Sonntag, 14. September 2014

Erster Weltkrieg - Medienkrieg - Teil VI - 'think tanks'


Politiker und Regierungen lassen sich nicht erst heute von Lobbygruppen und ihren Stiftungen beraten. So bestimmen die "Bertelsmann-Stiftung", oder die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" sowie die regierungsnahe "Stiftung Wissenschaft und Politik" mit ihren Analysen die öffentliche Diskussion. Vorläufer dieser Lobby-Organisationen waren schon im Ersten Weltrieg aktiv, so das "Büro für Sozialpolitik" oder die "Auskunftsstelle vereinigter Verbände". 

Friedrich Ebert, Bundesarchiv 146-1970-096-03
Der Erste Weltkrieg erfasste alle gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Bereiche. Politik und Militär wollten die Öffentliche Meinung steuern. Dies wurde umso wichtiger, da der "Burgfrieden" mit dem SPD-Führer Friedrich Ebert und den Gewerkschaften fragil war. "1915 hielt der Burgfrieden einstweilen, aber die Stimmung in der Bevölkerung veränderte sich mit der Erkenntnis, das der Krieg militärisch stagnierte. Daß ließ die Bevölkerung zu einem umso wichtigeren Objekt der staatlichen Überwachung werden." (1) Aber das militärische System von Befehl und Gehorsam konnte in einem industriellen Krieg kein Ersatz für die Loyalität der Massen sein. Mit jedem Jahr, den der Krieg andauerte, wuchs bei den Eliten die Furcht vor der Revolution. Anfang Januar 1916 bildete sich in der SPD die "Spartakusgruppe", zu der der Reichstagsabgeordnete Karl Liebknecht gehörte, Er war der erste Abgeordnete, der im Dezember 1914 gegen die Kriegskredite stimmte. Am 12. Januar 1916 schloss ihn die SPD gemeinsam mit weiteren 19 Abgeordnete aus ihrer Fraktion aus. Ende März scheiterte die Offensive vor Verdun unter schrecklichen Verlusten, die Versorgungslage der Zivilbevölkerung verschlechterte sich rapide. Die Wut innerhalb der Arbeiterschaft nahm zu, das Vertrauen in die SPD-Frühung dagegen ab und am 1. Mai 1916 demontrierten Tausende in Berlin auf dem Potsdamer Platz gegen den Krieg. Liebknecht rief:
Karl Liebknecht, Bundesarchiv 183-H25212
"Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!" und wurde umgehend verhaftet und später wegen Hochverrat angeklagt. Zum Prozessbeginn zeigten in Berlin rund 50 000 Arbeiter mit einem Streikt ihre Solidarität. Liebknecht wurde Ende August 1916 zu vier Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilt. Die wachsende Radikalisierung innerhalb der Arbeiterschaft förderte die Furcht im bürgerlich-konservativen Lager vor der Revolution. Anfang Dezember 1916 tauchten im Reich Flugblätter auf, die zur Solidarität mit Liebknecht aufriefen. Dies wurde von den Zensurbehörden genau registriert und in Rundschreiben allen Militärbezirken im Reich mitgeteilt:
Vorlage Hauptstaatsarchiv Stuttgart M77/1 Bü 435


"Die Einführung, Verbreitung und Ausfuhr ist (...) verboten, die Beschlagnahme etwa vorgefundener Exemplare und die Fahndung auf Verbreiter angeordnet worden."  

Innerhalb der SPD zeigten sich zunehmend die unberbrückbaren Gegensätze, Friedrich Ebert, verlor an Einfluss. Die Spaltungstendenzen innerhalb der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften waren nicht zu übersehen. Für Regierung und Militärs wurde es immer wichtiger, über die Entwicklung aussagekräftige Informationen zu erhalten. Dabei halfen die Analysen und Berichte unabhängiger Stiftungen und Institute - die Vorläufer heutiger "think-tanks".




Organisation


Ende 1914 erkannten einige politisch Verantwortliche in Berlin, dass nur mit einer zentrale gesteuerten Öffentlichen Meinung der angestrebte 'Siegfrieden' im Land verankert werden könnte. Dieser Erkenntnis standen allerdings die Interessen der Bürokraten und ihrer Strukturen im Reich und den Ländern entgegen. Sie wollten ihre Macht und Einfluss nicht an abgeben. (2)
Erhard Deutelmoser, Bundesarchiv, 183 R04 159
Dabei war diese Notwendigkeit auch einigen Militärs klar, etwa dem Berufsoffizier Erhard Deutelmoser. Bei Kriegsbeginn war er im Geheimdienst der Obersten Heeresleitung (Abteilung III B) für Presse und Zensur zuständig. (3) Ende 1915 übernahm er die Leitung des neuen Kriegspresseamtes innerhalb der OHL. Nachdem Ludendorff dort die Leitung übernommen hatte, musste Deutelmoser gehen. Anfang 1917 wurde er Leiter der Presseabteilung des Auswärtigen Amtes und übernahm ab November 1917 das neu geschaffene Amt des Pressechefs beim Reichskanzler.


Unter Deutelmosers Leitung wurden Pläne für eine Propagandaabteilung ausgearbeitet, die im Reich die Bevölkerung für den Sieg mobilisieren sollte. Gegründet im März 1918 nannte sie sich zuerst: "Zentralstelle für Heimataufklärung (ZfH)", später wurde sie als: "Zentralstelle für den Heimatdienst" bekannt. In der Staatsbibliothek in Berlin kann man die Geschäftsordnung" vom 18. März 1918 online aufrufen. Dort steht: "Die Zentralstelle bearbeitet nach den Weisungen des Pressechefs alle den Aufklärungsdienst in der Heimat betreffende Sachen." (4) Auch private Verbände arbeiteten zu (5), sp der "Bund Deutscher Gelehrter und Künstler", der "Studienausschuß für Auslandsorganisation" sowie die "Auskunftsstelle Vereinigter Verbände" und das "Büro für Sozialpolitik". Während die "Auskunftsstelle" unter Regierungsrat Oskar Poensgen Propaganda für die Kriegspolitik machten, produzierte das "Büro für Sozialpolitik" Analysen über SPD und Gewerkschaften. 

Büro für Sozialpolitik 


Im Jahr 1890 gründeten liberale Industrielle in Frankfurt a.M. das "Institut für Gemeinwohl". (6) Für sie war die 'soziale Frage' das zentrale Zukunftsproblem. Deshalb forderte man im Reich die Einführung einer einheitlichen Sozial- und Armenfürsorge. Mit ihrer Zeitschrift "Soziale Praxis" bot das Institut ein Forum für eine sozialpolitische Debatte. Dazu richtete man 1904 in Berlin das "Büro für Sozialpolitik" ein. Während des Ersten Weltkrieges belieferte es, unter Leitung des Journalisten Ernst Francke, die Regierung und das Militär mit politischen Analysen. Im Dezember 1917 gründete Francke auch den "Volksbund für Freiheit und Vaterland", der sich gegen die ultranationalistischen Forderungen der "Vaterlandspartei" stellte. Der Volksbund trat parteiübergreifend auf und versuchte national gesinnte Teile der Arbeiterbewegung einzubinden. Dabei vertrat man gemäßigtere Kriegsziele und das allgemeine Wahlrecht bei einem Sieg Deutschlands. Allerdings forderte man auch eine Erweiterung des deutschen olonialreichs in Afrika. Eine Demokratie westlichen Stils lehnten viele im Volksbund ab. Deutschland sei dafür nicht geeignet, einige Unterstützer strebten einen 'nationalen Sozialismus' an. Damit konnte man keine Mehrheiten in der Arbeiterbewegung gewinnen.


SPD - Spaltung erscheint unausweichlich


Regelmäßig erhielten die staatlichen und miliärischen Stellen in Berlin Berichte des Büros für Sozialpolitik über die Entwicklungen innerhalb der SPD und der Gewerkschaften. Abschriften erhielten die für Zensur und politische Kontrolle der Länder zuständigen Armeebehörden vom Kriegsministerium in Berlin.
Vorlage Hauptstaatsarchiv Stuttgart M77/1 Bü 435
Eine Kopie des Berichts vom 9.Oktober 1916 liegt heute im Hauptstaatsarchiv in Stuttgart. Er wurde unter "Ge
heim" eingestuft und neben dem Stellvertretenden Generalkommando der württembergischen Armee in Stuttgart auch an das Innenministerium sowie den Generaladjutanten des Königs geschickt. Der Bericht enthält eine Darstellung über die zuspitzende Situation in der Sozialdemokratie. Hauptthema: SPD-Parteikonferenz vom 21. bis 23. September in Berlin. Dort sei "die von Tag zu Tag wachsende Erkenntnis der meisten Teilnehmer von der Unüberbrückbarkeit der sachlichen Gegensätze" deutlich zu Tage getreten. Dabei kam es sogar zu handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern. Laut Bericht war der Ebert-Anhänger und bayerische Landtagsabgeordnete Johannes Timm über den Linken Arthur Stadthagen so erbost: "daß er ihn schüttelte und nur mit Mühe von weiteren Tätlichkeiten zurückgehalten werden konnte."
Hugo Haase, Bundesarchiv, 146-1970-096-05
Der Reichstagsabgeordnete Hugo Haase hielt für die Linke eine Rede, die das Büro für Sozialpolitik als "nicht ungeschickte, aber haßdurchglühte Verteidigung der Minderheit" bewertete. Dagegen stellte der maßgeblich für den 'Burgfrieden' verantwortliche Eduard David seinen Antrag für ein SPD-Friedensmanifest. Der Bericht bewertet ihn:  "In seinem entscheidenden Teil stellt es sich auf den Boden der Vaterlandsverteidigung bis zu einem Frieden, der die territoriale Unversehrtheit, politische Unabhängigkeit und wirtschaftliche Entwicklungsfreiheit des Reiches gewährleistet". Der Versuch Haases, per Geschäftsordnungsantrag diese Abstimmung zu verhindern, scheiterte aber, dafür stimmten nur 169 Teilnehmer, während 276 seinen Antrag ablehnten. 
Vorlage Hauptstaatsarchiv Stuttgart M77/1 Bü 435
Der zur rechten SPD-Mehrheit um Ebert gehörende Abgeordnete David sagte laut Bericht, sein Manifest "hätten nur Leute ablehnen können (...) die sich in diesem Völkerringen innerlich nicht in erster Linie als Sachwalter des deutschen Volkes fühlen." Damit erklärte er die Kriegsgegner innerhalb seiner Partei letztlich zu 'Vaterlandslosen Gesellen'. Die Analyse des Büros für Sozialpolitik wertete auch Artikel aus Parteizeitungen aus. Dort wird ein Münchner Delegierter zitiert, die Linken "seien als Leichen auf dem Kampfplatze geblieben." Laut Bericht des Büros für Sozialpolitik seien damit auf der SPD-Tagung "die Gegensätze (...) mit unerhörter Stärke hervorgetreten." Wäre dies ein regulärer Parteitag gewesen, hätte er unweigerlich "zur Spaltung geführt". Bei der Analyse berücksichtigte man auch die Veröffentlichungen der unterlegenen Linken. So habe Käte Duncker auf einer Versammlung in Steglitz gesagt: "die Grundlagen der Parteieinheit seien zerfressen, eine reinliche Scheidung notwendig." Ähnlich beurteilte auf der Gegenseite Wilhelm Kolb aus Karlsruhe, die Spaltung der Partei sei eine "politisch und geschichtliche Notwendigkeit geworden". Er forderte eine konsequent reformistische Politik der SPD: "ohne grundsätzliche Ablehnung des Budgets und der Heeres- und Kolonialforderungen." Die Autoren der Analyse des Büros für Sozialpolitik beurteilten die Resonanz der Konferenz differenzierter: "Ein großer Teil der Mehrheitspresse preist das Ergebnis der Konferenz als vollen Sieg der Mehrheit, ohne weitere Konsequenzen aus diesem Siege zu fordern. Aber auch ein Teil der Minderheitspresse glaubt gesiegt zu haben, und zwar 'moralisch'. So geht die Verwirrung in der Partei ungeschmälert 
weiter."

Auch die Entwicklung innerhalb der Gewerkschaftsbewegung wurde vom Büro für Sozialpolitik aufmerksam verfolgt. So habe "der angesehendste Führer der freien Gewerkschaften (...) in kleinem Kreise" über die Linken in der SPD gesagt: "Mit Idioten könne man keine Politik machen."
Vorlage Hauptstaatsarchiv Stuttgart M77/1 Bü 435

Dabei kritisierte das Büro in seinem Bericht auch die Reichsregierung. Über die Reaktionen der SPD-Presse zu einer Rede Reichskanzler Bethmann-Hollwegs wird resümiert: "Die Mehrheitspresse wäre mit ihr im wesentlichen einverstanden, wenn sie sich über die Zukunft der inneren Politik deutlicher ausgesprochen hätte. Es ist nicht zu bestreiten, daß die früheren Reden in den sozialdemokratischen Massen große Erwartungen in dieser Hinsicht geweckt haben". Die SPD verlange "jetzt dringend Taten der Neuorientierung, und es machen sich Zweifel bemerkbar, ob der Kanzler die Kraft, ja ob er den unbeugsamen Willen zu solchen Taten habe." Dabei konstatiert das Büro für Sozialpolitik, die Arbeiterschaft habe "nicht ohne Genugtuung beobachtet", wie der Kanzler auch von rechter Seite unter Druck gesetzt worden sei. 

Die Sozialdemokraten wurden auch gelobt - etwa wenn sie Treue zur Monarchie bekundeten: "Ungewöhnlich beachtenswert sind die Ausführungen des Stuttgarter Sozialdemokratischen Blattes zum Regierungsjubiläum König Wilhlems II" (König von Württemberg). Demnach sahen die Redakteure der SPD-Postille in Stuttgart auch keinen
Vorlage Hauptstaatsarchiv Stuttgart M77/1 Bü 435

Unterschied zwischen Monarchie und Demokratie. Genüsslich zitiert das Büro für Sozialpolitik einen Artikel: "Nehmen wir alles in allem, so will uns scheinen, daß unter den gegebenen Verhältnissen garnichts geändert würde, wenn morgen in Württemberg an die Stelle der Monarchie die Republik treten würde." Beruhigt konnte das Büro für Sozialpolitik mitteilen: "Diese Äußerung des führenden württembergischen Arbeiterblattes gibt die innere Haltung offenherzig wieder, die in Deutschland ziemlich die ganze sozialdemokratische Arbeiterschaft der Monarchie gegenüber hat." 



Starben rechte Sozialdemokraten an der Front den 'Heldentod' vermeldete das Büro dies unter der Überschrift: "Verluste der Mehrheit"Zeichneten sich Sozialdemokraten oder Gewerkschaftern an der Front aus, so wurde dies ebenso für berichtenswert erachtet...: 

Vorlage Hauptstaatsarchiv Stuttgart M77/1 Bü 435



(1) Jörn Leonhard, Die Büchse der Pandora, Beck 2014, S. 383
(2) Rezensionsjournal für die Geschichtswissenschaften: http://www.sehepunkte.de/2006/11/10070.html
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Erhard_Deutelmoser
(4) http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN71981930X 
(5) http://digital.staatsbibliothek-berlin.de/werkansicht/?PPN=PPN71981930X&PHYSID=PHYS_0007&USE=800
(6) https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f%C3%BCr_Gemeinwohl

 


Mittwoch, 27. August 2014

Le Cateau 1914: Der Krieg kommt zu meiner Großmutter


Am 26. August 1914 kam es rund um das nordfranzösische Städtchen Le Cateau zu erbitterten Kämpfen zwischen britischen und deutschen Einheiten. Etwa 25 000 Soldaten fielen, wurden verwundet oder vermisst. Meine Großmutter war damals ein 14-jähriges Mädchen und lebte im kleinen Dorf St. Benin, nur wenige Kilometer von Le Cateau entfernt. Sie erlebte diesen schrecklichen Tag in ihrem Dorf. 

mehr unter: www.1913familienalbum.blogspot.de

Montag, 25. August 2014

Erster Weltkrieg – Medienkrieg Teil V - ‚Neue Medien’



Die rasante technische Entwicklung im 19. Jahrhundert veränderte auch die Kriegsführung. So war der Amerikanischer Bürgerkrieg (1861-1865) ein Konflikt zwischen den industrialisierten Nord- und agrarischen Südstaaten. Die Fronten erstreckten sich über tausende von Meilen und die Befehlsketten waren lang und zeitraubend. Nur durch das ausgedehnte Eisenbahnnetz und den Einsatz des Telegraphen war die Leitung umfassender Operationen möglich. Zwar hatte es schon zu Napoleons Zeiten Methoden zur optischen Nachrichtenübermittlung gegeben, aber erst neue Kommunikationstechnologien revolutionierten im Ersten Weltkrieg die Kriegsführung. Die Epoche des Feldherrnhügels war endgültg Vergangenheit.  

Funk

 

Zwar benutzten alle Armeen im Ersten Weltkrieg immer noch klassische Mittel zur Übermittlung von Nachrichten: Brieftauben, Hunde, Meldegänger oder Leuchtraketen. Der Stellungskrieg änderte dies aber, das Feldtelefon wurde entscheidend: "1917 soll das deutsche Feld-Fernsprechnetz eine Ausdehnung von 920 000 Kilometern besessen haben." (1) Die Sprachübertragung per Funk steckte im Reich noch in den militärischen Kinderschuhen.  
Telefonzentrale, Bundesarchiv, Bild 146-1987-079-03
Zur Aufklärung eingesetzte Flugzeuge, Fesselballons und Luftschiffe wurden mit Kameras, und Morse-Funkanlagen ausgestattet. (2) Sie machten die Kavallerie als klassisches Mittel militärischer Aufklärung überflüssig. Kolonialreiche und auf den Weltmeeren operierende Kriegsschiffe waren nur per Funk zu dirigieren. Rückblickend betonte der Rundfunkpionier Hans Bredow, ein so verstreutes Weltreich wie Wilhelms Kaiserreich sei „auf die Dauer nur durch ein schnelles Nachrichtennetz möglich“ gewesen. (3)

Bereits 1899 gründete die Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft (AEG) eine eigene Funkabteilung, gefördert durch Aufträge der kaiserlichen Marine. Auf Druck der Militärs beschlossen AEG und Siemens die Gründung der gemeinsamen Telefunken AG. Damit wollte man den technischen Vorsprung anglo-amerikanischer Unternehmen, wie der Marconi Company aufholen. Ihr war es 1902 gelungen, erstmals eine Funkverbindung zwischen den USA und Großbritannien herzustellen. Fünf Jahre später nahm dann Telefunken ihren internationalen Funkbetrieb für die Seeschifffahrt auf. 

„Industrie und Militär waren bereits im Ersten Weltkrieg im Bereich der Funkentwicklung eine enge Verbindung eingegangen“ schreibt Bredow. (4) Nach Kriegsbeginn übernahmen im Sommer 1914 die Militärs die privaten Funkstellen. Bei der Telefunken waren das mehr als 500 in- und ausländische Seefunkstationen sowie etwa 300 Sendeanlagen für die Verbreitung über Land. Die deutschen Kolonien hatten Funkstationen, über die die Kriegsschiffe ihre Befehle aus Berlin erhielten. Deshalb bemühte sich die Entente umgehend, die deutschen Kolonien in Afrika und im Pazifik zu erobern. Neben der Nachrichtenübermittlung per Funk mittels Morsezeichen, hatte man in Deutschland bereits vor dem Krieg Versuche mit Sprachübertragung gemacht. 

Funkwagen, Bundesarchiv, Bild 146-1987-019-27


Die für den Empfang nötigen Radioröhren standen aber erst im zweiten Kriegsjahr zur Verfügung. Auf Seiten der Entente konnten ab 1917 die britischen Bataillone auch per Sprechfunk Befehle erhalten, was ihre Aktionsfähigkeit erhöhte. (5)

Neben militärischen Gründen verfolgte Regierung und Militärs mit dem Funk auch propagandistische Absichten. Sofort nach Kriegsbeginn hatte die britische Marine die deutschen Interkontinental-Kabel nach Amerika gekappt. 


Man konnte nur noch über Radiosender wie Nauen, Eilvese und Norddeich etwa die neutralen USA erreichen. Dies nutzte das Auswärtigen Amt für seinen Pressedienst und auch „Wolff´s Telegraphenbureau“ vesendete per Funk seinen "drahtlosen Kriegsnachrichtendienst“. (6) 

In der „Hauptfunkstelle Königswusterhausen“ bei Berlin experimentierte während des Krieges Hans Bredow mit Radiosendungen. So wurde täglich der Heeresbericht der OHL an die Frontfunkstellen gesendet, es gab 1917 dann versuchweise Musikprogramme und Lesungen. (7) Privatleute konnten die Sendungen nicht hören, es gab noch keine geeigneten Empfangsgeräte auf dem Markt. Um auch die Heimat mit ‚Hörerlebnissen’ vom Krieg zu versorgen, produzierten Plattenfirmen ab August 1914 'Hörspiele', so über die Eroberung der belgischen Stadt Lüttich. (8)  

Wie rasant die Entwicklung der militärischen Funktechnik verlief zeigt das Wachstum des dafür zuständigen Truppenteils: Im August 1914 gehörten etwa 26 000 Soldaten und Offiziere der „Telegraphentruppe“ an. 

Bundesarchiv, Bild 156-1970-009-59
Bei Kriegsende waren mehr als 190 000 Mann bei der „Nachrichtentruppe“. (9) Ihre Aufgabe bestand dabei auch in der Überwachung des feindlichen Funkverkehrs. Darauf basierte etwa der deutsche Sieg Ende August 1914 bei Tannenberg. DIe russichen Funker sendeten mangels ausreichender Ausbildung ihre Funksprüche unverschlüsselt. Überall versuchten Militärs feindliche Telefonleitungen anzuzapfen oder deren Artilleriestellungen über Richtmikrofone zu orten. 





 

 

Fotografie

 

Die Mitte des 19. Jahrhunderts erfundene Fotografie, hatte sich bis 1914 zu einem Massenphänomen entwickelt. Zwar waren bei Kriegsbeginn viele Fotoapparate unförmige große Kästen, die  bis zu 15 Kilo wogen und damit an der Front im Schützengraben kaum eingesetzt werden konnten. Außerdem waren die Belichtungszeiten von mindestens einer Sekunde für die Aufnahme schneller Bewegungen zu lang. Allerdings besaßen damals schon viele Privatleute kleine Fotoapparate, mit dem Kriegsbeginn stiegen die Verkaufszahlen sprunghaft an. (9a) Viele Soldaten nahmen sie 1914 mit an die Front. (10) In den USA gab es seit 1888 die ersten Rollfilm-Kameras von Kodak, in Deutschland hatte die AGFA um die Jahrhundertwende mit der Produktion von Rollfilmen begonnen. (10 a) Viele der kleinen Fotoapparate benutzten aber noch kleine Belichtungsplatten. Dieses teure Hobby konnten sich aber nur Wohlhabende leisten – also hauptsächlich Offiziere. Aus diesem Grund zeigen viele Aufnahmen das Leben in der Etappe. So sieht man auf einigen Fotos im französischen Hinterland den Meldegänger Adolf Hitler gemeinsam mit Kameraden. (11) Auch gelangen historisch wertvolle Aufnahmen, wie etwa Weihnachten 1914 von der britisch-deutschen Verbrüderung im Niemandsland zwischen den Schützengräben. Einige dieser Fotos erschienen später sogar in britischen Zeitungen, auch deutsche Blätter berichteten darüber - bis die Zensur einschritt. (12) Im Jahr 1915 machte ein im osmanischen Reich eingesetzter deutscher Sanitätssoldat Aufnahmen von den Todesmärschen armenischer Frauen und Kinder, die zur Vernichtung in die syrische Wüste getrieben wurden. Sie waren im Kaiserreich tabu und wurden erst nach Kriegsende bekannt.  

In der Obersten Heeresleitung erkannte man frühzeitig, wie wichtig professionelle Fotografen für die Propaganda waren. Oberst Walter Nicolai, Chef des Geheimdienstes schrieb nach dem Krieg: „Die Heimat wollte (...) vom Leben und Erleben der Truppe im Felde wissen. Dies zu schildern war Aufgabe der Kriegsberichterstatter.“ (13) Zwar produzierten immer noch Kriegsmaler ihre Heldenbilder, aber „der Umfang der Schlachthandlung schloß (...) eine Darstellung ganzer Schlachten durch das Bild aus und beschränkte sich auf die Wiedergabe einzelner Szenen.“ Deshalb ließ Nicolai an der Ost- und Westfront „Kriegsberichterstatter-Quartiere“ einrichten. Auf deutscher Seite arbeiteten während des Krieges etwa 40 Frontfotografen. (14) Dabei unterlag das militärische Bildmaterial der Vorzensur, die durch die „Leitsätze für die Bildzensur“ geregelt wurden. Der Stuttgarter Fotograf Hans Hildenband war der einzige, der auf deutscher Seite in Farbe fotografierte. Er nutzte dazu dass, von den französischen Brüdern Lumière vor dem Krieg erfundene Verfahren mit autochromen Fotoplatten. (14 a)

Die Geschichte der Fotografie und des Films im Ersten Weltkrieg ist auch und gerade eine Geschichte der Fälschung und der Manipulation. Fachleute gehen heute davon aus, dass fast alle der angeblich authentischen Frontaufnahmen gestellt wurden. (15) 

Reproduktion von Mikroform. Original: Württembergische Landesbibliothek, Signatur: I 55
Für die Tageszeitungen bestand ein anderes Problem. Aufgrund der schlechten Papier- und Druckqualität konnten sie nicht mit Fotos arbeiten  Dies war nur den technisch besser ausgestatteten Wochenzeitungen und Illustrierten möglich. Zu Kriegsbeginn erschienen im Deutschen Reich zwanzig Illustrierte und zwölf illustrierte Beilagen von Tageszeitungen. (15a) Deshalb bestanden die Tageszeitungen zumeist aus Bleiwüsten’ und man behalf sich mit Zeichnungen.


Während des Krieges wurden erste Versuche mit Farbfotografie gemacht, allerdings benötigten sie lange Belichtungszeiten und die Objekte durften sich nicht bewegen. Momentaufnahmen vom Kriegsgeschehen waren somit nicht möglich, sie geben aber heute dem Ersten Weltkrieg wieder die Dimension Farbe zurück. Vor allem auf Seiten der Entente experimentierte man damit (16), aber auch deutsche Fotografen machten erste Versuche. (17)

Film


Die Erfindung, bewegte Bilder auf Rollfilm zu bannen, revolutionierte zur Jahrhundertwende das Sehen. Überall entstanden Kinos und es gibt die Geschichte von dem Kinopublikum, das panisch den Saal verließ, als ein Zug auf der Leinwand auf sie zuraste. Die suggestiven Möglichkeiten des neuen Mediums waren damals durchaus bekannt. In den Kinos liefen Wochenschauen, Propagandastreifen und Trickfilme, die zum Kauf von Kriegsanleihen aufriefen. Vor dem Krieg gingen wöchentlich etwa 1,5 Millionen Besucher in die rund 7500 Kinos im Deutschen Reich. Der Marktanteil deutscher Filme in den Spielstätten hatte vor dem Krieg bei weniger als einem Drittel gelegen, den Löwenanteil machten französische Produktionen aus. „Nach Ausbruch des Krieges wurden alle ausländischen (auch die amerikanischen) Filme verboten und das Kriegsministerium erlaubte nur patriotische und moralisch aufbauende Streifen.“ (18) Bereits zu Kriegsbeginn gab es erste Wochenschauen in den Kinos zu sehen: http://www.filmothek.bundesarchiv.de/search?q=&x=1&xf[]=Keywords&xo[]=EQUALS&xv[]=Erster+Weltkrieg Das Einfuhrverbot betraf zuerst Filme aus den Entente-Staaten, ab 1916 wurden alle ausländischen Filme in Deutschland verboten. (19) In den ersten Kriegsmonaten kam eine Flut ‚patriotischer’ Filme in die Lichtspielhäuser: „Auf dem Feld der Ehre“ oder „Wie Max das Eiserne Kreuz erwarb“. Bald sank aber das Publikumsinteresse, man wollte Ablenkung und die private Filmindustrie verlegte sich auf Unterhaltungsfilme. Es ging schließlich auch darum, mit Film an der Kinokasse weiterhin gutes Geld zu verdienen, was Nicolai noch nach dem Krieg ärgerte: “Störend waren die oft vorwiegend geschäftlichen Interessen.“ (20) 

Nachdem Hindenburg und Ludendorff im Sommer 1916 mit der dritten Obersten Heeresleitung (OHL) die Macht im Reich übernommen hatten, versuchte man die Filmproduktion zu zentralisieren. Im November 1916 gründete die Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amtes die „Militärische Film- und Fotostelle“. (21) Ende Januar 1917 vereinigte man dann im Bild- und Filmamt (Bufa) alle militärischen Film- und Presseabteilungen. Ihm unterstanden die Filmpropaganda, die Zensur sowie der nationale und internationale Filmvertrieb

Frontkino, Bundesarchiv, Bild 183-S35293

Von hier aus wurden die 900 Soldatenkinos versorgt und die BUFA ließ von eigenen Kamerateams Propagandafilme drehen und Kopien für die Kinos in einer eigenen Kopieranstalt herstellen.

Anfang Juli 1917 schrieb Ludendorff einen Brief an das Berliner Kriegsministerium, verfasst vom BUFA-Chef, Major Alexander Grau und dem Chef der Militärabteilung des Auswärtigen Amtes, Oberstleutnant Hans von Haeften. Darin wiesen sie auf die „überragende Macht des Bildes und des Films als Aufklärungs- und Beeinflussungsmittel“ hin. Der Feind habe hier bereits einen deutlichen Vorsprung erreicht, lautet ihre Warnung. Das bezog sich auch auf den internationalen Publikumserfolg des im Sommer 1916 gedrehten britischen Dokumentarfilms über die Somme-Offensive. Erst 1917 'antwortete' die deutsche Propaganda mit: „Bei unseren Helden an der Somme“. Beide Filme zeigen Beispiele der Manipultion und einige Aufnahmen tauchen heute noch als vermeintlich dokumentarisch in Fernsehsehndungen auf. Eine der bekanntesten Filmszenen zeigt etwa britische Soldaten, die aus einem Schützengraben zum Angriff steigen. Zwei Soldaten rutschen, anscheinend getroffen zurück, die anderen verschwinden im Nebel. Sehr beeindruckend - aber gestellt! 
Propagandabild, Bundesarchiv, Bild 104-0379

Im Brief an das Kriegsministerium verliehen Ludendorff uns seine Untergebenen dem Medium entscheidenden Einfluss: „Für die fernere Kriegsdauer wird der Film seine gewaltige Bedeutung als politisches wie militärisches Beeinflussungsmittel nicht verlieren.“ (22) Dabei hatte man vor allem die Arbeiter und 'kleinen Leute' im Visier: „Sie galt es von den Beschwernissen des Kriegsalltags abzulenken und zugleich zur weiteren Unterstützung des Krieges zu mobilisieren." (23) So wurden immer mehr Unterhaltungsfilme mit bekannten Leinwandstars gedreht, wie Henny Porten, Asta Nielsen, Paul Wegener und Ernst Lubitsch
Kino im besetzten Charleville, Bundesarchiv, N 1275 Bild 330

Bei Kriegsbeginn gab es im Reich eine Reihe unabhängiger Filmgesellschaften. Im April 1916 gründete sich die Deutsche Lichtbild Gesellschaft e. V. (DLG). Dahinter standen Teile der rheinischen Schwerindustrie, repräsentiert durch den Krupp-Manager Alfred Hugenberg. Die DLG wollte international für „Deutschlands Kultur, Wirtschaft und Fremdenverkehr“ werben. Intern sprach man aber imperailistischen Klartext, so Ludwig Klitzsch, später Geschäftsführer der DLG: „Es muß für uns gelten (...) die Waffen zu schmieden, die uns die Benutzung eines Platzes an der Sonne und Besitzergreifung von Neuland gestatten.“ (24) Die DLG hatte allerdings in Ludendorff einen mächtigen Gegner, er wollte dei verstaatlichte Filmindustrie. Die OHL reagierte verärgert auf die DLG-Gründung einer Balkan-Orient-Film-GmbH mit Büros in Sofia und Istanbul. 

Auch die Deutsche Bank und die mit ihr verbundenen Unternehmen beobachteten die Aktivitäten der DLG mit Misstrauen. Am 18.Dezember1917 wurde im Gebäude des Generalstabs in Berlin die Universum Film AG (UFA) gegründet. Die Deutsche Bank hielt dabei für das Reich Anteile und so wahrte die UFA den Schein eines nichtstaatlichen Unternehmens. Neben der Deutschen Bank beteiligten sich die AEG, die Reedereien Norddeutscher Lloyd und HAPAG sowie Robert Bosch und Henkel von Donnersmarck an den 25 Millionen Mark Gründungskapital. Insgeheim kamen davon 8 Millionen Goldmark vom Staat. Damit konnte sich die UFA zügig ihrer Konkkurrenten entledigen, indem sie sie aufkaufte (Nordisk-Film, Messter-Film, Maxim-, Gloria-, Meinert- und Oliver-Film). Ganz so einfach ließ sich die UFA aber durch die Militärs nicht steuern. Im letzten Kriegsjahr verlegte sich das Unternehmen immer mehr auf Unterhaltungsfilme, während weniger Propagandastreifen gedreht wurden. Ludendorff soll getobt haben, als ihm diese Pläne bekannt wurden. 

Bei der DLG kämpfte man weiter um die Autonomie, doch im Frühjahr 1918 übernahm die UFA den Vertrieb aller DLG-Filme. Für den internationalen Verleih wurde die gemeinsame Auslandsfilm GmbH gegründet. Faktisch entstand damit das angestrebte staatliche Filmmonopol, Die UFA rettete sich vom Kaiserreich in die Weimarer Republik. Als sie 1927 vor dem Bankrott stand - die Kosten für Fritz Langs "Metropolis" hatten sie ruiniert, witterte Hugenberg seine Chance zur Genugtuung. Er übernahm die UFA und gliederte sie seinem Medienkonzern ein. Lange konnte sich der Hitler-Förderer aber nicht freuen, kaum war dieser an der Macht, musste Hugenberg sein Medienimperium an Joseph Goebbels übergeben. 

Fernsehfilme zum Thema Propaganda im Ersten Weltkrieg:

www.youtube.com/watch?v=EBa2urYavi4  Französische Produktion ARTE
  www.youtube.com/watch?v=KyMb6etT5E8 ORF-Film in 3sat 

(1) Gewalt und Präzision, Technik und Wissenschaft im Krieg, Stefan Kaufmann - Neue Züricher Zeitung, 28.6.2014
(2) Jörn Leonhard, Die Büchse der Pandora, Beck Verlag 2014, S. 582
(3) Knut Hickethier, Geschichte des Deutschen Fernsehens, Metzler-Verlag, 1998, S. 16 ff
(4) ebenda
(6) Rundfunk in Deutschland, Band I, dtv, 1980, S. 34 f
(7) Peter Dahl: Radio – Sozialgeschichte des Rundfunks, rororo, 1983, S. 13 sowie Dahl: Arbeitersender und Volksempfänger, Syndikat, 1978, S. 14
(8) „Fastnacht der Hölle – der Erste Weltkrieg und die Sinne“ Ausstellung Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart
(9) Siehe Anmerkung 6
(9a) Ernst Pieper, Nacht über Europa, Propyläen, 2013, Seite 209 ff
(10) Die Zeit, Sonderheft Geschichte Erster Weltkrieg, „Bilder als Waffe“, 2014,  S. 63 ff.
(10 a) Siehe Anmerkung 9 a
(11) Thomas Weber, Hitlers erster Krieg, List, 2012, 
(12) Michael Jürgs, Der kleine Frieden im großen Krieg, Goldmann 2005
(13) Walter Nicolai: „Nachrichtenwesen und Aufklärung“ in: „Der Weltkampf um Ehre und Recht“, Hrsg. Generalleutnant Max Schwarte, 1921
(14) siehe Anmerkung 10
(14 a) Stuttgarter Zeitung, 11. Dezember 2014: "Der Weltenbrand in Farbe"
(15) siehe Anmerkung 10
(15a) Pieper, a.a.O. S. 210
(16) Aufnahmen siehe Hew Strachan, Der Erste Weltkrieg, C. Bertelsmann, 2003
(17) Siehe Anmerkung 8
(18) David Stevenson, Der Erste Weltkrieg, 2006 Artemis Verlag, S. 335
(19) http://www.luise-berlin.de/bms/bmstxt00/0004prok.htm, Luisenstädtischer Bildungsverein e.V. Berlin; 1991; Kurt Laser: Zentrum der Filmpropaganda
(20) siehe Anmerkung 13
(21) https://de.wikipedia.org/wiki/Bild-_und_Filmamt
(23) Oliver Janz, Der große Krieg, Campus, 2013, S. 229
(24) siehe Anmerkung 19

Sonntag, 17. August 2014

"Downton Abbey" - "Parade´s End" - Daily Soap gegen TV-Ereignis



Kürzlich vermeldete ein Online-Mediendienst, das ZDF werde die dritte Staffel von "Downton Abbey" während der Weihnachtszeit nur am Nachmittag ausstrahlen. Die Serie über eine britische Adelsfamilie und ihre Bediensteten zu Beginn des 20. Jahrhunderts soll dann nur Sonnabends um 13.35 Uhr laufen. Der Grund für diese Entscheidung habe an der schwachen Zuschauerresonanz der ersten beiden Staffeln gelegen, die Abends ausgestrahlt wurden. 

Die erste Staffel von "Downton Abbey" wurde 2010 für den britischen Privatsender ITV produziert und man merkt das der Serie leider auch an. An der Ausstattung wurde nicht gespart und die Schauspieler mühen sich, ihren blassen Figuren eigene Persönlichkeit zu geben. Die Qualität der Drehbücher kommt jedoch über eine genormten Soap-Opera nicht hinaus. Jede der knapp einstündigen Folgen versucht mit kurzen Spannungsbögen, mehreren Erzählsträngen und genormter Charaktere die Zuschauer zu halten. Mit dieser Methode arbeiten alle TV-Serien und das hat aus "Downton Abbey" nicht das erhoffte Fernsehereignis gemacht. Die Drehbücher wirken, wie mit der 'heißen Nadel' gestrickt. Beispiel: Kaum ist die Braut des gelähmt von der Front heimgekehrten Helden an der spanischen Grippe gestorben, kann er bald wieder laufen. Eben noch vom Verlust am Boden zerstört, wendet er sich bald wieder seiner alten Liebe zu. Die britische Geschichte zwischen 1912 und 1920 liefert nur die Kulisse für das altbekannte Soap-Genre. Differenzierte Figuren und abgründige Persönlichkeiten sucht man vergebens - Gute sind Gut und alle irgendwie tolerant. Sogar Maggie Smith bleibt mit ihrer Rolle als verschrobene Anhängerin des alten Adels letzlich immer liebenswert. Vielleicht sind diese Mängel eine Grund dafür, dass die Serie bei den Zuschauern nicht so besonders ankam. 

Allerdings muss ich zugeben, mit "Downton Abbey" ist es wie mit Fast-Food, man wird zwar nicht gut ernährt - fühlt sich aber für kurze Zeit gesättigt. Die Serie ist kurzweilig, berührt aber nicht...


"Upstairs-Downstairs" - "Das Haus am Eaton Place"


Die Macher von "Downton Abbey" haben sich ziemlich schamlos bei einem berühmten Vorgänger bedient, der Mitte der 1970er Jahre von der BBC produzierten Serie "Upstairs-Downstairs" ("Das Haus am Eaton Place"). Das ZDF zeigte 52 der 68 Folgen über das Leben der Adeligen und ihrer Bediensteten im Londoner Nobelviertel zwischen 1903-1930. Die Ehefrau des Hauptdarstellers geht mit der 'Titanic' unter und die Frau seines Sohnes stirbt an der spanischen Grippe. Bei "Downton Abbey" geht der Erbe des Adelsstitels in der ersten Folge auch mit diesem Schiff unter und die Braut des Kriegshelden stirbt an der Grippe. Die BBC-Serie nahm sich viel Zeit für Milieusschilderung und die brillianten Dialoge bieten Einblicke in die Denkvorstellungen dieser Epoche. Der in Ritualen und Stilfragen erstarrte britischen Adel hatte sein Gegenstück in den durch ihre Etikette verkrampften Dienstboten im Keller. "Das Haus am Eaton-Place" war bester Unterricht in Sozialgeschichte, daran haben die Macher von "Downton Abbey" aber kein Interesse.


"Parade´s end" - "Der letzte Gentleman"

Vielleicht könnte man heute mit der langatmigen Erzählweise des "Eaton Place" keinen Zuschauer mehr hinter dem PC hervorlocken - wirkt schon manchmal etwas betulich und statisch. Die BBC präsentierte aber 2012 in Koproduktion mit dem US-Abokanal HBO (Home Box Office), wie man das Thema modern inszenieren kann. "Parade´s End" lief bei BBC One und wurde letztes Jahr auf ARTE gezeigt. Die sechsteilige Miniserie hat Tom Stoppard geschrieben, er war für das Drehbuch von "Shakespeare in love" verantwortlich. Benedict Cumberbatch gelingt die grandiose Verkörperung des zwischen Dünkel und Trauer über den Niedergang der britischen Oberschicht lavierenden Christopher Tietjens. Er lässt sich von einer Lebedame ein Kind anhängen, verstößt sich zwar nicht, straft sie aber durch seinen Dünkel des britischen Gentleman. Er nervt sie darüber hinaus unendlich mit seinen Marotten - Wer will schon mit einem Mann frühstücken, der dabei die 'Encyclopaedia Britannica' auf Fehler durchsucht? Die Serie ist bei aller Ernsthaftigkeit voll schräger Enfälle und Gags und erinnert manchmal an Monty Python.

Nicht nur die vielschichtigen Charaktere und die geschliffenen Dialoge überzeugen. Die bizarren Persönlichkeiten berühren durch ihre gleichzeitige Einsamkeit. Die anspruchsvolle Regie, sowie Kamera und Schnitt geben der sechsteiligen Mini-Serie Spannung und Eleganz. Und sogar das Happy-End gelingt Stoppard auf eine ganz besondere Art. Er lässt den Helden nicht etwa desillusioniert im Schützengraben den Tod suchen. Christopher kehrt geläutert zurück und weiß jetzt, wie anachronistisch die Rituale seiner Klasse sind. Symbolisch verbrennt er das Holz des Baums, der Jahrhunderte lang vor dem Familienbesitz stand, im Kamin seiner Londoner Wohnung. Er beginnt ein neues Leben mit seiner wahren Liebe. Und seine Ex-Frau? Beim Ausritt mit dem einstigen Vorgesetzen und Onkel ihres Mannes fragt sie: "Wenn ich mich von Christopher scheiden lasse - Heiraten sie mich?" Der alte Mann fällt fast vom Pferd...shocking! 

Leider gilt für alle drei Serien: Deutsche Produktionen dieser Qualität gab und gibt es bei uns nicht - weder bei ARD und ZDF und schon gar nicht bei den Kommerzsendern.

Einspruch! "Rote Erde" , "Die Unverbesserlichen", "Theodor Chindler"  "Tadellöser und Wolff", "Die Bertinis" und: "Heimat" - Aber leider alles so lange her...  

 

Mittwoch, 13. August 2014

"A hard days night" - Danke Bayerischer Rundfunk!


Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen: Ich lobe den Bayerischen Rundfunk für sein Programm! Am 12. August strahlte das "Bayerische Fernsehen" um 22 Uhr den Beatles-Film: "A hard days night" aus. Diese 1964 in schwarz-weiß gedrehte Produktion des Regisseurs Richard Lester hat auch ein halbes Jahrhundert nach der Premiere nichts an Dynamik, Witz und Schwung verloren. Anno 1964 - dem Gründungsjahr des BR-Dritten hätten sich die Verantwortlichen allerdings eher entleibt und wären in die Isar gegangen, als so etwas 'Kulturoses' zu senden - So ändern sich die Zeiten....

Lesters Film begleitet die Beatles - vermeintlich dokumentarisch - auf einer Tournee. Neben ungestellten Aufnahmen der kreischenden Fans, gibt es viel Platz für skurrile Gags und Situationskomik. Der Film brilliert heute noch mit seiner Geschwindigkeit, rasanten Schnitten und Montagen sowie überraschenden Perspektiven. Niemals ist es einem deutschen Regisseur nach 1945 gelungen, eine ähnlichen Film bei uns auf eine Leinwand zu bringen. Und musikalisch reichte das 'Spektrum' in der Adenauer-Ära nur von Goebbels Alt-Ufa-Stars wie Marika Rökk über Schnulzensänger wie Freddy Quinn und Ronny bis zum Rock and Roll-Imitator Peter Kraus....

In "A hard days night" ließ Lester viel Platz für schräge Einfälle: In der Fernsehkantine warten die Beatles auf ihren Auftritt, neben ihnen sitzt ein Komparse in der Uniform der Nazi-Wehrmacht, den Arm in einer Schlinge voller Kunstblut. Er nimmt die Ketchup-Flasche, um sein Essen zu würzen, stutzt, schaut auf seinen Verband und kippt dann Tomatensauce darauf - einfach Genial! Man fühlt sich an Monty-Python erinnert - aber diese Truppe gründete sich erst 1969.

Und was bedeutet der Film für mich? Weiter www.1913familienalbum.blogspot.de


Mittwoch, 30. Juli 2014

Erster Weltkrieg - Medienkrieg Teil IV - Totaler Krieg




Im September 1914 war der Schlieffen-Plan gescheitert und die Westfront erstarrte im Stellungskrieg. Politiker und Militärs im Reich versuchten mit Durchhalte-Parolen der wachsenden Sehnsucht nach Frieden entgegenzuwirken. Auch die im Frühjahr 1916 gestartete Offensive bei Verdun war ein Mißerfolg. Ende August musste Erich von Falkenhayn den Posten des Generalstabschefs räumen. (1) Nachfolger wurden Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg mit Generalquartiermeister Erich Ludendorff als Stellvertreter (2).

Hindenburg-Ludendorff Bundesarchiv Bild 146-1993-132-12A

Die so geschaffene Dritte Oberste Heeresleitung (OHL) führte zu einer Militärdiktatur mit Ludendorff als treibender Kraft. Kurz zuvor hatte Oberst Freiherr Marschall, stellvertretender Chef des Militärkabinetts gewarnt, Ludendorff „werde (...) bei seiner Charakteranlage den Krieg bis zum Alleräußersten führen und nicht ruhen, bis das deutsche Volk völlig ausgesogen sei.“ (3)
  
Ludendorff ließ noch im August Pläne für die zentrale Steuerung der Kriegswirtschaft ausarbeiten. Das „Hindenburg-Programm“ sollte alle Ressourcen des Reiches für den Totalen Krieg mobilisieren. Im Dezember 1916 verabschiedete der Reichstag das „Gesetz über den Vaterländischen Kriegsdienst“, mit dem alle Männer zwischen 17 und 60 Jahren zur Arbeit verpflichtet wurden. Zuständig für die Kontrolle des Arbeitsmarktes waren die Militärs der Stellvertretenden Generalkommandos in den Ländern. (4) Wollte ein Arbeitnehmer den Arbeitsplatz wechseln, brauchte er dazu das Einverständnis des bisherigen Arbeitgebers. Ein paritätisch besetzter Schlichtungsausschuss entschied darüber in Streitfällen. "Damit wurden die Gewerkschaften erstmals als Sozialpartner angerkannt. (...) Im Gegenzug wurde das Streikrecht eingeschränkt." (5) Das Hindenburg-Programm sollte bis Februar 1917 eine Verdoppelung bis Verdreifachung der Kriegsproduktion erreichen. (6) Für die Bevölkerung bedeutete es Mangelwirtschaft, Hunger und Not. Die hochfliegenden Pläne Ludendorffs scheiterten jedoch und hatten eine Aufblähung des bürokratischen Apparats zur Folge.



Mangelhafte Organisation


Eine zentrale Steuerung der Medien gab es bei Kriegsbeginn nicht, Zensur und Überwachung unterstanden der Kontrolle durch die Stellvertretenden Generalkommandos der Militärbezirke. Im August 1914 wurde ein „Merkblatt für die Presse“ herausgegeben, während die regionalen Behörden zusätzlich Ausführungsbestimmungen verteilten  (siehe auch Teil III dieser Serie). Obwohl im Kriegsfall das preußische Kriegsministerium für das Militär im Reich zuständig war, gab es mit Erhard Deutelmoser
Erhard Deutelmoser Bundesarchiv Bild 183 R04159



nur einen Pressereferenten. Das Reichsmarineamt und das Auswärtige Amt verfügten außerdem über eigene Pressedienste. Nach dem Krieg machte der einstige Chef des militärischen Geheimdienstes (Abteilung IIIB), Walter Nicolai (7), dafür den Reichstag verantwortlich. (8) Das Parlament habe 1913 bei der 'Großen Heeresvorlage' die Einrichtung einer zentrale Presseabteilung im Kriegsministerium abgelehnt. 

Bei Kriegsbeginn wurde improvisiert, man lud im August Journalisten zu einer „Sprechstunde“ in den Reichstag. Dort unterrichtete sie ein Offizier über die militärische Geheimhaltung im Kriegsfall. (9) Bald fanden zwei bis dreimal wöchentlich "Pressebesprechungen“ statt, an denen zwischen 50 und 100 Journalisten teilnahmen. Sie waren für Nicolai der „Mittelpunkt der amtlichen Auskunftserteilung“, aber „die (...) von vielen Stellen getrennt und darum verschieden ausgeübte Zensur führte sehr bald unerträgliche Zustände für die Presse herbei.“ Dabei hatte man zu Kriegsbeginn die Oberzensurstelle“ eingerichtet, die "allen politischen und militärischen Ressorts als ausführendes Organ in Zensurfragen zur Verfügung“ stehen sollte. Sie verfügte über keinerlei Befehlsgewalt gegenüber den Zensoren in den regionalen Generalkommandos. Daran änderte sich nur wenig, als im Herbst 1915 beim Kriegsministerium das „Kriegspresseamt“ eingerichtet wurde. Formell unterstanden ihm die Oberzensurstelle, sowie die Kontrolle der Korrespondenten neutraler Staaten und die später eingerichtete zentrale Propagandaabteilung. Leiter des Amtes wurde der Berufsoffizier Erhard Deutelmoser, er unterstand Nicolai - und damit direkt der OHL. Ab 1917 wurde Deutelmoser zum Ministerialdirektor und Wirklich Geheimen Legationsrat im Auswärtigen Amt, er leitete die Pressestelle und übernahm ab Herbst 1917 auch die Aufgabe des Pressechefs des Reichskanzlers.

 

Bis zum Sommer 1916 waren die Zeitungen voll "bürokratisch-militärischer Kriegspropaganda". Die Zensoren wollten die Leser belehren und damit die Öffentliche Meinung steuern. Erst mit der neuen OHL setzte eine "grundlegende ‚Modernisierung der deutschen Kommunikationspolitik ein, (...) weg von konservativen, hin zu radikalnationalistischen Denkfiguren. An die Stelle der Burgfrieden-Rhetorik rückte mehr und mehr das Postulat der Volksgemeinschaft.“ (10) Die Bevölkerung sollte auf die Losung: ‚Krieg bis zum Sieg’ eingeschworen werden und dazu bediente man sich zunehmend Methoden der klassischen Produktwerbung. 

Nicolai kritisierte nach dem Krieg: „Beschränkt auf die Leitung durch militärische Hand blieb dem Pressedienst aber der wesentliche, der politische Inhalt, versagt. Je mehr in der Heimat politische Strömungen die Oberhand gewannen, die dem Kampf entsagten, um so mehr geriet der militärische Pressedienst nicht nur vor unlösbare Aufgaben, sondern musste auch an den Zielen einbüßen zu denen er geschaffen worden war.“ Ihm dürfte das vorgeschwebt haben, was Joseph Goebbels erst 1933 mit dem "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" gelang - die zentral gesteuerte Öffentlichkeit in Deutschland.
 

Allerdings darf man nicht alles für bare Münze nehmen, was Nicolai nach dem Krieg schrieb. Er war als Chef des Geheimdienstes alles andere als ein unpolitischer Administrator. So war er 1917 federführend für den „Vaterländischen Unterricht“ der Soldaten verantwortlich. Damit sollten sie ideologisch auf 'Siegfrieden’ eingeschworen werden. Nicolai griff auch aktiv in die Politik ein, er stand 1917 hinter der Gründung der ultra-nationalistischen „Vaterlandspartei“, obwohl Soldaten eine Parteimitgliedschaft untersagt war. (11) Für ihren Erfolg war die "Unterstützung, die der militärische Propagandaapparat (...) gewährte“ ausschlaggebend. (12) "Ihr rechter Nationalismus mit einem antikapitalistischen Beigeschmack, ihre Ablehnung aller konstitutionhellen Reformen und ihr Eroberungsstreben spalteten die Gesellschaft (...)". (13) Die "Vaterlandspartei" erhielt außer staatlicher Unterstützung auch massive finanzielle Zuwendungen aus der Stahl- und Eisenindustrie. Dafür propagierte sie die Annexion belgischer und französischer Gebiete mit ihren reichen Kohlevorkommen. Im Juli 1918 war die "Vaterlandspartei" mit 1,25 Millionen Mitgliedern größer als die – mittlerweile gespaltene - SPD.



Zentral gesteuerte Öffentlichkeit - Ein Wunschtraum  

 

Für Ludendorff spielte Medien bei der Beeinflussung der Öffentlichen Meinung eine zentrale Rolle. Nach Nicolais Einschätzung sah dieser „die größte Gefahr (...) in einem ungünstigen Einfluß der Presse auf die Kampfkraft der Truppe und im weiteren Umfang auf den Kriegswillen der Heimat“. Ludendorff habe in Medien „in erster Linie eine Helferin zur siegreichen Beendigung des Krieges gesehen“. (14) 

Nach der Übernahme der OHL durch Hindenburg und Ludendorff, wurden viele Kompetenzen im Reich zentralisiert. Am 4. Dezember 1916 verabschiedete dazu der Reichstag das Gesetz über den Kriegszustand. Dem Kriegspresseamt hatte bisher die vollziehende Gewalt gegenüber den Zensurbehörden der Länder gefehlt. Jetzt fühlte sich die Oberzensurstelle im Aufwind und legte am 23. Januar 1917 eine Denkschrift vor. (15) Demnach "vermittelt" die „begutachtende Behörde“ an die örtlichen Befelhlshaber die Richtlinien der Obersten Heeresleitung und seines Kriegspresseamtes. Mit dem Gesetz sei endlich eine „mit vollziehender Gewalt versehene Zentralinstanz (Kriegsminister, als Obermilitärbefehlshaber)“ entstanden. Diese "wird geeignet sein (...) der Oberzensurstelle die rasche, durchgreifende Wirkung der bindenen Entscheidungen in Einzelfällen zur Seite zu stellen, die naturgemäß praktisch auch über den Einzelfall hinauswirken.“ 

Die Oberzensurstelle sollte "im besonderen Masse den Zwecken der Vereinheitlichung der Zensur“ dienen (Unterstreichung im Original). Diesem Zweck dienten regelmäßige Besprechungen mit den Leitern der Presseabteilungen der Kommandobehörden im Reich. Deren Aufgabe bestehe darin, "unmittelbare Fühlung mit der Presse ihrer Bereiche" zu halten, betont die Denkschrift. Bei den Treffen wurde von Vertretern der Regierung und des Militärs die gewünschte Sichtweise zu aktuellen Themen vorgegeben. Protokolle dieser Besprechungen gingen an die regionalen Generalkommandos und waren „Nur für den Dienstgebrauch. Nicht zum Aushändigen an die Presse“, gekennzeichnet (16). Darin finden sich genaue Anweisungen im Umgang mit den erhaltenen Informationen: „Die mit I. bezeichneten Mitteilungen können der Presse zur Verwertung weitergegeben werden. Die mit II. bezeichneten sind „zur vertraulichen Information der Presse bestimmt, von dieser also Geheim zu behandeln. Die mit III. bezeichneten sind nur für die Zensurbehörde bestimmt.“ (17)

Nach Erscheinen der aktuellen Ausgabe, mussten die Redaktionen mit Rügen und Strafen der Zensurbehörden rechnen. Es konnten Geldstrafen verhängt, oder das Erscheinen des Blattes für eine bestimme Zeit verboten werden. Eine "Vorzensur (...)besteht nach wie vor grundsätzlich nur für klar als solche zu Tage liegende militärische Angelegenheiten (...)." (Unterstreichung im Originalder Denkschrift). Wer als Redakteur glaubte, frei über alle anderen Themen berichten zu können, war im Irrtum. Die Oberzensurstelle legte nämlich nach: „Es muss daran festgehalten werden, dass die auf unendlich vielseitigen Gebieten heute bestehende starke Verknüpfung und gegenseitige Beeinflussung auf den ersten Blick getrennter Dinge eine allgemeine und klare Scheidung von militärischen, politischen und wirtschaftspolitischen Interessen ausschließt.“  Damit bekamen die Zensurbehörden einen Freifahrtschein für jeden Eingriff.

In der Realität funktionierte das in Berlin ausgetüftelte System zur Steuerung der Medien niemals wie geplant. "Bis 1918 verfügten weder die Oberste Heeresleitung (OHL) noch die zivilen Instanzen über ein Kontrollmittel für die Armeekorpsbezirke. (...) das Bemühen um eine zentral gesteuerte Informationspolitik hatte keinen durchschlagenden Erfolg. Das Kriegspresseamt stand stets hinter den regionalen Militärs zurück. " (18)


Berlin liefert Vorgaben


Den redaktionellen Alltag bestimmte der Heeresbericht, der täglich gegen 11 Uhr von der OHL herausgegeben wurde. Er ging zuerst per Funk an die Armeekommandos der verschiedenen Frontabschnitte. Die Presse durfte über den Kriegsverlauf auf Basis amtlicher- oder halbamtlicher Quellen berichten. Damit waren vor allem die Meldungen des „Wollf`schen Telegraphenbureau“ in Berlin gemeint. Sie mussten unredigiert von den Zeitungen veröffentlicht werden. Die Oberzensurstelle verbot die Kommentierung: "insbesondere kritische Betrachtungen über den Zweck, die Durchführung und die etwaigen Folgen der militärischen Operationen bleiben weiterhin untersagt." Der Heeresbericht erschien später mehrmals täglich und ab 1918 lieferte die Agentur Kommentare zur politischen Lage.



Die regelmäßigen Besprechungen in Berlin mit den Leitern der Pressestellen liefen nach einem einheitlichen Schema ab: Zuerst referierte ein Regierungsvertreter die Sichtweise des Reichskanzlers zu aktuellen Fragen. Danach kamen Ministerien und die OHL zu Wort, abschließend wurde die aktuelle Berichterstattung thematisiert - etwa der Umgang mit Gerüchten. (19)
Am 7. April 1915 erging die Aufforderung an die Presse, künftig keine Berichte über russische Greueltaten in Ostpreußen zu veröffentlichen. So wollte man "eine Beunruhigung im Deutschen Volke (....) vermeiden.“ Dabei hatte die deutsche Propaganda entsprechende Meldungen selber an die Presse im neutralen Ausland verteilt. So wollte man der internationalen Empörung über deutsche Greuel in Belgien und Nordfrankreich etwas entgegen setzen. 

Am 16 .Juni 1915 forderte das Auswärtige Amt von der deutschen Presse mehr Zurückhaltung gegenüber den damals noch nicht am Krieg beteiligten Vereinigten Staaten. Deren Neutralität habe "eine gewisse Bedeutung für uns, (...) auch weil es zur Zeit den größten Teil der belgischen Zivilbevölkerung ernährt. Würde Belgien uns zur Last fallen, so wäre es fraglich, ob die Ruhe dort noch so gewährt werden könnte, wie bisher." 

Am 1. Mai 1916 gingen erstmals tausende Arbeiter in Berlin für Frieden und gegen den Krieg auf die Straße. Der SPD-Reichstagsabgeordnete Karl Liebknecht sprach zu den Arbeitern und rief: „Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Regierung!“ Darauf hin wurde er verhaftet und wegen Hochverrat am 23. August 1916 zu vier Jahren Gefängnis verurteilt. Der 'Burgfrieden' zwischen Arbeiterführern und Regierung wankte, Arbeiter solidarisierten sich mit Liebknecht. Die Zensurbehörden warnten im November 1916 beunruhigt vor Flugblättern, die zur Solidarität mit Liebknecht aufriefen:
 
Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart,  M 77/1 Bü 435
 

Der zunehmdenen Unruhe und Forderungen nach Frieden griffen auch auf bürgerliche Kreise über. Dieser Entwicklung wollte die neue OHL etwas entgegen setzen und verfügte am 28. November 1916 die „Freigabe der Kriegszielerörterung“. Angesichts des Erfolges gegen Bulgarien hoffte man, auf eine positive Stimmung für einen 'Siegfrieden'. Diese 'Erörterung' bedeutete aber keine offene Debatte, in der Denkschrift der Oberzensurstelle wird festgehalten, es sei nur eine "sachliche Erörterung“ erlaubt und keinesfalls die "Beeinflussung der militärischen Kriegsführung“. Vor allem durfte „die oberste Heeresleitung nicht in den politischen ‚Meinungskampf’ hineingezogen werden. (Unterstreichung im Original). Tabu blieben der Uneingeschränkte U-Boot- Krieg' und der 'Burgfrieden' . Gerade diesen galt es im „Geist der Geschlossenheit und Hingabe an die grossen nationalen Ziele zu erhalten, jede Gefährdung der Einheit des deutschen Volkes zu vermeiden und niemals den Eindruck aufkommen zu lassen, als sei der entschlossene Volkswille zum Siege schwankend geworden.“ An der Propagierung des Siegfriedens' als einzig erlaubter Lösung änderte sich nichts.


Nach der russischen Februar-Revolution 1917 wurde vom Kriegspresseamt am 19. März die Devise ausgegeben: „Wir haben keinerlei Anlass, in unserer Presse die Personen des neuen Regimes herunterzureißen und von vorneherein alle Fäden zu ihnen zu zerschneiden. Im Gegenteil, wie müssen die Verständigung auch mit ihnen, ohne solche Versuche jedoch erkennen zu lassen, immer offen lassen.“ 

Auf die Machtübernahme der Bolschewiki am 11. November 1917 reagierte man einen Tag später: die Maximalisten“ genannten Bolschewiki hätten bisher die Macht nur in einigen Städten übernommen. „Aus dem Friedensmanifest ergibt sich, dass die Maximalisten es mit dem Abschluss des Friedens außerordentlich Eilig haben.“ Gut sechs Wochen später, am 31. Dezember 1917, warnte der Pressechef des Reichskanzlers, die Bolschewiki setzten bei ihren Verhandlungen mit Deutschland auf „eine innere Spaltung bei uns(...).“ Deshalb sei es „dringend erwünscht, dass die deutsche Presse keinerlei Zeichen der Schwäche oder Neigung zeigt, von deutschen Forderungen zurückzuweichen.“



Bis Mai 1918 wurden im Reich 174 Zeitungen ganz, oder für mehrere Tage verboten. (20) Insgesamt gesehen befolgten aber die bürgerliche Presse wie die Zeitungen der Mehrheits-SPD die Zensurvorgaben aus Berlin. Die Denkschrift kam deshalb zu dem beruhigenden Ergebnis, die Vorgabe der Oberzensurstelle würden: „wohl meist von der Presse durchaus willkommen geheissen“

      (1)   Olaf Jessen, Verdun 1916, C.H.Beck-Verlag, 2014.

(2)   https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Ludendorff

(3)   Jessen, a. a. O, S. 322

(4)   Landesarchiv Baden-Württemberg – Hauptstaatsarchiv https://www2.landesarchiv-bw.de/ofs21/olf/einfueh.php?bestand=5771

(5) Daniel Marc Segesser, Der Erste Weltkrieg in globaler Perspektive, Marix-Verlag, 2013, S. 156 ff 

(6) Siehe Anmerkung 2

(7)   https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Nicolai_(Geheimdienstoffizier)


(8)  Walter Nicolai: „Nachrichtenwesen und Aufklärung“ in „Der Weltkampf um Ehre und  Recht“, Hrsg. Generalleutnant Max Schwarte, 1921.

(9)  „Unter eins, unter zwei, unter drei“, Professor Marco Althaus in Politkommunikation Juli-August 2013, S. 52 

(10) Oliver Janz, Der große Krieg, Campus Verlag 2010, S. 228
(11) Hew Strachan, Der Erste Weltkrieg, C.Bertelsmann, 2003, S. 334
(12) Gordon A. Craig, Deutsche Geschichte 1866-1945, 1999 Beck-Verlag, S. 417 ff
(13) Strachan, a.a.O. S. 334

(14) Siehe Anmerkung 8
(15) Denkschrift Nr 17793, Hauptstaatsarchiv Stuttgart

(16) "Aufzeichnungen", Ausgabe 316 vom 29.11.1917, Hauptstaatsarchiv Stuttgart

(17) Jeder Volontär lernt heute noch die drei Kategorien im Umgang mit Quellen: „unter eins“, „unter zwei“ und „unter drei“. Für Erstere gilt – darf mit Angabe der Quelle zitiert werden. Bei „unter zwei“ darf die Information zwar veröffentlicht, aber keine Quelle genannt werden ("Aus Kreisen wurde bekannt") Eine Information „unter drei“ bedeutet: Darf auf keinen Fall veröffentlicht werden, dient nur dem Hintergrundwissen. https://de.wikipedia.org/wiki/Unter_drei

(18) Jean-Jacques Becker/Gerd Krumeich, Der große Krieg, 2010, Klartext-Verlag, S. 92

(19) Siehe Anmerkung 16
(20) Jörn Leonhard, Die Büchse der Pandora, Beck-Verlag 2014, S. 584 

Donnerstag, 17. Juli 2014

Herfried Münkler - Germans to the front!


Wer Krieg als Mittel der Macht einsetzen will, der braucht - zumindest in demokratischen Gesellschaften - die Zustimmung der Bevölkerung. Nach zwei Weltkriegen, ausgelöst durch deutsche Regierungen, hält sich die Begeisterung für militärische Abenteuer bei uns noch in Grenzen. So kann Deutschland aber in der globalen Politik keine wichtige Rolle spielen und deshalb schlägt die Stunde der Ideologen. Wir sollen wieder Wehrhaft werden und diesem Ziel dient die aktuelle Debatte über die Verantwortung für den Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

Mit seinem Buch "Die Schlafwandler" hat Christopher Clark die alte Mär vom "hineinschlittern" aller Regierungen in den Krieg erfolgreich wieder aufgewärmt. Unabhängig davon, ob er dies beabsichtigt hat, Clark entschuldet die aggressive Politik des Deutschen Reiches. Damit spielt er denen in die Karten, die heute ein verstärktes militärisches Engagement Deutschlands in der Welt fordern.

Ganz vorne agiert der Berliner Politikprofessor Herfried Münkler. Aktuell vesucht er Gegner der Flugdrohnen als "Stechschrittpazifisten" (Stuttgarter Zeitung, 15. Juli 2014) zu dikreditierten. Er nutzt dabei die klassischen Tricks der Feind-Propaganda: Gegner lächerlich machen und moralisch abwerten. Wie wär´s mit 'Friedens-Ajatollahs', 'Fundi Pazifisten' oder 'Anti-Kriegs-Hetzer'  


Die Linke und ihr Widerstand gegen die Drohnen sind für Münkler altmodisch, sie agierten gedanklich in einem Bereich "den es in dieser Weise gar nicht mehr gibt - nämlich bei den klassischen zwischenstaatlichen Kriegen". Heute gehe es aber um "das Sich-fit-Machen im Rahmen dessen, dass Militär zunehmend verpolizeilicht wird". Orwellsches Neusprech a la Münkler: Soldaten zu Fittnes-Trainern, Trommelfeuer zu Polizeiaktionen.

Wo sieht Münkler den Feind?


"Die ökonomische Prosperität als wichtigste Machtressource Deutschlands hängt nicht nur am Frieden in Europa, sondern auch an der politischen und sozialen Stabilität der europäischen Peripherie. Die größte sicherheitspolitische Herausforderung des 21. Jahrhunderts wird nicht in der Gefährdung von Grenzen durch feindliche Militärverbände, sondern im Überschreiten dieser Grenzen durch gewaltige Flüchtlingsströme bestehen, die, wenn sie massiv auftreten, nicht der wirtschaftlichen Prosperität Europas zugute kommen, sondern die sozialen Sicherungssysteme der europäischen Staaten überfordern und damit die soziale Ordnung in Frage stellen.

Gleichzeitig ist Europa infolge einer Wertbindungen nicht in der Lage, diese Flüchtlingsströme an seinen Grenzen zu stoppen und zurückzuweisen, wie man dies bei einem militärischen Angriff versuchen würde. Also bedarf es einer präventiven bzw. präemptiven Stabilisierungspolitik in der europäischen Peripherie, die verhindern soll, dass solche Flüchtlingsströme infolge ethnischer bzw. religiös-konfessioneller Auseinandersetzungen, wirtschaftlichem Elend sowie der damit verbundenen Perspektivlosigkeit oder aber machtpolitischer Rivalitäten in der Region entstehen.
Das ist eine gewaltige Aufgabe, da sie sich auf einen Halbkreis bezieht, der inzwischen in der Ukraine beginnt, sich über den Kaukasus sowie den Nahen und Mittleren Osten nach Ägypten erstreckt und von dort bis in den Maghreb reicht, wobei die Probleme des subsaharischen Afrikas zusätzlich noch dazukommen."  (1)

Unsere derzeitige "Wertbindung" ist also Schuld, dass wir die Flüchtlinge nicht alle ins Meer werfen oder mit Schüssen zurücktreiben können. Deshalb müssen wir in ihren Heimatländern intervenieren - Kolonialimus 2.0. An das Volk geht die Parole: Will Deutschland den 'Platz an der Sonne' weiter behalten, muss es sich vor den Armutsflüchtlingen schützen. Globalisierung und ungerechte Verteilung? Kein Thema, jetzt muss gehandelt werden, Soldaten in Schwarz-Rot-Gold sollen an den Brennpunkten für Ordnung sorgen. 

Anno 1900 lautete beim Boxeraufstand in China die Devise des Kaisers: "Germans to the front" und Wilhelm II. forderte in seiner berüchtigten Hunnen-Rede auf, keine Gefangenen zu machen. Im 21. Jahrhundert ist die Politik vorsichtiger geworden, unter Rot-Grün - Schröder/Fischer - gab 2002 der SPD-Verteidigungsminister Peter Struck die Parole aus: "Die Sicherheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt." Die Folgen konnte man nach dem Bombardement in Kundus sehen. Kein Schreibtischtäter fragt nach Opfern, weder die traumatisierten Kriegsheimkehrer, noch die Zivilbevölkerung vor Ort. 
 
Und was hat das mit der Debatte über die Verantwortung deutscher Politiker am Ausbruch des Ersten Weltkriegs zu tun? Professor Münkler äußerte sich gegenüber der Süddeutschen Zeitung beeindruckend offen (4.Januar 2014):
Frage: Was bedeutet eigentlich für Deutschlands Identität, wenn die Alleinschuld-Theorie nicht zu halten ist?
Münkler: Es lässt sich kaum eine verantwortliche Politik in Europa betreiben, wenn man die Vorstellung hat: Wir sind an allem Schuld gewesen.

Frage: Sie meinen, Deutschland sei gefangen in einem Geschichtsbild, dass es schon 1914 die Welt ins Unglück geritten hat
Münkler: Wir neigen außenpolitisch zu dem Gedanken: Weil wir historisch schuldig sind, müssen, ja dürfen wir außenpolitisch nirgendwo mitmachen; also kaufen wir uns lieber frei, wenn es darum geht, an den Krisenrändern zu stabilisieren.

Volker Ullrich ("Die nervöse Großmacht") kommentierte am 16. Januar 2014 in der 'Zeit' den Versuch, die deutsche Kriegsschuld aus der Welt zu schaffen: "Dieser Wunsch scheint umso übermächtiger zu werden, je mehr Deutschland aufgrund seiner ökonomischen Stärke eine führende Rolle in Europa spielt." 

Münkler steht nicht allein, seit Jahresbeginn trommeln das Auswärtige Amt, Bundespräsident Joachim Gauck und die CDU-nahe 'Stiftung Politik und Wissenschaft' , um in der Bevölkerung Zustimmung für militärische Interventionen zu erreichen. (2) Dem steht noch die Erfahrung vieler Menschen an den Zweiten Weltkrieg und sein Elend entgegen. Aber diese Generation verschwindet biologisch. Selbst Helmut Kohl (Jahrgang 1930) mit seiner schauderhaften "Gnade der späten Geburt", wäre vor einer solchen nassforschen Politik zurückgeschreckt. 

Unbekümmert von geschichtlichen Katastrophen werkelt die politische Jeunesse Dorée in Berlin an neuen Instrumenten, die im schlimmsten Fall einen erneuten "Griff zur Weltmacht" heraufbeschwören könnten. Währenddessen steigt in den Ländern der Europäischen Union die Abneigung gegen die Dominanz Deutschlands. Und wir? Merken wieder mal nix! Hauptsache: "Wir sind Weltmeister" . Da fällt man beim Public-TV unangenehm auf, wenn die Nationalhymne nicht mitgesungen wird. 1914 - 2014   

(1) http://www.review2014.de/de/aussensicht/show/article/die-gefaehrliche-kluft-zwischen-schein-und-tun/pages/4.html
(2) "Kurs auf die Welt", Die Zeit, 6. Februar 2014