Donnerstag, 13. Januar 2022
Film- und Kinostadt Hamburg
Hamburg Filmstadt seit 1895
Montag, 3. Januar 2022
Meine Deutsch-Französische Familie Teil III
Vorbemerkung:
Alles was ich hier schildere wurde mir von meinen Familenangehörigen erzählt. Natürlich sind solche Berichte nur bedingt dokumentarisch, vor allem, wenn diese Geschichten jahrzehnte später erzählt wurden und alle Gesprächspartner heute nicht mehr leben. Manches habe ich aus Dokumenten ergänzt, manches mit etwas Phantasie versucht, lebendiger zu illustrieren. Diese deutsch-französische Familiengeschichte ist auch ein Spiegel einer Epoche - von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.
Copyright: Weder der Text, noch Textpassagen dürfen ohne meine Einwilligung verwendet werden, dies gilt auch für das hier verwendete Fotomaterial. Das Urheberrecht liegt alleine beim Autor.
Inferno
Am 13. August 1914 erklärte
die Republik Frankreich dem Kaiserreich Österreich-Ungarn den Krieg. Im
beschaulichen Saint Benin interessierte das aber die Familie Gaspard weniger, als der Brief, den der Postbote brachte. An
diesem Tag erhielt Vater Henri nämlich seinen Stellungsbefehl in das Korps der Territorialarmee im südlich
gelegenen Saint Quentin. Mit seinen
mittlerweile 40 Jahren gehörte er nicht mehr zu den aktiven Kampftruppen der
Ersten Linie. Seit dem 2. August hatte die Invasion der Armeen des deutschen
Kaiserreichs mit der Besetzung Luxemburgs und dem Einmarsch in Belgien
begonnen.
| Henri Paul Gaspard 1930 |
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Montag, 29. November 2021
Meine Deutsch-Französische Familie Teil II
Vorbemerkung:
Alles was ich hier schildere wurde mir von meinen Familenangehörigen erzählt. Natürlich sind solche Berichte nur bedingt dokumentarisch, vor allem, wenn diese Geschichten jahrzehnte später erzählt wurden und alle Gesprächspartner heute nicht mehr leben. Manches habe ich aus Dokumenten ergänzt, manches mit etwas Phantasie versucht, lebendiger zu illustrieren. Diese deutsch-französische Familiengeschichte ist auch ein Spiegel einer Epoche - von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.
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Das
Dorf an der ‚Selle’
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| Wappen von Saint Benin |
Montag, 22. November 2021
Meine Deutsch-Französische Familie - Teil I
Vorbemerkung:
Alles was ich hier schildere wurde mir von meinen Familenangehörigen erzählt. Natürlich sind solche Berichte nur bedingt dokumentarisch, vor allem, wenn diese Geschichten jahrzehnte später erzählt wurden und alle Gesprächspartner heute nicht mehr leben. Manches habe ich aus Dokumenten ergänzt, manches mit etwas Phantasie versucht, lebendiger zu illustrieren. Diese deutsch-französische Familiengeschichte ist auch ein Spiegel einer Epoche - von der Jahrhundertwende bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.
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Wie alles begann....
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| Heinrich und Frieda Ressing |
Am Morgen des 7. April 1913 blieb die aktuelle Ausgabe der Lokalzeitung „Gronauer Nachrichten“ auf dem Frühstückstisch der Familie Ressing unbeachtet liegen. Heinrich Ressing war viel zu aufgeregt – er wurde zum ersten mal Vater. So entging ihm, dass am Tag zuvor im Reichstag in Berlin über die „Heeresvorlage“ heftig debattiert worden war. Dabei ging es immerhin um die Mittel für eine massive Aufstockung des stehenden Heeres auf insgesamt 660 000 Soldaten. Es ging um die größte Verstärkung der Landstreitkräfte seit Gründung des Deutschen Reichs im Jahr 1871. Aber die meisten Deutschen machten sich im Frühjahr 1913 keine Sorgen, denn ein Krieg erschien kaum vorstellbar. Immerhin hatten sich doch in den letzten Jahrzehnten die wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen der Staaten Europas positiv entwickelt. Daran würde auch das aktuelle Säbelgerassel der Militärs und Nationalisten nicht viel ändern – glaubten viele Zeitgenossen. Dabei hatten auch in Europa mit dem neuen Jahrhundert die Konflikte an den Peripherien zugenommen. Die Zeitungen brachten Berichte über die Greuel der Balkankriege, in denen Serben, Bulgaren und Griechen um die Reste des Osmanischen Reichs in Europa kämpften. Aber an diesem Tag war das für Heinrich Ressing genauso wenig von Interesse, wie die Meldung, dass sich in seiner Heimatstadt Gronau die Fußballabteilungen des TV Gronau und des FC Gronau zusammengeschlossen hatten. Er wartete nervös im Wohnzimmer des Hauses in der Schiefestrasse, denn seine Ehefrau Frieda lag in den Wehen – gerade war die Hebamme angekommen.
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https://1913familienalbum.blogspot.com/2021/11/meine-deutsch-franzosische-familie-teil.html
Montag, 1. November 2021
Nürnberg 1946 - 2021
Ein
ganz normaler Saal in einem ganz normalen Gerichtsgebäude in
Deutschland. Raum Nummer 600 - Justizpalast Nürnberg. Seine Geschichte
macht den Unterschied aus. Hier fanden 1946, vor 75 Jahren, die Prozesse
gegen die Hauptangeklagten des NS-Regimes vor den Richtern aus
Großbritannien, Frankreich, den USA und der Sowjetunion statt. Es hatte
nach der Kapitulation des NS-Reiches am 8. Mai 1945 durchaus Meinungen
bei den Alliierten gegeben, die gefassten NS-Täter einfach hinzurichten.
Aber die Verbrechen waren so ungeheuerlich, dass man entschied, die
NS-Größen vor ein internationales Gericht zu stellen.
| 2021 |
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https://1913familienalbum.blogspot.com/2021/11/nurnberg-1946-2021.html
Mittwoch, 30. Juni 2021
Chios im Juni 2021 - nach acht Corona-Monaten wieder Zuhause.....
| Sonenuntergang über der Ägäis in Avghonima |
Wir hatten im Oktober 2020 nicht damit gerechnet, dass die Corona-Pandemie unsere Verbindung nach Chios derart 'stillegen' würde. Es hat acht lange Monate gedauert, bis wir wieder auf die Insel zurückkehren konnten. Dazwischen gab es nur den digitalen Kontakt zu unseren Freunden. Aber: Das Alter hat auch seine Vorzüge - so konnte ich Mitte Juni, nach meiner zweiten Impfung, problemlos wieder einreisen.
Auf den ersten Blick war es wie immer, am Flughafen Homeros auf Chios wurden die zumeist griechischen Fluggäste meiner Olympic-Propellermaschine von Anghörigen und Freunden empfangen - aber Schutzmaske war Pflicht. Was uns und vor allem den Griechen schwerfällt - körperliche Distanz. Keine Umarmungen, kein Küsschen links und rechts, das schafft ungewollte Distanz. Aber: Chios ist gerade im Frühsommer (Mai-Juni) besonders schön. Überall grünt es, an
den Straßenrändern blühen Ginster und Rhododendren, in Gärten stehen Zitronen- und Mandarinenbäume voller Früchte. Die Luft ist um diese Jahreszeit angenehm mild, Abends wird es oft kühl - was das Schlafen erleichtert. An unserem Wohnort Volissos, im Nordwesten der Insel gelegen, begrüßten uns unsere Freunde und Nachbarn Georgios und Marianna. Um sie herum die Katzen-Großfamilie, um die sich beide seit Jahren kümmern.
Nach acht Monaten 'Abstinenz' waren unsere Rendezvous schnell vergeben. Fast jeden Abend trafen wir Freunde in einer anderen Taverne, lernten so neue Restaurants kennen. Man erzählte sich, was auf Chios und in Deutschland in den letzten Monaten los gewesen war. Während auf Chios, wie den meisten Inseln, die Corona-Impfungen der Einwohner zügig umgesetzt wurden, wollten unsere Freunde das Impf-Chaos in Deutschland einfach nicht glauben. Auf Chios hatten schon vor Wochen alle Einwohner über 60 Jahre per SMS ein Impfangebot erhalten. Als wir erzählten, dass die Engpässe bei der Versorgung mit Impfstoff bei uns immer noch anhalten, burokratisches Chaos den Schutz behindert - da wollten das unsere griechischen Freunde einfach nicht glauben. Ach ja und dass unsere Bundeskanzlerin im September nicht mehr zur Wahl antritt, löste ungläubiges Erstaunen aus. Für die Griechen sind Merkel und Schäuble immer noch das Symbol für deutsche Politik.
Die Corona-Pandemie hat auch auf Chios massive Folgen für den Fremdenverkehr, obwohl er im Vergleich mit den anderen Inseln der Ägäis nur bescheidenen Ausmaße hat. Das Chios City Inn Hotel, in der Nähe der Hafenpromenade der Hauptstadt, hat derzeit höchstens ein bis zwei Gäste in der Woche, erzälte uns George Missetzis, dessen Sohn Nikos den Betrieb leitet. Hauptgrund: Der Fährverkehr für Personen zum nahegelegenen Cesme in der Türkei - acht Kilometer Luftline entfernt - wurde vor langer Zeit eingestellt. Nur noch Lastwagen landen von dort in Chios, viele werden von dort auf die Fähren zum griechischen Festland verladen. Menschen dürfen wegen Corona nicht reisen. "Die Fahrer der Trucks aus der Türkei werden bei der Durchreise nicht getestet", schimpft George. Früher kamen viele Besucher aus der Türkei für ein Wochenende nach Chios - zum Feiern und Einkaufen. Auch die Kreuzfahrtschiffe bleiben aus, was wir nicht bedauern, denn diese 'Gäste' lassen bei ihrem kurzen Landgang nur wenig Geld auf Chios. Unser Freund George Missetzis versucht, aus der Lage das beste zu machen: "Ich nutze die Zeit für die Renovierung der alten Häuser im Dorf Avghonima, die ich an Touristen vermiete." Bei ihm mieten sich im Frühjahr Orchideen-Freunde aus aller Welt ein, denn George kennt die besten Stellen, an denen sie wachsen.
Die Situation mit den Flüchtingen und dem Streit mit der Regierung in Athen hat sich - zumindest derzeit - entschärft. Seit bekannt wurde, dass die Regierung in Athen auf Chios ein zweites Aufnahmelager plante, war es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Inselbewohnern und Spezialkräften der Polizei aus Athen gekommen. Nahe der Inselhauptstadt sollte auf dem karstigen Epos-Hochplateau das zweite Lager errichtet werden und Athen schickte im vergangenen Jahr eine berüchtigte Spezialeinheit der Polizei nach Chios. Sie hätten sich aufgeführt, wie in Feindesland: "Ich bin ein friedlicher Mann, aber das war zu viel", schimpft noch heute unser Freund Georg Chalatsis, der jahrelang in Deutschland als Lehrer gearbeitet hatte. Auf Youtoube und Facebook kann man Aufnahmen der prügelnden Polizei sehen. Die Inselbewohner ließen sich das nicht bieten, und demolierten das Hotel, in dem die Polizisten untergebracht waren.
Wieviele Flüchtlinge aktuell auf Chios leben, ist unklar. Das Lager im Süden wurde hermetisch von der Armee abgeriegelt, Menschen auf das Festland gebracht - es sollen jetzt um die 1000 Flüchtlinge in Chios untergebracht sein. Die Regierung hat die Pläne für ein weiteres Lager im Nordosten der Insel aber nicht aufgegeben. Derzeit kommen aus der Türkei nur wenige Flüchtlingsboote, die Regierung in Ankara setzt auf finanzielle Unterstützung der Eruopäischen Union und hat daher die Kontrollen verschärft. Gleichzeitig wurden sogenannte push-back Aktionen der griechischen Küstenwache bekannt. Unter den Augen der EU-Polizeitruppe Frontex wurden Schlauchboote vor der Küste abgefangen und Richtung Türkei zurückgedrängt - ein absoluter Rechtsverstoß.
| Taverne Fita |
den gemeinsamen Abendessen. Die grandiose Natur - vom Meer bis zum Gebirge, Mastix-Plantagen und grünen Waldgebeiten - nahm uns erneut gefangen. Unsere Freunde Georg und Filia führten uns in das kleine Bergdorf Fita, das am Fuß des Pelineo-Gebirges im Inselnorden liegt.Direkt am zentralen Plat des Dorfes lädt eine Taverne zum Besuch ein. Die Betreiber sind ein Paar, das in Athen ein gutgehendes Restaurant hatte. Aber sie wollten ein ruhigeres Leben, übergaben das Lokal an ihren Sohn und eröffneten in Fita ihre neue Taverne.
Im Winter leben sie hier alleine, da das Dorf so richtig nur im Sommer bewohnt ist. Aber die beiden stört das nicht, sie wollen dem Stress entgehen. Allerdings ist das Lokal mittlerweile so bekannt auf der Insel, dass man am Wochenende einen Tisch auf dem Dorfplatz reservieren muss. Die Küche bietet griechisches Essen mit Pfiff. Als wir mit Georg und seiner Frau Filia angkamen, brachte ein Bauer frisch gestochenen Salat - den servierte das Lokal mit Birnenschnitzen, Rocquefort und etwas Balsamico - ein Genuss. Dazu gab es einen würzigen Muskat-Wein aus dem nahegelegenen Ariousios-Weingut - dazu dieser Blick auf das Meer - was will man mehr?!
Bei jedem Besuch auf Chios fahren wir in den Norden der Region Amani, hier ist es noch grün und die Wälder erzeugen kühles Klima. Kurz vor Aghiasmatha führt eine kleine Straße in Kurven den Berg hinauf in das kleine Dorf Leptopoda. Als wir dort ankamen, liefen wir in durch die kleinen Gassen und wurden von einer älteren Damen angesprochen:
"Wo kommt ihr her, ah aus Deutschland." Sie schien zu wissen, dass wir in Volissos wohnen - der Buschfunk funktioniert. In einer der verwinkelten Dorfgassen, steht ein kleines Kafenion. Hier können sich die Besucher selber Kaffee kochen und dann beim Abschied etwas Geld auf die Theke legen. Im Sommer belebt sich das Dorf, im Herbst fällt es dagegen in den Winterschlaf.Das schönste an der Region Amani sind die Bergwälder - überall sattes Grün. Zum Glück blieb die Region bisher von den gefürchteten Waldbränden verschont. Ein Grund dafür ist eine Bürger-Truppe von Feuerschützern (Omikron), die regelmäßig die Region überwacht, Übungen abhält und im Notfall zur Brandbekämpfung ausrückt. Sie beseitigen vertrocknetes Holz und räumen Schneisen in die Wälder um Brände einzudämmen.
Es sind immer wieder Einzelne, die sich auf der Insel für Natur oder den Erhalt von Kulturgütern engagieren.
Politiker, die vor allem Wählerstimmen im Visier haben. Unser Freund Georg, der einstige Lehrer, restauriert seit Jahren alte Wanderpfade und Handelswege aus byzantinisch-osmanischer Zeit. Zusammen mit anderen Naturliebhabern ist er das ganze Jahr über unterwegs, um sie freizuräumen und Wegweiser für Wanderer aufzustellen. Er hat dafür kürzlich einen internationalen Preis erhalten. Beim Essen erzählt er uns: "Wir haben gerade bei Fita einen Weg in die Berge geräumt. Dazu gibt es eine spannende Geschichte, denn einst gab es hier eine Blutfehde zwischen zwei Familien. Ein Mann hatte aus Eifersucht seinen Freund getötet und musste sich jahrelang in Höhlen des Bergmassivs verstecken. Er wurde dort von seiner Famlie versorgt - während die Polizei ihn suchte. Gemeinsam mit einem Schriftsteller der Insel organisieren wir jetzt eine Wanderung zu der Höhle und erzählen die Geschichte".
Am letzten Abend waren wir mit George und Marianna im kleinen Dorf Pitios, unterhalb des Pelineo-Gebirges. Hier steht ein alter Wehrturm aus der Zeit der Genuesen und die verwinkelten Gassen mit den kleinen Häusern wirken wie eine Theaterkulisse. Am großen Platz könnte man sofort ein Shakespeare-Stück aufführen - Romeo und Julia auf Chios.
In der alten Dorfschule wurde kürzlich die Taverne "Zur alten Schule" eröffnet, hier kann man auch zwei kleine Apartments mieten. Der Abend war wie aus dem Griechenland-Bilderbuch: Man betrachtet das Leben am Platz, geniesst das Essen und trinkt gemeinsam Wein - während der Mond aufgeht. Ach ja und dann war da noch der orthodoxe Priester, er kennt George und Marianna und spendierte uns den Wein. Dann kam noch der Chef des Finanzamtes in Chios vorbei und plauderte mit unserer Runde. Zum guten Schluss half uns der Tavernenwirt mit ein paar Litern Benzin aus - wir hatten vergessen zu tanken. Nach so einem Abend fiel uns der Abschied am nächsten Tag noch etwas schwerer als sonst.....
Die Chioten lassen sich auch 2021 nicht unterkriegen, was haben die Einwohner nicht alles erlebt. Vor zweihundert Jahren das Massaker der Osmanen an der Inselbevölkerung; die verheerenden Erdbeben in den 1880er Jahren; die Kämpfe um die Befreiung der Insel von den Osmanen 1912; die deutsche Besatzung während des zweiten Weltkrieges 1941-1944 mit Hunger und Elend; den Bürgerkrieg 1946/47 und die Diktatur 1967-74. Aktuell blickt man sorgenvoll Richtung Türkei, der Streit um die Seegrenzen mit Erdoghan spielt sich vor der eigenen Haustür ab. Regelmäßig hält das griechische Militär hier Manöver ab - als ich ankam hörte ich tagsüber im Norden den 'Kriegslärm'. Aber dann beruhigt es sich wieder und unsere Freunde arbeiten wieder an ihren Plänen für die Zukunft - das macht Chios für uns so liebenswert.....
Uns bleibt die Hoffnung, sofern es Corona zulässt, im Herbst wieder heimzukommen.....bis bald!
PS: Die Griechen lieben Enten und Gänse, folgendes Warnschild fanden wir nahe Volissos im Küstenort Limnia: Vorsicht Enten kreuzen...
Sonntag, 23. Mai 2021
SWR 4 - Schlagerradio: Regionale Nachrichten bald nur noch Online?
| Bald nur noch Einheits-Infogemüse auf UKW?! |
Vor kurzem sorgte eine Mitteilung des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) in Baden-Württemberg für Unruhe im Südwestrundfunk (SWR). In dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt, wird die geplante Reduzierung der regionalen Nachrichten im linearen Radioprogramm SWR 4 kritisiert. Das Schreiben richtet sich an den SWR-Intendanten, Kai Gniffke, und die Landessenderdirektorin Baden-Württemberg, Stefanie Schneider. "Mit großem Bedauern nehmen wir zur Kenntnis, dass die reichweitenstarke regionale MIttagssendung im Hörfunkprogramm SWR 4 wegfallen soll, um Kapazitäten für die Online-Berichterstattung zu schaffen." Zwar unterstütze auch der DJV das Ziel, das Onlineangebote im SWR auszubauen: "Aber dafür jetzt ausgerechnet ein Angebot zu streichen, das mit Regionalität und Aktualität gerade die Kernkompetenz des Südwestrundfunks mit großer Akzeptanz bei den Menschen verbindet, leuchtet uns nicht ein." Dies sei umso bedenklicher, da bereits die regionalen Fenster in der Frühsendung bei SWR 4 eingestellt worden seien. Jetzt strebe man "offenbar einen weiteren Wegfall von linearen Angeboten bei SWR 4 an" und damit werde die "journalistische Vielfalt in ganzen Regionen (...) in Frage" gestellt. 'Online first' dürfe nicht 'Online Only' bedeuten, kritisieren in dem Schreiben der DJV-Landesvorsitzende, Markus Pfalzgraf und die Vorsitzenden des Fachausschusses Rundfunk, Anke Vetter.
SWR: Alles Online oder was?!
Seit dem Kai Gniffke als Intendant die Geschicke des SWR im September 2019 übernommen hatte, positioniert sich sein Sender bei jeder Gelegenheit als Online-Vorreiter. So wurde bei der jährlichen Programm-Pressekonferenz im Februar - coronabedingt online - fast nur das Online-Angebot beworben. Das lineare Programmangebot - insbesonders im Hörfunk - bekam nur eine Statistenrolle zugewiesen. https://medienfresser.blogspot.com/2021/02/swr-2021-digitaler-vollrausch.html
Da scheint es angebracht, einen Blick auf die Radionutzung - Linear und Online - Bundesweit und in Baden-Württemberg zu werfen. Bundesweit erreichen alle
Hörfunkwellen in Deutschland an einem Werktag (Tagesreichweite Mo-Fr) gut 52,8 Millionen deutschsprachige Einwohner
über 14 Jahre. ARD-Programme werden dabei täglich von etwa 36 Millionen
HörerInnen eingeschaltet. Online nutzen dabei rund 6,5 Millionen Menschen insgesamt in der Republik Radioangebote - auf die ARD-Wellen entfallen dabei 2,7 MiIlionen. In Baden-Württemberg erreicht die Schlagerwelle SWR 4 pro Werktag rund 1,23 Millionen HörerInnen - die Nummer Zwei im Ländle - aber nur 48.000 Menschen nutzen es online. Zum Vergleich: die landesbezogene Pop-Oldiewelle SWR 1 kommt täglich auf rund 1,38 Millionen NutzerInnen und mehr als 100.000 Online-HörerInnen. (1)
Arbeitsverdichtung entzerren?
Die Fusion von Süddeutschem Rundfunk (SDR) und Südwestfunk (SWF) im Jahr 1998 zum Südwestrundfunk (SWR) sollte gerade den Landesbezug der Programmangebote für Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg stärken. Im Ländle hat der SWR sieben regionale Funkhäuser (Heilbronn, Mannheim, Karlsruhe, Stuttgart, Ulm, Freiburg und Friedrichshafen). Sie beliefern die Landesprogramme im Radio und Fernsehen sowie die Online-Plattformen mit Beiträgen. Zunehmend klagen MitarbeiterInnen über Arbeitsverdichtung, da sie immer mehr und schneller Inhalte produzieren müssen. "Recherche wird hier mittlerweile zum Luxus", hört man aus dem Sender - Einen Film für die Landesschau machen, dann noch vielleicht einen Radiobeitrag - passend für SWR 2 (Kulturwelle) bis Das Ding (Jugendradio), dazu noch Online für das Internet texten und Fotos anbieten.
Schon vor einiger Zeit wurde bei SWR 4 die Früh-Informationssendung mit regionalen Programmfenstern abgeschafft. Nunmehr steht die einstündige Sendung BW-Aktuell am Mittag auf der Kippe - Zumindest die halbstündigen Programmfenster aus den Regionalstudios. Übrig bliebe dann noch die einstündige Sendung um 16 Uhr - aber wie lange noch? Dazu habe ich die Landessenderdirektorin Baden-Württemberg, Stefanie Schreiber, befragt. Sie Antwortete am 21. Mai in einer Mail: "Selbstverständlich wird es weiter ein Mittagsmagazin in SWR 4 geben" aber dann eben nur "eine Sendung statt acht Sendungen." Das Programm um 16 Uhr bleibe bestehen, wie bisher und dazu werde es weiterhin die 12mal täglich ausgestrahlten regionalen Nachrichten auf SWR 4 geben. Ziel der Verlagerung in das Internet sei: "regionale Themen (...) besser in digitalen und linearen Ausspielwegen zu verbreiten." Damit wolle man künftig eben nicht nur SWR 4 HörerInnen, sondern "auch andere Zielgruppen, auch jüngere Menschen" erreichen.
Wachsende Arbeitsbelastung durch zusätzliche Anfordergungen räumte Schneider ein: "dass wir nicht immer nur 'draufsatteln' sondern auch mal auf etwas verzichten. (...) Das tun wir nun", erklärt die Landessenderdirektorin. Derzeit arbeite eine Arbeitsgruppe an einem neuen Konzept daran "wie sich Studios künftig neu aufstellen sollen, damit sie den Anforderungen besser gerecht werden. Das wird nun eine Weile dauern, Wann genau wir so weit sind (...) weiß ich noch nicht." Ihr Resümee: "Es geht also nicht um Online only, es geht auch nicht um weniger Regionales, sondern darum Regionales besser und auch auf neuen Ausspielwegen zu verbreiten, damit so viele Menschen wie möglich erreicht werden." Darauf angesprochen, dass der Bayerische Rundfunk bereits seit 2015 sein Volksmusikradio "BR Heimat" nur noch digital verbreitet (DAB+) und ob dies auch SWR 4 drohen könnte, meinte Frau Schneider: "Ausgerechnet SWR 4 rein digital zu verbreiten, halte ich persönlich für Unsinn". Warten wir ab, ob die Intendanz das auch so sieht...
(1) Alle Daten ARD-Werbung Radio-Mediaanalyse (halbjährlich) 2020/II. Dazu werden regelmäßig HörerInnen über ihr Einschaltverhalten befragt. https://www.ard-werbung.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Forschung/Radioforschung/ma_2020_Audio_II_-_agma_Pressetabellen.pdf




