Dienstag, 19. Juni 2018
Ab Juli 2018 UKW-freie Zone im Osten?!
Was waren dass für Zeiten, als die DDR-Führung Anfang der 1960er Jahre das West-Fernsehen aus den DDR-Wohnungen aussperren wollte. Trupps der Freien Deutschen Jugend (FDJ) turnten über die Hausdächer und sägten nach Westen gerichtete Fernsehantennen ab - wie man weiß, geholfen hat das nicht. Auch die Störsender gegen das Radioprogramm des RIAS (Rundfunk im Amerikanischen Sektor) blieben erfolglos. Im vereinigten Deutschland droht dem Osten ab 1. Juli 2018 UKW-Funkstille. Ging es aber einst um den Kampf der Ideologien, ist jetzt dafür schnöde Raffgier verantwortlich.
Während in der 'alten' BRD - und heute noch - die UKW-Sendeanlagen größtenteils Eigentum der ARD-Anstalten sind wurden die Sendeanlagen der DDR nach 1989 privatisiert. Einst gehörten sie der DDR-Post, dann übernahm sie die Telekom, die ihrerseits den Betrieb auf zwei Tochterunternehmen aufteilte: T-Systems Media & Broadcast (Sendetechnik) und Deutsche Funkturm GmbH (Sendemasten). Dann verkaufte die Telekom 2008 die Media Broadcast an den französischen Sendealagenbetreiber TDF. * Die Franzosen verloren aber das Interesse und verkaufte ihrerseits im Januar 2018 die rund 1000 UKW-Sendeanalagen an fünf private Betreiberfirmen. Diese wollen schnelle und hohe Renditen, prompt eskallierte der Kampf untereinander und mit den Rundfunkveranstaltern. Ende April 2018 schritt die Bundesnetzagentur ein und kündigte an, die "Marktverhältnisse im UKW-Markt zu ermitteln". Der Präsident der Bundesbehörde, Jochen Homann sagte: "Wir werden uns (...) das Agieren der einzelnen Akteure anschauen und dann entscheiden, ob und wie (...) reguliert werden muss." Sollten die betroffenen Unternehmen "über beträchtliche Marktmacht verfügen" muß die BNetzA regulierend eingreifen. Damit sahen die privaten Netzbetreiber ihr Geschäftsmodell in Gefahr und einer von ihnen kündigte daraufhin den Abbau der UKW-Antennen an - damit würde vor allem im Osten Funkstille eintreten. Betroffen davon wären laut Süddeutscher Zeitung etwa 28 Millionen Radiohörer.
Bemerkenswert ist, dass die betroffenen ARD-Anstalten, der Norddeutsche Rundfunk NDR (Mecklenburg-Vorpommern), der Mitteldeutsche Rundfunk MDR, der Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB und das Deutschlandradio DLR sich bei diesem Thema nur sehr zurückhaltend äußern. Beim NDR sagte der Pressesprecher auf Nachfrage, man sei ja nur indirekt vom Streit zwischen den verschiedenen Netzbetreibern betroffen. Am 6.April hatte NDR-Sprecher Martin Gartzke in einer NDR-Pressemitteilung gewarnt: "Unsere Hörerinnen und Hörer in Mecklenburg-Vorpomern dürfen nicht Opfer finanzieller Verhandlungen von technischen Dienstleistern werden." Drei Tage später gab er Entwarnung: "UKW Abschaltung in Mecklenburg-Vorpommern vorerst abgewendet" - allerdings nur bis Ende Juni 2018. Beim MDR bedauerte man, dass sich Media Broadcast "überraschend aus dem UKW-Markt zurückgezogen habe." Für Fragen zu möglichen Auswirkungen auf den MDR hatte man in Leipzig keine Zeit. Beim RBB ist die Lage etwas anders, da man im Großraum Berlin immer noch einen Sendemast aus Zeiten des Sender Freies Berlin (SFB) besitzt. Nur beim Deutschlandradio wurde der Pressesprecher deutlicher, von den genutzten UKW-Frequenzen der beiden Programme des DLR werden nur 50 über ARD-Sendetürme, aber 260 von Privatunternehmen verbreitet. Kein Wunder also wenn DLR-Sprecher Tobias Franke-Polz am 13. Juni per mail moniert: "Deutschlandradio als nationaler Anbieter war bereits durch die vergangene Regulierungsverfügung von deutlichen Preiserhöhungen betroffen, weil die Regulierung die Sender in Ballungsgebieten billiger aber die auf dem Land teurer gemacht hatte."
Die Kosten für die UKW-Sendermiete werden auf jeden Fall steigen - weil die Politik bar jeder Vernunft die wichtige Rundfunk-Infrastruktur dem Interesse der Finanz-Heuschrecken, Shareholder und Investoren ausgeliefert hat.
Nachtrag, am 21. Juni gab es eine Einigung - der UKW-Blackout bleibt aus. Allerdings stellt sich die Frage, zu welchen Konditionen haben sich die Partner geeinigt. Ich wette mal, auf die ARD kommen höhere Kosten für die Verbreitung zu - bisher ist nichts genaues über die Vereinbarung bekannt....
* siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Media_Broadcast
Sonntag, 27. Mai 2018
Digitalradio DAB - mit Rückenwind in den Abgrund?
Derzeit 'trommelt' die ARD massiv mit TV-Spots für digitales Radio mit DAB+
(https://www.youtube.com/watch?v=cL0_MhixlYA) Nirgendwo ist ein Mensch zu sehen, vor Häusern, parkenden Autos oder einem Zelt am Strand hört man Radioprogramme. Nur auf einer leeren Baustelle steht als einziges Lebewesen ein einsamer Hund und hört zu. Ist das Sarkasmus, nach dem Motto: Stell Dir Digitalradio vor und keiner hört zu? Der Werbespot illustriert treffend die Misere des digtialen Radios in Deutschland. Während die Konsumenten DAB + weitgehend ignorieren, hören immer mehr - vor allem Jüngere - online oder per Smartphone digitales Radio und Musikstreamings.
Noch im Oktober 2017 frohlockte die ARD: "Rückenwind aus Brüssel für Digitalradio". Das europäische Parlament hatte eine europaweite Norm zur Förderung des digitalen Radios gefordert. Demnach sollten ab einem bestimmten Stichtag "alle höherwertige Radiogeräte zusätzlich zum UKW-Empfang auch den Empfang digitaler Radioprogramme ermöglichen." Durchbruch hört sich anders an. Gleichzeitig musste die ARD einräumen, dass fast 80% aller derzeit verkauften Empfangsgeräte und vier von fünf Autoradios in Deutschland nur UKW bieten. Die EU hatte mit viel Geld den in Deutschland entwickelten DAB+ Standard gefördert, die Öffentlich-Rechtlichen Rundfunkanstalten steuerten bisher einen dreistelligen Millionebetrag aus Rundfunkgebühren bei. Angesichts des mäßigen Erfolgs, versucht die ARD das Digitalradio als Exportschlager zu verkaufen. So betonte am 9. Oktober 2017 die damalige ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille, DAB+ habe sein "Marktpotential mittlerweile auch außerhalb der EU, so etwa in Asien und Australien entfaltet".
Damit wollte man wohl Politiker wie auch die Kommission zu Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) davon überzeugen, DAB+ weiterhin zu fördern. Immerhin hatte die KEF bereits 2014 die Entwicklung des digitalen Hörfunks kritisiert. * Im aktuellen Bericht vom Februar 2018 kürzte die KEF den von der ARD angemeldeten Bedarf bis 2020 von 122,7 Millionen Euro für das digtiale Radio auf 100 Millionen. ** Vor allem die Kosten für die gleichzeitige Verbreitung der Radioprogramme über UKW und DAB+ (Simulcast) sind der KEF ein Dorn im Auge. Sie will ab 2029 nur noch die digitale Verbreitung finanzieren, die 20% niedriger sei, als das analoge UKW-Netz. Die Kommission fordert, dass die Politik bis zum Frühjahr 2019 ein "Konzept der UKW-Abschaltung" durch den Bund vorlegt. Weiterhin müsse eine "Methodik zur Ermittlung der DAB+ Nutzung" und "regulatorische Maßnahmen" zur Serienausstattung von PKW mit digitalen Empfangsgeräten erreicht werden. Die KEF fordert, dass bis 2019 in 27% der Haushalte ein DAB+ Empfänger steht, wie das erreicht werden soll ist fraglich. Im aktuellen Bericht muss die Kommission einräumen, dass die Wachstumsraten nämlich gegenüber dem letzten Jahr von 28% auf 20% gesunken sind. Neben den 138 Millionen UKW-Geräten stehen in 15% aller Haushalte gerade einmal 10 Millionen DAB-Empfänger.
Kein Wunder also, wenn die ARD selbst in DAB nicht mehr den Königsweg. Am 4. Oktober 2017 hieß es in einer Pressemitteilung: "Die ARD sieht ihre Hybridstrategie bestätigt, bei der Verbreitung von Radioprogrammen in Zukunft sowohl auf DAB+ als auch auf das Internet zu setzen." Früher hatte man auf DAB gesetzt und gegen das Internet und Mobilfunk als Verbreitungsmittel argumentiert. Auch setzte sich die ARD dafür ein, dass die Politik einen Zeitpunkt für die UKW-Abschaltung bestimmen soll. Das brachte aber die Privatfunker in Rage und deshalb verließen sie Anfang 2017 das gemeinsame Digitalradio-Board, das den Digitalradiostandard fördern sollte. Die Kommerzsender kehrten dann im September zurück, denn sie hatten sich durchgesetzt. Der Chef der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten, Siegfried Schneider, betonte am 6. September 2017, die Diskussion über ein Abschaltdatum sei "zum jetzigen Zeitpunkt unnötig und eher kontraproduktiv."
Aktuell wirbt die ARD verstärkt für ihre Radio-Apps, mit denen Smartphones Radio - zeitversetzt - empfangen können. Der Grund ist einfach, das Smartphone und das Internet haben DAB+ den Rang abgelaufen. Im September 2017 bot die Fachzeitschrift Media Perspektiven*** einen Überblick. Demnach waren 2017 fast 90% aller Einwohner über 14 Jahre Online, täglich sind es über 50 Millionen (70%). Etwa 45 Millionen - zwei Drittel der Bevölkerung über 14 Jahre - hören - zumindest selten - Audioangebote im Internet. Ein Wachstum von 11% innerhalb eines Jahres - davon kann DAB nur träumen. Etwa ein Drittel nutzt live Online Radio, ein weiteres Drittel hörte Musikangebote von Streaming-Diensten. Vor allem bei den 14-29-Jährigen liegen Streamingdienste wie Spotify oder Soundcloud in der Beliebtheit mit über 64% deutlich vor Live-Radio (37% Mehrfachnennungen möglich).
"Eine wichtige Schlüsselfunktion nimmt in der digitalen Audiowelt die Musiknutzung ein" konstatieren die Media Perspektiven. Der mobile Empfang wird von den Mobilfunkfirmen durch verbesserte Empfangsqualität (höhere Bitrate) beworben. Allerdings kostet das extra, dazu braucht man ein Premium-Abonnement - wozu bisher nur eine Minderheit der Nutzer bereit ist. Bei der Telekom versucht man Abonnements damit zu verkaufen, indem die Nutzung von Streamingdiensten nicht auf das gebuchte Datenvolumen angerechnet wird. Die Autoren der Media Perspektiven warnen: "Für den klassischen Hörfunk (...) könnten sich die jetzt schon starken Musik-Streamingdienste (...) zu einer nicht zu unterschätzenden Konkurrenz entwickeln." Also muss man mitmachen, um nicht ins HIntertreffen zu geraten und die Nutzer auf allen Verbreitungswegen erreichen - und das ist eben nicht DAB+ sondern der Mobil- und Internetempfang.
* https://medienfresser.blogspot.de/2014/03/kef-macht-druck-beim-dab-digitalradio.html
** https://kef-online.de/fileadmin/KEF/Dateien/Berichte/21._Bericht.pdf
*** Media Perspektiven 9/2017 Seite 463 ff.
Donnerstag, 12. April 2018
Mittwoch, 11. April 2018
Radio MA 2018 - Digitaler Urknall oder Rohrkrepierer?
Zweimal im Jahr präsentiert die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (AGMA*) Daten über die Hörerzahlen bundesdeutscher Radioprogramme. Laut der am 28. März 2018 veröffentlichten neuen MA Audio 2018 I schalten täglich von den mehr als 70 Millionen Einwohnern (+ 14) rund 54 Millionen (78%) ein Radioprogramm ein. Der Zuspruch der 14,6 Millionen 14-29-Jährigen liegt mit 9,8 Millionen (67%) deutlich niedriger. Dagegen hören von den 34 Millionen über 50 Jahre täglich 28 Millionen (82 %) ein Radioprogramm. Die Radiozentrale** erklärte in einer Presserklärung: "Der klassische Radioempfang via UKW ist leicht rückläufig, wird aber durch die Nutzung der Hörfunkprogramme via Internet ausgeglichen.(...) Die Jugend setzt verstärkt auf Online Audio-Empfang." Lutz Kuckuck, Chef der Interessengemeinschaft fürchtet keine Abkehr vom Medium Radio: "Jugend hört - sie nutzt dafür aber die neuen Empfangswege wie Smartphpone und Sprachassistent und weniger das klassische Radiogerät."
Eine Fahrt mit Bus oder Bahn belegt, vor allem Jüngere nutzen ihre Smartphones weniger für das Telefonieren, sondern für Chats, Videos und Musik. Die neue MA soll "das Universum der Online-Audio- und Streamingdienstnutzung" erfassen, betont dazu die ARD-Werbung in ihrer Presseerklärung. Ist der AGMA damit endlich der digitale Quantensprung bei der Messung der Radionutzung geglückt? Laut den Angaben des größte Werbevermarkters kommerzieller Radiosender, der Radio Marketing Service GmbH (RMS) in Hamburg, spiegelt die MA Audio "die Reichweiten von 211 Radio- 85 Online-Audio- und 75 werbeführenden Konvergenz-Angeboten"***
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| Die UKW-Stage Coach fährt immer noch erfolgreich duch die Radiolandschaft.... |
Bisher gelten zwei relevante Maßeinheiten für die Radionutzung: Tagesreichweite (Hörer gestern Montag-Freitag) und Hörer pro durchschnittlicher Werbestunde (Mo-Fr).
Die Tagesreichweite gibt an, wieviele Einwohner über 14 Jahre, die Deutsch verstehen, pro Tag ein Radioprogramm einschalten. Demnach hören aktuell 54 Millionen Einwohner täglich ein Radioprogramm, über 2,6 Millionen weniger (-4%) als noch ein Jahr zuvor. Bei den Werbewellen sank die tägliche Reichweite um 2,56 Millionen auf knapp 48 Millionen (-5%). Dabei schnitten die ARD-Werberadios mit 37 Mio Hörern (-3%) besser ab, als die Privaten, die täglich von 29,6 Mio Menschen (-5%) eingeschaltet wurden (Mehrfachnutzung). Angaben über Online-Nutzung an Werktagen sucht man hier vergeblich
Reichweite pro durchschnittlicher Werbestunde (Mo-Fr 6-18 Uhr). Dabei sind diese Ergebnisse für den Verkauf der Werbezeiten der Radiosender ausschlaggebend. Pro Werbestunde hörten demnach 20,7 Millionen Hörer ein Werbeprogamm - ähnlich wie 2017. Bei Jüngeren (14-19 und 14-29) blieb der Zuspruch mit 880 000 bzw. 3,4 Mio ebenfalls ziemlich konstant. Einige der Big-Player mussten aber bei den 14-29-Jährigen deutliche Hörerverluste hinnehmen: Radio Schleswig-Holstein (-34%), NDR 2 (-24%), Radio Berlin (-20%), Radio NRW (-9%), SWR 3 (-6%). Auch hier finden sich in der MA Audio keine Angaben zur Online-Nutzung der Werbewellen.
Das macht schon stutzig, angesichts der vollmundigen Ankündigungen, wenn etwas die ARD-Werbetochter tönt: "Die MA Audio ist die Konvergenzwährung für Radio und Online-Audio in Deutschland." Auf Nachfrage erläuterte Lothar Mai von der ARD-Werbung, digitale Nutzerzahlen könne man derzeit nur bei der Hörerreichweite Montag bis Sonntag anbieten. Die Online-Nutzung von Radioprogrammen und Musik-Streamingdiensten würden von den Veranstaltern der AGMA zugeliefert. Betrachtet man den Methodensteckbrief der aktuellen MA Audio, liefert aber nur ein Streamingdienst (Spotify) Daten. Daneben werden 243 gleichzeitig über UKW und Online/DAB verbreitete Programme (simulcasting) und 568 Nur-Webradios erfasst. Zusätzlich würden 13.218 Teilnehmer ein Online-Tagebuch über ihr Nutzungsverhalten führen. Die für Werbewellen wichtige Messungen der Stundereichweite sei derzeit nicht möglich, räumte Mai ein.
| Das Radiogerät der Zukunft?! |
Wie sehen die Ergebnisse der Online-Radionutzung aus? Von den insgesamt 53 Millionen Einwohner über 14 Jahre täglich, die zwischen Montag und Sonntag ein Audioangebot nutzen, entfallen auf per Rundfunk verbreite Programme knapp 52 Millionen Hörer, Online sind es 2,7 Millionen (Mehrfachnennung). Demnach hören also etwas mehr als 5% aller Audio-Nutzer online - Tendenz leicht steigend (2,4 Mio MA 2017 Audio) Der größte Teil davon empfängt Radioprogramme, die auch über UKW verbreitet werden (1,5 Mio), dicht gefolgt von Radio-Musik-Stramingdiensten, die über 1 Million tägliche Nutzer erreichen. Bei den 14-19-Jährigen, hören in der Woche täglich 3,2 Millionen ein Audioradio bzw. Stgreamingangebot, davon gut 3 Millionen werden durch klassischen Rundfunk-Empfang erreicht, während 400 000 Online hören. Von werden Streaming-Musikdienste täglich von 240 000 Jugendlichen genutzt.
Überzeugend kann die MA Audio bisher die Radio- und Musiknutzung außerhalb der UKW-Nutzung nicht darstellen. Der 'Große Sprung nach Vorn' bei der Messung digitaler bzw. onlinebasierter Radio- und Musikangebote ist damit nur im Ansatz geglückt. Trotzdem dürfte vor allem die Akzeptanz der Streaming-Dienste durch jüngere Hörer die Radiomacher beunruhigen. Ob die Hörerverluste gerade jugendlicher Nutzer beim UKW-Empfang wirklich durch Online-Nuztung ausgeglichen wird, muss sich erst erweisen. Insgesamt ist die Datenbasis noch ziemlich bescheiden, vor allem der werbetreibenden Wirtschaft dürften diese schmale Basis der MA Adio auf Dauer kaum gefallen.
Siehe auch:
https://medienfresser.blogspot.com/2018/05/digitalradio-dab-mit-ruckenwind-in-den.html
https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=3982236135803086246#editor/target=post;postID=6311158600192039586;onPublishedMenu=allposts;onClosedMenu=allposts;postNum=9;src=link
* AGMA: Arbeitsgemeinschaft Media Analyse - Zusammenschluss von 210 Medien und Werbeunternehmen
**Radiozentrale: 2005 von kommerziellen- und öffentlich-rechtliche Radioveranstaltern gegründet, um für das Medium Radio zu werben (http://www.radiozentrale.de/ueber-uns/ziele-aufgaben/)
*** Konvergenz-Angebot: Programmveranstalter, die neben UKW, DAB auch Onlien und Streaming-Programme anbieten
Freitag, 9. Februar 2018
SWR 2018 - "Passgenaue Inhalte" gesucht
| Die 'üblichen Verdächtigen' im SWR-Studio |
Aber wohin will der SWR? Intendant Peter Boudgoust sagte, es gehe in Zukunft darum, mehr "passgenaue Inhalte" zu produzieren - allerdings ohne mehr Mittel. Hörte sich so ziemlich nach "SWR 4.0" an und Informationschef Christoph Hauser legte nach, "Datenjournalismus" laute für den SWR der nächsten Jahre die Devise. Deshalb werde man künftig verstärkt Teams aus EDV-Fachleuten und Multimediaredakteuren bilden. Böse Zungen im Haus meinen, jetzt schon würden zunehmend Nerds ohne journalistischen Sachverstand die Redaktionsbüros bevölkern.
Online und Mobilempfang aller SWR-Angebote lautet aber nicht nur in Stuttgart die Parole.
| ..kein neues SWR-Motto - TV-Doku-Trailer |
Viel WM-Fußball mit weniger Kosten
| Der SWR bestimmt den WM-Kick für die ARD |
Fußballfans erinnern sich an die Ausschreitungen in Stadien während der Europameisterschaften in Frankreich im Sommer 2016. Die UEFA - die den Fernsehsendern die Bilder aus den Stadien zulieferte - zeigte keine Aufnahmen von Prügeleien rivalisierender Fangruppen. Nur dem Zufall war es zu verdanken, dass die ARD ein Team vor Ort hatte und die Bilder in der Tagesschau gezeigt werden konnten.
https://medienfresser.blogspot.de/2016/06/uefa-zeigt-bei-der-em-ein-potemkinsches.html
https://medienfresser.blogspot.de/2016/06/tschechien-kroatien-uefa-behutet.html
Darauf angesprochen, sagte Thomas Wehrle - Programmchef Fernsehen/Online/Social Media, man habe sich mit der FIFA darauf geeinigt, bei allen Spielen die die ARD übertrage, eigene Kamerateams ins Stadion zu bringen. Darüber hinaus sei es ja völlig normal, dass die Bilder der Begegnungen im Auftrag der Fußballverbände produziert und das sogenannte "Weltbild" dann den TV-Sendern zugeliefert werde.
SWR offen für Kooperationen mit Verlagen und Veranstaltern
https://medienfresser.blogspot.de/2017/01/swr-2017-regional-aktuell.html
...was von den Pressekofenrenzen blieb....
Samstag, 13. Januar 2018
"Saboteure im Eis" Norwegische-Serie in der ARD
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| "Saboteure im Eis" Copyright NDR |
Die Serie steht nicht in der ARD-Mediathek zum Abruf zur Verfügung. "Der Lizenzvertrag beinhaltet keine sogenannten catch up Rechte, daß heißt, die Serie darf nicht nach Ausstrahlung in den Mediatheken online gestellt werden," erläuterte Frau Bents. Die ARD habe die Home Entertainment-Rechte "leider nicht" erwerben können. Die ARD habe demnach das Recht, die Serie nur noch einmal in den ARD-Dritten zu zeigen. Auf youtube kann man "Saboteure im Eis" für 2,49 € pro Folge abrufen. Nachtrag 23. 12. 2019: Anscheinend hat die ARD 2019 die Rechte für ihre Mediathek erwerben können. Die Serie war jedenfalls über die Feiertage abrufbar.
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| Copyright NDR |
Die Geschichte um eine 'Deutsche Atombombe' und den Angriff eines Alliierten Kommandos 1943 auf die Produktionsanlage für "Schweres Wasser" im besetzten Norwegen, hat früh Filmemacher interessiert. Die erste Verfilmung gabe es bereits 1948, eine französisch-norwegische Koproduktion, in der Beteiligte an dem Kommandounternehmen sich selbst spielten. Ich erfuhr erstmals als Jugendlicher davon durch die ARD-Serie: "Spione Agenten Soldaten". Sie lief 1969 im Ersten Deutschen Fernsehen, jeweils am Sonnabend-Nachmittag. Der polnische Historiker Janusz Piekalkewicz hatte diese 26-teilige Serie über Kommandounternehmen und Spionage während des Zweiten Weltkriegs produziert. Dafür bekam er 1969 einen Preis in Monte Carlo - was seitdem keiner deutschen Produktion mehr gelungen ist. In den Filmen kommen Zeitzeugen zu Wort - darunter einstige Gegner - außerdem historische Aufnahmen und Fotodokumente. Einige Jahre später erschien ein Buch zur Serie, dort findet sich die Geschichte unter dem Titel. "Angriffsziel Norsk Hydro".
Bereits 1965 hatte der US-Regisseur Anthony Mann einen Kinofilm über die Aktion Britsch-Norwegischer Kommandos gedreht, der 1966 unter dem Titel "Aktion Schweres Wasser" in deutsche Kinos kam. Stars wie Kirk Douglas, Richard Harris, Ulla Jacobson und Michael Redgrave spielten mit, der Film wurde an den Originalschauplätzen gedreht und beeindruckt durch die norwegischen Landschaft. Der Film wurde erst 1985 in einem deutschen TV-Programm gezeigt - dem DDR-Fernsehen.
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| Copyright NDR |
Am 22.11. 2011 erschoss der norwegische Neonazi Anders Breivik 77 Menschen - die meisten waren Jugendliche. Sie hatten an einem Zeltlager der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten teilgenommen - das Massaker dauerte 75 Minuten.nach 1945 definierte sich Norwegen über den Widerstand gegen die Nazi-Besatzer. Die Kolaboration spielte keine Rolle, Vidkun Quisling wurde 1945 hingerichtet - seine Nazi-Partei Norwegens existierte seit 1933.
Heute ist Norwegen stolz darauf, im internationalen ranking ganz vorne zu stehen, wenn es um die Frage geht, wo man am zufriedensten lebt. Breivik, seine Opfer und die seit Jahren existierende Neonazi-Szene Norwegens werden ausgeblendet. Vor diesem Hintergrund ist die Ausblendung der norwegische NS-Kolaboration zwischen 1940-1945 in der TV-Serie, die nach Breiviks Massaker produziert wurde, bezeichnend.
Sonntag, 7. Januar 2018
Chios 2017 - Weihnachts-Impressionen
| Weihnachts-Schmuck auf Chios |
Warum eigentlich nicht Weihnachten und Sylvester auf Chios verbringen? Diesen Wunsch haben wir uns dieses Jahr erstmals erfüllt, da brauchten wir auch keine weiteren Geschenke.
Allerdings gestaltete sich meine Anreise nicht ganz einfach, denn die mögliche Flugverbindung von Stuttgart erforderte eine Übernachtung auf dem Flughafen Thessaloniki. So landete ich am 23. Dezember kurz vor Mitternacht auf dem Makedonia Airport und
| Noch nicht wach auf dem Flughafen Athen |
| Europa 'schützt' sich auch an Weihnachten |
Als der Flieger gegen Mittag dann zur Landung ansetzte, sah ich aus dem Fenster auch die Realität der Europäischen Grenze im Jahr 2017. Unter mir fuhr ein Kriegsschiff, das im Auftrag der EU die die Küste vor der Türkei kontrolliert. Faktisch geht es darum, illegales Übersetzen von Flüchtlingen nach Europa zu verhindern. Auf der Insel leben heute mehrere Tausend Flüchtlinge im Lager Vial. Vor allem für Frauen mit Kindern und allenreisende Jugendlichen ist die Situation katastrophal. Sie vegetieren in Zelten, kaum vor Regen und der Kälte geschützt. Was wäre wohl mit der Heiligen Familie samt Jesuskind geschehen, wenn sie auf der Flucht vor Herodes nicht nach Ägypten, sondern hierher gekommen wäre? Wären sie im Mittelmeer ertrunken, oder in eine unmenschliches Lager gesperrt worden? Da kommen einem an Weihnachten nur bittere Gedanken. Europa schaut weg und schottet sich weiter ab, das Weihnachtsgeschäft ist wichtiger als die Nächstenliebe...
| Tradition in Volissos |
In Volissos hatte man sich zum Thema Weihnachtsdekoration dieses Jahr viel einfallen lassen. Da wurde etwa ein ganzes Haus als Geschenk mit einer roten Schleife dekoriert. Im Ort standen verteilt alte Fahrräder, an denen Lichtgirlanden befestigt waren, die am Abend leuchteten. An einem Platz hatte man einen ausrangierten Drahtesel vor einen Weihnachtsschlitten gespannt.
Auf dem Heimflug, der von drei Stops unterbrochen wurde, bekamen wir bei Aegean vor jedem Start ein Gläschen Sekt angeboten und auf den Servietten wünschte die Airline allen ein gutes neues Jahr. Für uns brachten die Feiertage auf Chios das, was wir gesucht haben: Ruhe, Natur, Feiern, Freude.....Chronia Polla für Alle!
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| Der traditionelle Vasilopitta - Neujahrskuchen. Wer war der Glückspilz? |
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