Donnerstag, 12. April 2018
Mittwoch, 11. April 2018
Radio MA 2018 - Digitaler Urknall oder Rohrkrepierer?
Zweimal im Jahr präsentiert die Arbeitsgemeinschaft Media Analyse (AGMA*) Daten über die Hörerzahlen bundesdeutscher Radioprogramme. Laut der am 28. März 2018 veröffentlichten neuen MA Audio 2018 I schalten täglich von den mehr als 70 Millionen Einwohnern (+ 14) rund 54 Millionen (78%) ein Radioprogramm ein. Der Zuspruch der 14,6 Millionen 14-29-Jährigen liegt mit 9,8 Millionen (67%) deutlich niedriger. Dagegen hören von den 34 Millionen über 50 Jahre täglich 28 Millionen (82 %) ein Radioprogramm. Die Radiozentrale** erklärte in einer Presserklärung: "Der klassische Radioempfang via UKW ist leicht rückläufig, wird aber durch die Nutzung der Hörfunkprogramme via Internet ausgeglichen.(...) Die Jugend setzt verstärkt auf Online Audio-Empfang." Lutz Kuckuck, Chef der Interessengemeinschaft fürchtet keine Abkehr vom Medium Radio: "Jugend hört - sie nutzt dafür aber die neuen Empfangswege wie Smartphpone und Sprachassistent und weniger das klassische Radiogerät."
Eine Fahrt mit Bus oder Bahn belegt, vor allem Jüngere nutzen ihre Smartphones weniger für das Telefonieren, sondern für Chats, Videos und Musik. Die neue MA soll "das Universum der Online-Audio- und Streamingdienstnutzung" erfassen, betont dazu die ARD-Werbung in ihrer Presseerklärung. Ist der AGMA damit endlich der digitale Quantensprung bei der Messung der Radionutzung geglückt? Laut den Angaben des größte Werbevermarkters kommerzieller Radiosender, der Radio Marketing Service GmbH (RMS) in Hamburg, spiegelt die MA Audio "die Reichweiten von 211 Radio- 85 Online-Audio- und 75 werbeführenden Konvergenz-Angeboten"***
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| Die UKW-Stage Coach fährt immer noch erfolgreich duch die Radiolandschaft.... |
Bisher gelten zwei relevante Maßeinheiten für die Radionutzung: Tagesreichweite (Hörer gestern Montag-Freitag) und Hörer pro durchschnittlicher Werbestunde (Mo-Fr).
Die Tagesreichweite gibt an, wieviele Einwohner über 14 Jahre, die Deutsch verstehen, pro Tag ein Radioprogramm einschalten. Demnach hören aktuell 54 Millionen Einwohner täglich ein Radioprogramm, über 2,6 Millionen weniger (-4%) als noch ein Jahr zuvor. Bei den Werbewellen sank die tägliche Reichweite um 2,56 Millionen auf knapp 48 Millionen (-5%). Dabei schnitten die ARD-Werberadios mit 37 Mio Hörern (-3%) besser ab, als die Privaten, die täglich von 29,6 Mio Menschen (-5%) eingeschaltet wurden (Mehrfachnutzung). Angaben über Online-Nutzung an Werktagen sucht man hier vergeblich
Reichweite pro durchschnittlicher Werbestunde (Mo-Fr 6-18 Uhr). Dabei sind diese Ergebnisse für den Verkauf der Werbezeiten der Radiosender ausschlaggebend. Pro Werbestunde hörten demnach 20,7 Millionen Hörer ein Werbeprogamm - ähnlich wie 2017. Bei Jüngeren (14-19 und 14-29) blieb der Zuspruch mit 880 000 bzw. 3,4 Mio ebenfalls ziemlich konstant. Einige der Big-Player mussten aber bei den 14-29-Jährigen deutliche Hörerverluste hinnehmen: Radio Schleswig-Holstein (-34%), NDR 2 (-24%), Radio Berlin (-20%), Radio NRW (-9%), SWR 3 (-6%). Auch hier finden sich in der MA Audio keine Angaben zur Online-Nutzung der Werbewellen.
Das macht schon stutzig, angesichts der vollmundigen Ankündigungen, wenn etwas die ARD-Werbetochter tönt: "Die MA Audio ist die Konvergenzwährung für Radio und Online-Audio in Deutschland." Auf Nachfrage erläuterte Lothar Mai von der ARD-Werbung, digitale Nutzerzahlen könne man derzeit nur bei der Hörerreichweite Montag bis Sonntag anbieten. Die Online-Nutzung von Radioprogrammen und Musik-Streamingdiensten würden von den Veranstaltern der AGMA zugeliefert. Betrachtet man den Methodensteckbrief der aktuellen MA Audio, liefert aber nur ein Streamingdienst (Spotify) Daten. Daneben werden 243 gleichzeitig über UKW und Online/DAB verbreitete Programme (simulcasting) und 568 Nur-Webradios erfasst. Zusätzlich würden 13.218 Teilnehmer ein Online-Tagebuch über ihr Nutzungsverhalten führen. Die für Werbewellen wichtige Messungen der Stundereichweite sei derzeit nicht möglich, räumte Mai ein.
| Das Radiogerät der Zukunft?! |
Wie sehen die Ergebnisse der Online-Radionutzung aus? Von den insgesamt 53 Millionen Einwohner über 14 Jahre täglich, die zwischen Montag und Sonntag ein Audioangebot nutzen, entfallen auf per Rundfunk verbreite Programme knapp 52 Millionen Hörer, Online sind es 2,7 Millionen (Mehrfachnennung). Demnach hören also etwas mehr als 5% aller Audio-Nutzer online - Tendenz leicht steigend (2,4 Mio MA 2017 Audio) Der größte Teil davon empfängt Radioprogramme, die auch über UKW verbreitet werden (1,5 Mio), dicht gefolgt von Radio-Musik-Stramingdiensten, die über 1 Million tägliche Nutzer erreichen. Bei den 14-19-Jährigen, hören in der Woche täglich 3,2 Millionen ein Audioradio bzw. Stgreamingangebot, davon gut 3 Millionen werden durch klassischen Rundfunk-Empfang erreicht, während 400 000 Online hören. Von werden Streaming-Musikdienste täglich von 240 000 Jugendlichen genutzt.
Überzeugend kann die MA Audio bisher die Radio- und Musiknutzung außerhalb der UKW-Nutzung nicht darstellen. Der 'Große Sprung nach Vorn' bei der Messung digitaler bzw. onlinebasierter Radio- und Musikangebote ist damit nur im Ansatz geglückt. Trotzdem dürfte vor allem die Akzeptanz der Streaming-Dienste durch jüngere Hörer die Radiomacher beunruhigen. Ob die Hörerverluste gerade jugendlicher Nutzer beim UKW-Empfang wirklich durch Online-Nuztung ausgeglichen wird, muss sich erst erweisen. Insgesamt ist die Datenbasis noch ziemlich bescheiden, vor allem der werbetreibenden Wirtschaft dürften diese schmale Basis der MA Adio auf Dauer kaum gefallen.
Siehe auch:
https://medienfresser.blogspot.com/2018/05/digitalradio-dab-mit-ruckenwind-in-den.html
https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=3982236135803086246#editor/target=post;postID=6311158600192039586;onPublishedMenu=allposts;onClosedMenu=allposts;postNum=9;src=link
* AGMA: Arbeitsgemeinschaft Media Analyse - Zusammenschluss von 210 Medien und Werbeunternehmen
**Radiozentrale: 2005 von kommerziellen- und öffentlich-rechtliche Radioveranstaltern gegründet, um für das Medium Radio zu werben (http://www.radiozentrale.de/ueber-uns/ziele-aufgaben/)
*** Konvergenz-Angebot: Programmveranstalter, die neben UKW, DAB auch Onlien und Streaming-Programme anbieten
Freitag, 9. Februar 2018
SWR 2018 - "Passgenaue Inhalte" gesucht
| Die 'üblichen Verdächtigen' im SWR-Studio |
Aber wohin will der SWR? Intendant Peter Boudgoust sagte, es gehe in Zukunft darum, mehr "passgenaue Inhalte" zu produzieren - allerdings ohne mehr Mittel. Hörte sich so ziemlich nach "SWR 4.0" an und Informationschef Christoph Hauser legte nach, "Datenjournalismus" laute für den SWR der nächsten Jahre die Devise. Deshalb werde man künftig verstärkt Teams aus EDV-Fachleuten und Multimediaredakteuren bilden. Böse Zungen im Haus meinen, jetzt schon würden zunehmend Nerds ohne journalistischen Sachverstand die Redaktionsbüros bevölkern.
Online und Mobilempfang aller SWR-Angebote lautet aber nicht nur in Stuttgart die Parole.
| ..kein neues SWR-Motto - TV-Doku-Trailer |
Viel WM-Fußball mit weniger Kosten
| Der SWR bestimmt den WM-Kick für die ARD |
Fußballfans erinnern sich an die Ausschreitungen in Stadien während der Europameisterschaften in Frankreich im Sommer 2016. Die UEFA - die den Fernsehsendern die Bilder aus den Stadien zulieferte - zeigte keine Aufnahmen von Prügeleien rivalisierender Fangruppen. Nur dem Zufall war es zu verdanken, dass die ARD ein Team vor Ort hatte und die Bilder in der Tagesschau gezeigt werden konnten.
https://medienfresser.blogspot.de/2016/06/uefa-zeigt-bei-der-em-ein-potemkinsches.html
https://medienfresser.blogspot.de/2016/06/tschechien-kroatien-uefa-behutet.html
Darauf angesprochen, sagte Thomas Wehrle - Programmchef Fernsehen/Online/Social Media, man habe sich mit der FIFA darauf geeinigt, bei allen Spielen die die ARD übertrage, eigene Kamerateams ins Stadion zu bringen. Darüber hinaus sei es ja völlig normal, dass die Bilder der Begegnungen im Auftrag der Fußballverbände produziert und das sogenannte "Weltbild" dann den TV-Sendern zugeliefert werde.
SWR offen für Kooperationen mit Verlagen und Veranstaltern
https://medienfresser.blogspot.de/2017/01/swr-2017-regional-aktuell.html
...was von den Pressekofenrenzen blieb....
Samstag, 13. Januar 2018
"Saboteure im Eis" Norwegische-Serie in der ARD
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| "Saboteure im Eis" Copyright NDR |
Die Serie steht nicht in der ARD-Mediathek zum Abruf zur Verfügung. "Der Lizenzvertrag beinhaltet keine sogenannten catch up Rechte, daß heißt, die Serie darf nicht nach Ausstrahlung in den Mediatheken online gestellt werden," erläuterte Frau Bents. Die ARD habe die Home Entertainment-Rechte "leider nicht" erwerben können. Die ARD habe demnach das Recht, die Serie nur noch einmal in den ARD-Dritten zu zeigen. Auf youtube kann man "Saboteure im Eis" für 2,49 € pro Folge abrufen. Nachtrag 23. 12. 2019: Anscheinend hat die ARD 2019 die Rechte für ihre Mediathek erwerben können. Die Serie war jedenfalls über die Feiertage abrufbar.
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| Copyright NDR |
Die Geschichte um eine 'Deutsche Atombombe' und den Angriff eines Alliierten Kommandos 1943 auf die Produktionsanlage für "Schweres Wasser" im besetzten Norwegen, hat früh Filmemacher interessiert. Die erste Verfilmung gabe es bereits 1948, eine französisch-norwegische Koproduktion, in der Beteiligte an dem Kommandounternehmen sich selbst spielten. Ich erfuhr erstmals als Jugendlicher davon durch die ARD-Serie: "Spione Agenten Soldaten". Sie lief 1969 im Ersten Deutschen Fernsehen, jeweils am Sonnabend-Nachmittag. Der polnische Historiker Janusz Piekalkewicz hatte diese 26-teilige Serie über Kommandounternehmen und Spionage während des Zweiten Weltkriegs produziert. Dafür bekam er 1969 einen Preis in Monte Carlo - was seitdem keiner deutschen Produktion mehr gelungen ist. In den Filmen kommen Zeitzeugen zu Wort - darunter einstige Gegner - außerdem historische Aufnahmen und Fotodokumente. Einige Jahre später erschien ein Buch zur Serie, dort findet sich die Geschichte unter dem Titel. "Angriffsziel Norsk Hydro".
Bereits 1965 hatte der US-Regisseur Anthony Mann einen Kinofilm über die Aktion Britsch-Norwegischer Kommandos gedreht, der 1966 unter dem Titel "Aktion Schweres Wasser" in deutsche Kinos kam. Stars wie Kirk Douglas, Richard Harris, Ulla Jacobson und Michael Redgrave spielten mit, der Film wurde an den Originalschauplätzen gedreht und beeindruckt durch die norwegischen Landschaft. Der Film wurde erst 1985 in einem deutschen TV-Programm gezeigt - dem DDR-Fernsehen.
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| Copyright NDR |
Am 22.11. 2011 erschoss der norwegische Neonazi Anders Breivik 77 Menschen - die meisten waren Jugendliche. Sie hatten an einem Zeltlager der Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokraten teilgenommen - das Massaker dauerte 75 Minuten.nach 1945 definierte sich Norwegen über den Widerstand gegen die Nazi-Besatzer. Die Kolaboration spielte keine Rolle, Vidkun Quisling wurde 1945 hingerichtet - seine Nazi-Partei Norwegens existierte seit 1933.
Heute ist Norwegen stolz darauf, im internationalen ranking ganz vorne zu stehen, wenn es um die Frage geht, wo man am zufriedensten lebt. Breivik, seine Opfer und die seit Jahren existierende Neonazi-Szene Norwegens werden ausgeblendet. Vor diesem Hintergrund ist die Ausblendung der norwegische NS-Kolaboration zwischen 1940-1945 in der TV-Serie, die nach Breiviks Massaker produziert wurde, bezeichnend.
Sonntag, 7. Januar 2018
Chios 2017 - Weihnachts-Impressionen
| Weihnachts-Schmuck auf Chios |
Warum eigentlich nicht Weihnachten und Sylvester auf Chios verbringen? Diesen Wunsch haben wir uns dieses Jahr erstmals erfüllt, da brauchten wir auch keine weiteren Geschenke.
Allerdings gestaltete sich meine Anreise nicht ganz einfach, denn die mögliche Flugverbindung von Stuttgart erforderte eine Übernachtung auf dem Flughafen Thessaloniki. So landete ich am 23. Dezember kurz vor Mitternacht auf dem Makedonia Airport und
| Noch nicht wach auf dem Flughafen Athen |
| Europa 'schützt' sich auch an Weihnachten |
Als der Flieger gegen Mittag dann zur Landung ansetzte, sah ich aus dem Fenster auch die Realität der Europäischen Grenze im Jahr 2017. Unter mir fuhr ein Kriegsschiff, das im Auftrag der EU die die Küste vor der Türkei kontrolliert. Faktisch geht es darum, illegales Übersetzen von Flüchtlingen nach Europa zu verhindern. Auf der Insel leben heute mehrere Tausend Flüchtlinge im Lager Vial. Vor allem für Frauen mit Kindern und allenreisende Jugendlichen ist die Situation katastrophal. Sie vegetieren in Zelten, kaum vor Regen und der Kälte geschützt. Was wäre wohl mit der Heiligen Familie samt Jesuskind geschehen, wenn sie auf der Flucht vor Herodes nicht nach Ägypten, sondern hierher gekommen wäre? Wären sie im Mittelmeer ertrunken, oder in eine unmenschliches Lager gesperrt worden? Da kommen einem an Weihnachten nur bittere Gedanken. Europa schaut weg und schottet sich weiter ab, das Weihnachtsgeschäft ist wichtiger als die Nächstenliebe...
| Tradition in Volissos |
In Volissos hatte man sich zum Thema Weihnachtsdekoration dieses Jahr viel einfallen lassen. Da wurde etwa ein ganzes Haus als Geschenk mit einer roten Schleife dekoriert. Im Ort standen verteilt alte Fahrräder, an denen Lichtgirlanden befestigt waren, die am Abend leuchteten. An einem Platz hatte man einen ausrangierten Drahtesel vor einen Weihnachtsschlitten gespannt.
Auf dem Heimflug, der von drei Stops unterbrochen wurde, bekamen wir bei Aegean vor jedem Start ein Gläschen Sekt angeboten und auf den Servietten wünschte die Airline allen ein gutes neues Jahr. Für uns brachten die Feiertage auf Chios das, was wir gesucht haben: Ruhe, Natur, Feiern, Freude.....Chronia Polla für Alle!
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| Der traditionelle Vasilopitta - Neujahrskuchen. Wer war der Glückspilz? |
Freitag, 17. November 2017
ARTE - Arbeitet der Kulturkanal mit 'Alternative Facts'?!
Der deutsch-französische Kulturkanal ARTE gilt als das kulturambitionierte und seriöse Fernsehprogramm an sich. Gerade die hier regelmäßig ausgestrahlten historischen Dokumentation sind eines der 'Aushängeschilder'. Umso befremdlicher muss es wirken, wenn im Programm Fehler unkorrigiert verbreitet werden.
Beispiel gefällig?
Anfang November 2017 wurde eine französische Produktion über die Schlacht bei Verdun bei ARTE wiederholt, die erstmals 2016 ausgestrahlt worden war. In dem Film wird in der deutschen Fassung auf die Anti-Kriegskundegebung in Berlin hingewiesen, zu der Karl Liebknecht am 1. Mai 1916 aufgerufen hatte. Die Filmaufnahmen von Liebknechts Auftritt, der mit seiner Verhaftung endete, werden so kommentiert: "Der Abgeordnete der Kommunistischen Partei, Karl Liebknecht, hält eine Ansprache an das Volk". Nun konnte Liebknecht gar nicht für die Kommunistische Partei sprechen, geschweige denn im Reichstag, da die KPD erst am 30.Dezember 1918 gegründet wurde - fast zwei Monate nach Kriegsende! Liebknecht gehörte zur Gruppe Internationale um Rosa Luxemburg und anderen SPD-Dissidenten, die sich nach Kriegsbeginn 1914 in der SPD gegründet hatte. Sie wurde als Spartakus-Gruppe bekannt und Anfang 1916 aus der SPD ausgeschlossen. Eine Kommunistische Partei gab es zu diesem Zeitpunkt weder im Deutschen Reich, noch in einem anderen Land der Erde. Erst nach der Oktoberrevolution im Winter 1918 wurde unter Lenin die russische sozialdemokratische Partei zur ersten Kommunistischen Partei umbenannt.
Den Verantwortlichen für die Gesichtsproduktionen bei ARTE ist dieser Fehler nicht aufgefallen - oder es war ihnen egal. Jedenfalls lief der Film unverändert zwei Jahre später erneut und ist auch noch in der Mediathek abrufbar. Ebenso fragwürdig ist die Fixierung des Autors, Serge de Sampigny, auf Kaiser Wilhelm II und seinen Sohn, den Kronprinzen. Sie sind in der Dokumentation die maßgeblichen Verantwortlichen für die Schlacht von Verdun - der Urheber des Gemetzels, der Chef des Kaiserlichen Generalstabes, Erich von Falkenhayn, taucht in der Dokumentation nur als Nebenfigur auf. https://medienfresser.blogspot.de/2016/02/100-jahre-verdun-schlacht-der-mythen.html
Könnte man dies noch als Flüchtigkeitsfehler behandeln, wird in der am 8.November 2017 ausgestrahlten deutschsprachigen Dokumentation von Patrick Cabouat: "Der Untergang der Romanows" der Geschichtsverlauf im Sommer 1914 komplett auf den Kopf gestellt. In Minute 27 des Films, in der es um den Kriegsausbruch geht, heißt es "24. Juli. Als Reaktion auf das Ultimatum, das Serbien Österreich gestellt hat, versucht Nikolaus II. Kaiser Wilhelm II. davon zu überzeugen, Österreich zum Einmarsch in Serbien zu überreden." Richtig ist vielmehr: Österreich-Ungarn stellte am 23. Juli 1914 auf Drängen des deutschen Kaiserreichs den Serben ein Ultimatum - das zum Krieg führte. Einen Beleg dafür, dass der russische Zar seinen deutschen 'Vetter Willi' aufgefordert hat, Wien zum Einmarsch gegen das mit St.Petersburg verbündete Serbien zu ermuntern - Fehlanzeige!
Es geht dabei nicht um historische Debatten oder individuelle Fehler. Jeder Fernsehfilm durchläuft senderinterne Prüfverfahren und Abnahmen durch die entsprechenden Redaktionen. Was für Redakteure sitzen dort, wenn sie solche Produktionen durchgehen lassen? Auf der Kommentar-Seite von ARTE findet sich eine entsprechende Krititk eines Zuschauers - Reaktion der Verantwortlichen in Straßburg? Auf meine offizielle Anfrage bei der ARTE-Pressesprecherin Claude-Anne Savin, erhielt ich keine Antwort - bei ARTE Deutschland in Baden-Baden (SWR) verwies man mich an Straßburg, da es sich um eine französische Produktion handele. Eine Mitarbeiterin einer deutschen Rundfunkanstalt, die den Betrieb in Straßburg kennt, meinte nur trocken, die Verantwortlichen bei ARTE seien einfach "zu Eitel" um einen Fehler einzugestehen - es sei denn, er würde hohe Wellen schlagen.
Geschichtsklitterung scheint jedenfalls nicht dazu zu gehören.....
Nachtrag: Bis heute - dem 13. Januar 2018 hat die ARTE-Pressestelle auf meine Anfrage nicht geantwortet.
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