Dienstag, 15. Mai 2012
RTL will „Heilige Kuh“ schlachten – Zielgruppe 14-49 vor dem Aus?
Donnerstag, 15. März 2012
Radio MA 2012: ARD-Programme verlieren junge Hörer
Junge Leute hören wieder vermehrt Radio, das zeigen die aktuellen Zahlen der Radio Media Analyse (MA 2012/I)*. Demnach schalten täglich fast 70% aller 10-19- Jährigen – 5,8 Millionen – ihr Radio ein, ein Zuwachs um 50 000 innerhalb eines halben Jahres. Sie hören dabei täglich im Durchschnitt 129 Minuten Radio. In der ARD-Mitteilung dazu heißt es dazu ziemlich euphemistisch: „Weiterhin sehr erfolgreich sind die ARD-Sender, bei den jungen Hörerinnen und Hörern." Die Realität sieht aber anders aus: 2,9 Millionen der 5,8 Millionen jungen Hörer schalten täglich ein öffentlich-rechtliches Programm ein - ein Minus von 115 000 gegenüber dem letzten Halbjahr. Dagegen konnten die Privaten ihren Vorsprung in dieser Altersgruppe um 200 000 tägliche Hörer auf 4,2 Millionen weiter ausbauen**
Alle Radiomacher muss aber nachdenklich stimmen, dass die Radionutzung bei den 10- 19-Jährigen weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt aller Einwohner ab 10 Jahre liegt. Immerhin hören dagegen täglich etwa 80% aller Einwohner, die älter als 10 Jahre sind, also 58,4 Millionen Menschen in Deutschland, ihr Radiogerät ein und hören dabei durchschnittlich 250 Minuten lang.
ARD verliert nicht nur bei Jüngeren
Die Verantwortlichen der ARD-Anstalten können auch insgesamt mit dem Anteil aller Hörer nicht zufrieden sein. Innerhalb von sechs Monaten schalteten täglich 640 000 Menschen weniger eines der 52 ARD-Radioprogramme ein. Die ARD erreicht damit nur noch 38,3 Millionen Einwohner, während die mehr als 200 Privatsender mit 33,6 Millionen Hörern ihren Anteil um fast 700 000 Hörer steigern konnten.
Hauptverlierer der ARD-Programme sind der Westdeutsche Rundfunks (-360 000 Hörer), der Norddeutsche Rundfunk (-222 000) und der Bayerische Rundfunk (-140 000 Hörer) sowie der Hessische Rundfunk (-113 000 Hörer).
Interesse an Werbewellen sinkt
Insgesamt haben die durch Werbung finanzierten Dudelprogramme der öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Veranstalter im letzten Halbjahr Hörer verloren. Hierbei entscheidet über den Erfolg nicht die Zahl der erreichten Hörer vom Vortag, sondern die Menge der Hörer pro Werbestunde***. Diese Zahl ist für die werbetreibende Wirtschaft ausschlaggebend, denn sie entscheidet, wo Werbezeiten eingekauft werden. Vor allem in der zentralen Altersgruppe der 14- 49-Jährigen haben die Werbewellen innerhalb von sechs Monaten rund 200 000 Hörer verloren.
Zusammengerechnet erreichen alle Werberadios pro Stunde etwas mehr als 23,3 Millionen Hörer. Dabei erreichen die öffentlich-rechtlichen Dudelwellen noch 11,27 Millionen Hörern, ein Minus von 176 000 Hörern. Die Kommerziellen Privatradios konnten ihren Höreranteil dagegen mit über 12 Millionen Hörern pro Stunde und einem Minus von 20 000 Hörer knapp halten.
Besonders unangenehm dürfte den Managern aller Werbewellen der Rückgang in der jüngsten Altersgruppe (10 – 29) aufstoßen. Mit knapp 4,8 Millionen Hörern pro Werbestunde in dieser Altersgruppe, verlor der Dudelfunk fast 100 000 Hörer und erreicht noch 26% der 10- bis 29-Jährigen. Bei den 14- bis 49-Jährigen schalte dagegen stündlich noch über 33% eine Werbeprogramm ein.
*Zweimal im Jahr werden durch fast 65 000 Telefoninterviews die Hörgewohnheiten aller in Deutschland lebenden Einwohner über 10 Jahre erfasst, die die deutsche Sprache verstehen. Auftraggeber ist die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (AGMA), in der rund 260 Unternehmen der Werbebranche sowie öffentlich-rechtliche und private Radioveranstalter zusammengeschlossen sind.
** Quelle: ARD-Werbung Sales & Services (AS&S), 7.März 2012, Mehrfachnennungen bei der Programmnutzung möglich
*** Quelle: ARD-Werbung Sales & Services (AS&S) sowie Radio Marketing Service Hamburg (RMS), Montag-Freitag, 6-18 Uhr, Bruttowert-Mehrfachnennungen möglich
Dienstag, 3. Januar 2012
Kein Interesse an Fernsehnutzung im Knast oder Pflegeheim
Den Privatsendern dürften die Gefängnis- und Pflegeheiminsassen egal sein, denn sie sind keine Zielgruppe für die Fernsehwerbung. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) benötigt aber für die genaue Messung der Medienkonzentration die vollständigen Daten. Deshalb heißt es in ihrem 14. Jahresbericht: "Die KEK weist bereits seit längerem auf (...) die Vernachlässigung (...) der Außer-Haus-Nutzung in öffentlichen Einrichtungen (...) hin." (S. 76 ff).
Die für die Zuschauermessung verantwortliche Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung (AGF) veröffentlicht nur die Marktanteile der Fernsehprogramme ihrer Mitglieder und der TV-Unternehmen, die bei ihr eine Lizenzen zum Bezug der Daten erworben haben. "Diese unvollständige Datenbasis stellt die KEK vor ein Problem, wenn sie Aussagen über die Programmnutzung von Fernsehveranstaltern, die nicht Mitglied- bzw. Lizenznehmer der AGF sind, treffen muss." Weiter kritisiert die KEK, dass die AGF bisher keine Anstalten getroffen hat, auch die TV-Nutzung per Computer und Internet zu erfassen. Dabei seien für die KEK "Informationen bezüglich der Fernsehnutzung über alle Distributionswege wichtig."
Zur AGF hatten sich 1988 die öffentlich-rechtlichen und großen privaten Fernsehveranstalter zusammengeschlossen. In ihrem Auftrag misst die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die TV-Nutzung von knapp 11.500 Menschen in 5100 ausgesuchten Haushalten in Deutschland**. Weder AGF noch GfK sehen bisher eine Veranlassung, an der von der KEK kritisierten Messweise etwas zu ändern. (Siehe auch Blogeintrag vom 26. September 2011: Online-TV spielt für Fernsehprogramme (noch) keine Rolle). Zumindest für die Messung der Online-Fernsehnutzung liegen die Pläne aber bereits in den Schubladen der Verantwortlichen bei AGF und GfK. Umgesetzt werden solle sie aber erst dann, wenn dieser Nutzungsweg bei den Zuschauern die Fünfprozenthürde überspringt.
* Alle Daten aus dem 14. Jahresbericht der Kommission zur Ermittlung der Konzentration in den Medien
** Angaben laut AGF-Homepage: www.agf.de
Dienstag, 29. November 2011
Jüdisches Thessaloniki - "Die Mutter Israels"
Jüdisches Leben seit dem Altertum
Wann genau die ersten Juden nach Thessaloniki kamen, lässt sich nicht genau sagen. Aber bereits 145 v. Christus lebten hier so genannte Romanoiten. Später kamen im 14. und 15. Jahrhundert Juden aus Deutschland, Ungarn und der Provence in die Stadt. Nachdem der spanische König 1492 alle Juden des Landes verwiesen hatte, siedelten sich etwa 20 000 sefardische Juden, auf Einladung des Osmanischen Sultans, in Thessaloniki an. Dadurch entwickelte sich die Stadt später zu dem Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit in Europa. Der Dichter Samuel Usque (1500-1555) nannte die Stadt deshalb: „Die Mutter Israels“. Die Sefarden in Salonika sprachen über die Jahrhunderte das vom Spanischen und Portugiesischen geprägte „Ladino“. Die erste Druckerei wurde hier bereits 1506 von zwei Sefarden gegründet. Zwischen 1865 und 1920 erschienen alleine in Thessaloniki rund 40 verschiedene jüdische Zeitungen und Zeitschriften. Im Jahr 1931 erreichten die jüdischen Tageszeitungen Salonikas eine tägliche Auflage von 25 000 Stück.
Der verheerende Brand von 1917
Während des Ersten Weltkrieges brach im August 1917 im jüdischen Viertel in der Altstadt ein verheerendes Feuer aus. Hier lebten damals viele Kriegsflüchtlinge und in einer der beengten Unterkünfte brach damals das Feuer aus. Es fehlte Löschwasser und so verloren etwa 50.000 Juden ihr Heim, denn erst nach 32 Stunden konnte der Brand gelöscht werden. Nachdem über ein Drittel des damaligen Stadtgebietes zerstört waren, beauftragte die griechische Regierung den französischen Architekten Ernest Hébrard damit, die Innenstadt neu zu errichten. Er ließ Prachtbauten im Art-Deco-Stil und breite Boulevards bauen und so erinnert die Innenstadt noch heute an das Pariser Vorbild.Die jetzt obdachlosen jüdischen Innenstadtbewohner siedelte man in Randbezirken neu an.
War das Verhältnis zwischen orthodoxen Griechen und Juden nach 1912 schon nicht konfliktfrei, so verschärften sich diese nach Ende des Ersten Weltkrieges. Während in Nordeuropa der Frieden im November 1918 kam, versuchte die griechische Regierung ab 1919, große Teile des türkischen Festlandes zu erobern. So sollte etwa Smyrna (heute Izmir), mit seiner großen griechischen Bevölkerung, erobert werden – einige Politiker in Athen träumte gar von der "Befreiung" Konstantinopels (Istanbuls). Diese Pläne scheiterten an der von Atatürk organisierten türkischen Revolution und so vereinbarte man 1923 den Austausch der jeweiligen Bevölkerungsminderheit. In Folge dieser „kleinasiatischen Tragödie“, mussten etwa 1,5 Millionen Griechen in der Türkei und rund 500 000 Türken in Griechenland ihre Heimat verlassen. Für das im Ersten Weltkrieg verarmte Griechenland war das kaum zu bewältigen. Viele Flüchtlinge wurden in und um Thessaloniki angesiedelt. Viele von ihnen lehnten die Juden ab, sie sahen in ihnen Kollaborateure, die von den Osmanen bevorzugt behandelt worden seien. Die Spannungen führten dazu, dass in den 1920er Jahren viele Juden ihr Salonika verließen. Im Jahr 1931 kam es in einem Stadtteil zu antijüdischen Angriffen durch griechische Faschisten, darauf hin verließen weitere 15 000 Juden ihre Heimat.
Vernichtung der Jüdischen Gemeinde im Zweiten Weltkrieg
Trotzdem lebten bis 1941 weiterhin rund 56 000 griechische Juden in Thessaloniki. Mit dem Einmarsch Deutscher Truppen am 4. April 1941 begann sofort ihre Verfolgung. Ihnen wurde umgehend der Besuch von Cafes und Geschäften verboten.
| Bundesarchiv, 183-R99237 |
Am 11. Juli 1942 mussten sich, auf Anweisung der Besatzer, alle männlichen Juden zwischen 18 und 45 Jahren auf dem heutigen Elefterios (Freiheits) Platz sammeln.
| 11. Juli 1942 Elefterios Platz Bundesarchiv 101I-168-0894-20A |
| Ein Deutscher Soldat schlägt einen Juden - und seine Kameraden amüsieren sich - Bundesarchiv, 101I-168-0895-07A |
Claude Lanzmann produzierte 1985 den neunstündigen Dokumentarfilm "Shoah" über die Vernichtung der Juden während des Zweiten Weltkrieges. Im Film gibt es keine Foto- oder Filmdokumente über den Massenmord. Überlebende Opfer kommen zu Wort und hier findet sich auch eine Passage über die Vernichtung griechischer Juden in Auschwitz, die aus Thessaloniki und der Insel Korfu dort hin transportiert worden waren.
Schwieriges Erinnern
| heutiges Mahnmal |
| Alliierter Soldaten vor einem deutschen Schützengraben, der mit jüdischen Grabsteinen ausgebaut worden war. |
Wer sich mehr über das einstige jüdische Leben in Thessaloniki informieren will, sollte auf jeden Fall das 1997 eröffnete jüdische Museum im Stadtzentrum besuchen. Es liegt nicht weit entfernt von der schönen Hafenpromenade und dem Freiheitsplatz. www.jmth.gr/
Siehe Auch: http://www.sueddeutsche.de/politik/holocaust-ueberlebender-heinz-kounio-deutsch-hat-mir-in-auschwitz-das-leben-gerettet-1.2836262-2
Montag, 26. September 2011
Online-TV spielt für Fernsehprogramme (noch) keine Rolle
Zwischen 80 und 90 Prozent aller Internetnutzer haben noch nie ein Angebot einer Mediathek eines TV-Senders genutzt, dies zeigt die aktuelle Onlinestudie von ARD und ZDF.* Über ihre Mediatheken bieten die kommerziellen sowie öffentlich-rechtlichen Fernsehsender einzelne Programm zum Online-Abruf an. Dagegen haben innerhalb von vier Wochen fast die Hälfte aller Onliner in Deutschland (49%) das Videoportal YouTube genutzt. Bei insgesamt etwa 52 Millionen Surfer in Deutschland, erreicht You Tube damit bei uns monatlich etwa 25 Millionen Onliner. Aber auch hier zeigt die Studie, dass immerhin 35% - also mehr als 18 Millionen Internetnutzer - noch nie You Tube angeklickt haben.
Die öffentlich-rechtlichen Mediatheken von ARD und ZDF bieten fast drei Viertel des Programms auch zum Abruf im Internet. Sie erreichen wöchentlich gut 10% der Onliner, also jeweils etwas mehr als 5 Millionen Zuschauer per Internet. Dazu kommen noch jeweils zwischen 3 und 4 Prozent Internetnutzer, die einmal die Woche ein öffentlich-rechtliches Angebot über YouTube abrufen. Insgesamt erreichen die Mediatheken von ARD und ZDF in der Woche maximal etwa acht Millionen Zuschauer. Allerdings betonen rund 80 % aller Internetnutzer, noch nie die Mediathek von ARD oder ZDF genutzt zu haben.
Blickt man auf die Onlinenutzung der kommerziellen Programmangebote von RTL, Sat 1 und Pro Sieben, stehen ARD und ZDF allerdings noch besser da. So erreichen Pro Sieben.de und RTL Now in der Woche jeweils rund 7% aller Internetnutzer (3,6 Mio.), während Sat 1.de auf magere 2% Reichweite kommt (1 Mio). Dagegen haben zwischen 84% und 93% aller Onliner noch nie ein Videoportal eines Kommerzsenders besucht.
Insofern ist es nachvollziehbar, warum die kommerziellen TV-Unternehmen immer darauf gedrängt haben, dass die Öffentlich-Rechtlichen ihre TV-Angebote in der Regel nur 7 Tage nach der Ausstrahlung auch im Internet anbieten dürfen. Die leicht verderbliche Flimmerware der Privaten reizt dagegen nur wenige Zuschauer. Ergo lässt sich damit bisher auch nur wenig Geld verdienen, sei es über Internetwerbung oder Pay-Per-View. Die Privaten fürchten sich davor, dass ARD und ZDF künftig ihre Programschätze aus den Archiven kostenlos Online anbieten.
Das bisher eher mäßige Interesse an den Online-Mediatheken dürfte erklären, warum die Messung der TV-Marktanteile der Online-Abrufe im Rahmen der GfK-Zuschauererhebung noch auf der Stelle tritt. Warum sollten die Sender zusätzlich Geld für eine Fernsehnutzung ausgeben die, gemessen am täglichen linearen TV-Konsum, die Gesamtquote nur im Promillebereich verändern dürfte.
Ob sich das ändern wird, bleibt abzuwarten, denn laut Onlinestudie wächst die Zahl der Nutzer von „Bewegtbildern“ im Netz, das sind Clips, Filme, TV-Programme, Videos. Mittlerweile rund 40 Prozent aller Onliner (20 Mio) schauen in der Woche per Computer solche Angebote - bei den 14 bis 29-Jährigen sind es bereits über 70%. Spitzenreiter sind dabei immer noch Musik-Videos und die zeitversetzte Nutzung von TV-Angeboten.
* Media Perspektiven, Heft 7-8/2011
Sonntag, 11. September 2011
ARD-ZDF Online Studie: "Digitaler Graben" trotz Internet-Boom
Der Siegeszug des Internets in Deutschland schreitet anscheinend unaufhaltsam voran. Während 1997 gerade einmal 4,1 Millionen Erwachsenen (6,5%) Online waren, sind es 2011 über 51,7 Millionen (73,3%). Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Onlinestudie von ARD und ZDF*. Damit hat sich die Zahl der Internetnutzer seit 2002 mehr als verdoppelt. Die einst von Technikkritikern befürchtete Spaltung der Gesellschaft in gut informierte Onliner und unwissende Internetabstinenzler hat sich scheinbar nicht bewahrheitet.
Die Mehrheit surft gar nicht – oder nur wenig
Zwar steigt die Attraktivität des Internets – und das in den letzten Jahren vor allem bei den Älteren. So sind mittlerweile etwa 7 Millionen der etwa 20 Millionen Einwohner in Deutschland über 60 Jahre online. Addiert man allerdings zu den Online-Abstinenzlern (26,7%) die gelegentlichen Surfer (30%) hinzu, dann spielt damit das Internet für die Mehrheit der Bundesbürger immer noch eine Nebenrolle in ihrem Medienalltag. Außerdem sei die „Kompetenz bei fortgeschrittenen Internetanwendungen“ dieser Gelegenheitsnutzer „relativ gering“. Demnach sei heute nur ein kleiner Teil der Onliner besser informiert, aber „der Großteil nutzt die vorhandenen Möglichkeiten nicht so ausgiebig...“ Insgesamt verfestige sich nach Ansicht der Autoren der Unterschied zwischen den Gelegenheitssurfern und den Intensivnutzern durch diese Entwicklung. Entsprechend skeptisch stehen sie der Vision demokratischer Partizipation über das Internet gegenüber, da sich an solchen Projekten vorwiegend Jüngere und besser Gebildete beteiligen würden. „Zurzeit scheint es, dass sich an dieser Form der Teilhabe am gesellschaftspolitischen Geschehen vor allem diejenigen beteiligen, die ohnehin schon aktiver an diesem teilnehmen, als andere".
Fazit: „Der digitale Graben in der Gesellschaft(...)zeigt sich auch hier.“
Das Geschäftsmodell App läuft noch nicht
Mittlerweile gehen rund 16% der Onliner per Handy, Smartphone oder Organizer in das Internet, doppelt so viel, wie noch vor einem Jahr. Allerdings gehen dabei nur ein Fünftel außerhalb ihrer vier Wände ins Internet, mobiler Empfang spielt sich hauptsächlich zu Hause ab. Ähnlich differenziert muss man die Nutzung sogenannter Apps sehen, den per Smartphone oder Tablett-PC anklickbaren Verbindungen zu externen Medienangeboten. Immerhin verfügen 22% der Onliner bei uns mittlerweile über Smartphone oder Tablett-PC und davon haben 17% Apps auf ihrem Gerät installiert. Die Hoffnung der Unternehmen, mit Apps richtig Geld zu verdienen, trübt bisher die Realität. In den USA nutzen laut ARD/ZDF Onlinestudie nur zwei Drittel die auf ihrem Empfangsgerät installierten Apps. Bei Apple werden zu 80 Prozent kostenlose Apps heruntergeladen. Für gekaufte Apps werden im Durchschnitt in den USA gerade einmal 3,50 € bezahlt.
Online-Video und Audio gefährden bisher weder Fernsehen noch Radio
Gelegentlich nutzen etwa zwei Drittel aller Onliner das Internet zum Anschauen von Videos (68%), etwa ein Drittel zum zeitversetzten Fernsehen (29%) und gut ein Fünftel für Live-TV (21%). Fernsehen per Internet ist aber immer noch ein Randphänomen, gerade einmal 2% der Onliner nutzen dafür täglich ihren Computer. Ähnlich gering ist der tägliche Abruf einzelner Sendungen (on demand).
Auch die Jüngeren nutzen den klassischen Fernsehempfang, denn 90 Prozent sehen weiterhin linear verbreitete Fernsehprogramme. Dazu nutzen allerdings knapp ein Fünftel zum Empfang auch das Internet.
Ein Radioprogramm hören online gelegentlich etwa ein Drittel aller Internetnutzer (27%). Auch hier liegt die tägliche Nutzung aber nur bei gerade 5% aller Onliner und ist noch vernachlässigbar. Bei über 51 Millionen täglicher Radiohörer per UKW, fallen die 2,5 Millionen Internet-Hörer kaum ins Gewicht.
* Media Perspektiven Heft 7-8/2011
Mittwoch, 31. August 2011
Wenn der Fernseher das Programm bestimmt
Kaum gelacht, da zeigt die mediale Zukunft, wie das bald Realität werden soll. Unter dem Titel: "Dein Fernseher, Dein Freund" meldet die Fachzeitschrift "Werben & Verkaufen" (34/2011), das in den USA eine Set-Top-Box auf den Markt kommen wird, die per Gesichtserkennung den TV-Gucker identifizieren kann. In der Folge würde dann das Gerät dem Zuschauer Programme anbieten, die er häufiger sieht oder aufgezeichnet hat. Dafür wird die Set-Top-Box der Firma "Viewdle"* mit einer Kamera und einer Software für Gesichtserkennung ausgestattet.
Wer also künftig nach eigenem Gusto sein TV-Programm auswählen will, muss sich dann wohl eine Pappnase oder Maske aufsetzen, um unerkannt zu bleiben. So etwas wäre für Loriot, der in seinen Sketchen Verkleidungen liebte, sicherlich ein Fest gewesen - vielleicht arbeitet er bereits für "Gott-TV" daran?
* Das Unternehmen ist nicht im Schwabenland, sondern im kalifornischen Palo Alto angesiedelt!