwohner einbezogen werden, die aus Ländern außerhalb der EU (+5,74 Mio.) stammen. Zieht man diese Gruppe ab, dann ist die Online-Nutzung der Deutschen und EU-Bürger 2010 gegenüber dem letzten Jahr nur um +630 000 Personen oder gerade einmal 1,7% gewachsen.
Während das Internet zwischen 1997 und 1003 mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten boomte, verläuft die Kurve seitdem nur noch im einstelligen Prozent-Bereich. Damit scheint eine Sättigungsgrenze erreicht zu sein, denn vor allem die positiven Prognosen der letzten Jahre über steigende Internetakzeptanz bei Älteren haben sich bisher nicht bewahrheitet. Während bei den 14- bis 19-Jährigen mittlerweile 100% regelmäßig Online sind, nutzen nur knapp 30 Prozent der über 60-Jährigen das Internet. Immerhin macht diese Altersgruppe etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland aus. Die Autoren der ARD/ZDF Onlinestudie warnen deshalb, vorerst sei "nicht davon auszugehen, dass in den nächsten Jahren ein maßgebliches Wachstum von dieser Gruppe ausgeht." (2.)

Mobiles Internet bisher wenig gefragt

Entgegen des öffentlichen Hypes über das Mobile Internet - Stichwort I-Phone - ist das reale Interesse daran eher bescheiden. Gerade einmal 13% der Internetnutzer gehen auch Mobil Online, gegenüber dem letzten Jahr stieg die Zahl um zwei Prozentpunkte. Diese Zurückhaltung wundert nicht, denn gerade einmal 7% aller Internetnutzer halten das mobile Internet für unverzichtbar. Noch bedenklicher dürfte die Mobilfunkfirmen stimmen, dass nur jeder zehnte Jugendliche meint, Mobiles Internet sei für ihn unverzichtbar.
Teilweise hysterisch mutet derzeit die Debatte der Medien- und Werbewirtschaft über "Applets" bei Smartphones an . Mit kostenpflichtigen Abonnements solcher Anwendungsprogramme erhofft sich die Medienwirtschaft zusätzliche Einnahmen.
Richtig ist: Diese Applets werden zwar millionenfach auf den Smartphones installiert - aber kaum regelmäßig genutzt. (3)

Angesichts millionenschwerer Investitionen in neue Mobilfunknetze für das mobile Internet erscheint fraglich, ob bzw. wann damit schwarze Zahlen geschrieben werden können. Künftig drohen dem Internet-Nutzer über das Telefonnetz bereits deutlich höhere Gebühren - die Zeit der billigen "Flat-Rates" neigt sich seinem Ende entgegen. Aufgrund des Online-Wachstums der TV- und Videonutzung, gerät das Netz technisch an seine Leistungsgrenzen. Neue und hohe Investitionen in Glasfaser-Kabel werden nötig und die sollen vor allem die Kunden zahlen. Auf absehbare Zeit wird für jeden schnelles Internet also deutlich teurer werden.


1) Media Perspektiven Heft 7+8 2010
(2) Ebenda S. 337
(3) Media Perspektiven 5-2010, Seite 235-246

Sonntag, 8. August 2010

"Kleine Wunder in Athen" - Vorurteile auf Griechisch


Diese kleine Komödie, von ZDF und Arte produziert, spielt an einem Platz irgendwo in Athen. Dabei ist es eigentlich nur ein Kreuzungspunkt mehrerer kleiner Straßen in dem ziemlich heruntergekommene Stadtteil "Akademia Platonos" (Platons Akademie).
An diesem Platz treffen sich täglich vier alternde Griechen, um über die Welt zu sinnieren und vor allem ihre Vorurteile zu Pflegen. Sie sind so heruntergekommen wir ihre kleinen Läden um den Platz. Am liebsten lästern sie über die vermeintliche Faulheit der albanischen Gastarbeiter. Dabei sind die Vier alles andere als Beispiele für unternehmerische Energie oder Fleiß. Ihre einzige Aktivität besteht darin, zwischen ihren Läden Fußball zu spielen.
Den Rest der Zeit des Tages verbringen sie vor dem Kiosk von Stavros (Antonis Kafezopoulos). Er hasst die Albaner ganz besonders, leidet unter Schlaflosigkeit und trauert seiner Ex-Frau nach. Er versucht sie mit Geschenken zurück zu gewinnen - aber das ist Hoffnungslos.
So lästern die Vier jeden Tag über die ach so schlechten Albaner - bis der
Schock für Stavros kommt: Seine ziemlich debile Mutter - liebevoll dargestellt von Titika Saringouli
- ist selber eine Albanerin und Stavros damit selber einer der verabscheuten Albaner. Dies kommt heraus, als plötzlich der vermeintliche zweite Sohn von ihr auftaucht - einer der albanischen Gastarbeiter. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Stavros nichts von der albanischen Vergangenheit seiner Mutter gewusst. Sie hatte das Land verlassen, als Stavros noch ein ganz kleiner Junge war und ihn in Athen als Grieche großgezogen. Nachdem die Kumpel davon erfahren haben, eskaliert die Situation. Bei einem Fußball-Länderspiel zwischen Albanien und Griechenland fangen sie an, sich vom "Albaner" Stavros zu distanzieren.
Obwohl die Vier zum Schluss wieder vor dem Kiosk sitzen und wie immer über die Welt sinnieren, ist doch nicht mehr alles so wie früher - zumindest nicht für den Zuschauer.

Dem 1966 in Athen geborenen Regisseur Filippos Tsitos ist ein komödiantisches Lehrstück über Vorurteile und Nationalismus gelungen. Dabei zeichnet sich der Film durch Ruhe - ja fast eine gewisse Langatmigkeit aus, so kann sich der Betrachter auf die einzelnen Charaktere konzentrieren.
Tsitos lebt heute in Berlin. Er hat für das deutsche Fernsehen als Regisseur gearbeitet, etwa für den ARD-Tatort und die ZDF-Serie Kriminal Dauerdienst.

*Siehe auch www.kleinewunderinathen.de