Freitag, 23. August 2019
Hamburg 2019 - Meine Hamburgensien * Teil 1: St.Pauli und sein FC
Nach zehn Jahren das erstmals wieder in Hamburg - eine 'Heimatgeschichte' in mehreren Folgen: Teil 1 . St Pauli
https://1913familienalbum.blogspot.com/2019/08/hamburg-2019-meine-hamburgensien-teil-1.html
Mittwoch, 21. August 2019
Der Katzentempel in Hamburg
Ein Besuch im Cafe für Katzenliebhaber - siehe https://1913familienalbum.blogspot.com/2019/08/katzentempel-das-cafe-in-hamburg.html
Sonntag, 18. August 2019
FC St Pauli gegen VfB Stuttgart 17. August 2019
https://1913familienalbum.blogspot.com/2019/08/vfb-stuttgart-fc-st-pauli-kiez-ultras.html
Samstag, 27. Juli 2019
"They shall not grow old" Bewegende Dokumentation über den Ersten Weltkrieg
Mitte Juli 2019 kam ein besonderer Dokumentarfilm in deutsche Kinos: "They shall not grow old". (trailer link unten) Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson (Herr der Ringe) hat darin Dokumentarfilme aus dem ersten Weltkrieg bearbeiten und kolorieren lassen und mit Interviews britscher Veteranen vertont. Aufsehen erregte die Qualität der nachbearbeiteten Filme aus den Beständen des Imperial War Museums in London. Mittels aufwändiger Technik ist es Jackson gelungen, dass die Filmausschnitt wirken, als wären sie aktuell. Fachleute für Lippenlesen sprachen die Stimmen der Soldaten in den Filmszenen nach.
Das eigentlich faszinierende an dem Film, das dem Geschehen die Nähe verleiht, sind für mich nicht so sehr die restaurierten Bilder. Jackson nutzte alte Tonaufnahmen mit britischen Veteranen aus dem Archiv des Kriegsmuseums in London. Sie geben dem Film das authentische und die emotionale Tiefe. Wahrscheinlich stammen die Interviews aus den 1960er Jahren, damals produzierte die BBC eine 26 Folgen umfassende Dokumentarserie: "The great war" Die 1964 ausgestrahlte Serie, die auch im deutschen Fernsehen lief - kann heute noch auf youtube abgerufen werden (link unten) - hier sieht man Interviews mit britischen Kriegsteilnehmern über die ersten Kriegsmonate. Letztlich dürfte die Serie Jackson ästhetisch wie dramaturgisch inspiriert haben.
Jacksons Film beschäftigt sich nicht mit dem zu Kriegsbeginn auf das Festland verschiffte britischen Expeditionskorps (BEF), das Mitte August 1914 an die Front in Belgien kam. Das BEF umfasste 5 Divisionen mit Berufssoldaten (4 Infanterie, 1 Kavallerie). In den blutigen Schlachten von Mons in Belgien und Le Cateau in Nordfrankreich, wurde die Truppe im August 1914 dezimiert. https://1913familienalbum.blogspot.com/2014/08/le-cateau-1914-der-krieg-kommt-zu.html Danach beteiligte sie sich am Vorstoß zur Kanalküste, um einen deutschen Umgehungsversuch abzuwehren. Ende 1914 war die BEF ausgebrannt, man konnte die Front nur durch die schnelle Herbeiführung indischer Truppen halten. Auf der anderen Seite standen dagegen mangelhaft ausgebildete und ausgerüstete deutsche Reservedivisionen, die bei den Angriffen in Flandern - Langemarck-Mythos - von den gut ausgebildeten BEF-Soldaten zusammengeschossen wurden. Über diese Vorgeschichte berichtet Jacksons Film nicht - was seinen Wert nicht mindert.
Man merkt es "They shall not grow old" an, dass Peter Jackson ein versierter Spielfilm-Regisseur ist (Herr der Ringe). Sein Dokumentarfilm startet mit schwarz-weiß Aufnahmen im kleinen Bildformat, erst später öffnet sich das Bild auf die volle Größe und wird farbig. Zu Beginn hört man aus dem Off eine gepfiffene Melodie. Erst beim Abspann - daher lohnt es sich den Film bis zum letzten Meter zu sehen - wird daraus der gesungene Text des britischen Soldatenliedes "Mademoiselles of Armentieres". (link unten) Die Dramaturgie des Films läuft auf einen großen Angriff hin und endet mit dem Waffenstillstand
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| Deutsches Bajonett 1. Weltkrieg |
| Deutsches Kamerateam |
Bekanntlich gibt es kaum dokumentarische Filmaufnahmen von Kampfhandlungen, das ließen die sperrigen Kameras nicht zu. Die Kampfszenen in Wochenschaufilmen dieser Zeit wurden nachgestellt - das weiß auch Jackson. Daher nutzt er hier Bilder, die Kriegszeichner vom Nahkampf angefertigt haben - propagandistisch voll heroischer Posen. Tief beeindruckende sind aber die Tonaufnahmen der Veteranen. Bei der Schilderung, wie er einen schwer verletzten Kameraden erschießen musste, um ihn von seinem Leid zu erlösen, beginnt der Veteran hörbar zu weinen. Die Erinnerungen lassen die Betroffenen nicht los und ihre Dämonen verfolgen sie ein Leben lang.
Jacksons Film dürfte auf einer großen Leinwand sicherlich beeindruckend sein, aber die DVD-Version hat Vorteile. Einerseits ist eine britische Untertitelung abrufbar, was das Verständnis des Gesprochenen erleichtert. Dazu kommt das Interview mit dem Regisseur nach der Uraufführung im Londoner Kinosaal, indem er von den Arbeiten am Film und seiner Motivation erzählt. Die BBC hat den 95minütigen Film 2018 ausgestrahlt - in Kinos lief eine 3-D-Version. In Deutschland ist der Film nur wenige Tage im Juli 2019 gelaufen - ob er in das deutsche Fernsehen kommt, ist fraglich - wäre aber wünschenswert. Auf jeden Fall ist "They shall not grow old" ein fesselnder und berührender Dokumentarfilm, der auch zeigt, weshalb der 1. Weltkrieg in Großbritannien bis heute stärker im Gedächtnis ist als der 2. Weltkrieg.Zwischen 1914-1918 starben mehr Soldaten des britischen Empires als zwischen 1939-1945.
Filmtrailer Trailer auf Youtube:
https://www.youtube.com/watch?v=YPlXlshA0Zc
Song "Mademoiselles of Armentieres:
https://www.youtube.com/watch?v=z9mCN9eeYXM
BBC Serie "the great war" 1964: Youtube eingeben: The great war
Buchtipps:
Frederic Manning: 1930 in England "Her privates We", Deutsch 1966 "Soldat Nr 19022" Wunderlich-Verlag
Ben Macintyre: "Ein Dorf in der Picardie"
Timothy Findley "Der Krieg und die Kröte" Fischer Taschenbuch 1980
Pat Barker: "Niemandsland", Hanser Verlag 1997
Sebastian Faulks: "Gesang vom großen Feuer" Schöffling Verlag 1997
Joseph Boyden: "Der lange Weg" Knaus 2005
Ronald Skirth: "Soldat wider Willen" Rowohlt
Sonntag, 14. Juli 2019
DAB: Landtag Niedersachsen fordert einstimmig das Aus
Am 19. Juni 2019 hat der niedersächsische Landtag in Hannover einem Antrag zugestimmt, der die Landesregierung auffordert, die Finanzierung des digitalen Radiostandards DAB+ aus der Rundfunkabgabe zu beenden. Darüber hinaus solle sich die Landesregierung (SPD-CDU) gegen die Einstellung der UKW-Verbreitung aussprechen und gemeinsam mit den anderen Bundesländern ein abgestimmtes Konzept für die "digitale Radiozukunft" erarbeiten. Interessant an diesem Beschluss ist, dass alle Fraktionen des Landtages, also nicht nur die Opposition von AfD, Grünen und FDP dafür votierten, sondern auch die Regierungsfraktionen von SPD und CDU. Auslöser des Antrages war die vom Landesrechnungshof Niedersachsen im August 2018 in einem Bericht geforderte Beendigung des DAB+ Projektes. Die oppositionelle FDP hatte daraufhin einen Antrag im Landtag eingebracht, der im Ausschuss für Rechts- und Verfassungsfragen diskutiert und dann in geänderter Form einstimmig an den Landtag weitergeleitet worden war.
Im jetzt einstimmig verabschiedeten Antrag wird darauf hingewiesen, dass seit mehr als 20 Jahren Mittel der öffentlich-rechtlichen Rundfunkgebühren in DAB+ geflossen seien: "ohne dass sich das digital-terrestrische Radio bislang am Markt nachhaltig etablieren konnte." Dagegen würden Hörer zunehmend digitale Programme über das mobile oder stationäre Internet nutzen. "Dennoch sind durch das Festhalten an DAB+ alle Hörfunk-Anbieter gezwungen, in eine Technologie zu investieren, die nur für den Übergang dient."
Die Debatte am 19. Juni im Landtag zeigte Einigkeit der Fraktionen darin, dass DAB+ am Markt gescheitert und darüber hinaus nicht mehr zukunftsfähig sei. Deshalb müsse man sich "von der Förderung von DAB+ über die Rundfunkbeiträge verabschieden", sagte für die FDP Stefan Birkner.* Für seine Fraktion ist DAB+ eine "teure Übergangstechnologie (...) die nicht zielführend ist." Die FDP plädiert daher für einen Aufbau "zukunftsoffener Technologien, wie z.B dem 5G Standard."
Der SPD-Sprecher Alexander Saipa betonte: "dass hierzulande Radio von den Menschen überwiegend über UKW gehört wird." Außerdem habe sich DAB+ als nicht mehr ganz moderne Technik" bei den Verbrauchern nicht durchsetzen können. Nur 6% der Hörer würden vorwiegend über DAB Radioprogramme empfangen, 70% dagegen über UKW-Geräte."Ich finde, diese Zahlen können wir nicht ignorieren", meinte Saipa für seine Fraktion.
Der AfD-Vertreter, Christopher Emden, nutzte die Debatte, wie bei seiner Partei üblich, zum Generalangriff auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und seine Finanzierung. "Die Diskussion zeigt, wohin Rundfunkbeiträge führen können.(...) das zeigt wieder einmal, dass die Situation bei den Rundfunkbeiträgen heutzutage marktwirtschaftlich überhaupt nicht vertretbar (...) und für niemanden aufseiten der Zuhörer mehr akzeptabel sein kann." Er wandte sich gegen den "Rundfunkbeitragswahn". (zum Verhältnis AfD und öffentlich-rechtlicher Rundfunk siehe auch: https://medienfresser.blogspot.com/2017/05/afd-kulturzerstorer.html
Christian Meyer von den Grünen wies darauf hin, dass nach der Abstellung der UKW-Verbreitung in Norwegen die Radionortzung dort eingebrochen sei. Dort überlege man jetzt, zu UKW zurückzukehren. Die Gelder für DAB+ seien in Qualitätsjournalismus, Recherche und Vielfalt "deutlich besser angelegt."
Für die CDU machte es Clemens Lammerskitten kurz, für seine Fraktion seien: "UKW und DAB+ (...) Übergangslösungen", dagegen brächten Internet und Mobilfunk mit G5-Technik ein "zukunftsträchtiges Radio."
...und was folgt aus dem Landtagsbeschluss?
Seltsamerweise blieb die öffentliche Resonanz auf den eintimmigen Beschluss der Landtagsfraktionen in Niedersachsen überschaubar. "Offen gestanden verstehe ich das auch nicht so ganz", sagte am 3. Juli in Hannover der für Medienfragen zuständige Chef der Staatskanzlei, Dr. Jörg Mielke auf Nachfrage. Er räumte allerdings ein: "Die unmittelbaren Folgen sind überschaubar", da letztlich die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs (KEF) den Geldbedarf der Öffentlich-Rechtlichen prüfe und nicht der Landtag. "Zum Thema DAB+ wird die niedersächsische Landesregierung im Rahmen der nächsten Sitzungen von Rundfunkkommission und Minsterpräsidentekonferenz aktiv werden" kündigte Mielke weiter an - aber: "Von Niedersachsen ausgehend, wird es kein medienpolitisches Beben geben." Die Kritik teilt Dr. Mielke: "DAB+ ist eine überholte Technik, die sich am Markt nicht durchgesetzt hat, eine Technik von Vorgestern, die mit Geldern von heute finanziert wird. Man darf aber schlechtem Geld nicht Gutes hinterherwerfen." Eine Abschaltung der UKW-Verbreitung sei nicht bürgerfreundlich, allerdings würden die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten selbstständig über ihre technischen Investitionen entscheiden. Man werde jetzt mit dem Norddeutschen Rundfunk über die Sachlage sprechen. Vorrangig geht es der Landesregierung dabei um die anstehende Änderung des NDR-Staatsvertrages - DAB+ sei da nur ein Thema, betonte der Chef der Staatskanzlei.
Ob die geplante Änderung des Rundfunkfinanzierungs-Staatsvertrages bis zum Jahresende unter Dach und Fach kommt, ist man sich anscheinend in Hannover nicht sicher. So ist man wohl beim geplanten Index-Modell zur Rundfunkabgabe weit gekommen, aber immer noch stellen sich die Bundesländer mit FDP-Regierungsbeteiligung noch quer. Faktisch wird es erst im Herbst, nach den Landtagswahlen in den Ost-Bundesländern, eine Entscheidung geben. Gelingt die Reform nicht bis Jahresende, dürfte das Thema Neuorganisation der Rundfunkabgabe insgesamt vom Tisch sein - angesichts dieser Probleme ist DAB+ für die Politiker nur ein Nebenschauplatz.
....Krokodilstränen der Privaten - was will, die ARD?
Der Verband Privtater Medien VAUNET begrüßte den Beschluss des Landtages in Hannover als "richtungsweisend", so ihr Sprecher Klaus Schunk, Chef des Privatsenders Radio Regenbogen in Mannheim. Gegenüber dem Online-Dienst Meedia meinte Schunk optimistisch, der Beschluss werde über die Landesgrenzen hinaus Wirkung zeigen. Für ihn ist klar, DAB+ hat sich trotz langjähriger Werbekampagnen nicht durchgesetzt und liegt weit hinter den Möglichkeiten digitaler Verbreitung. Gegenüber dem Online-Mediendienst DWDL sagte Schunk, Radioprogramme müssten Individuell für einzelne Nutzer adressiert werden und unmittelbare Interaktivität sowie die Einbindung von Videos ermöglichen. Es geht also um die Vermarktung der Online-Radionutzung zu Werbezwecken. Mittels 'Targeting' wird jeder Onliner mit seiner individuellen Internetnutzung ausgewertet, um ihm dann speziell zugeschnittene Werbung auf der angeklickten Internetseite einzublenden. Das kann DAB+ nicht, denn die Technik verfügt über keinen Rückkanal. Die Privatradios setzen vermehrt auf die mobile Radionutzung per Smartphone und anderer Online-Empfangsgeräte, denn die Werbeindustrie sieht dort große Chancen.
Allerdings waren die kommerziellen Radioveranstalter nicht immer so Ablehnend gegenüber DAB+ hoffte man doch so zusätzliche Programme starten zu können. Die Begrenzung der UKW-Frequenzen setzt der Entwicklung des Kommerzfunks enge Grenzen, das versprach DAB und DAB+ zu beenden. Allerdings gefiel das nicht allen Privatfunkern, denn es drohte zunehmend Konkurrenz um den Hörer- und Werbemarkt. Mit der Entwicklung des schnellen Internets bot sich die Chance auf Online-Senderfamilien - Problem nur war der mobile Empfang. Durch den schnellen Ausbau des mobilen Internets scheinen diese Grenzen für Radio per mobilem Internet behoben. Jedoch noch im Oktober 2016 hatten die Privatfunker eine jährliche Subventionierung von 25 Mio Euro für die DAB-Verbreitung gefordert. Sie konnten und wollten die Kosten für die für auf Jahre nötige gleichzeitige Verbreitung ihrer Programme über UKW und DAB+ (multicast) nicht tragen. Daher forderte der VPRT - heute VAUNET - noch im Dezember 2016 eine DAB-Förderung in Höhe der Öffentlich-Rechtlichen Ausgaben - 500 Mio Euro für zehn Jahre. Jetzt scheint davon mehr die Rede zu sein - Online und 5 G lautet das Zauberwort. Dabei wissen die Radiomacher, der Ausbau des neuen Mobilfunknetzes wird lange dauern und vor allem Privatkunden werden 5 G wohl nur erst in Ballungsräumen nutzen können. Landesweite Radioprogramme werden auch weiterhin auf UKW und/oder DAB+ angewiesen sein. Sollten die Kommerziellen Veranstalter von den Kosten für die technische Verbreitung befreit werden - etwa durch Finanzierung aus der Rundfunkabgabe - dürfte das ihre Kritik am Digitalradiostandard wohl besänftigen.
...und nun?
Wahrscheinlich werden die ARD-Anstalten weiterhin auf DAB+ setzen, denn die meisten ihrer Radioprogramme sind werbefrei - Tendenz zunehmend, siehe WDR-Änderung. Die Privaten setzen zwar zunehmend auf die mobile Radionutzung per Mobilfunk, ermöglicht sie doch zielgenaue Werbung und erreicht vor allem jüngere Hörer. Gleichzeitig bleibt für Komerzielle wie die ARD aber UKW auf absehbare Zeit unersetzbar.
Siehe auch:
https://medienfresser.blogspot.com/2018/08/rechnungshof-dab-lieber-ein-ende-mit.html
https://medienfresser.blogspot.com/2018/05/digitalradio-dab-mit-ruckenwind-in-den.html
https://medienfresser.blogspot.com/2016/12/digitalradio-privatsender-wollen-500.html
https://medienfresser.blogspot.com/2016/07/digitalradio-wird-dab-vom-internet.html
https://medienfresser.blogspot.com/2016/03/digitalradio-muder-applaus.html
https://medienfresser.blogspot.com/2015/11/dab-wachst-sich-tot.html
https://medienfresser.blogspot.com/2014/03/kef-macht-druck-beim-dab-digitalradio.html
https://medienfresser.blogspot.com/2013/09/digitalradio-dab-weitere-subventionen.html
* Zitate der Debatt, Landtagsprotokoll 51. Plenarsitzung.
Mittwoch, 10. Juli 2019
Griechenland Wahlen: Alles klar?
"Schlappe für Tsipras – Konservative gewinnen Parlamentswahl" (WELT), "Deutliche Niederlage für Tsipras" (FAZ), "Linke Abgewählt" (Focus), "Konservative Wende in Athen" (taz)
So titelten bundesdeutsche Zeitungen nach dem Wahlergebnis in Griechenland: "Die Berichterstattung in den deutschen Medien zur Wahl in Griechenland war nur peinlich", meint dazu der griechisch-schwäbische Professor Athanasios Marvakis. Der in Thessaloniki lehrende Psychologe war am 8. Juli - also einen Tag nach der Wahl - in Stuttgart und stellte auf einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung seine Sicht der Dinge dar.
| Chios 2018 |
Erleichtert äußerte sich Marvakis, dass die Nazi Partei Chrysi Avghi (GoldeneMorgenröte) den Einzug in das Parlament - wenn auch nur knapp - verfehlt hat. Derzeit gehen die Prozesse gegen die Führung der Partei wegen diverser Verbrechen dem Ende entgegen. Da die angeklagten Parlamentarier nicht mehr über die Immunität verfügen könnten und auch die Mittel vom Parlament wegfallen, bringe die Neonazis und die ihrer Abgeordneten-Immunität verloren gegangenen Angeklagten jezt in Schwierigkeiten. Das Geld für die Prozessführung versiegt. Die Nea Demokratia habe mit ihren knapp 40% Wählerstimmen Konservative und Rechte wieder auf sich vereinen können. Das werde aber sicherlich noch interne Probleme zwischen den Flügeln mit sich bringen, meint der Professor aus Thessaloniki. Auf der anderen Seite hätten auch viele Autonome und Anarchisten Syriza gewählt - als kleineres Übel. Sie fürchten unter der neuen Regierung für die Polzie und Sicherheitskräfte einen Freibrief für Angriffe. "Das Bipolare System in Griechenland hat sich erneuert, Rechte gingen zur ND, Linke haben sich aber nicht der Pasok-Nachfolgepartei zugewandt, sondern sind bei Syriza geblieben", sagt Marvakis. Dabei sei die Pasok-Nachfolgepartei letzlich froh darüber, dass die ND keinen Koalitionspartner brauche, dass hätte für die Rest-Sozialisten sicherlich zu einer Zerreisprobe geführt.
siehe auch: https://medienfresser.blogspot.com/2016/06/griechenland-ein-jahr-nach-dem-oxi-was.html
und: https://medienfresser.blogspot.com/2015/03/griechenland-aufklarung-statt.html
Radio Dreyeckland Freiburg Interview: https://rdl.de/beitrag/syriza-steht-auf-t-nernen-f-en?fbclid=IwAR2hKep1NqixIm5sD-ZApHI-IRCY18UK1d86NflAN1bTBtnJP3ETvXmPlrQ
Mittwoch, 29. Mai 2019
SWR-Intendantenwahl 2019: 'It's a man's world'...
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| Kai Gniffke nach der Wahl |
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| Erleichterung im Saal |
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| ...zuvor Kopf an Kopf Rennen |
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| Erster Wahlgang gescheitert - Konfusion |
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| Voll besetzte Pressebänke |
Der SWR hatte für die Intendantenwahl groß aufgefahren, so wurde die Sitzung per life-stream im Internet übertragen. Erstmals waren auf der Pressebank die Plätze per Namensschild zugeteilt - sonst erscheinen höchstens ein bis zwei Medienvertreter zu den Sitzungen. Diesmal war rund ein Dutzend Berichterstatter im Saal, dazu Kamera- und Radioteams des SWR. Das Medieninteresse hatte eine einfache Ursache, hatte es doch im Vorfeld der Wahl öffentlich Auseinandersetzungen um das Verfahren und die Kandidatenkür gegeben. Nachdem der amtierende Intendant, Peter Boudgoust, im Dezember 2018 überraschend den vorzeitigen Rückzug vom Amt angekündigt hatte, war das Kandidatenkarussel medial in Schwung gekommen. Aus dem Haus hatten sich neben Schneider weitere Bewerber gemeldet, ein Findungsausschuss der SWR-Gremien hatte aber dem
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| Boudgoust und Büttner schauen zu |
'Einzug der Gladiatoren'.....
Auf der öffentlichen Sitzung des Rundfunk- und Verwaltungsrates erhielten beide Kandidaten die Gelegenheit, in fünfzehminütigen Statements ihre Bewerbung zu begründen.
Kai Gniffke verzichtete auf das Stehpult, nahm sich ein Mikrophon und präsentierte sich als lockerer Anchorman. Dabei geht ihm durchaus der Ruf voran, im Umgang mit Mitarbeitern oftmals den "Harten Hund" und machtbewussten Macho zu geben. Zumindest war dies in zuvor in Presseberichten kolportiert worden. So kam mir bei seinem Vortrag der Verdacht, er habe zuvor beim Frühstück viel Kreide verdrückt, denn umgehend kündigte er an, als Intendant viel mit den SWR-Mitarbeitern reden und eine "gute Veränderungskultur" im Sender erreichen zu wollen. So müsse man auch mal Mitarbeiter in den Arm nehmen können, außerdem wolle er Führungspositionen im Sender paritätisch mit Frauen besetzen. Spannend - sind doch beim SWR beide Landessender-Direktorenposten mit Frauen besetzt. Gniffke kündigte weiter an, in Baden-Baden ein programmliches Kreativ-Center einrichten zu wollen: "eine Hexenküche für neue Formate", mit dort entwickelten Fiction Formaten wolle er auch Netflix Paroli bieten können. Gleichzeitig müsse die bisherige Aufgabenverteilung im Sender und zwischen den Standorten einer Prüfung unterzogen werden. Gniffke betonte, beim SWR-Fernsehen werde künftig effizienter gearbeitet werden, um Kosten zu sparen. Sein Credo: der SWR müsse mehr mit den Menschen reden, auch mit denen "die uns weghaben wollen." Stefanie Schneider - öffentlich immer etwas steif und trocken - stellte sich hinter das Stehpult und referierte. Sie konzentrierte sich in ihrem Vortrag auf ihre langjährige Kompetenz und ihre Verdienste: "Ich kennen den SWR, seine Stärken, seine Schwächen, seine Untiefen". Sie betonte, der SWR erreiche täglich mit seinen Radioangeboten sieben Millionen Hörer und mit dem Dritten Fernsehen drei Millionen Zuschauer. Deshalb sei der SWR ein starker Sender "und keine Klitsche!" Auch sie möchte ein Entwicklungslabor für neue Formate einrichten und die Kompetenzverteilung zwischen den Standorten diskutieren. Künftig müssten die permanenten Abstimmungsprozesse reduziert werden, dabei dürfe aber kein Standort "unter die Räder kommen" betonte die Landessenderdirektorin. Ihr Wunsch: Mehr Querdenker im SWR, um so die verschiedenen Kulturen im Sendegebiet erreichen zu können. Schneiders Credo: "Ich möchte in den nächsten Jahren mehr über Journalismus reden im Sender!"
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| In - oder auf den Arm nehmen...?! |
Wer nach den Bewerbungsreden mit einer lebhaften Diskussion gerechnet hatte, wurde enttäuscht, es gab nur wenige Nachfragen. Dabei hätte es genug Themen gegeben: Sparzwang, Arbeitsverdichung, Outsourcing, heimattümelnde Programmangebote im Fernsehen, keine Moderatoren mit Migrationshintergrund beim Südwestfernsehen. Der Grund für das vermeintliche Desinteresse der Gremienmitglieder lässt sich leicht erklären. Wie in den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten üblich, gibt es politisch zugeordnete "Freundeskreise". Sie tagen immer vor den Gremiensitzungen und hier werden Themen wie Postenvergaben diskutiert. Beim SWR gibt es davon Vier: Die Schwarzen (CDU-Nah), die Roten (SPD-Nah), Lila (Frauen) und Graue (Unabhänge). Darauf angesprochen meinte ein Gremienmitglied, die Kandiaten hätten dort zuvor ihre Vorstellungen präzisiert. Für diese - nichtöffentlichen - Sitzungen, stellt der SWR Räume zur Verfügung. Schon bemerkenswert, denn diese 'Freudeskreise' sind in keinem Staatsvertrag als Gremien vorgesehen.
Was lernen wir?
Schon bezeichnend, wenn beide Kandidaten einerseits eine offenere Diskussionskultur forderten, faktisch aber alles nichtöffentlich hinter verschlossenen Türen stattfindet. Transparenz sieht anders aus. Auf Nachfrage erklärte man mir, es sei nach der Wahl keine Pressekonferenz mit dem neuen Intendanten geplant. Darauf angesprochen meinte ein Mitglied der Geschäftsführung trocken: "Fordern Sie das doch ein!"
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| Äffle und Pferdle - vom Markenzeichen zum Garderobenständer... |
Erneut ist beim SWR ein Mann zum Zuge gekommen. Bezeichnenderweise hatte es zuvor Medienberichte gegeben, die über ein persönliches Zerwürfniss zwischen den beiden Landessenderdirektorinnen spekuliert hatten. Ja ja, typischer Zickenkrieg also, dass lässt sich medial gut verkaufen - so arm....Nie hat man bei der Wahl von Boudgoust oder seines Vorgängers Peter Voß - bekannt für seine herrische Art - in der Presse ähnliches lesen können.
Intendant Gniffke wird es nicht einfach haben, denn die SWR-Landessenderdirektoren haben viel Macht, ihnen unterstehen die Redaktionen für die getrennten Landesprogramme (Radio SWR 1, SWR 4 - Südwestfernsehen, Landesschau, Zur Sache). Die beiden Direktorinnen dürften Gniffke schnell klarmachen, dass er seine Pläne nicht ohne Kooperation mit ihnen umsetzen kann.
Und wo bleibt das Positive? Zumindest beim Catering hatte der SWR - diesmal wenigstens - von alten Traditionen Abstand genommen. Servierte man früher neben belegten Häppchen den bekannten schwäbischen Eintopf "Gaisburger Marsch", bekamen die Gremienmitglieder diesmal nach getaner Arbeit ein Multi-Kulti-Buffet - sogar an die Veganer unter ihnen hatte man gedacht......
Zm Nachlesen
SWR 2019: ...time to say goodbye










