Donnerstag, 20. Mai 2010

Abfuhr für gemeinsames Digitalradio von Deutschlandradio und ARD








Hofft Intendant Steul auf Hilfe von Oben?


Der Wunsch von Willi Steul, Intendant des Deutschlandradios, künftig gemeinsam mit den ARD-Anstalten ein bundesweites digitales Klassikradio zu produzieren, hat derzeit wenig Chancen. Am 18. Mai ließ der für die Koordination der Rundfunkkommission der Länder zuständige Staatssekretär Martin Stadelmaier in Mainz mitteilen: „Das steht nicht zur Debatte. Ich hielte eine solche Überlegung auch für abwegig. Die ARD-Hörfunkprogramme haben aus guten Gründen keinen bundesweiten Auftrag.“

Laut Rundfunkstaatsvertrag dürfen die ARD-Länderanstalten keine bundesweiten Radioprogramme anbieten (§ 11c Abs.1). Dies ist nur dem Deutschlandradio mit seinen drei terrestrisch über UKW und digital verbreiteten Programmen erlaubt (§ 11c Abs. 3). Somit müssten die für Rundfunkpolitik zuständigen Ministerpräsidenten der Länder ein weiteres Radioprogramm des Deutschlandradios durch eine Änderung des Staatsvertrages genehmigen – und dies hat derzeit bei den Medienpolitikern anscheinend keine Priorität.

Willi Steul, der als Intendant des Deutschlandradios die dort produzierten bundesweiten Programme Deutschlandfunk, Deutschlandradio Kultur und DRadio Wissen (Digital über DAB) verantwortet, hatte am 6. Mai die Idee für das neue Programm auf den Mitteldeutschen Medientagen in Leipzig präsentiert. Demnach sollte unter der Führung des Deutschlandradios gemeinsam mit den ARD-Anstalten ein bundesweites digitales Klassikradio entstehen, das aus den Archiven der Öffentlich-Rechtlichen gespeist werden sollte. Dazu bräuchte das Deutschlandradio die ARD, weil die eigenen Musikarchive dazu nicht ausreichen. Steul könnte damit seine Senderfamilie erweitern.

Der Intendant spekulierte öffentlich, bei der im August anstehenden Vergabe bundesweiter digitaler Radiofrequenzen könnten private Interessenten noch abspringen und damit Sendeplätze frei werden. Bisher sind 3 Kanäle im digitalen Multiplex von DAB Plus für die öffentlich-rechtlichen Programme des Deutschlandradios reserviert. Dagegen entscheiden die Landesmedienanstalten über die Vergabe der verbleibenden 6 Kanäle für private Anbieter. Da bisher alle Versuche mit digitalem Radio in Deutschland mangels Interesse grandios gescheitert sind, ist es durchaus möglich, dass sich private Interessenten noch zurückziehen könnten.

Sonntag, 16. Mai 2010

"Im Angesicht des Verbrechens" ARD Russenmafia-Saga



Der renommierte TV-Regisseur Dominik Graf (Der Fahnder, Tatort, Polizeiruf 110) führt bei der Russenmafia-Saga „Im Angesicht des Verbrechens“ nicht nur Regie, sondern verantwortet gemeinsam mit Rolf Basedow auch die Drehbücher. Zwei Jahre und 10 Millionen Euro hat es bis zur Fertigstellung der ersten zehn Folgen gedauert, die der WDR für das Erste produziert hat. Nach der erstmaligen Ausstrahlung auf Arte, wird die Serie im Ersten ab 22. Oktober Freitags im Hauptprogramm laufen. Dabei merkt man den Filmen die langjährige Routine Grafs beim ARD- Tatort und anderen TV-Krimis an. Er hat eine solide aber eben auch konventionelle Arbeit abgeliefert. Glücklicherweise verzichtete man bei den Darstellern auf "abgefilmte" TV-Gesichter. Deshalb beeindruckt etwa Max Riemelt in der Rolle des Polizisten Marek Gorsky mit jüdisch-russischen Wurzeln. Mutig war auch die Entscheidung, Emotion und Kultur der Protagonisten durch viele russischen Dialoge mit Untertiteln abzubilden. Dieses Wagnis dürfte höchstwahrscheinlich Quote kosten, da deutsche TV-Zuschauer so etwas nicht mögen.

Schwächen beim Drehbuch

Die erzählte Geschichte verliert mit der Zeit leider ihren Realitätsgehalt und den Bezug zu Berlin. Vielmehr beherrschen in den letzten Folgen idyllisches Dorfleben in Weißrussland und "vieeel russisch Seeele" die Geschichte. Die beiden Polizisten wirken zwar glaubhaft, haben aber keinen richtigen Bezug zum polizeilichen Alltag.

Den Autoren scheinen zum Schluss wohl die Lust oder die Ideen abhanden gekommen zu sein. Da wird etwa das korrupte Bullenpärchen, das acht Folgen lang für die Russenmafia gearbeitet hat, plötzlich mit einem familiären Showdown entlarvt und dann durch eine Nebenbemerkung des leitenden Polizeichefs aus der Serie gekickt.

Eine Reise der beiden Polizisten nach Weißrussland, die ein Mädchen aus einem Bordell befreien, strotzt vor mangelnder Logik. So verfolgt der korrupte weißrussische Polizist gemeinsam mit den Zuhältern die Flüchtenden und zerschießt ihr Auto. Später hilft er ihnen dann plötzlich bei der Heimreise nach Deutschland. Folgen hat diese illegale Tour nach Weißrussland aber für die beiden Polizisten bei ihren Vorgesetzten in Berlin nicht. Am Ende knattern dann die Klischees so richtig los: Der scheinbar seriöse russische Restaurant-Chef - in Wirklichkeit ein Krimineller - wird von Konkurrenten erschossen. Daraufhin führt die bisher ehrbare Ehefrau als schwarze Witwe die unlauteren Geschäfte weiter. Pikant, ist doch die neue "Patin" gleichzeitig die große Schwester des jungen Polizisten Gorsky. So bietet das Ende viel Stoff für eine Fortsetzung .

"Im Angesicht des Verbrechens" befriedigt die Sehgewohnheiten der ARD-Krimi-Zuschauer, ist aber langatmig. Die unverbrauchten Gesichter der Darsteller macht die Serie sehenswert, weniger die erzählte Geschichte.

Keine Konkurrenz für den Kriminaldauerdienst

Grafs ARD-Serie könnte zwar Erfolg haben, ist aber bei weitem kein Fernseherlebnis wie der Kriminaldauerdienst KDD“ vom ZDF. Dort hat man die letzten beiden Folgen wegen schlechter Quoten auf den späten Freitagabend verbannt - nur peinlich!. Dabei ist die 2007 gestartete Serie das Beste, was im Deutschen Fernsehen der letzten Jahre zu sehen war und hat den Adolf Grimme-Preis voll verdient. Trotzdem, nach 28 Folgen ist wegen der schlechten Quote unwiderruflich Schluss - und das ist ein Verlust! Diese Serie beeindruckte nicht nur durch ihre atemlos rasante filmische Umsetzung. Die Drehbücher boten permanent überraschende Wendungen für den Zuschauer und forderten die volle Aufmerksamkeit – da war keine Zeit zum Bierholen... Es ist zu befürchten, dass die Verantwortlichen im ZDF kaum noch einmal den Mut zu so einem TV-Projekt haben werden.

Die Spannung der KDD-Folgen waren den Drehbüchern von Orkun Ertener geschuldet. Er war früher bereits Autor für den ARD-Tatort. Seine Geschichten und Dialoge durchbrechen öffentlich-rechtliche Krimi-Klischees von Gut und Böse. Die Polizisten sind auch nur Menschen mit Schwächen und müssen in Extremsituationen schnell - und manchmal falsch - handeln. Den rasanten Dialogen und Geschichten folgt der Zuschauer atemlos. Die Figuren der Serie sind so präsent. dass die teilweise bekannten TV-Gesichter wie Manfred Zapatka, Saskia Vester oder Jördis Triebel - in ihren Rollen trotzdem überzeugen. Der KDD bietet ein ungeschminktes und schamloses Bild der Metropole Berlin – dagegen wirkt die Stadt in "Im Auge des Verbrechens" eher als Kulisse.

Grafs ARD-Serie ist für den Zuschauer ungefährlich, da konventionell und vorhersehbar. KDD erzeugt dagegen Unruhe und Furcht beim Betrachter - das ist kein bequemes "lean-back" Fernsehen. Trotzdem ist "Im Angesicht des Verbrechens" gegenüber den immer langweiligeren ARD-Tatorten ein Lichtblick. Beim WDR-Tatort vom 16. Mai: "Der Fluch der Mumie" hat anscheinend Lady Gaga das Drehbuch geschrieben. Keinerlei Logik - nur noch Effekthascherei, damit die Hauptdarsteller ihren Affen Zucker geben können.

Spätestens bei schlechten Zuschauerzahlen ist aber auch bei der nächsten Staffel von "Im Angesicht des Verbrechens" eine „Degetoisierung“ der Drehbücher zu befürchten - vielleicht mit Christine Neubauer in der Hauptrolle....

Donnerstag, 6. Mai 2010

Medien und Generation Internet



„Ich stamme ja noch aus der Generation Münzfernsprecher“, sagte
Staatsminister Helmut Rau am 3.Mai in Stuttgart zum Auftakt des Medienkongresses: „Was will die Generation Internet wirklich?“ Da hatte er bei den 200 Besuchern zumindest die älteren Lacher auf seiner Seite.

Als
Digitale Natives (DN) werden die jungen Erwachsenen bis Ende 20 bezeichnet, die bereits mit Computer und Internet aufgewachsen sind. In Deutschland verfügen heute 65% aller Haushalte über einen Breitbandanschluss. Wie schnell sich die Nutzung entwickelt illustrierte Jürgen Weber, Manager bei Alcatel Lucent. Vier Wochen nach Einführung des I-Phones in Deutschland sei die Datenmengen im Mobilfunk explosionsartig gestiegen. Deshalb forderte er zwar den verstärkten Netzausbau, die Kosten für die Nutzer dürften aber nicht steigen . Ewald Wesseling, Professor an der privaten SRH-Fachhochschule in Berlin beschrieb die veränderten Nutzungsgewohnheiten bei den Digital Natives. Während Ältere gleichzeitig 1,6 Medien nutzen würden, würden bei Jugendliche 5,4 Medien nebeneinander laufen. Sie würde deshalb jede wichtige Information auf elektronischem Weg erreichen: „Und deshalb brauchen die auch keine Tagesschau um 20 Uhr mehr .“ Wesseling zeichnete dabei eher ein Idealbild der „Net-Generation“. Sie definieren sich selbst als freiheitsliebende und kritische Hinterfrager. Ihnen gehe es um Innovation und Kooperation mit anderen Usern. Wesseling zieht daraus den Schluss: „Fernsehen macht also Schlaue schlauer und Dumme dümmer – Online werden dagegen auch Dumme schlauer.“ . Für ihn sind Digital Natives im Vergleich zu früher die "am meisten befähigte Generation" aller Generationen - und den Online-Journalismus hält er für besser, als die alten Medien.

Alles Online – Alles gut? Da kam dann auf dem Podium doch Skepsis auf, sei es beim
Vorstand des Schulbuchverlages Klett, Philipp Hausmann. Er schilderte seinen Besuch in einem norwegischen Klassenzimmer, dort habe jeder Schüler vor seinem PC mit Blickrichtung auf den Lehrer gesessen. Dies bedeute die Renaissance des klassischen Frontalunterrichts und widerspreche damit allen modernen pädagogischen Ansprüchen. Auch der Thomas Langheinrich, Präsident der Landesmedienanstalt (LfK) in Stuttgart reagierte skeptisch auf Wesselings Bild der der Digital Natives als er fragte, wieso sie dazu bereit seien, gedankenlos auch intime Informationen oder Fotos ins Netz zu stellen.

Wie reagieren die klassischen Medien wie etwa das Radio, auf die Digital Natives? Für
Walter Klingler, Chef der Medienforschung beim Südwestrundfunk (SWR) steht weiterhin fest: Auch heute hören 12- bis 29-Jährigen immer noch Radioprogramme über UKW. Allerdings wächst der Anteil, die Radio Online (20%) oder per Handy (15%) empfangen. Demgegenüber verliert das UKW-Radio an Hörerreichweite (-10%). Eine Ursache sieht Klingler darin, dass Radioprogramme keine individuelle Nutzungsmöglichkeit bieten. Deshalb setzt die SWR-Jugendwelle Das Ding verstärkt auf das Internet und auch auf Videos. auf der Homepage kann man die im Programm gesendete Beiträge individuellen Abrufen. Wie groß das Interesse der Jugendlichen daran ist, darüber wollte Programmchef Wolfgang Gushurst trotz Nachfrage aber nichts sagen...

Ändert sich durch die Digital Natives die Mediennutzung? Für
Professor Uwe Hasebrink vom renommierten Hans-Bredow Institut in Hamburg werden die einzelnen Medien vom Nutzer zunehmend kreativ miteinander verbunden. Trotzdem sind aber die Digital Natives immer noch mit den klassischen Medien vertraut. Er warnte davor, Digital Natives einfach als einheitlich Gruppe zu betrachten, denn dazu seien die Nutzungsmuster viel zu unterschiedlich. Hasebrink findet den Begriff deshalb für Marketing- und Werbemanager interessant, aber nicht unbedingt für die Medienforschung. In diesem Zusammenhang wies er darauf hin, dass sich Mediennutzung und inhaltliche Interessen mit zunehmendem Alter wandeln. An diesem altbekannten Befund hat sich demnach auch durch die digitalen Medien nicht viel geändert. So hänge das Interesse der Digital Natvies von ihrer Entwicklungsstufe ab. Jugendliche in der Schulphase sind an auf ihre Gruppen bezogene Medienangebote interessiert, was ihrer Identitätsbildung dient. Später dann interessieren sie sich verstärkt für Medienangebote zur beruflichen Qualifizierung. Treten sie dann in die Berufs- und Familienphase ein, orientieren sich ihre Interessen zunehmend allgemein und thematisch ungerichtet.

Keine Diskussion gab es beim Medienkongress darüber, wer die digitalen Medienangebote eigentlich bezahlen soll. Dabei hängt der wirtschaftliche Erfolg von der Refinanzierung ab. Die 2000 geplatzte Internetblase an den Börsen war ein Beispiel für falsche Hoffnungen und absurde Visionen. Je mehr die Unternehmen mit ihren digitalen Medienangeboten den Endkunden als Finanzier anvisieren – sei es ein Abonnement oder per Bezahlung der genutzten Datenmengen - desto problematischer dürften die Businessmodelle sein. Ob die werbetreibende Wirtschaft ihrerseits bereit ist, jedes neue digitale Medienangebot durch Spots zu finanzieren werden, erscheint angesichts der Krise ebenso fraglich.

Dienstag, 27. April 2010

Aus der schönen Welt der Call-Center

Mein erster Arbeitstag als Call-Center-Agent. Wir sind zehn neue Kollegen, die meisten sind zwischen 20 und 30 Jahre und ich mit 55 der Oldie im Team. Zuerst werden wir in Rollenspielen für das Verkaufsgespräch fit gemacht. „Sie müssen jeden Einwand des Kunden auf einen Verkauf hin umsteuern“; wird uns eingepaukt. Unser Auftrag: Schulen sollen ein Probheft eines überteuerten Infodienstes zur Ansicht bestellen. Der Trick: Teilen sie nicht innerhalb einer bestimmten Frist mit, dass kein weiteres Interesse am Heft besteht, hängen sie im Abo. Einer von uns schmeißt bereits am ersten Tag das Handtuch, die nächsten beiden gehen zwei Tage später, am Freitag sind wir nur noch Sechs....

Wer den ganzen Text lesen möchte, bitte eine Mail schicken: ressing@gmx.de

Sag zur Mittelwelle leise Servus....

Radio Bremen (RB) verbreitet kein Radioprogramm mehr über die Mittelwelle (MW), dies hat die Rundfunkanstalt am 21.April 2010 bekannt gegeben. Damit nutzen neben dem Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) und dem Hessische Rundfunk (HR) drei der neun ARD-Landesanstalten nicht mehr die Mittelwelle. Bei Radio Bremen begründet man den Ausstieg von Hitradio Bremen Eins (Musikprogramm für über 40-Jährige) aus der Mittelwelle mit zu hohen Kosten. Über UKW ist Bremen Eins mit rund 120 000 Hörern pro durchschnittlicher Werbestunde (montags-freitags 6-18 Uhr) das erfolgreichste Radioprogramm der Hansestadt. Im Gegensatz dazu habe nach Angaben des Senders die Nutzung über die Mittelwelle beständig abgenommen, heißt es in der RB-Pressemitteilung weiter. Durch die Abschaltung der Mittelwelle will man innerhalb von vier Jahren eine sechsstellige Summe einsparen.

Aktuell nutzen die Mittelwelle noch der Deutschlandfunk und das Deutschlandradio Kultur sowie die Deutsche Welle. Von den sechs ARD-Landessendern werden noch neun Programme analog über die Mittelwelle verbreitet:
Bayerischer Rundfunk - Bayern 1 (Oldiewelle) , On 3 Radio (Jungendwelle)
Mitteldeutscher Rundfunk: MDR Info (News-Kanal)
Norddeutscher Rundfunk: NDR Info Spezial
Saarländischer Rundfunk: Antenne Saar (deutsch-französischer Kanal)
Südwestrundfunk: C.Ontra (Informationswelle)

Westdeutscher Rundfunk: WDR 2 (Popwelle), WDR Vera (Verkehrsnachrichten)

Die kommerziellen Privatradios haben kein Interesse an der Mittelwelle, nur der Evangeliumsrundfunk in Wetzlar und RTL-Radio nutzen sie.

Für Hörer im europäischen Ausland war die Mittelwelle immer eine Möglichkeit, deutsche Radiosender auch dort empfangen zu können. Dabei ist die Hörqualität allerdings davon abhängig, ob es Tag oder Nacht ist. Bei Sonneneinstrahlung ist der Empfang in der Regel deutlich schlechter, als nach Sonnenuntergang.

Digitalradio auch über die Mittelwelle

Es gibt noch das digitale Radioprojekt DRM (Digital Radio Mondiale) ein Versuch, digitales Radio über Lang- Mittel- und Kurzwelle zu verbreiten. Allerdings bieten derzeit nur der Deutschlandfunk und das Deutschlandradio Kultur (Digitalradio Wissen), die Deutsche Welle und der Bayerische Rundfunk (5aktuell) Programmangebote in DRM-Technik. Interessanter ist DRM+, das räumlich begrenzt Sendegebiete digital über UKW versorgen kann. Dies ist für regionale- und lokale Radioanbieter interessant, aktuell gibt es ein Testprojekt in Baden-Württemberg mit der Unterstützung der Landesmedienanstalt (LfK) in Stuttgart. Für die Programmveranstalter lohnt sich DRM, denn damit können die teuren technischen Sendekosten gesenkt werden. Zwei Probleme gibt es aber: Erstens sind die Empfangsgeräte teuer und Zweitens ist nicht zu sehen, wo es Bedarf bei den Radiohörern gibt - ein ähnliches Desaster wie beim digitalen Radio (DAB) droht

Montag, 19. April 2010

Erstmals auch Radionutzung von Nicht-EU-Bürgern gemessen

Etwa 79% aller in Deutschland lebenden Einwohner über 10 Jahre hören täglich Radio. Damit schalten 58 Millionen Menschen in Deutschland pro Tag ihr Radio ein. Die aktuellen Zahlen wurden Anfang März in der aktuellen Radio Media Analyse (MA 2010/I) veröffentlicht. Dazu werden zweimal pro Jahr rund 60 000 Haushalte per Telefon über ihre Hörgewohnheiten befragt und so die Hörerzahlen der 54 öffentlich-rechtlichen und etwa 300 privaten Radiosender in Deutschland ermittelt.

Laut Statistischem Bundesamt hat Deutschland rund 82 Millionen Einwohner, davon rund 6,7 Millionen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit (8%). Ein Fünftel von ihnen wurde aber bereits in Deutschland geboren. Dabei sind die bei uns lebenden Ausländer im Durchschnitt deutlich jünger (38,4 Jahre) als die Deutschen (43,7 Jahre).

Bisher hatte man nur die Hörgewohnheiten der Einwohner aus Staaten der Europäischen Union abgefragt. Dabei leben beispielsweise alleine rund 1,7 Millionen Türken, 815.000 Asiaten, 270.000 Afrikaner, 221.000 Kroaten, 190.000 Russen, 154.000 Bosnier und 44.000.Schweizer bei uns. Jetzt hat man sich endlich dazu entschlossen, auch die Hörgewohnheiten der Mitbürger in die MA einzubeziehen, die Staatsbürger eines Landes außerhalb der EU sind. Das betrifft immerhin rund 3,8 Millionen Mitbürger über 10 Jahre - also mehr als die Hälfte aller Ausländer insgesamt .

Für die Hörerzahlen der 354 betroffenen Radiosender sind die Hörgewohnheiten von 3,8 Millionen zusätzlicher Einwohner nicht uninteressant. Vor allem der erzielte Verkaufspreis für die Werbezeiten in den Dudelwellen hängt von hohen Hörerzahlen ab. Von der jetzt erfassten neuen Hörergruppe profitieren vor allem Radiosender in den alten Bundesländern. Von den 3,8 Millionen Einwohnern ohne EU-Pass leben über 90% in West-Berlin und dem Westteil Deutschlands.

Siehe auch Meldung August 2009

Sonntag, 3. Januar 2010

Antenne Meck-Pomm an Regiocast verkauft

Wer bekommt den besten Platz am Radio-Strand...?

Seit dem 1. Januar hält die Radioholding Regiocast GmbH & Co KG die Mehrheit der Anteile am Privatradio Antenne Mecklenburg-Vorpommern (52%). Zweitgrößter Eigentümer ist der Tageszeitungsverlag des Nordkuriers (35%) in Neubrandenburg, den Rest teilen sich fünf Einzelpersonen. Verkauft hat seine Anteile RTL (26,9%), zuvor war das Unternehmen mit dem Versuch gescheitert, seinerseits Mehrheitseigner von Antenne Mecklenburg-Vorpommern zu werden. Dies war aus Kreisen der Landesrundfunkzentrale Mecklenburg-Vorpommern zu erfahren. Am 16. Dezember genehmigte der Landesrundfunkausschuss der LRZ die Übernahme der Antenne durch Regiocast. Bereits im September 2009 hatte Antenne Mecklenburg-Vorpommern sein Programm geändert, da man massiv Hörer verloren hatte (siehe Medienfresser Oktober 2009).

Madsack bestimmt bei Regiocast

Offiziell gehört die 2004 gegründete Regiocast GmbH & Co KG mit Sitz in Berlin diversen Radioveranstaltern und Tageszeitungsverlagen. Aber bereits 2007 benannte die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) in ihrem Konzentrationsbericht (S.135) die Axel-Springer-AG „einschließlich Regiocast“ als eine der bedeutende Veranstaltergruppen im deutschen Privatfunk. Vier Seiten später betont die KEK, die Springer AG sei "über ihre regionalen Zeitungsverlage indirekt an der Radioholding Regiocast beteiligt“ (S. 139). Dahinter stand die Einschätzung, dass die Springer-AG über ihre Beteiligung an privaten Radioveranstaltern und lokalen Tageszeitungsverlagen, auch entscheidenden Einfluss auf Regiocast ausüben konnte.

Im Frühjahr 2009 genehmigte das Bundeskartellamt den Verkauf von Anteilen des Springer-Konzerns an regionalen Tageszeitungen in Norddeutschland an die Madsack-GmbH und Co KG (Aktenzeichen BG-25/09) in Hannover. Damit hat jetzt der Medienkonzern Madsack wohl auch das Sagen bei Regiocast, während Springer nur noch 10 Prozent an der Radioholding hält. Bei Madsack will man zu diesem Thema nicht Stellung nehmen. Eine Anfrage beim zuständigen Vorstandsmitglied Herbert Flecken wird von einer Vorzimmerdame abgebürstet: „Wir haben zu dem Thema nichts zu sagen und wir haben auch wichtigeres zu tun.“

  • Regiocast hält Anteile an privaten Radioveranstaltern in 10 Bundesländern die täglich rund 60 Millionen Hörer erreichen: Mecklenburg-Vorpommern (Antenne), Schleswig-Holstein (Radio Nora, Delta Radio, RSH), Bremen (Energy), Hamburg (Oldie 95), Berlin (Berliner Rundfunk), Thüringen (Landeswelle), Sachsen-Anhalt (Radio SAW), Sachsen (R.SA, Radio PSR), Hessen (Radio Bob) und Baden-Württemberg (Sunshine Live). (Quelle Regiocast Homepage)

  • Madsack GmbH&Co KG eigene Radiobeteiligungen: Schleswig-Holstein (RSH, Nora, Delta Radio), Hamburg (Oldie 95), Mecklenburg-Vorpommern (Antenne), Niedersachsen (FFN, Antenne, Radio 21), Berlin (rs2, Berliner Rundfunk), Sachsen-Anhalt (Radio Brocken, 89,0 RTL, Radio SAW, Rockland), Sachsen (Hitradio RTL, R.SA, Apollo), Thüringen (Antenne, Radio top 40, Landeswelle), Hessen (FFH, Radio Bob, Planet Radio), Rheinland-Pfalz (RPR 1, Big FM, Radio Rockland). (Quelle Madsack-Homepage)
  • Beteiligung an Tageszeitungen: Hannoversche Allgemeine Zeitung, Neue Presse (Hannover), Göttinger Tageblatt, Wolfsburger Allgemeine Zeitung, Lübecker Nachrichten, Kieler Zeitung, Segeberger Zeitung, Nordkurier, Leipziger Volkszeitung, Dresdner Neue Nachrichten, Naumburger Tagblatt, Ostseezeitung (Rostock), Harburger Anzeigen und Nachrichten, Hessen: 3 lokale Tageszeitungen.(Quelle Madsack-Hompage)